[(D'c 5) HeartBeat] Never fall in Love with a PI ... von Detektiven und anderen Ärgernissen

GeschichteRomanze, Suspense / P18
07.01.2020
23.05.2020
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23.05.2020 3.323
 
Chance schob seinen unberührten Teller beiseite und lehnte sich etwas zurück, während seine Wangenknochen mahlten und seine Augen Blitze sprühten. „Du verschweigst mir etwas und ich wette, es hat etwas mit Harper zu tun. Deine Reaktionen zu Hause und gerade haben Dich verraten. Ich will die Wahrheit, sonst werde ich aufstehen und gehen und dann war es das letzte Mal, dass Du mich gesehen hast.“ Chance sah wie Sophia mit einem Schlag alles Blut aus ihrem Gesicht wich und sie ihn geschockt ansah. Kurz beschlich ihn ein mehr als mieses Gefühl, dass er so mit seiner Mutter redete, doch gleichzeitig stieg die Wut in ihm immer höher, dass sie ihm etwas verschwieg, ihn wieder und wieder belog. Denn dass sie es tat, stand für ihn mittlerweile außer Frage. Er wusste nur nicht mit Gewissheit, warum.

„Ich bin Deine Mutter und ich liebe Dich, das weißt Du. Wie kannst Du so etwas sagen?“ Fassungslos und mit Tränen in den Augen sah sie ihn an und Chance fühlte sich noch mieser, als er es ohnehin schon tat.

„Weil ich es, verdammt nochmal, leid bin, andauernd belogen zu werden … und das von meiner eigenen Familie...“
...außerdem besteht mein Leben schon aus genug Lügen.
In Gedanken beendete er seinen Satz und sah kurz Hannah vor sich. Sie belog er auch und das traf ihn weitaus schlimmer, wie er sich innerlich seufzend eingestand, als die Lüge die scheinbar seine Mutter ihm seit Jahren auftischte.
...Du lügst auch und das nicht wenig. Seit vier Jahren tust Du nichts anderes als Deine Mitmenschen anzulügen. Wie kannst Du da Deine Mutter verurteilen?...
Chance spürte wie sich seine Wangenmuskeln verhärteten und presste die Lippen zusammen. Er log, doch er log aufgrund seines Jobs, nichts anderes.
...und wenn sie nun wirklich die Wahrheit sagt? Mal überlegt was Du ihr antust, aufgrund eines bescheuerten Traumes?...
...aufgrund eines bescheuerten Traumes und wegen einem Pfotenabdruck, der sich immer noch auf seiner Brust befand und dort nicht sein dürfte. Nicht, wenn es wirklich nur ein Traum oder Alptraum gewesen wäre. Und wenn dieser verdammte Abdruck real war, konnte auch das andere stimmen, was dieser Mann oder Geist oder was auch immer, gesagt hatte. Der Mann, der ihm sein Leben lang als Vater präsentiert worden war, war nicht sein leiblicher Vater. Wütend brachte er das kleine Stimmchen ins sich zur Ruhe und verbannte es in die hinterste Ecke seiner Gedanken.

„Schatz, bitte. Ich weiß wirklich nicht, wieso Du so etwas denkst oder mir antust. Deinem Vater antust. Ich wollte, dass Du wieder richtig lebst, Dich nicht begräbst und glücklich bist. Ich … ich hatte Angst, wenn Tobias Dich mit Hannah zusammentut, dass Dich das noch mehr verletzten wird, weil sie ihr so ähnlich ist. Aber scheinbar hat es Dich nicht verletzt, sondern nur auf die dumme Idee gebracht, dass Juan nicht Dein Vater ist. Hat Hannah Dir das erzählt? Wie kommt sie darauf? Wie kann sie so etwas behaupten?“ Sophia griff nach ihrer Handtasche und zog ein Taschentuch hervor. Schniefend putzte sie sich die Nase und sah Chance dann aus leicht roten Augen an.

„Lass Hannah aus dem Spiel. Sie hat damit absolut nichts zu tun. Im Gegensatz zu allen anderen, hat sie mich noch nicht einmal angelogen...“
...vielleicht eine Kleinigkeit verschwiegen, aber niemals gelogen.
..., weil Du sie ja auch in- und auswendig und schon ewig kennst, ja? Was ist mit den Wanzen in Büro und Wohnung?...

Leise und wütend knurrte Chance auf, bevor er sich vorbeugte und seinen Blick in den seiner Mutter bohrte. „Ich sehe Harper zum Verwechseln ähnlich, ich habe weder Deine Blutgruppe noch die von Dad. Und als ich Harper erwähnt habe, bist Du zusammengezuckt und blass geworden. Du kennst ihn und ihr beide seid beinahe im gleichen Alter, nicht wahr? Also frage ich ein letztes Mal; '... ist … Harper … mein ... Vater'? Oder soll ich nach seiner Blutgruppe graben lassen? Ich könnte fast darum wetten, dass wir dieselbe haben, nicht wahr?“

Sophia schluckte und wich seinem Blick aus, während sie auf ihrem Teller das unberührte Essen von einer Seite zur anderen schob. Seufzend sah sie wieder hoch und direkt in den bohrenden, wütenden Blick ihres Sohnes. „Nein, Harper ist nicht Dein Vater … er ist...“ Erneut seufzte sie auf und verkrampfte ihre Hände, während sie schluckte und dann Chance feste ansah. „Bryan Harper ist nicht Dein Vater. Er ist … Dein Bruder.“ Mit den letzten Worten wurde ihre Stimme immer leiser und nervös sah Sophia ihren Sohn an, der wie erstarrt dasaß, während sie gleichzeitig das Gefühl hatte, dass es plötzlich totenstill im Restaurant war und man die sprichwörtliche Stechnadel fallen hören konnte. Endlos lang zogen sich die Sekunden dahin, bis Chance plötzlich explodierte.


'Er ist … was'?“ Fassungslos sah Chance seine Mutter an und wurde mit jeder Sekunde blasser, während sich seine Gedanken überschlugen. „Willst Du mich verarschen? Harper ist genauso alt wie Du, zum Teufel. Du willst mir ernsthaft erzählen, dass Du mit Harper's Vater eine Affäre gehabt hast?“ Chance schloss kurz die Augen und atmete tief ein, das ging nicht, das war unmöglich. Seine Mutter hatte eine Affäre mit einem Mann gehabt, der locker ihr Vater hätte sein können und das, während sie mit einem anderen verheiratet gewesen war. „Eine verdammte Affäre mit einem Mann, der altersmäßig Dein Vater hätte sein können, der eine Familie hatte und während Du mit Juan verheiratet warst?“ Wütend glitzerten seine Augen auf und Sophia wich erneut seinem Blick aus. „Weiß mein leiblicher Vater, dass Du schwanger warst? Hast Du mich Juan untergeschoben? Gott...“

Aus seiner Sicht gesehen und wie er es formulierte, klang es noch schlimmer als es war und trieb ihr das jahrelang verdrängte Schuldbewusstsein erneut auf. „Es war keine Affäre. Es war … nur eine Nacht...“ Leise, kaum hörbar gab sie ihm eine Antwort und Chance fauchte erneut wütend auf.

'Eine Nacht'? Ein verfuckter One-Night-Stand? Danke, jetzt fühle ich mich doch direkt besser. Ich bin nicht das Ergebnis einer Affäre, sondern das Ergebnis eines One-Night-Stands. Danke. Vielen Dank.“ Chance machte Anstalten aufzustehen, als Sophia seine Hand packte und ihn mit Tränen in den Augen ansah.

„Bitte, hör mir doch zu und lass mich erklären, ja?“

„Was zum Teufel willst Du noch erklären? Du hast mich all die Jahre belogen, mich glauben lassen, dass Juan mein Vater ist, obwohl es nicht stimmte, obwohl Du damals mitbekommen hast, wie unruhig ich war, dass etwas mit mir nicht stimmte. Selbst als Dad tot war, hast Du mich all die Jahre weiterhin belogen.“

„Juan ist Dein Vater, Chance. Der einzige Vater den Du hattest. Er hat Dich geliebt, genauso wie Du ihn. Hätte ich Dir, als Juan starb, sagen sollen, dass er nicht Dein Dad war? Gott, Du warst so zart, so zerbrechlich.“

„Zart? Zerbrechlich? Ich war, verdammt nochmal, weder das eine noch das andere. Und das Juan der einzige Vater war, den ich hatte und kannte … das bist Du Schuld, denn meinen richtigen Vater hast Du mir verschwiegen. Wusste er, oder weiß er, dass es mich gibt? Dass ich irgendwo bin?“ Mit brennenden Augen sah er sie an und sah wie sie zusammenzuckte. „Du hast es ihm verschwiegen! Er weiß gar nicht, dass es mich gibt, nicht wahr?“ Tonlos beantwortete er sich die Frage selbst und schloss einen Moment die Augen.

„Don, Dein leiblicher Vater ist tot, Chance, schon sehr lange. Und es war nicht so, wie Du vielleicht denkst. Bitte, setz Dich und lass mich erklären, ja?“

„Was willst Du erklären? Du hast mit einem Mann geschlafen, der Dein Vater hätte sein können. Gott, wie kann ein Mann mit so einem blutjungen Mädchen...“ Chance verzog leicht das Gesicht, bevor er Sophia wieder ansah. „...nicht nur, dass er mit einem Mädchen geschlafen hat, das altersmäßig viel zu jung war, nein, Du wurdest auch noch schwanger und hast mich Juan untergeschoben und hast uns alle die ganzen Jahre angelogen. Das nenn ich mal eine verdammt gute Leistung. Fast vierunddreißig Jahre lügst Du mir Tag für Tag ins Gesicht.“

„Ich war beinahe zweiundzwanzig Chance, kein blutjunges Mädchen, sondern eine junge, verheiratete Frau, die sich sehnlichst ein Baby gewünscht hatte. Deinem Vater war es nicht möglich mir den Wunsch zu erfüllen, sosehr er es auch wollte. Wir hätten niemals ein Kind bekommen, nicht auf natürlichem Wege.“ Leise versuchte Sophia sich zu rechtfertigen und hörte den beißenden Spott aus Chance Stimme, als er antwortete.

„Natürlich, das erklärt alles und rechtfertigt auch alles. Du wolltest ein Baby. Egal auf welchem Weg und mit wem. Herzlichen Glückwunsch.“

„Entweder setzt Du Dich jetzt hin und hörst mich an, oder Du gehst. Ich bin es leid, mir noch mehr Schuldgefühle eintrichtern zu lassen als ich immer hatte.“ Entschlossen sah Sophia ihren Sohn an, bevor sie weitersprach. „Doch ich denke, Du schuldest es mir, dass Du zuhörst und dann erst verurteilst oder beurteilst, was ich getan habe.“

„Sicher.“ Spöttisch sah Chance seine Mutter an und ließ sich wieder auf den Stuhl fallen, bevor er die Arme vor der Brust verschränkte und sich zurücklehnte. „Bitte, ich bin ganz Ohr, erzähl mir die Geschichte Deines One-Night-Stands und wie Du davon schwanger geworden bist.“

„Lass Deine Ironie und Deinen Spott mir gegenüber, Chance. Ich weiß, dass Du verletzt bist. Verletzt und wütend.“ Seufzend sah sie ihn an und wie sich sein Gesicht verhärtete.

„Wie schön, dass Du das bemerkst.“

„Es tut mir leid, Chance. Es tut mir leid, dass ich Dich belogen habe. Doch es tut mir absolut nicht leid, dass ich mit Deinem leiblichen Vater geschlafen habe und dass Du da bist. Wie ich es getan habe, das verurteile ich heute selber, doch ich würde es niemals ungeschehen machen wollen, denn ich habe Dich bekommen.“

„Wie tröstlich, dass wenigstens Du alles bekommen hast, was Du wolltest und ich weiß nicht, was Juan damals gedacht hat, doch ich kann Dir sagen was ich gerade denke. Du hast mir meine Familie vorenthalten, meinen Bruder, meine wirklichen Wurzeln. Meine Geschichte.“

„Du warst aber immer glücklich, Chance. Vielleicht manchmal unruhig, immer auf der Suche nach etwas, doch das hatte sich geändert, als Du Jessie kennengelernt hattest. Du wurdest ruhiger, entspannter...“

„Du kennst mich kein bisschen. Ich wurde nicht ruhiger oder entspannter. Ich hatte aufgegeben und mich an Jessie geklammert, aus falschen Gründen und weil ich mich selbst verleugnet habe. Ja, ich dachte damals, dass Jessie und ich richtig waren, doch das war es niemals. Es war niemals echt, ich wollte es damals nicht wahrhaben, habe es nicht wirklich begriffen und erst mit...“ Chance brach ab und fixierte seine Mutter mit einem bohrenden Blick. „...das ist jetzt aber auch egal und hier nicht das Thema. Du wolltest mir etwas erzählen. Also bitte...“

„Wieso habe ich das Gefühl, dass alles mit Hannah zusammenhängt und ihrer Beziehung zu … Bryan?“ Sophia sah Chance prüfend an und bemerkte wie sich sein Blick zornig verdunkelte.

„Lass Hannah aus dem Spiel, Sophia.“

Sophia zuckte zusammen, als Chance sie mit ihrem Vornamen anredete und schüttelte den Kopf. „Ich bin Deine Mutter, Chance und nicht Sophia. Ich habe Dir Respekt vor Frauen beigebracht und den erwarte ich von Dir, egal was Du denkst oder fühlst.“

„Natürlich … Mutter. Ich habe gerade den allerhöchsten Respekt vor Dir. Vor einer Frau, die es geschafft hat, mich mein ganzes Leben lang zu belügen und das, obwohl sie sich meine Mutter nennt. Natürlich belogen im Namen der Liebe, gehe ich mal von aus.“

Sophia wurde kurz rot und dann wieder blass, während sich ihre Hand um das Glas krallte. „Ich habe Dich noch nie im Leben geschlagen, Chance. Doch jetzt gerade, würde ich Dir am liebsten eine Ohrfeige verpassen.“

„Tu Dir keinen Zwang an, wärst nicht die erste in den letzten zwölf Stunden.“ Spöttisch sah Chance auf seine Mutter und zwang sich dann wieder etwas ruhiger zu werden. „Aber bitte. Ich bin ruhig, erzähl Deine kleine Geschichte.“

Sophia sah aus, als wollte sie Chance wirklich ohrfeigen, bevor sie einen Schluck trank und dann seufzte. „Es tut mir wirklich leid, Chance.“

„Das sagtest Du schon.“ Spöttisch verzog er seine Lippen und winkte dann dem Kellner, um sich einen Whiskey zu bestellen.

„Whiskey? Um die Zeit?“ Missbilligend sah Sophia ihn an und Chance verzog erneut die Lippen.

„Entschuldigung, aber das ganze hier, Deine Geschichte und Deine unzähligen Lügen, erfordern etwas mehr als ein Glas Wasser, egal welche Zeit es ist. Außerdem bin ich schon einige Jahre aus dem Alter raus, wo mich ein Glas Milch beruhigen soll. Ich hasse das Zeug fast genauso wie Orangensaft, habe ich schon immer, nur hast Du es nie wahrhaben wollen.“

„Bist Du dann fertig, ja?“ Sophia straffte die Schultern und sah Chance feste an. „Ich war mit deinem Vater verheiratet, doch wir konnten keine Kinder bekommen. Ich sagte ja bereits, dass ich mir sehnlichst eines gewünscht hatte. An dem Tag, als es passierte, als ich Deinen leiblichen Vater traf, Don, hatten wir gestritten. Thema war wie immer mein Kinderwunsch, wir hatten gerade erfahren, dass wir niemals auf normalem Wege Eltern werden würden.“ Gedankenverloren spielte sie mit ihrem Glas und seufzte dann leise. „Ich bin Hals über Kopf davonstürzt, durch die Gegend gefahren, bis ich irgendwann gehalten habe, um eine Pause zu machen. Da traf ich Don. Keine Ahnung wie und warum, doch wir kamen ins Gespräch, wir verstanden uns toll und er erzählte mir von seiner Familie. Er war Cop, sein Vater war Cop und sein Sohn...“ Sophia brach ab und sah in ihr Glas

...„Ich bin Até, was übersetzt so etwas wie Vater heißt. Und Du … bist der junge Sohn des Wolfes, ein Nachkomme meiner Familie, meines Stammes. Wir sind seit unendlichen Generationen mit den Wölfen verbunden. Sie leiten uns, beschützen uns. Dein Großvater trug als erster den Beinamen 'weißer Wolf', weil er als erster aus unserer Familie ein Polizist wurde. Es war ein stolzer Moment für unsere Familie. Dein Vater bekam diesen Titel, als er zur Polizei ging und Dein Großvater verstarb. Jetzt trägt diesen Titel Dein Bruder, er ist der Sohn des Wolfes, genauso wie Du. Du bist der zweite Sohn des Wolfes, sein jüngster Sohn und auch Du bist ebenfalls ein 'weißer Wolf', weil Du den Schritten Deiner Vorfahren gefolgt bist und Polizist wurdest...“...

Chance schloss die Augen, als er glaubte wieder die Stimme des Mannes zu hören, der ihm gesagt hatte, dass sein Dad nicht sein wirklicher Vater wäre und stöhnte innerlich auf. Er hatte das alles, trotz des Abdrucks auf seiner Brust, nicht wirklich glauben wollen, war hin und hergerissen gewesen, doch jetzt gerade setzte sich das Puzzle bis auf wenige Teile zusammen, alles schien zu passen, doch wer war der Mann, der so viel wusste?

„Chance?“

Wie durch Nebel hörte er die Stimme seiner Mutter, die leicht besorgt klang und öffnete wieder die Augen, während er unbewusst immer noch über seine Brust rieb, als könnte er damit den Pfotenabdruck wegwischen, den er immer noch spürte, besonders wenn er darüber rieb. „Ich höre zu.“ Kurz und knapp beantwortete er die unausgesprochene Frage und zwang sich, seine Mutter anzusehen.

„Oh, okay. Wo war ich? Achja, Don und ich verstanden uns super und irgendwann kam mir der Gedanke, dass er ja einen Sohn hatte, mir also ein Baby machen könnte.“ Verlegen sah sie kurz in ihr Glas und hob dann wieder den Blick zu ihrem Sohn, der sie mit einem undurchdringlichen Blick musterte. „Ich weiß, dass er um einiges älter war, er hatte während des Gespräches mal lachend angemerkt, dass ich fast so alt wäre, wie sein Sohn. Wie auch immer, ich bin nicht stolz auf das, was ich getan habe, doch ich habe ihn betrunken gemacht und dann verführt. Er wollte nicht mit mir schlafen, Chance. Er liebte seine Familie über alles, also verurteile ihn nicht. Es war alleine meine Schuld, mein Vergehen. Das war auch der Grund, warum ich ihn niemals darüber informiert habe, dass ich schwanger geworden war. Erstens wollte ich nur das Baby und zweitens, war es wirklich nur eine Nacht und im schlimmsten Fall, hätte es vielleicht eine Familie zerstört. Ich weiß nicht, ob er es jemals seiner Frau gebeichtet hat, deshalb habe ich niemals etwas gesagt. Außerdem...“

„Soll ich Dich nun beglückwünschen, dass er es in einer Nacht geschafft hat, was Juan in … Jahren? … nicht geschafft hatte? Oder was erwartest Du nun von mir?“ Chance trank einen Schluck von seinem Whiskey und ließ Sophia nicht aus den Augen. „Oder soll ich beeindruckt sein, was für ein potenter Kerl mein leiblicher Vater gewesen ist, dass er Dich in einer Nacht schwängern konnte?“ Spöttisch hob er eine Augenbraue und Sophia schüttelte nur mit dem Kopf.

„Ich erwarte, dass Du mir glaubst, dass Du mir zuhörst und verstehst, warum ich niemals etwas gesagt habe. Ich erwarte, dass Du mir verzeihst und verstehst, dass ich es nur tat, weil ich mir Dich so sehr gewünscht hatte.“

„Ja, ich verstehe durchaus ... 'Du' wolltest ein Kind, alles andere war Dir egal. Nur was 'Du' wolltest war wichtig. Aber bitte, sprich weiter...“

Sophia wollte etwas sagen und biss sich dann kurz auf die Lippen, bevor sie weitersprach. „Nachdem ich mit Don, also nachdem wir … nun, ich fühlte mich furchtbar, dass ich Juan das angetan hatte, genauso wie Don. Also bin ich still und heimlich gegangen und nach Hause gefahren. Kurz darauf stellte ich fest, dass ich schwanger war. Juan war erst wütend, doch dann, eines Abends, kam er zu mir und sagte, dass Du sein Sohn bist, von niemand anderem, seiner, und so war es. Er hat Dich vom ersten Moment an abgöttisch geliebt, Chance. Genauso wie Du ihn all die Jahre. Juan war Dein Vater, wird immer Dein Vater sein und bleiben.“

Chance presste die Lippen zusammen, bevor er einen Schluck trank. „Also wusste er es auch. Ich wette, Tobias weiß es auch. Sag mir, hattest Du jemals vor, mir etwas davon zu sagen?“

„Tobias weiß es, ja. Aber nur, weil vor ein paar Tagen Bryan an uns vorbeigefahren ist und ich einen Moment dachte, das wäre Don, er sieht aus wie sein Vater. Du siehst ebenfalls genauso aus, nur mit blonden Haaren und hellen Augen. Tobias hatte gemerkt, dass etwas nicht stimmte und so habe ich ihm die Wahrheit gesagt. Tobias wollte unbedingt, dass ich es Dir sage...“

„Wie nett, zumindest wollte er, dass ich die Wahrheit weiß. Und Deiner Antwort entnehme ich, dass Du es mir nicht sagen wolltest, nicht wahr? Du wolltest es mir weiterhin verschweigen.“

„Ich wollte Dich nicht verletzen, Chance. Wollte nicht das Bild zerstören, dass Du von Deinem Vater hast.“ Beschwörend sah sie ihn an und Chance beugte sich etwas vor, bevor er ihr leise und spöttisch antwortete.

„Du wolltest nicht das Ansehen von Dad zerstören? Das ist Blödsinn und das weißt Du. Das Einzige was Du nicht zerstören wolltest, war Deine kleine heile Welt und das Bild, das ich von Dir haben könnte, nachdem ich die Wahrheit weiß. Dad's Andenken kannst Du nicht zerstören, denn ihn hast Du genauso betrogen wie mich. Ich glaube kaum, dass Dad zu Dir gesagt hat, dass Du losfahren und mit dem erstbesten Kerl ins Bett springen sollst, damit Du ein Kind bekommst und...“

Chance wurde unterbrochen, als Sophia ihm eine schallende Ohrfeige verpasste und sich dann entsetzt die Hand auf den Mund presste, während sie ihn aus Schreckensweiten Augen ansah. „Es tut mir leid. Gott, Chance, es tut mir leid.“

Chance sah sie erst geschockt und dann mit vor Wut sprühenden Augen an und atmete tief durch, bevor er langsam seinen Stuhl zurückschob und aufstand. „Du solltest Dir ein Taxi rufen oder Tobias anrufen, damit er Dich abholt. Für das Essen und ein Taxi.“ Mit einer fließenden Bewegung zog er seine Brieftasche aus der Jeans und warf einige Dollarnoten auf den Tisch, bevor er sich umdrehte und mit langen Schritten das Restaurant verließ.

„Chance!“ Mit Tränen in den Augen sah Sophia ihrem Sohn nach, bevor sie mit zitternden Fingern nach ihrer Handtasche griff und ihr Handy und ein Taschentuch hervorholte. Gleichzeitig bemühte sie sich, sich nicht umzusehen. Sie hatte eh das Gefühl, als würden die wenigen Gäste in dem Restaurant gerade alle auf sie starren.