Ganz schön kompliziert

GeschichteAllgemein / P12
OC (Own Character)
08.01.2020
10.01.2020
23
20.155
 
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08.01.2020 683
 
Im Direktorat des Albert-Einstein-Gymnasiums läuft Frau Stocker im Raum auf und ab, während sie telefoniert. „Ja, Herr Berger. Ich weiß, dass die Sicherheit der Schüler über allem steht. Gerade aus diesem Grund würde ich es bevorzugen, wenn der Junge woanders unterkommt. Nach den Ereignissen im letzten Schuljahr, dachte ich, dass wir uns bemühen sollten nicht in der Presse aufzutreten.“ „Das letzte Jahr ist Vergangenheit, meine liebe Frau Stocker. Das letzte Halbjahr lief doch ganz gut. Wir müssen nach vorn sehen. Außerdem wird der Junge keine Schwierigkeiten machen. Ich habe mit der Dame vom BKA gesprochen. Sie hat mir versichert, dass Mats ein ruhiger fleißiger Junge ist. Und wenn sich die ganze Sache geklärt hat und der Junge wieder wie vorher leben kann, dann wird unsere Schule und das Internat von der Presse über alle Wolken gelobt werden. Das versichere ich ihnen.“  Frau Stocker setzt sich auf ihren Stuhl, fährt mit ihrer freien Hand durchs Gesicht und holt tief Luft. „Ok. Ja. Herr Berger. Ganz wie sie wollen. Wir werden alles dafür tun, dass der Junge hier so normal wie möglich leben kann. Ich muss das aber noch mit Herrn Chung besprechen. Der muss auch sein Einverständnis dazu geben.“ „Ich wusste, ich kann mich auf sie verlassen, Frau Stocker. Herr Chung wird da nichts gegen haben. Der Junge kommt morgen früh. Und denken Sie dran: Niemand darf den Grund für seine Anwesenheit erfahren. Auf Wiedersehen.“ „Wie? Schon morgen?“ Frau Stocker erhält keine Antwort, Herr Berger hat schon aufgelegt. Im gleichen Moment kommen Herr Chung und seine Tochter Jona ins Büro. „Guten Morgen Frau Stocker.“ „Guten Morgen Herr Chung. Guten Morgen Jona.“ „Guten Morgen Frau Stocker.“ „Sie sehen aber gestresst aus. Und das schon am frühen Morgen?“ „Ich muss etwas mit ihnen besprechen.“ „Worum geht es?“ „Um einen neuen Schüler, den Herr Berger uns morgen früh schickt.“ „Mitten im Schuljahr? Was hat er angestellt?“ Frau Stocker schaut zu Jona. Herr Chung versteht sofort, dass das nicht für die Ohren seiner Tochter bestimmt ist. „Jona, Schatz. Willst du nicht schon zu deinen Freunden gehen?“ „Ich versteh schon, es geht mich nichts an.“ „Ganz genau. Bis heute Abend, mein Spatz.“ Herr Chung gibt seiner Tochter einen Kuss auf die Stirn, bevor diese das Büro verlässt. Her Chung schaut seiner Tochter noch hinterher, um sich zu vergewissern, dass sie auch wirklich nicht lauscht. Dann schließt er die Tür. „Also, was ist so geheimnisvoll an dem neuen Schüler, was sonst niemand erfahren darf, werte Kollegin?“

Während Frau Stocker ihrem Kollegen die Neuigkeiten erzählt, trifft Jona im Flur auf Hermann. „Hallo Jona. Hast die Hausaufgaben für Geschichte gemacht?“ Ohne zu antworten, zieht sie ihren Kumpel hinter sich her nach draußen, vor ein Fenster des Direktorats. „Was ist denn los?“ „Mein Papa und die Stocker sprechen über einen neuen Schüler.“ „Ja. Und? Lass uns wieder reingehen, mir ist kalt. Ich habe meine Jacke nicht mit.“ „Die haben so geheimnisvoll getan. Irgendetwas stimmt mit dem Neuen nicht.“ „Warum sagst du das nicht gleich?“ Die beiden vor einem geöffneten Fenster stehen. Aus dem Inneren hört man die Stimmen der Direktoren. Herr Chung spricht gerade, „…und Herr Berger hat das schon entschieden?“ „Ja. Wieder einmal hat er uns vor vollendete Tatsachen gestellt.“ „Auch wenn ich nicht begeistert bin, bin ich mir sicher, dass wir das schon meistern. Mit der Zusammenlegung der Schulen hatten wir auch erst Probleme. Und die jetzige Situation scheint mir bei weitem nicht so schlimm wie die letztes Jahr. Der Junge wird bestimmt keine Probleme machen. Er ist doch sicherlich darauf bedacht möglichst wenig aufzufallen.“ „Hoffen wir es.“ „Wie viel sagen wir den Kollegen? Und den Schülern?“ „Je weniger Menschen davon wissen, umso besser. Jedenfalls fürs Erste.“ Herr Chung nickt zustimmend. Beide verlassen das Büro. Jona und Hermann schauen sich verwirrt an. Hermann ergreift als erster das Wort: „Das klingt aber spannend.“ „Das müssen wir gleich den anderen erzählen.“ Im Laufe des Tages verbreitet sich die Neuigkeit, über den neuen Mitschüler, wie ein Lauffeuer. Überall wird getuschelt und überlegt was die Direktoren beunruhigt. Am Ende des Schultages sind viele Gerüchte im Umlauf. Eines wahnwitziger als das andere.
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