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Der neue Component

von Knirps
GeschichteFreundschaft / P12 / Gen
Electra Joule Volta Wrench
06.01.2020
18.01.2020
7
5.608
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18.01.2020 1.172
 
Obwohl er so vielversprechend mies begonnen hatte, war der Tag doch noch richtig gut geworden. Dies musste Wrench schließlich doch innerlich zugeben, als sie sich in einem Stuhl vor einer Eisdiele zurück lehnte und genüsslich ihr Schokoladeneis verzehrte. Neben ihr saß ein mit sich selbst und der Welt zufriedener Electra und genoss sein Matcha-Eis - nur das Beste Exotischste für den Herrn.
Es hatte erstaunlich viel Spaß gemacht die Neuerungen an Electra zu finden und nachdem sie über ihr Selbstmitleid hinweg gekommen war hatte es auch nicht mehr lange gedauert ehe sie die erste Testfahrt machen konnten.

Alles in allem konnte man den neuen Electra so beschreiben: leichter, schneller, besser. Wirklich viele neue Funktionen hatte er nicht, wenn man von den neuen 'Wirbelstrombremsen' und einem Anti-Schlinger-Assistenten absah, welche dafür sorgen sollten dass so ein dramatischer Unfall nicht mehr vorkommen sollte.
Auch konnte Electra nun selbst erkennen ob und vor allem wo etwas nicht in Ordnung war: als Wrench bei der Suche nach Neuerungen ausversehen ein Kabel abriss, fing Electras Computer sofort an Warnsignale zu senden und die Bremsen wurden angezogen. Viel half der E-Lok das allerdings nicht, er würde immer noch Wrench oder einen Mechaniker benötigen um dann wieder flott zu werden, denn selbst reparieren konnte er sich immer noch nicht. Aber dieser Assistent sollte zumindest weiteren Unfällen vorbeugen. Die ganzen schicken LED's, die seine langweilige Farbe gekonnt aufpeppten, taten ihr übriges. Die Steuerung schien tatsächlich intuitiv durch Electra selbst zu erfolgen, denn Wrench konnte kein passendes Programm finden.

Tja, und nachdem Wrench das gerissene Kabel geflickt, die Bremsen gelöst und die Neuerungen aufgezählt hatte, ging es raus. Ganz alleine fuhr sie mit Electra in noch nie da gewesener Geschwindigkeit über die dem Bahnhof angehörige Rennstrecke, wurde als erste der Components Zeuge von seiner gleichmäßigen, ruhigen und atemberaubenden neuen Fahrweise.

Und als Dank hatte er sie anschließend in dieses Eiscafe ausgeführt.
Jetzt saßen sie einträchtig nebeneinander in der Sonne und genossen ihre Eiskugeln.

Ja, sie musste schon zugeben, der Tag war wesentlich besser als ihre üblichen freien Tage, wenn für Joule und Volta shopping angesetzt war: Für gewöhnlich verbrachte sie solche Tage auf dem Sofa, je nach Gemütslage mit einem Serienmarathon oder einem Ego-Shooter, in dem sie riesige Horden an Zombies abschlachtete. Sie hatte sich schon lange mit ihrem Los abgefunden, denn mit den anderen Zügen des Bahnhofs hatte sie so gut wie keinen Kontakt und zum shoppen mitfahren wollte sie auf gar keinen Fall. Doch nun, mit einem selbst fahrenden Killerwatt, schien es als würde sich das Blatt zu ihren Gunsten wenden.
Schien so als müssten ihre Gaming-Kollegen künftig öfter auf ihre tatkräftige Mithilfe verzichten.


Electra summte voller Zufriedenheit vor sich hin und leckte sich gerade die Überreste seines Eises von den Fingern. Dieser Tag war hervorragend verlaufen, ohne wenn und aber war er durch und durch zufriedenstellend.
Wenn ihm jemand noch vor einer Woche erzählt hätte, dass sein Aussehen und seine Leistung veraltet und überholt war, hätte er denjenigen mit einem gehörigen Stromschlag in das Himmelsdepot befördert. Doch nun fragte er sich wie er so leben, und vor allem fahren, konnte. Dank der Generalüberholung fühlte er sich so leicht und es kostete ihn wesentlich weniger Mühe in Fahrt zu kommen. Seine neuen Assistenten hatte er zwar noch nicht ausprobieren können - sie hatten heute keine nassen und rutschigen Gleise finden können - aber dass er jetzt in der Lage war aus voller Fahrt eine Vollbremsung hinzulegen, wenn es nötig war, befriedigte ihn. Auch dieses Warnsystem für Fehlfunktionen führte dazu dass er sich wesentlich sicherer auf den Gleisen fühlte.

Alles in allem, kurz und knapp zusammengefasst: Er war toll. Er war der Beste. Er war ein Superstar, und das jetzt mehr denn je.

Doch nun war das Eis des Superstars aufgegessen, auch Wrench war seit geraumer Zeit fertig, und so begaben sich Lokomotive und Reparaturwagen auf den Heimweg. Unterwegs trafen sie dabei auf einen ausgelaugten Killerwatt, eine mit sich selbst und der Welt sehr zufriedenen Joule und einer erstaunlich fröhlichen Volta. Kurzerhand hängten sich die drei an Wrench und so konnte Electra auf der letzten Meile nach Hause gleich noch einmal testen, wie sich nun das Gesamtgewicht seines Zuges im Vergleich zu seiner verbesserten Zugkraft hielt.

Am heimischen Depot angekommen mussten sie erst einmal massenhaft Einkaufstaschen beiseite schaffen um den Eingang frei zu legen. Joule hatte, mit Rücksicht auf Killerwatts schwache Zugkraft, den Service der Läden genutzt und ihre Ausbeute direkt zum Depot schicken lassen.

Während Killerwatt sich entkräftet auf das Sofa fallen ließ und Wrench und Volta das Abendessen vorbereiteten zog Joule all ihre Eroberungen noch einmal an und führte sie einem höchst interessierten, zumindest tat er so, Electra vor.


Wenn Killerwatt nun den Verlauf seines ersten Tages mit den Components des E-Zuges in seinem Kopf Revue passieren lies, konnte er nur hoffen dass dies nicht die Norm war, denn dann wäre er schneller reif für den Schrottplatz als ihm lieb war. Sie waren alle durch und durch nett, eben so nett, wie man es von ihnen erwarten konnte, immerhin war er (noch) fremd. Er wollte auf jeden Fall für die Sicherheit dieser Wagen sorgen, auch wenn sein Beschützerinstinkt definitiv für Electra da war. Electra war für ihn wie ein Idol, er fühlte sich in seiner Nähe wie sich ein kleines Fangirl fühlen musste. Nur dass er nicht in Ohnmacht fiel wenn Electra ihn ansah, weil er ihn in jeder Situation in Sicherheit wissen wollte. Die Components waren seine Freunde, zumindest hoffte er dass sie es noch werden würden, ihnen sollte auch kein Leid geschehen und als Sicherheitswagen würde er natürlich auch auf sie achten.
Aber er musste bereits heute lernen dass ihre Persönlichkeit wesentlich vielschichtiger war, als es zunächst den Anschein hatte.
Joule war nicht nur überdreht und fast ein bisschen hyperaktiv, sie war auch in Gewisser Weise einfühlsam. Sie war es schlussendlich gewesen, die den Streit um Killerwatts künftiges Aussehen beendet hatte, mit der Aussage dass er seinen Job wohl gleich kündigen würde, wenn er schon am ersten Tag von zwei Seiten so niedergemacht werden würde.
Über Volta konnte man nur sagen dass der Spruch 'stille Wasser sind tief' wie die Faust aufs Auge passte. Nur weil sie sich oft nur ihren Teil dachte und nur das nötigste in Lauten von sich gab hieß das nicht dass sie völlig teilnahmslos vor sich her lebte. Sie nahm genau so viel Anteil an ihrer Umgebung wie die extrovertierte Joule.
Von Wrench hatte er bis jetzt zwar noch nicht viel in Erfahrung bringen können, allerdings war er sich sicher dass auch sie wesentlich komplexer war als es zu Beginn vielleicht den Anschein hatte.
Auf jeden Fall freute sich Killerwatt auf die kommenden ereignisreichen Jahre, die ihm nun bevorstanden.


Auch wenn ich mit Sicherheit noch weiter hätte schreiben können, konnte ich ein gutes Ende nicht ungenutzt verstreichen lassen.
Aber das hier wird definitiv nicht die letzte Fanfiktion sein, die ich Electra und seinen Components widme!
Und wer sich etwas weiter bilden möchte, hier ein Link zu einem Artikel über diese Wirbelstrombremsen
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