Dark Raven

von Reno VII
OneshotAllgemein / P12
Mystique / Raven Darkholme Nightcrawler / Kurt Wagner
08.01.2020
08.01.2020
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Hey ihr Lieben!
Mir kam eine kleine Idee. Ganz spontan und ich bin gespannt, was ihr davon haltet und ob ihr eventuell noch Lust auf eine mögliche Fortsetzung habt, die mir noch im Kopf herumschwirrt.
Aber ich will nicht zu viel vorweg sagen.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.! :)

Anmerkung: Dieser Oneshot wurde durch die Szene in „X-Men: Apocalypse“ inspiriert.

Disclaimer: Der Inhalt meiner Geschichte ist rein fiktiv, alle bekannten Charakter gehören nur ihren Schöpfern und nicht mir. Ich verdiene mit dem Schreiben meiner Geschichten kein Geld.


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Dark Raven


---Ost-Berlin, Deutschland – 1983 ---


Ein anderer Ort.
Wieder einmal. Die letzten zehn Jahre hatten sie um die ganze Welt geführt, so schien es und nirgendwo, wirklich nirgendwo, schienen die Mutanten einen sicheren Zufluchtsort zu kennen. Wohin sie auch kam, bot sich ihr immer wieder dasselbe Bild. Dasselbe, schockierende Bild. Es hatte sich mittlerweile so sehr in ihren Kopf gebrannt, dass sie es kaum mehr zu vergessen mochte. Wenn sie nachts die Augen schloss, um Schlaf zu finden, suchte dieses Bild sie heim. Wieder und immer wieder.
Mutanten.
Geschöpfe, wie sie selbst eins war, die um ihr Leben, um ihr Überleben, kämpfen mussten. Und dieser Kampf kannte so viele Gesichter, so viele Facetten... Es war ihr unbegreiflich, wie in dieser Welt, einer doch lebensfrohen, vielfältigen Welt, doch so viel Schlechtes existieren konnte. All die schrecklichen Dinge, die sie gesehen hatte und all die Freunde, die sie in der Vergangenheit verloren hatte...
Es schmerzte.
Manchmal so sehr, dass sie glaubte, keine Luft mehr zu bekommen. Sie fehlten ihr. Banshee. Tempest, Azazel... Sie hatte sie alle verloren. All die Mutanten, die ihr im Laufe der kurzen Zeit, die sie an ihrer Seiter verbringen durfte, Freunde geworden waren. Manchmal auch Feinde und dann hatte das Schicksal sie wieder geeint. Es war schwer zu beschreiben, wie das Leben manchmal verlief und mehr und mehr quälte sie die Frage, was sie mit ihrem scheinbar aussichtslosen Kampf noch zu bezwecken versuchte.

Verluste waren alles, was sie in der Vergangenheit erfahren hatte und mehr, als sie jemals würde ertragen können. Jedes Mal, wann immer sie neue Hoffnungen schöpfte, tauchten sie wieder auf. Irgendwelche Feinde, irgendwelche Individuen, die nicht damit zurechtkamen, Mutanten in ihrer Welt zu akzeptieren. Denn das war es doch. Furcht. Unwissenheit. Die Befürchtung, Macht zu verlieren. Unterlegen zu sein.
Sie hatte gelernt, Eriks Beweggründe zu verstehen. Jeden Tag brauchte sie nur durch diese Welt gehen und konnte überall die Ablehnung und den Hass in den Augen der Menschen sehen. Sie begriff, dass es keinen wahrhaftigen Frieden zwischen ihnen geben konnte, doch was Erik getan hatte... Er war so blind in seinem Hass auf die Menschheit geworden, dass er sie alle in den Tod geschickt hatte. Einen nach dem anderen. An ihn konnte sie sich genauso wenig halten. Mit diesem Handeln waren Mutanten auch nicht besser als jene Menschen, vor denen sie sich fürchteten. Doch so sehr sie auch darüber nachdachte...
Ihr wollte kein guter, kein gerechter Weg einfallen, den man beschreiten könnte, um an diesen Gegebenheiten jemals etwas zu ändern. Möglicherweise lag es in der Natur unterentwickelter Menschen, einfach keine Toleranz zuzulassen. Es könnte auch andere Gründe haben. Vollkommen egal, wenn am Ende das eine immer zum anderen führte. Sie konnte das nicht mehr ertragen. Sie fragte nicht mehr nach dem Warum, doch eine Sache konnte sie nicht ablegen.

Sie konnte einfach nicht aufhören, den anderen Mutanten zu helfen, die sonst niemanden hatten. Die alleine in der Welt waren und sich auch ihren Feinden einsam entgegenstellen mussten. Sie konnte den Gedanken nicht ertragen, sie im Stich zu lassen. Wenn sie mit ihrem Leben und der Mutation, die sie nicht einfach ablegen konnte, etwas Gutes bewirken wollte, dann musste es ihre Aufgabe sein, so vielen wie möglich zu helfen.
Ganz gleich, was sie das auch kosten würde. Vollkommen egal, wie mühsam diese selbst auferlegte Bürde für sie auch sein mochte. Sie konnte sich nicht irgendwo verkriechen, während so viele von ihnen leiden mussten. Einige Male hatte sie daran gedacht, Charles mal wieder zu besuchen... Nein, nicht nur zu besuchen, sondern länger zu bleiben. Möglicherweise für immer, doch sie fand keine Ruhe. Wenn sie zu lange an einem Ort blieb, dann erschien es ihr stets so, als würden all die Mutanten, die noch irgendwo gefangen und eingesperrt waren, die niemanden hatten und einsam waren, nach ihr rufen. Das konnte sie nicht ertragen.
Und diese Ruhelosigkeit, trieb sie nun schon seit Jahren von einem Ort zum nächsten und so war sie nun hier gelandet. An einem Ort, der auch keine Freiheit kannte, nicht einmal für die eigenen Leute. Ihr war klar, dass in einem Volk, welches hinter Mauern gehalten wurde, die Mutanten noch sehr viel schlimmer dran sein mussten. Schon vor ein paar Tagen war sie auf Hinweise gestoßen und nun war sie hier.

Immer wieder war von diesem Nachtclub die Rede gewesen, in dem „Freaks“ gegeneinander kämpfen mussten. Mittlerweile wusste sie, dass das nur ein Wort war, ein Name, den die Menschen ihnen gaben, weil sie nicht wussten, was sie tatsächlich waren. Ein Wort, welches beschreiben sollte, dass sie nicht normal waren, dass sie nicht in diese Gesellschaft passten. Ein Denken, welches sie wohl immer wütend machen würde.
Glücklicherweise war es ihr möglich, ihre Mutation geschickt zu verbergen. Sie konnte selbst entscheiden, wer davon erfuhr und wer nicht. Sie konnte sich perfekt tarnen. Immer und überall. Ein riesiger Vorteil, bei dem, was sie vorhatte. Inzwischen erschien es ihr, als habe es das Schicksal nicht anders gewollt, dass sie all ihresgleichen befreite, ihnen half, sie in die Freiheit führte. Das erschien ihr wie ihre Bestimmung zu sein.
Dieser Club, von dem immer wieder gesprochen wurde, war widerlich. Schon die Menschen am Eingang waren unangenehme Typen, überall roch es hier nach Alkohol und Blut. Ihr war schon so viel unter die Augen gekommen, doch scheinbar ging es immer noch schlimmer. Es war, als habe sie das Tor zur Hölle gefunden. Wenigstens erschien es ihr so, als sie diesen Nachtclub betrat. Dass sie weiter hinten noch Schlimmeres finden würde, ahnte sie nicht.
Nur wenige Schritte vom Eingang entfernt, sah sie es dann. Die Käfige, die Gitter... Alles stand unter Strom, damit die Mutanten nicht entkommen konnten. Grausam, welche Schmerzen es ihnen zufügen musste, wenn sie die Gitter einmal versehentlich streiften. Sie würden sich davor in Acht nehmen müssen. Nach fünf Minuten wusste sie bereits, dass Mutanten hier schlimmer behandelt wurden, als Tiere und keiner von ihnen ganz freiwillig hier war.

Um sie herum grölte das Publikum den Kämpfenden zu. Einer der Mutanten, der gerade kämpfte, hatte die Flügel eines Engels. Dieser Ort war gewiss falsch für einen jeden Mutanten, doch ausgerechnet einen vermeidlichen Engel hier zu finden, war schon einigermaßen grotesk. Doch sie verstand natürlich, weshalb diese Menschen ihn hergebracht hatten. Der Engel, der sich gegen das Böse erhebt... So etwas konnte man eben gut vermarkten und um nichts anderes ging es hier doch. Die Menschen suchten immer nach Möglichkeiten, das schnelle Geld zu machen.
Tiger, die durch brennende Reifen sprangen, waren heute eben nicht mehr spektakulär genug. Nun mussten es Mutanten sein. Alles, was dem Menschen gefährlich werden konnte, versuchte dieser zu zähmen und in einen Käfig zu sperren, bis diese Bedrohung irgendwann zu schwach wurde, um sich noch zu widersetzen. Sie musste aufpassen, dass dieser unbändige Zorn über diese verdorbene Welt, sie nicht vorschnell handeln ließ. Wenn sie den hier gefangenen Mutanten helfen wollte, musste sie die Sache klug, aber entschlossen angehen. Ihre Augen scannten die Umgebung ab, seit sie hereingekommen war, suchte nach Vorteilen, nach möglichen Fluchtwegen und überlegte, was die beste Strategie war.
Ihre Überlegungen waren längst noch nicht am Ende, da hatte dieser Mutant in Engelsgestalt seinen Kampf überstanden. Der andere wurde aus dem Ring geschliffen, als sei er nichts wert gewesen. Und ganz recht... Diesen Menschen bedeutete er gar nichts. Genau wie all die anderen, die hier womöglich schon ihr Leben verloren hatten. Was für eine kalte und grausame Welt. Sie wollte sich das nicht länger ansehen, als es nötig war, wollte sich in Gedanken wieder ihrem Plan widmen, möglichst vielen von ihnen zur Flucht zu verhelfen, als sie den nächsten Gegner dieses Engels erblickte.

Es traf sie hart, unvorbereitet und tief. Ohne gesehen zu haben, was er konnte, erinnerte er sie bereits an Azazel und das konnte eigentlich nur einen einzigen Schluss zulassen. Dennoch blieb ihr die Luft weg. Es war, als würde der Sauerstoff aus ihrem Hirn sacken, denn alles in ihr wollte diese Begegnung leugnen. Es war nicht möglich, davon war sie fest überzeugt, doch scheinbar...
Nein, ihre Augen mussten sich täuschen. Es konnte nicht wahr sein. Sie musste aufpassen, ihren Schock überwinden. Zwar schien hier niemand Notiz von ihr zu nehmen, doch wenn sie aus Unachtsamkeit ihr wahres Äußeres zeigte, würde sie auch in einem dieser Käfige enden. So viel war ihr längst klar. Sie musste sich zusammenreißen und das, wo sie die Tränen hinter ihren Lidern so deutlich brennen spürte. Es versetzte ihr einen heftigen Stich ins Herz und einen derben Schlag ins Gesicht. Langsam schien es in ihr Bewusstsein einzudringen. Ihr wurde klar, dass es ihre Schuld war.
Umso dringender jedoch, musste sie ihn hier rausholen. Natürlich auch die anderen, doch ihn um jeden Preis. Doch was sollte sie tun? Obwohl es ihr schwerfiel begann sie, das Personal zu beobachten. Eigentlich wollte sie den Blick lieber auf andere Dinge richten – auf jemand ganz bestimmtes – doch sie musste so schnell es ging einen Weg finden. Der Mutant mit den Engelsflügeln war ein guter Kämpfer, so viel war ihr aufgefallen. Kam es zu einem ernsthaften Kampf, könnte es dem Anderen so ergehen, wie seinem Vorgänger.
Es dauerte nicht lange, bis sie erspäht hatte, mit welchem Schalter man die verriegelten Türen öffnen konnte, mit denen sie die Mutanten in Gefangenschaft hielten. Sie würde also so vorgehen, wie sie es stets getan hatte. Dort hingehen, dem Kerl, der die vielen Schalter bediente, schöne Augen machen, ihm dann in die Eier treten, die Türen öffnen und die Mutanten waren frei.

Während sie hinüberging, lauschten ihre Ohren auch weiterhin auf das Geschehen im Kampf. Augenscheinlich hatten sie noch nicht begonnen, sonst würde die tobende Menge nicht darauf bestehen, dass sie endlich anfingen zu kämpfen. Sie wusste nicht, welcher der Beiden zögerte, doch am Ende spielte das keine Rolle. Sie musste sich beeilen. Viele der Männer im Publikum waren schwer bewaffnet. Illegal, natürlich, doch was spielte das an so einem Ort schon für eine Rolle? Menschen zu verschleppen, zu verkaufen und zu Show-Kämpfen zu zwingen, war genauso wenig legal.
Bald hatte sie den Typen erreicht, ging vor, ganz so, wie sie es geplant hatte. Der Kerl ging schneller zu Boden, als er hatte gucken können, während sie auch schon den Schalter umlegte, die Türen sich öffneten und Chaos um sie herum ausbrach. Ein gutes Chaos. Ein hilfreiches Chaos. In der nun panischen Menge, die sich vor der Rache ihrer Gefangenen fürchtete, war es deutlich leichter zu entkommen.
Doch der Mutant, den sie eben erblickt hatte, der so viele Erinnerungen in ihr hervorgeholt hatte, schien nicht recht zu wissen, was er tun sollte. Sie sah, wie er von mehreren Männern ins Visier genommen wurde. Das konnte sie nicht zulassen. Sie hatte schon so viel verloren und ihn würden sie ihr nicht auch noch nehmen. So schnell sie konnte, war sie an seiner Seite, bereit zu kämpfen, doch plötzlich verschwand die Umgebung um sie herum in einem dunklen Nebel. Nur wenige Sekunden später lichtete er sich. Genau in dem Moment, in dem sie entschieden hatte, blind drauflos zu schlagen, dorthin, wo sie zuletzt einen dieser Kerle gesehen hatte.
Als sie ihre Umgebung wieder erkennen konnte, lag dieser Kerl bereits mit einer gebrochenen Nase auf dem Asphalt. Sie musste sich einen Moment sammeln, registrierte noch nicht so recht, was hier gerade passiert war. Teleportiert... Der andere Mutant hatte sie aus dem Club hinaus in die nächste Seitengasse teleportiert. Er war es. Daran gab es für sie gar keinen Zweifel mehr. Doch was nun? Was sollte sie sagen? Wie sollte sie sich verhalten? Sie wusste es nicht, doch sie konnte seinen fragenden Blick bereits spüren, wie er sie regelrecht durchbohrte und dann...

„Wer bist du und... Was?“
Er schien verwirrt zu sein. Wer wollte ihm das schon verdenken, doch jetzt war keine Zeit dafür. Sie würden reden, aber sicher nicht hier auf der Straße, wo man sie jeder Zeit entdecken konnte. Er war ein Teleporter und musste sie hier wegbringen. So weit wie möglich und genau das würde sie ihm sagen, obwohl ihr Mund ganz trocken war und sie das Gefühl hatte, als würde sie keinen einzigen Laut herausbringen können.
„Lass uns erst verschwinden“, teilte sie ihm also mit. Er nickte und tat, was sie verlangte.
Dennoch war es ihr so schnell nicht möglich, diesen Schock zu überwinden. Sie hatte ihn gefunden. Ausgerechnet hier. Wie lange war sie auf der Suche nach ihm gewesen? Wie sehr hatte sie gehofft, ihn noch einmal sehen zu können? Rauszufinden, was aus ihm geworden war, nachdem sie voneinander getrennt wurden.
Nur wegen Eriks Blindheit. Wären die Dinge damals doch anders gekommen. Wäre doch nur...

Das waren Gedanken, die sie sich niemals erlauben durfte. Gedanken, die sie schwach machten und drohten, ihr Herz auseinanderzureißen. Sie wollte diese Verbitterung nicht für sich. Sie wollte sich nicht an Dinge klammern, die sie längst verloren hatte, egal wie schwer ihr das auch fallen mochte. Sie musste das endlich hinter sich lassen.
Vielleicht würde es ihr mit dem heutigen Tag leichter fallen. Ein Tag, der ihr endlich etwas zurückgegeben hatte, statt ihr noch mehr zu entreißen, wie es schon so oft passiert war. Er war hier. Direkt neben ihr. Es war immer noch unfassbar. Noch immer war sie nicht sicher, ob sie sich freuen sollte, ob sie bestürzt sein sollte... In ihr rangen so viele Gefühle miteinander.
Dennoch konnte sie sich eine Sache bereits fest vornehmen. Ein zweites Mal würde sie es nicht zulassen, dass sie entzweit wurden. Jetzt wollte sie rausfinden, was in den vergangenen Jahren geschehen war. Was hatte er von der Welt gesehen? Was war ihm widerfahren? Wie war er an diese furchtbaren Bestien geraten? Sie wollte alles wissen.

Irgendwann waren sie weit genug von diesen Menschen entfernt.
Irgendwann waren sie alleine miteinander und mit dieser Nacht.
Irgendwann waren sie soweit, sich die wichtigsten Fragen zu stellen.
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