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Tender Love

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Saskia Berg Thure Sander
05.01.2020
25.11.2021
143
236.957
10
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25.11.2021 2.021
 
„Kapitän?“
Thure hob seinen Blick von den Akten, die vor ihm lagen und schaute seine Bootsfrau fragend an. „Ich weiß ja, dass Sie normalerweise keine Geschenke von uns haben möchten, aber weil uns aufgefallen ist, dass Sie in letzter Zeit ziemlich bedrückt gewirkt haben, haben ein paar Kollegen von uns für ein Frühstück zusammengelegt. Es soll nur eine Kleinigkeit sein. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.“ Thure betrachtete den Kaffeebecher und die prall gefüllte Bäckertüte, die sie auf seinem Schreibtisch ablegte und musste aufgrund der netten Geste lächeln. „Danke, Frau Stern!“, sagte er und erhob sich von seinem Stuhl.
Erst jetzt fiel ihm auf, dass sich bereits alle Kollegen in der Einsatzzentrale eingefunden hatten und zu ihm herübersahen. „Danke, Ihnen allen!“, sagte er. „Ich weiß, ich habe es Ihnen in den vergangenen Monaten nicht sehr leicht gemacht. Ich habe meinen Job als Kapitän mehr schlecht als recht erledigt und dabei Vieles vernachlässigt. Um ehrlich zu sein habe ich derzeit privat ein paar Probleme, aber das hat hier im Dienst nichts verloren. Darunter dürfen Sie nicht leiden. Ich verspreche, dass sich das ab sofort wieder ändern wird. Wir sind ein Team, eine Crew und wir sind alle aufeinander angewiesen.“
Im Hintergrund ertönte ein abfälliger Applaus. Alle drehten sich um und starrten Gruber, der aus seinem Büro gelaufen kam, entsetzt an. „Wie schön, dass Sie das endlich selbst bemerkt haben, mein lieber Sander“, säuselte er voller Ironie. „Nicht mehr lange und ich hätte Ihre Versetzung beantragt!“ Thure erwiderte nichts darauf, sondern schob seine Hände in die Hosentaschen und sah beschämt zu Boden.
Normalerweise war er ein stolzer Polizist und ein noch stolzerer Kapitän, der sich von nichts und niemanden unterkriegen ließ, der seinen Beruf liebte und all sein Herzblut in die Arbeit steckte. Aber während der letzten Monate, seit der Trennung von Saskia, war er in eine Art Trance gefallen, war seinen Aufgaben nur noch monoton nachgegangen und hatte nicht darauf geachtet, was links und rechts von ihm geschah. Glücklicherweise hatte es so gut wie keine neuen Fälle gegeben, weswegen er die meiste Zeit an seinem Schreibtisch verbringen und einen Großteil seiner Aufgaben an Pia hatte abgeben können. Aber Gruber hatte recht, es war vermutlich nur noch eine Frage der Zeit gewesen, bis man ihn deswegen strafversetzt hätte…
Thure hörte, wie sich Norge auffällig räusperte und kurz darauf holte Gruber tief Luft. „Nun ja. Nichtsdestotrotz wünsche auch ich Ihnen alles Gute zum Geburtstag“, knurrte er. „Danke“, murmelte Thure und sah ihn ausdruckslos an.
Die Traube vor seinem Tisch löste sich plötzlich wieder auf, jeder ging an seinen Arbeitsplatz zurück, nur Pia und Feddersen blieben bei ihm stehen und überreichten ihm einen Briefumschlag. „Von uns natürlich auch alles Liebe zum Geburtstag“, sagte Pia und drückte Thure einen Kuss auf die Wange. „Danke“, sagte er und gab Feddersen einen freundschaftlichen Klaps auf die Schulter als dieser ihm seine Hand reichte. „Von mir natürlich auch. Alles Gute, Kapitän.“
„Danke. Aber ihr wisst, dass das nicht nötig gewesen wäre.“ Thure hielt wedelnd den Briefumschlag nach oben. „Mach ihn einfach auf!“, überging Pia sein Kommentar und sah ihn gespannt an.
Thure öffnete den Briefumschlag, zog ein zusammengefaltetes Papier heraus, öffnete es und staunte nicht schlecht, als er die Zeilen las, die darauf standen. „Wir dachten uns, dass es mal wieder Zeit für eine sportliche Herausforderung für dich wäre und was eignet sich besser dafür, als ein Fallschirmsprung aus 4000 Meter Höhe?“, erklärte Pia grinsend. Thure strahlte sie an: „Ihr seid total verrückt. Dankeschön.“
Den beiden war es tatsächlich gelungen, ihn für einen Moment von seinem Kummer wegen Saskia abzulenken. Schon so lange hegte er heimlich den Wunsch, einmal aus einem Flugzeug zu springen…
„Heute Abend würden wir Sie gerne zum Essen einladen“, fügte Feddersen hinzu und legte einen Arm um Pia. Thure sah ihn freundlich an, aber schüttelte mit dem Kopf: „Nein, das wäre zu viel! Das muss wirklich nicht sein.“ „Wir haben schon reserviert!“, erklärte Pia. „Heute Abend um neun bei deinem Lieblingsitaliener. Zieh dir etwas Schickes an! Wenn du nicht kommst, holen wir dich zuhause ab!“ Ehe Thure etwas erwidern konnte, drehte sie sich um und zog Feddersen hinter sich her in Richtung Kaffeemaschine.

Thure lehnte mit verschränkten Armen gegen der Motorhaube seines Autos und starrte die Straße hinab, die hierher auf den großen, geräumigen Parkplatz führte. So gerne er normalerweise italienisch aß und das vor allem mit Pia, aber an diesem Abend hatte er wirklich keine Lust darauf. Am liebsten wäre er zuhause geblieben und hätte sich nach zwei Stunden Dienstsport oder noch etwas Krafttraining unter seiner Bettdecke versteckt. 33 war nun wirklich keine Zahl, die man ausgiebig feiern musste, schon gar nicht, wenn man seine Geliebte nicht an seiner Seite hatte…
Trotzdem hatte sich Thure für diesen Abend rausgeputzt und sich neben einer dunklen Stoffhose ein weißes, kurzärmeliges Hemd übergezogen. Die lauen Temperaturen, die es auch jetzt noch hatte, obwohl die Sonne beinahe schon untergegangen war, machten eigentlich mehr Lust darauf, in Badehose an den Strand zu gehen und ein kühles Bad in der Ostsee zu nehmen, aber nun gut. Pia hatte auf dieses Abendessen bestanden und weil Thure sie nicht mit seiner betrübten Laune anstecken wollte, hatte er nachgegeben.
Vielleicht war es heute Abend auch einfach mal wieder an der Zeit, ein paar Gläser Wein zu trinken, dann würde er diesen schon irgendwie rum bekommen…
Fünf Minuten später tauchte endlich Pias Auto auf und begrüßte Thure mit einer Lichthupe. Er hob matt seine Hand, stieß sich von seinem Wagen ab und wartete geduldig, bis Pia auf einem freien Platz eingeparkt hatte.
Langsam näherte er sich ihr, lächelte kurz, als sie und Feddersen ausstiegen…
Doch dann blieb ihm plötzlich das Herz stehen, als sich auch eine der hinteren Türen öffnete und niemand geringeres als Saskia ausstieg. Sie trug ein luftiges Sommerkleid, das ihr nur bis zu den Knien reichte, dazu flache Riemchensandalen und Thure meinte zu erkennen, dass sie auch beim Friseur gewesen war und sich zudem geschminkt hatte. Ihr Anblick haute ihn völlig um!
War sie je so schön gewesen, wie an diesem Abend, oder kam ihm das nur so vor, weil sie das erste Mal ein Kleid trug?
Thure starrte sie an, unfähig sich zu bewegen, unfähig etwas zu sagen und blendete dabei sogar Pia und Feddersen komplett aus. Seine Augen ruhten nur auf Saskia, die etwas unsicher auf ihn zugelaufen kam und in diesem Moment dachte er sich, dass sie doch nie gekommen wäre und sich nicht so unfassbar hübsch gemacht hätte, wenn sie ihn nicht lieben und nicht auch auf einen Neuanfang hoffen würde. Oder war das nur ein Wunschgedanke von ihm?
Nein! Denn alles, was sie gesagt hatte, war völliger Unsinn gewesen, von wegen, dass es für sie keine Zukunft geben würde und dass ihre Liebe keine Chance hatte, solange Sebastian frei war. Thure würde ihr von diesem Moment das Gegenteil beweisen, dass ihre Liebe stärker als alles andere war, dass sie das schon immer gewesen war und es auch immer sein würde.
Seine Laune hob sich um mindestens zweihundert Prozent, als Saskia ihm ein Lächeln zuwarf, als sie endlich vor ihm stand. Vergessen war der Kummer der letzten Monate, vergessen war sein Plan, sich nachher beim Essen im Alkohol zu ertränken. Nur dieses eine Lächeln, das Lächeln, in welches er sich vor so langer Zeit unsterblich verliebt hatte, sorgte dafür, dass seine Lebensgeister wieder geweckt wurden, dass der Himmel wieder rosa wurde, dass sein Herz wieder schnell und wild schlug.
„Ich hoffe, dir macht es nichts aus, dass wir noch jemanden mitgebracht haben“, sagte Pia mit einem breiten Grinsen, als auch sie und Feddersen bei Thure angekommen waren. „Überhaupt nicht“, gab er zurück, ohne seinen Blick von Saskia zu lösen. Sie lächelte noch breiter, sah dabei verlegen zu Boden und hielt sich nervös an ihren Händen fest.
„Wollen wir?“, fragte Pia schließlich in die Runde. „Also ich wäre bereit“, kam es von Feddersen. „Ich auch“, erklärte Saskia.
Während Pia und Feddersen losliefen, reichte Thure Saskia seinen Arm und fragte sie: „Darf ich?“ Saskia nickte und hakte sich bei ihm unter, ehe sie ihren beiden Freunden folgten. Unterdessen fiel Thures Blick auf ihren Rücken, der dank des großzügigen V-Ausschnitts ihres Kleides so gut wie frei lag. „Du siehst wunderschön aus“, murmelte er ihr bewundernd zu. Wieder lächelte Saskia verlegen und blickte ihn scheu an. „Danke“, flüsterte sie. „Und übrigens herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.“
Thure zwinkerte ihr zu und kurz darauf näherten sie sich der riesigen Terrasse des italienischen Restaurants, die an diesem Abend von unzähligen brennenden Fackeln umzäunt war. Aber nicht nur die Fackeln, sondern auch ein musikalisches Duo, bestehend aus einem Mann und einer Frau, die mit ihrem elektronischen Keyboard in einer Ecke standen und gerade ‚She’s Like The Wind‘ in ihre Mikrofone sangen, verbreitete eine romantische Stimmung. Als hätte es das Schicksal darauf angelegt, dass dieser Abend perfekt werden sollte, dass es überhaupt der erste schöne Abend nach langer Zeit für Thure werden sollte…




Als sie am Eingang angekommen waren, legte Thure seine Hand auf Saskias Rücken, auf ihre wunderbare weiche nackte Haut, und führte sie auf die Terrasse. Die anderen Gäste sollten zu sehen bekommen, dass diese Frau zu ihm gehörte, nur zu ihm! Und dass er stolz darauf war!
Thure musste unwillkürlich Lächeln, als er spürte, wie Saskia unter seiner Hand zusammenzuckte und sie kurz darauf eine Gänsehaut bekam. Sehr gut, ihr Körper reagierte also noch auf seine Berührungen. Und wie…
Sehnte sie sich also auch so sehr nach ihm, wie er sich nach ihr? Lag sie auch manchmal nachts wach, weil ihr diese Nähe, diese Wärme fehlte? Vermisste sie es ebenfalls, gemeinsam unter der Bettdecke zu liegen, zu kuscheln und sich gegenseitig Geborgenheit zu schenken, den anderen atmen zu hören, ihn zu riechen, zu streicheln, zu spüren?




Ein schleimiger Italiener mit zu stark gegeltem Haar, der an diesem Abend ihr Kellner sein sollte, führte sie zu ihrem Tisch, nachdem er sie alle überschwänglich begrüßt und Saskia und Pia mit Komplimenten überhäuft hatte.
Thure und Saskia setzen sich nebeneinander an die eine Seite des Tischs, gegenüber nahmen Pia und Marten Platz. Sie unterhielten sich jedoch nicht gleich, sondern drehten sich alle zu dem Mann und der Frau, die für musikalische Unterhaltung sorgten.
Alle, außer Thure. Er hatte nur Augen für Saskia. Er ließ sie über ihren Körper wandern, betrachtete jede einzelne Stelle, jedes Stück Haut, das frei lag und dachte sich dabei immer wieder, wie unglaublich gut ihr dieses Kleid stand. Sie sah aus wie eine Prinzessin, wie eine kleine Elfe, nicht zuletzt wegen ihrer blassen Haut und der grazilen Figur.


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