Die Helden in der Hölle

MitmachgeschichteAbenteuer, Horror / P18 Slash
OC (Own Character)
05.01.2020
20.01.2020
6
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Langsam, aber trotzdem zügig begaben die drei neuen Freunde sich zurück zu Hendriks Unterschlupf, wo er sich an seinen Schreibtisch setzte und den PC hochfuhr. Aus irgendeinem Grund wich Lisa, die neueste in ihrem Team, nicht von seiner Seite und streichelte fortwährend seinen Arm. Er wurde unverkennbar ein bisschen rot, versuchte aber trotzdem, sich auf seine Bildschirme zu konzentrieren.

“Was genau machst du da eigentlich, Großer?”, fragte Crowley, während er all seine Waffen hervorholte und genau überprüfte. “Ich habe einige noch funktionierende GPS-Satelliten gehackt und mich damit auf die Suche nach Signalen von Überlebenden gemacht. Wenn wir also zumindest noch eine Person finden könnten, mit der wir nach einer neuen und festen Bleibe suchen können, dann macht es das viel einfacher”, erklärte Hendrik, ohne den Blick abzuwenden.

“Ihr wolltet doch wissen, wie ich so lange überleben konnte”, warf Crowley nun ein, was ihm sofort die allgemeine Aufmerksamkeit einbrachte. “Ich habe mir immer mehr Waffen angeeignet und den Umgang damit gelernt. Dieses Maschinengewehr habe ich noch vorhin auf dem Rückweg gefunden, also steigen meine Chancen erneut.”

“Das erklärt natürlich einiges”, meinte Lisa abgelenkt und setzte sich ohne zu fragen bei Hendrik auf den Schoß, der etwas überrascht war, sich aber trotzdem weiter seinem Vorhaben zuwandte. Nach einigen Minuten hellte sich sein Gesicht auf, und er lächelte seine neuen Freunde an: “Ich habe etwas gefunden. Das Signal ist zwar nur schwach, aber es war doch eindeutig: da ist ein Mensch in der Nähe, den können wir also gut ins Team aufnehmen.”

“Hoffen wir mal, dass es kein Mädchen ist”, meinte Lisa leise, während sie auf Hendriks Schoß saß und auch nicht wirklich Anstalten machte, wieder runterzukommen. “Das Geschlecht ist doch egal, jeder hat das Recht, zu leben”, meinte Hendrik und schaffte es mit sanften, aber bestimmten Mühen, das Mädchen von sich runterzukriegen, sodass er nun auch aufstehen und sich ans Fenster begeben konnte. Der Regen hatte inzwischen aufgehört, aber die Sonne kam nicht hinter der dunklen Wolkenwand hervor.

“Was meint ihr, wollen wir mit den Motorrädern fahren?”, fragte Crowley nun. Er hatte nach ihrer Rückkehr sein neues Motorrad vollgetankt, während Hendrik seine eigene Maschine wieder flottgemacht hatte. “Von mir aus schon”, sagte Hendrik mit den Händen in den Hosentaschen und wandte sich seiner Garage zu. Sofort rannte Lisa hinter ihm her, der Gürtel mit ihren Pokébällen rutschte schief hin und her. “Die hat ja echt einen Narren an ihm gefressen”, dachte Crowley bei sich, ehe er ihnen folgte und sich zu seinem Motorrad begab, das nun vor der Tür stand.

Inzwischen holte Hendrik ebenfalls sein Gefährt aus der Garage: es war pechschwarz und wie ein Mega Glurak X designt. Die roten Augen waren die Scheinwerfer, und an den Seiten waren eingeklappte mechanische Flügel angebracht. Als er den Motor startete, brummte das Motorrad laut auf. Die Scheinwerfer flammten auf und ließen Rauch aus den Antrieben aufsteigen. Aufgeregt sprang Lisa hinter ihm auf und schnappte sich einen der beiden dunklen Helme, die ein gezacktes Visier hatten. Sie saß direkt hinter Hendrik und klammerte sich an seiner Hüfte fest.

“Du musst keinen Todesgriff anwenden, du kannst ruhig ein bisschen lockerer lassen”, ächzte Hendrik. “Ist schon in Ordnung”, meinte Lisa unnachgiebig und rückte noch näher an ihn ran. “Hey, ihr zwei Turteltauben, können wir dann los?”, fragte Crowley und grinste unter seinem Helm. Hendrik wurde knallrot, was man unter seinem Helm zum Glück nicht sah, und startete nun den Motor. Crowley fuhr ihnen hinterher, auf dem Weg zu dem Überlebenden, den sie gefunden hatten.

Sie fuhren durch eine verlassene Kleinstadt, die voll von Ruinen und eingestürzten Häusern war. Genau wie auf der Landstraße, die Hendrik und Crowley entlanggegangen waren, begegnete ihnen hier kein einziges Lebewesen. Allerdings liefen vereinzelt einige Zombies herum. Sie alle wurden aber von Crowleys Waffen vernichtet, die er ohne anzuhalten auf sie abfeuerte.

“Noch irgendwelche Fragen, wie ich bis jetzt überlebt habe?”, fragte Crowley die anderen und wackelte unter seinem Helm mit den Augenbrauen. Lisa stöhnte leise auf und schaute über Hendriks Schulter auf den eingebauten Bildschirm, wo der markierte Punkt immer näherkam. “Wie lange brauchen wir noch, bis wir da sind?”, fragte sie weiter. “Nur noch ein paar hundert Meter. Aber mal im Ernst, musst du denn wirklich so klammern?”

“Na klar, sonst fall ich am Ende noch runter”, sagte Lisa mit einem verschwörerischen Unterton in der Stimme und griff noch fester zu, was Hendrik noch mehr die Luft abschnürte.

Sie fuhren weiter die Straßen entlang, wobei sie den Schlaglöchern sorgfältig auswichen. Crowley hätte es einmal fast erwischt, aber die schnelle Warnung rettete ihn davor, in hohem Bogen von seinem Gefährt zu fliegen.

Schließlich erreichten sie eine kleine Hütte am Rande der Stadt, die an einem mittlerweile ausgetrockneten Fluss stand und nicht den Eindruck machte, als würde die Person, die dort lebte, viel Kraft oder Erfahrung im Hausbau besitzen: es gab mehrere kleine Löcher in den Wänden, einige Fensterscheiben waren zerbrochen, und die Tür hing schief in den Angeln. “Wer wird hier wohl leben?”, fragte Crowley laut, nachdem sie von ihren Maschinen abgestiegen waren und das Haus in Augenschein genommen hatten. “Ich finde es irgendwie unheimlich”, meinte Lisa und klammerte sich an Hendrik.

“Willst du eigentlich auch nochmal alleine laufen? Bevor wir uns kannten, konntest du das doch offensichtlich auch”, sagte Hendrik. Lisa antwortete nicht, sondern starrte ihm tief mit ihren roten Augen in seine, was ihn ebenso rot im Gesicht anlaufen ließ. Um endlich weiterzukommen, gingen sie nun langsam und bedächtig in das Haus rein, wobei Lisa unbedingt mit Hendrik Händchenhalten wollte.

Das Innere war genauso, wie es von außen den Eindruck erweckte: die Möbel waren in einem furchtbaren Zustand, die Tapete war an einigen Stellen abgerissen, nur das große pinke Bett in der Ecke war seltsamerweise tadellos in Form und mit diversen Kuscheltieren bestückt. Auch wenn die Bettdecke ordentlich war, sah es doch so aus, als hätte vor Kurzem jemand darin geschlafen. Außerdem fanden sie darin auch einige Fellreste, vermutlich von einem Evoli.

“Seid mal leise”, zischte Hendrik auf einmal und legte den Finger an den Mund. Sofort wurden Crowley und Lisa leise und sahen sich nervös um. Langsam und auf Zehenspitzen schlich sich Hendrik zu einer Ecke des Zimmers, die von einigen losen Holzplanken bedeckt war. Blitzschnell riss er sie beiseite, erschrak aber, als er sah, wer da war: ein kleines Mädchen von etwa 16 Jahren mit hüftlangen goldblonden Haaren in einem rosa-blauen Pullover mit einem aufgedruckten Mauzi lag vor ihm und zitterte am ganzen Leib. Dazu trug sie einen hellrosa Rock mit wadenhohen weißen Stiefeln. In ihren Armen hielt sie ein kleines Evoli, das fast noch mehr zitterte als sie selbst und Hendrik mit aufgerissenen Augen anstarrte.

“Hey, Kleine”, sagte Hendrik sanft und streckte seine Hand nach dem Mädchen aus. “Es ist alles in Ordnung. Wir sind hier, um dir zu helfen und dich in Sicherheit zu bringen.” Das Mädchen antwortete nicht, sondern drückte sich weiter gegen die Wand hinter ihr, und nun glaubten die Freunde, auch Tränen in ihren Augen aufblitzen zu sehen.

“Lass mich mal, Hendrik. Du machst der Kleinen Angst”, mahnte Crowley und drängte sich an Hendrik vorbei. Dann kniete er neben dem Mädchen nieder und wischte ihr sanft die Tränen aus den Augen. “Du musst wirklich keine Angst haben. Wir wollen dich als Freund haben und gemeinsam einen Ort finden, wo wir endlich in Ruhe und Harmonie leben können.” Langsam schien das Mädchen sich zu entspannen und wurde nun stattdessen rot im Gesicht. Kurz entschlossen umarmte Crowley sie und streichelte ihr den Rücken. Dann half er ihr auf die Füße. Sie war vielleicht 1,50 Meter groß und hatte keine Muskeln. Nachdem sie aufgehört hatte zu weinen, nahm sie Crowley erneut in den Arm und stellte sich dann als Aiko Mizui vor.

“Was meint ihr, sind wir dann ausreichend komplett?”, fragte Hendrik danach, aber mit einem merkwürdig dumpfen Ton in seiner Stimme. “Finde ich auch”, meinte Crowley und grinste. “Wir sollten wieder zurückfahren und unsere nächsten Schritte planen. Aiko, du kannst bei mir mitfahren.” Den Arm auf ihre Schulter gelegt, ließ das Mädchen sich von Crowley aus der Hütte führen. Lisa wollte gerade hinterhergehen, da bemerkte sie, dass es in Hendriks roten Augen verdächtig blinkte.

“Was hast du?”, fragte sie ihn besorgt und nahm Hendrik sofort in den Arm. “Ach, es fängt mal wieder an”, knurrte er traurig tief unten in der Kehle. “Weißt du, ich habe früher auch schon mal Überlebende gefunden. Einige waren Aiko sehr ähnlich. Sobald ich mich ihnen näherte, fingen sie an zu weinen und vor mir wegzulaufen, nur wegen meiner Größe und meinem Aussehen. Ich sehe vielleicht nicht so aus, aber es stimmt mich traurig, wenn alle einen nur nach dem Aussehen beurteilen.”

Lisa hatte genau zugehört und starrte nun in seine roten Augen, bevor sie leise sagte: “Also, wenn ich dein Aussehen beurteilen müsste, hätte ich keine Angst vor dir, sondern finde dich eher hübsch.” Bei diesen Worten lief Hendrik knallrot an und sah zu Lisa runter, die nervös lächelte, ehe sie sich auf die Zehenspitzen stellte und ihn heftig auf die Lippen küsste. Einen Moment lang war er vollkommen überwältigt, war er doch noch nie von jemandem geküsst worden. Doch dann schloss er die Augen, hob Lisa auf seine Augenhöhe hoch, hielt sie an den Beinen fest und erwiderte den Kuss. Als sie den Kuss nach einer gefühlten Ewigkeit lösten, fuhr Lisa Hendrik durch die Haare und lächelte ihn verliebt an. Hendrik erwiderte das Lächeln und fühlte sich in diesem Moment so glücklich wie seit ewigen Zeiten nicht mehr.

“Wir sollten mal zu den anderen gehen, sonst meckert Crowley wieder”, meinte Hendrik nun und trug Lisa aus der Hütte heraus zu den anderen, wobei sie die Arme weiter um ihn schlang und über das Geschehene nachdachte. “Ich habe endlich jemanden gefunden”, dachte sie leise, während sie ihr Gesicht in seinem dichten Haar vergrub und sich von ihm tragen ließ.