Schokolade

GeschichteAllgemein / P16 Slash
Boris Saalfeld Tobias Ehrlinger / Saalfeld
08.01.2020
18.07.2020
9
10.122
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08.01.2020 929
 
" Alter, pass doch auf!! " Tobias schlängelt sich genervt durch eine Horde Jugendlicher hindurch, die nix besseres zu tun haben, als auf der Fußgängerzone abzuhängen und der "arbeitenden" Bevölkerung im Weg zu stehen!! Die Buchhandlung ist endlich in Sicht und er betritt den abgedunkelten und klimatisierten Raum mit einem Seufzer der Erleichterung, die sommerliche Hitze ist heute kaum zu ertragen und weit und breit keine Abkühlung in Sicht. Hier verbringt er des öfteren Zeit mit Stöbern, wobei er keine Abteilung ausgelassen hat, bis auf das Regal mit den Teeniebüchern, insbesondere die MädchenliebtPferde Geschichten, die Romy früher immer las und die er noch nie leiden konnte. Heute soll's die Ecke für Kochbücher sein. Vladi, WG Kumpane und direkter Zimmernachbar, hat nächste Woche Geburtstag und wünscht sich eines dieser altmodischen, analogen Teile in Glanzoptik mit einfachen, schnellen Gerichten für Männer, ohne viel Chichi und mit viel Fleisch!
Tobias legt seinen Rucksack ab und bemerkt erst jetzt, das sein T-Shirt mit seinem verschwitzten Rücken eins geworden ist! Er zupft es sich aus der Jeans, um mit einem leichten Wedeln dem Körper Luft zuzuführen und den Trocknungsprozess zu beschleunigen. Ein Regal weiter mit der Beschriftung "Desserts" steht ein junger Mann, vielleicht Anfang 30, in knielangen Shorts und einem grauweiß gepunkteten Oberhemd. Er beugt sich nach vorne, wahrscheinlich um das Angebot auch wirklich lückenlos studieren zu können und eröffnet Tobias damit einen Ausblick auf ein Hinterteil, das sich sehen lassen kann, eindeutig Pfirsich, definitiv keine Birne, Avacado oder gar ein Apfel!! Und diese Beine dazu, nicht ganz gerade, aber zart beflaumt, passt!! Tobias schaut sich kurz um, entdeckt die Fleischgerichte auf der anderen Seite und entscheidet sich spontan für die Sparte Salate & Co, direkt neben den Desserts. Er versucht, seinen Blick möglichst interessiert über die Buchrücken streifen zu lassen und stellt fest, der Typ neben ihm riecht auch noch verdammt gut, nix aufdringliches, eher dezent, frisch, aber auch männlich, eindeutig ein Pfirsich!! Von der Seite ist im Augenwinkel noch dazu ein äußerst attraktives Gesicht zu erkennen, niedliche Nase, kleine Ohren, Drei-Tage-Bart und dann diese Lippen..wow! Sicher gibt es schon einen Glücklichen, dem es vergönnt ist, diesen wahnsinnig scharfen Mund zu küssen, oder eine Glückliche, was noch viel wahrscheinlicher ist. Der Traum von einem Mann dreht sich schließlich zu ihm um und schaut ihn fragend an. "Tschuldigung, sie sehen so aus, als verstünden sie was von Kochen. Was wäre ihnen lieber, selbstgemachtes Eis oder irgendwas mit Schokolade?"

Da fragt der Kerl noch, Schokolade, SCHOKOLADE...bei diesen Vollmilchaugen, zartschmelzend mit knusprigem Krokant oder noch besser... mit cremiger Toffeefüllung!!! "Ja, das kommt drauf an, ich mag jetzt gerne Vanilleeis, aber ihre Frau oder Freundin ja vielleicht nicht?!" Jep, Steilvorlage genutzt, gleich sollte sich herausstellen, ob dieser Schokoladentraum mit Pfirsichfüllung auf Frauen steht und sich weitere Flirtversuche nicht mehr lohnen würden. "Ah, danke! Ich glaube, ich nehme Eines über Pfannkuchen & Crepes." Tobias checkt für eine Sekunde, ob er seinen Mund geschlossen hält, um nicht allzu dämlich dreinzuschauen. Das war jetzt nicht wirklich eine Antwort auf seine Frage, die ja genau genommen keine war, aber doch so entscheidend für's weitere Vorgehen. Okay, zumindest lohnt sich das Dranbleiben, denn soo ein Typ läuft einem auch in München nicht täglich über den Weg. Solch ein Schokosahneschnittchen zum Dessert, das wäre eine willkommene Abwechslung nach der Pleite mit Daniel. Wobei er eigentlich der Männerwelt für eine Weile abgeschworen hatte, manches muss man sich nicht mehrfach hintereinander geben.

Tobias fährt sich durch die dunkle Haarpracht und versucht, möglichst neutral zu lächeln, als der junge Mann gezielt ein Buch aus der Reihe zieht, ihm kurz zunickt und dann entschlossen zur Kasse geht. Er verschwindet tatsächlich aus seinem Leben ohne auch nur die geringste Chance, mehr über ihn zu erfahren oder in letzter Verzweiflung die dämlichste aller Fragen zu stellen "Sind sie öfters hier?" Tobias zieht sich seine Flasche Mineralwasser aus dem Rucksack und lässt das prickelnde Nass seine trockene Kehle hinunterlaufen. Kein guter Tag heute, erst die brüllende Hitze, dann der Stress auf der Wache und nun auch noch diese Begegnung der pfirsichzarten Art ohne Aussicht auf ein Dessert oder womöglich mehr. Selbst wenn er auf Männer steht, er hat irgendwas an sich, das ihm sagt, der ist nicht für nur eine Nacht zu haben. Egal, wie gewonnen so zerronnen, das Kochbuch für seinen Kumpel muss warten, für heute ist ihm die Lust vergangen. Tobias schmeisst sich den Rücksack über, verlässt das Geschäft und bahnt sich den Weg zur nächsten U-Bahn Station.
In Haidhausen wohnt er zusammen mit drei Jungs, zwei hochgradigen Heteros und mit ihm zwei, die ausschließlich auf Männer stehen, eine recht ungewöhnliche Wohngemeinschaft. Um das Zusammenleben einigermaßen angenehm zu gestalten, gibt es feste Regeln, drei Tage die Woche ist Mädelstag, weitere drei sind nur Jungs erwünscht und am 7. Tag ist reiner Mitbewohnertag. Aber demnächst wird sich in ihrer Konstellation womöglich wieder etwas ändern, denn Roman wird im nächsten Monat ausziehen, zusammen mit seinem Freund. Das freiwerdende Zimmer muss renoviert werden und steht dann wieder zur Vermietung. Also, es gibt genug zu tun, um sich entsprechend abzulenken, von abgelegten Liebschaften und potentiellen Baisertörtchen. Außerdem ist der Job hart genug, tagtägliche Höchstleistung im Dienste der Menschlichkeit, da bleibt wenig Energie für die Partnersuche, es sei denn, so ein Schnuckelchen wird einem auf dem Silbertablett serviert! Aber gut, es sollte nicht sein und es wäre, ehrlich gesagt, auch verwunderlich gewesen, wenn so eine Begegnung zu irgendetwas geführt hätte. Also Schwamm drüber, ab nach Hause und kalt duschen!!
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