Tender Love

GeschichteDrama, Romanze / P18
Saskia Berg Thure Sander
05.01.2020
30.06.2020
63
82.110
3
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30.06.2020 750
 
Während Saskia mit einem Tee in der Hand zu ihrer Unterkunft zurückkehrte, genoss sie die hellen Sonnenstrahlen auf ihrem Gesicht. Es tat gut, sich an Sonntagen zu entspannen und sich von der anstrengenden Arbeit zu erholen, die Saskia in den übrigen sechs Tagen leistete.
Sie erreichte das alte Bauernhaus, trank den letzten Schluck ihres Tees aus und warf den Becher anschließend in einen Müllbeutel. Wie so oft in den letzten Tagen, glitt ihre Hand unbewusst in die Jackentasche, wo sich der Handwärmer befand, den Saskia Tag und Nacht bei sich trug. Sie hatte Thure schon eine Weile lang nicht mehr gesehen. Ob er wieder im Spital war? Auch von Pia hatte sie ewig nichts mehr gehört. Aber sie hätte ihr mit Sicherheit etwas gesagt, wenn Thure wieder in die Klinik hätte gehen müssen…
Das Geräusch eines Autos riss Saskia aus ihren Gedanken. Jemand hatte vor dem Haus angehalten. Sofort wanderten die Finger in ihrer Jackentasche zu dem Pfefferspray und umklammerten es fest. Man konnte ja nie wissen…
Saskia entspannte sich sofort, als sie von draußen die gedämpfte Stimme von Thure hörte: „Saskia?“ „Ich bin hier!“, rief sie. „Komm rein.“ Die Haustüre ging auf, seine Schritte kamen immer näher und dann sah sie ihn. In seiner Uniform, die ihm so gut stand.
„Hallo!“, sagte Saskia und musste zugeben, dass sie sich sehr darüber freute, ihn wieder zu sehen. „Hi! Ich wollte nur mal sehen, wie es dir geht“, erwiderte Thure und lehnte sich gegen den Türrahmen. „Gut, danke. Und dir? Was macht dein Arm?“ „Dem geht es schon besser. Ich habe vorgestern nochmal einen neuen Verband bekommen. In ein bis zwei Wochen ist alles wieder verheilt.“ Saskia nickte und musterte ihn dabei. Es überraschte sie, dass Thure anscheinend keinen psychischen Schaden davon getragen hatte. Und das, obwohl auf ihn geschossen wurde…
„Was ist?“, fragte Thure plötzlich. „Nichts. Naja, ich habe nur gerade gedacht, dass du so entspannt wirkst, dafür, dass jemand auf dich geschossen hat. Hast du denn keine Angst? Ich meine, dass es nochmal passiert?“ Thure lächelte matt: „In meinem Beruf muss man leider immer damit rechnen. Aber ich mache mir trotzdem nie Gedanken darüber. Ich blende das meistens aus.“ Man muss immer damit rechen? War ihm dann eigentlich bewusst, wie viel Glück er hatte? Er hätte sterben können!
Saskia atmete hörbar aus: „Wenn dir etwas passiert wäre...ich…“ Oh man! Hatte sie das gerade wirklich laut gesagt? Die Worte sprudelten aus ihr heraus, ehe sie sie zurückhalten konnte. Sie warf ihm einen verlegenen Blick zu.
Saskia bekam einen Schreck, als sie sah, wie sich Thures Pupillen plötzlich weiteten. Er stieß sich vom Türrahmen ab und ging langsam auf sie zu. Was war denn jetzt auf einmal mit ihm los? Was hatte er vor? Saskia wich beunruhigt ein paar Schritte zurück, aber konnte sich dabei nicht von seinem Blick lösen, der sie regelrecht in den Bann zog. Warum blieb er denn nicht stehen?
Saskia spürte plötzlich die Wand im Rücken und presste sich dagegen. Jetzt gab es kein Entkommen mehr! Ihr Puls beschleunigte sich, als Thure ihr immer näher kam und schließlich so nah vor ihr stehen blieb, dass Saskia seinen Atem auf ihrem Gesicht spüren konnte. Er wollte doch nicht…?
Thure umfasste behutsam ihre Oberarme und sah ihr tief in die Augen. Himmel, er war so groß! Saskia wurde wieder einmal bewusst, dass sie ihm nur bis zur Schulter reichte und nicht mal annähernd so viel Kraft besaß wie er. Thure hatte jetzt also die komplette Macht über sie. Und Saskia konnte nichts dagegen tun!
„Thure…“, murmelte sie ängstlich. Seine Augen waren mittlerweile tiefschwarz und Saskia versank immer mehr in ihnen. „Ich werde dich jetzt küssen!“, flüsterte er warnend und mit rauer Stimme.
Was? Nein! Oh, nein! Auf keinen Fall! Saskia stockte der Atem. Sie wollte protestieren, weil ihr hunderttausend Gründe einfielen, warum er das nicht tun sollte, aber bevor sie etwas erwidern konnte, trafen Thures Lippen auf ihren Mund. Saskia schloss unwillkürlich die Augen und legte ihre Hände auf seine Brust. Ihr Puls schnellte in die Höhe und sie spürte, wie das Blut heiß und schnell durch ihre Adern rauschte. Seine Lippen lagen auf ihrem Mund, ohne dass er sie bewegte und trotzdem fühlte sich dieser Kuss unglaublich gut an! Saskias Kopf war plötzlich wie ausgeschalten. Sie dachte nicht darüber nach, was sie da tat, als sie ihren Mund ein klein wenig öffnete, um vorsichtig an seiner Unterlippe zu ziehen. Gott, sie war so warm! So weich!
Es war plötzlich so, als würde die Zeit stehen bleiben…
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