Offene Himmel

von Yelava
GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
Abigail Emily Farmer (weiblich) Leah Sebastian Shane
09.01.2020
16.03.2020
10
16.009
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09.01.2020 601
 
Die Rosenschmiede war wie üblich gut belegt. An fast jedem Tisch saßen Mitglieder des Ordens oder Dorfbewohner, im Gespräch vertieft, bei gutem Essen. Die Atmosphäre war entspannt und gelöst, außer an unserem Tisch.
Der Kommandeur hatte sein Glas noch nicht angerührt. Er saß da, elegant wie immer, das rechte Bein über dem linken Knie, die Hände im Schoß verschränkt. Seine Haare fielen ihm ins Gesicht, verdeckten seine Augen, er war vollends in Gedanken. Ich hatte befürchtet, dass er meine Entscheidung nicht gutheißen würde, aber dass er gar nichts sagte...? Ich nahm einen Schluck aus meinem Glas, die Bewegung schien ihn aus seinen Gedanken zu reißen. Er seufzte, strich sich das rostrote Haar aus den Augen und sah mich an.
„Und du bist dir absolut sicher, Ti?“ In seiner sonst so beherrschten Stimme klang Bedauern und Besorgnis mit. Ich nickte.
„Absolut. Es ist alles vorbereitet. Ich muss mich nur noch verabschieden.“ Wieder senkte sich Stille über uns. Ich wusste, dass es ihm nicht gefiel. Er würde nicht auf mich achten können, wurmte ihn das so sehr?
„Ich hatte befürchtet, dass auch Ithilias Himmel dich nicht würde halten können“, sagte er schließlich. „Aber ich muss zugeben, dass es mir nicht gefällt, dich ziehen zu lassen, schon gar nicht so weit entfernt.“ Er rang sich ein Lächeln ab.
„Ein klarer Schnitt, ein Neuanfang. Hast du mir auch empfohlen.“ Er hob die Hand, abwehrend?
„Ich weiß. Ich dachte, dass der Orden dir geben kann, was du suchst, aber ich fürchte, dass unsere Arbeit dir nicht wirklich hilft.“ Er atmete tief ein. „Und, wo soll es hingehen? Was hast du vor?“ Dieses Mal war ich es, die einen Moment schwieg. Was ich vorhatte würde ihm noch weniger gefallen.
„Nun“, begann ich schließlich, „wie ich sagte, ein Neuanfang. Alles auf Null.“ Einen Moment dachte ich über meinen nächsten Satz nach. „Tira-“, ich unterbrach mich selbst. „Lukas hat einen, naja, Freund möchte ich nicht sagen, eher Bekannten, einen Illusionisten. Ein seltsames Völkchen, weißt du ja. Dieser Illusionist im speziellen scheint eine Art Naturmagier zu sein, aber kein Druide... Egal, Lukas scheint ihn jedenfalls ganz gut zu kennen und hat mir eine Bleibe besorgt. Eine alte, brach liegende Farm, irgendwo im Nirgendwo, in einem Tal, in dem offenbar Magie noch eine Rolle spielt...“
„Eine Farm.“ Das war keine Frage gewesen.
„Ja“, sagte ich schlicht. Und da war es, dieses schelmische, fast spöttische Lächeln, was mich immer so an ihm faszinierte. Und dieses Mal war es echt, ernst gemeint.
„Du willst auf eine Farm in einem Tal, die Götter allein wissen wo, ganz allein, und dann was? Schafe züchten?“
„Ich dachte eher an Ackerbau. Blumen.“ Er grinste und nahm einen Schluck aus seinem Becher.
„Wenn du Wein anbaust, sag Bescheid. Dann komm ich mal vorbei.“
„Mike!“ Einen Moment lachten wir beide, unbeschwert, als würden keine Schatten über unser beider Leben hängen. Dann wurde er wieder ernst.
„Und, wer wirst du dann sein? Lady Tisiphona von Carreas oder Tica vom Ebenholzwald?“
„Tica“, antwortete ich, entschlossen. „Ich will keine alten Lasten in mein neues Leben mitnehmen.“ Ich sah, wie er seinen Becher in der Hand drehte, gedankenverloren.
„Auch uns nicht?“, fragte er schließlich, für meinen Geschmack etwas zu leise.
„Ihr seid meine Freunde, Manu, Lukas, Saya und du. Meine Tür steht euch stets offen. Ihr wart schließlich auch immer für mich da.“ Er nickte, dann stellte er seinen Becher wieder ab.
„Du wirst mir fehlen, Tica. Aber ich wünsche dir von Herzen, dass du deinen Himmel findest und glücklich wirst, völlig egal wo.“ Wehmut lag in seinen blaugrünen Augen.
„Danke, du wirst mir auch fehlen.“ Er lachte.
„Das hoffe ich doch!“
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