Just Do It - Einfach Machen

von lxnuebel
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
FC Bayern München FC Schalke 04 OC (Own Character)
05.01.2020
02.04.2020
7
20844
11
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Dieses Kapitel
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Vorwort: Hallo lmeine Lieben, ich begrüße Euch zu meinem neuen Projekt, welches mir schon seit einer ganzen Weile im Kopf rumgespukt ist. Ein paar Punkte vorweg …

Die Story beginnt im Dezember 2017, kurz vor dem letzten Hinrundenspiel der Schalker, gegen Eintracht Frankfurt. Es wird zwischenzeitlich immer wieder, teilweise größere Zeitsprünge geben.

Das heutige, erste Kapitel ist eine Gemeinschaftsproduktion mit dem lieben, hochtalentierten Stefan29K, bei dem ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchte.

Meine Story reiht sich somit in das selbe Storyuniversum wie Stefans „Verraten und Verkauft“ sowie ratisbonos „Ein Sommer in München“ bzw. „Ein Türschild in München“.

Jetzt wünsche ich euch aber viel Spaß beim Crossover mit „Verraten und Verkauft“ (https://www.fanfiktion.de/s/5d27213d000803602062961e/1/Verraten-und-verkauft-)

Nun aber aber erstmal Viel Spaß. Vorhang Auf.

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Die Stimmung beim Schalker Training war gelöst. Der Trainer hatte es geschafft die Mannschaft gut aufeinander abzustimmen, und es stellte sich bereits der Erfolg ein.

Übermorgen würden sie das letzte Spiel der Hinrunde, bei der Frankfurter Eintracht absolvieren, und danach würde es in den verdienten Urlaub gehen.

Alex würde seinen Urlaub daheim, bei der Familie in Paderborn verbringen. Und er freute sich schon darauf, denn Zuhause konnte er sich so geben wie er war, wie er wirklich war und nicht wie er vorgab zu sein.

„So Männer … das war es für Jetzt. Wir sehen uns Morgen um 15:00 zum Abschlusstraining. Bis dahin schönen Feierabend.“

Kaum hatte Domenico Tedesco das Training beendet, applaudierten die Jungs kurz und stoben dann auseinander.

Alex konnte sich nicht so wirklich freuen, dass sie jetzt de facto einen freien Tag hatten, bevor es morgen Nachmittag nach Frankfurt gehen würde.

Klar war es schön, wenn sie nach den kraftzehrenden Trainingseinheiten frei bekamen, aber Alex hatte mit Freizeit grade so seine Probleme.

Während die anderen Jungs sich in der Freizeit mit ihren Frauen oder Freundinnen vergnügten, saß er alleine daheim und suhlte sich in Selbstmitleid, und niemand von den Jungs ahnte was davon.

Wie sollten sie auch? Immerhin hatte er selbst ja auch eine 'Freundin'. Die Anführungszeichen, in die diese Freundin gesetzt war, waren so groß, dass sie fast seinen ganzen Kopf ausfüllten.

Sandra war nichts weiter als eine Lüge, eine große gutaussehende Lüge, aber eben nicht seine Freundin. Sandra war eine Hostess, einer Hannoveraner Begleitagentur, die er seit 2014 regelmäßig als seine Freundin engagierte.

Kurz nachdem er seinerzeit in Paderborn den Sprung zu den Profis geschafft hatte, hatte ihm die dortige Vereinsführung zu Verstehen gegeben, dass es zu seinen Pflichten gehörte eine hübsche Freundin an seiner Seite zu präsentieren.

Alex war zunächst zutiefst geschockt, dass man ihm auch noch in sein Privatleben reinpfuschen wollte, hatte sich dann aber gefügt.

Als sehr kopflastiger Mensch hatte er ein paar Tage intensivst überlegt, was er für Optionen hatte, wenn er seinen Traum vom Profifußball nicht begraben wollte.

Und Alex hatte zu lange und zu hart trainiert, um so weit zu kommen, dass er sich kurz vor dem Ziel von ein paar Unwegsamkeiten aufhalten lassen würde.

Das einfachste wäre sicherlich gewesen, einfach los zu ziehen, einer Tussi schöne Augen zu machen, und abzuwarten was passierte.

Der Haken dabei war, dass er sich dafür völlig verbiegen, schauspielern und vor allem lügen musste, immerhin hatte er nicht das geringste Interesse an Mädchen.

Schon in der Schule hatte Alex gemerkt, dass er irgendwie anders als seine Klassenkameraden war.

Während die Jungs schon früh nur Mädels im Kopf hatten, interessierten ihn diese einfach überhaupt nicht, er hatte schon damals nur den Fußball und den Wunsch Profi zu werden im Kopf gehabt.

Im Sommer 2011, ein paar Wochen vor seinem 15. Geburtstag, hatten es die Jungs aus seiner Klasse geschafft Alex vom Fußballplatz fern zu halten und mit ins Schwimmbad zu nehmen.

Als er auf der Wiese gelegen, und sich ein bisschen gesonnt hatte, waren ein paar Jungs in verdammt engen Badehosen an ihm vorbei gelaufen, und er hatte schlagartig seinen ersten bewussten Ständer von dem Anblick bekommen.

Nachdem er sich in den folgenden Tagen und Wochen wiederholt dabei erwischt hatte, dass er gutaussehenden Kerlen hinterher sah, hatte er sich schließlich eingestanden, dass er wohl schwul war.

Der Moment der Erkenntnis hatte ihn damals fast genauso geschmerzt, wie das eine Mal, als er beim Training einen Fußball in die Eier bekommen hatte. Schließlich hatte ein Profifußballer keine verdammte Schwuchtel zu sein.

Von da an hatte Alex den überzeugten Single gespielt, der sich nur auf den Fußball konzentrierte. Bis ihm die Paderborner Vereinsführung Druck gemacht hatte, das zu ändern.

Durch einen glücklichen Zufall hatte er damals eine Anzeige in der Zeitung entdeckt, in dem eine Begleitagentur ihren professionellen Service anpries.

Das war damals ein Wink des Schicksals gewesen, so konnte er den Forderungen des Vereins nachkommen, und brauchte keine Frau zu belügen, indem er eine Beziehung begann auf die er keinen Bock hatte.

Seither war Sandra, eine Jurastudentin aus Hannover, eben seine Alibifreundin, die er bei Bedarf vorzeigen konnte. Nicht mehr und nicht weniger.

Mit der Agentur hatte er einen langfristigen Vertrag inkl. Verschwiegenheitsklausel abgeschlossen, und bislang hatte es keine Probleme gegeben.

Sandra hatte auch nie gefragt, warum er keine Freundin hatte, oder wollte, sie war durchweg professionell.

Als er auf dem Weg zur Kabine war, legte sich plötzlich ein Arm um seine Schulter. Leon. „Na Alex … was machste mit deinem  freien Tag? Ist Sandra schon da?“

„Nee, sie ist noch bis zum Wochenende in Hannover, sie muss noch arbeiten.“ Der bedauernde Blick war nicht mal gespielt, aber der lag nicht an der Abwesenheit seiner angeblichen Freundin, sondern an seiner derzeit allgemein trüben Stimmung.

Auch wenn er sich schon seit Jahren mit seinem Schwulsein arrangiert hatte, und der Tatsache, bis nach seiner grade am Anfang stehenden Karriere alleine bleiben zu müssen, fiel ihm das Alleinsein in den letzten Wochen zunehmend schwer.

Wenn er wenigstens jemanden hätte, mit dem er offen darüber reden könnte … aber außer seiner Familie, und Sandra, die sich sicherlich ihren Teil dachte, wusste niemand von ihm.

Seine Mutter, die Alex bis zum heutigen Tag wie ein offenes Buch lesen konnte, hatte ihm schon öfter dazu geraten, einen der Jungs ins Vertrauen zu ziehen.

Bisher hatte er sich aber mit Händen und Füßen dagegen gewehrt. Es war nicht so, dass er die Jungs nicht mochte und ihnen vertraute, aber sein größtes Geheimnis zu offenbaren, dafür fehlte ihm der Mumm.

„Also ist der Alex noch Strohwitwer. Will sie denn nicht irgendwann hierher ziehen?“

Alex schüttelte sofort, und etwas zu eifrig den Kopf. „Na ihr Studium geht ja noch 2 Jahre, vielleicht danach.“

Alex hielt Leon die Tür auf, und gemeinsam betraten sie das Gebäude, indem ihre Kabine untergebracht war. „Ich werde mich nachher schön gemütlich auf meine Couch fläzen, und meine Nase in ein gutes Buch stecken.“

Leon nickte, und zusammen betraten sie die bereits gut gefüllte Kabine. „Na dann ab unter die Dusche … bevor wir uns noch erkälten.“

Alex salutierte kurz und knackig, “… Jawohl Herr Vizekapitän!“

Während er sich auszog und in Richtung Duschen ging, war Alex in  Gedanken noch bei Leon. Der Lockenkopf war ein feiner Kerl, den man einfach gerne haben musste.

Schon kurz nachdem er auf Schalke eingetroffen war, hatte er sich mit dem Mittelfelder gut verstanden, und das war bis heute so geblieben. Aber ihm anvertraut hatte er sich trotzdem nicht.

Manchmal war Alex sich sicher, dass Leon merkte, dass er ihm etwas verheimlichte.

Der Junge hatte eine Empathie, wie es ihm noch nie begegnet war, manchmal war das direkt unheimlich. Wenn Leon einen mit diesen verdammten Knopfaugen ansah, dann war Alex bereit ihm (fast) alles zu erzählen, was er hören wollte.

Solange er nicht mitbekam, dass Alex sich in den ersten Monaten auf Schalke gelegentlich auf ihn einen von der Palme gewedelt hatte, bestand keine akute Gefahr.

Als er aus der Dusche zurück kam war Leon, noch immer in Trainingsklamotten, dabei sich mit Ralle zu unterhalten.

Ja, Leon war nicht umsonst zum stellvertretenden Kapitän ernannt worden, er war in der ganzen Mannschaft hoch angesehen, und behandelte alle um ihn herum anständig. Zumindest soweit Alex das Beurteilen konnte.

Wenn es einer von den Jungs gut aufnehmen würde, dass er bisher wegen seines Privatlebens gelogen hatte, dass er schwul war, dann Leon.

Verdammt, er war doch sonst kein Feigling, und so konnte es doch nicht weitergehen. Nachdem Alex sich angezogen hatte, ging er auf Leon zu, der mittlerweile vor seinem Spind stand, und sich ein Handtuch um die Hüften gebunden hatte.

Für einen Sekundenbruchteil gestattete er sich mit dem Blick über Leons Körper zu fahren. In einem anderen Leben würde er bei sich gegebenenfalls bietender Chance nicht nein sagen.

Aber Leon war nicht nur Kollege, sondern auch ein Freund, und somit tabu. Ganz abgesehen davon, dass er nicht verliebt in ihn war.

Alex räusperte sich kurz, und Leon drehte sich zu ihm um. „Sag mal, Leon … hättest du morgen Mittag ein bisschen Zeit für mich? Ich würde mich gerne mal mit dir in Ruhe unterhalten.“

„Klar, kein Ding … soll ich bei dir vorbeikommen?“

„Was hältst du von 12:30? … Ich würde meine Bolognese kochen, dann können wir in Ruhe essen … und reden.“ Alex merkte, wie seine Hände leicht schwitzig wurden. Verdammt, er konnte sich nicht erinnern, dass er mal nervös war.

„Wie könnte ich da nein sagen? … Aber denk dran: glutenfreie Nudeln!“

„Klar doch! Dann sehen wir uns morgen um 12:30.“ Leon und Alex klatschten kurz ab, dann verschwand der Lockenkopf in Richtung Duschen.

Alex nahm seine Tasche aus dem Spind und nach einer allgemeinen Verabschiedung machte er sich auf den Heimweg. Nun war es soweit, er würde sich morgen das erste mal outen. Wenn das mal gut ging.

**********

Nach einem ruhigen Nachmittag auf der Couch war Alex früh schlafen gegangen, aber wie so oft in der letzten Zeit hatte er keine geruhsame Nacht gehabt.

Solange er denken konnte, war es eigentlich immer so gewesen, dass er beinahe sofort nach dem zu Bett gehen eingeschlafen war, aber jetzt dauerte es teilweise mehrere Stunden um zur Ruhe zu kommen.

Und wenn er mal schlief wurde er von wilden, teilweise konfusen Träumen geplagt, die ihn immer wieder aus dem Schlaf rissen, teilweise bis zu zwei, drei mal pro Nacht.

Mit dem Wissen, dass er sich am kommenden Mittag bei Leon outen würde, war es Alex an diesem Abend besonders schwer gefallen runter zu fahren.

Über Stunden hatte er sich immer wieder die Worte zurecht gelegt, die er Leon sagen wollte, nur um sie dann zu verwerfen und neu zu formulieren.

Als er weit nach Mitternacht endlich eingeschlafen war, hatten sich Alpträume eingestellt, die verschiedenste Reaktionen von Leon auf Alex' Outing in den Raum gestellt hatten.

Einmal war Leon einfach wortlos aufgestanden und gegangen, ein anderes mal hatte er ihn zunächst wortreich beschimpft und ihm dann eine runtergehauen, die abstruseste Variante war gewesen, dass Leon ihn nach seinem Geständnis abgeknutscht hatte.

In jenem Moment war Alex schweißgebadet aufgewacht, und hatte dann beschlossen, dass er es für den Moment mit dem Schlafen besser ließ, auch wenn es grade mal 03:45 war.

Ein zufälliger Blick aus dem Fenster zeigte, dass es tatsächlich angefangen hatte zu schneien. Draußen war, soweit er sehen konnte, alles weiß und ein paar Flocken rieselten vom Himmel.

Spontan beschloss Alex eine Runde laufen zu gehen, vielleicht würde er danach schlafen können. Schnell zog er sich warm an, und nachdem er sich mit Kopfhörern und Handy bewaffnet hatte, verließ er das Haus um im nächtlichen Buer laufen zu gehen.

**********

Nach einer zweistündigen Runde war Alex früh morgens wieder zuhause angekommen, durchgefroren aber endlich müde. Nach einer kurzen, heißen Dusche hatte er tatsächlich nochmal bis gegen 10:30 schlafen können.

Als es pünktlich um 12:30 an der Haustür klingelte seufzte Alex kurz. Jetzt war es also soweit.

Ein letzter Blick zeigte, dass der Küchentisch gedeckt war, das Essen würde in wenigen Minuten auch fertig sein, und der Flurspiegel zeigte, dass sein Outfit ebenfalls in Ordnung war.

Wie immer, wenn er zuhause war, trug er Sweatpants und einen Oversized-Hoodie. Mit einem gemurmelten „Reiß dich zusammen Nübel“ öffnete Alex die Tür und kurz darauf stand der lächelnde Leon vor ihm.

Wie immer begrüßten sie sich mit einem Kumpelhandschlag, und nachdem Leon sich die Schuhe von den Füßen getreten hatte, und seine Jacke an der Garderobe aufgehängt hatte, folgte er Alex in die Küche.

„Kommst genau richtig, Essen ist fertig … Setz dich.“

Während Leon sich auf der Eckbank niederließ, und Leon und sich je ein Glas Apfelschorle eingoss, stellte Alex den Topf mit den Nudeln, und den mit der Soße auf den Tisch. „'Nen Guten … Nimm Dir, ich hoffe es schmeckt.“

Alex ließ sich gegenüber von seinem Gast nieder.

„Du wolltest mit mir reden Alex … da bin ich. Was gibt’s denn, das du mit mir alleine besprechen möchtest?“

Alex seufzte tief, nun war der Moment der Entscheidung also gekommen. Er nahm das volle Glas, und nachdem er es in einem Zug geleert hatte, fing er an.

„Okay … also ich muss dir was sagen. Es fällt mir nicht leicht … du weißt … wir haben uns vom ersten Moment … seit ich hier bin direkt gut verstanden. Und in den zweieinhalb Jahren seither bist du für mich zu einem der wichtigsten Menschen im Verein geworden … Vergiss das bitte nicht.“ Bei dem was er jetzt sagen wollte, musste, konnte er Leon nicht in die Augen sehen, also fixierte er seine besockten Füße. „Also … ich war nicht ehrlich zu dir … eigentlich zu keinem von den Jungs … Sandra ist … Sandra ist nicht meine Freundin … Ich bezahle sie dafür … dass sie als meine Alibifreundin auftritt … Ich mach mir nichts aus Mädchen … ich bin … verdammt … ich bin Schwul.“

Damit war es raus. Schluss. Aus. Ende. Er hatte sich geoutet. Wieso war es eigentlich plötzlich so unglaublich heiß hier drin?

Es dauerte ein paar Sekunden, dann vernahm er Leons Stimme.

„Alex“, sein Gast klang zögerlich, “… also zunächst mal danke ich dir für dein Vertrauen und ich schiebe sofort hinterher: Ich habe kein Problem damit!“

Es dauerte einen Moment, bis die Worte in Alex' Bewusstsein vordrangen, und er den Mut fand, den den Kopf wieder zu heben und seinen zum Glück noch immer Freund anzusehen. Leon hatte sogar ein leichtes Lächeln auf dem Gesicht.

„Danke … du weißt gar nicht was mir das bedeutet.“ Spontan schenkte er sich von der Apfelschorle nach, und leerte das Glas abermals in einem Zug. „Du wirst dich sicherlich fragen, warum ich … wieso jetzt … wieso erzähle ich dir hier und jetzt davon …“. Er bildete sich ein, ein leichtes Nicken bei Leon wahr zu nehmen.

„Also … vorweg … bis grade wusste nur meine Familie von mir … selbst Sandra hab ich es nicht erzählt … aber sie wird sich sicher ihren Teil denken … Interessiert mich aber nicht, solange sie ihre Schnauze hält. Nun ja … ich hab in der letzten Zeit viel nachgedacht …“

Einem plötzlichen Bewegungsdrang folgend erhob er sich, ging ein paar Schritte umher, bevor er sich mit dem Rücken gegen die Küchenzeile lehnte, und Leon wieder ansah. „Nun ja, ich hab die ganzen Jahre nie ein Problem damit gehabt, alleine zu sein … glücklicher Single und so … nachdem ich mir damals eingestanden hatte, dass ich auf Männer stehe … ich wusste, dass sich das mit dem Fußball halt nicht verträgt … und der Fußball ist nunmal mein Leben …“

Alex stieß sich von der Küchenzeile ab, und hockte sich wieder gegenüber von Leon. „Ich weiß nicht woran es liegt … aber in den letzten Wochen fällt mir einfach zunehmend die Decke auf den Kopp … Ich hab das Lügen einfach satt … ich will nicht ständig neue Ausreden erfinden müssen … warum Sandra nicht da ist. Verstehe mich nicht falsch, ich will und werde mich nicht den Medien zum Fraß vorwerfen … aber ich hätte gerne jemandem … zudem ich ehrlich sein kann … bei dem ich mich auch mal auskotzen kann, wenn einfach alles scheiße ist. Und du bist halt der, der mir als erstes einfällt. Hab es schon oft vorgehabt, aber bisher … hat mir der Mut gefehlt.“

„Alex … ich … danke dir für dein Vertrauen.“ Leons Atmung beschleunigte sich sicht – und hörbar. „Mach dir bitte keine Sorgen. Ich … dein Vertrauen ist bei mir gut aufgehoben. Ich bin auch schwul.“

Alex riss die Augen auf. „Du?“ Für einen Moment war er sich sicher, dass er sich verhört hatte.

„Ja. Ist das so ungewöhnlich? Bei einer statistischen Wahrscheinlichkeit von 3 bis 5% kommen wir in der Bundesliga auf etwa 12 bis 20 Spieler, wenn man 400 Spieler als Berechnungsgrundlage nimmt. Ich hab das unzählige Male durchgerechnet. Glaub mir. Und herzlichen Glückwunsch! Du hast den Jackpot gewonnen.“ Leon musste lachen. „Also ich meine, dass du es ausgerechnet mir sagst …“ Er lächelte noch immer.

Alex konnte es noch immer nicht glauben. Leon hatte nicht nur positiv auf sein Outing reagiert, und wollte immer noch sein Freund sein, nein, er war auch noch selber schwul. Wie hoch war die Wahrscheinlichkeit dafür? Das war doch mal eine gute Quote.

„Und bevor du weiter fragst: Ja, bei der Familie bin ich geoutet. Meine Schwestern wissen Bescheid, meine Eltern auch und ich hab … also Marius und ich sind … also wir sind ein Paar.“ Leon kam auf ihn zu, und spontan erhob sich Alex. „Danke für dein Vertrauen!“ Ehe Alex sich versah hatte Leon ihn in eine Umarmung gezogen. Mit den Infos der letzten Minuten grade ein wenig überfordert ließ Alex sich in die Umarmung fallen.

Leon war auch schwul, und er hatte sogar einen Freund, Marius.
Nach einem kurzen Moment löste sich Alex wieder aus der Umarmung. „Danke … Du glaubst gar nicht, wie gut es tut, mal gehalten zu werden.“

Leon nickte. „Doch … weiß ich.“ Sie setzten sich wieder auf ihre Plätze.

Alex räusperte sich kurz. „Leon … Ich weiß dein Vertrauen zu schätzen … und dein Geheimnis … euer Geheimnis ist bei mir sicher … Ich kann es zwar immer noch nicht ganz glauben … da fasse ich endlich den Mut mich dir anzuvertrauen …“. Alex schüttelte ungläubig mit dem Kopf. „Nicht nur, dass du genauso schwul bist wie ich, du hast sogar einen Freund … einen heißen Freund.“

Alex spürte wie er einmal mehr tiefdunkelrot anlief. Gott wie peinlich war das denn bitte? Er sollte künftig wieder erst nachdenken bevor er sprach. „Entschuldige bitte … ich will nichts von deinem Freund, aber schon als du uns damals vorgestellt hast … Marius ist mir halt damals schon aufgefallen.“

Langsam normalisierte sich Alex' Gesichtsfarbe wieder. „Ich freue mich für dich … für euch. Was ich so mitbekommen habe ist er ein feiner Kerl, und vor allem er passt zu dir … Und es ist vor allem schön zu sehen, dass es sogar als schwuler Fußballer möglich ist, einen Freund zu haben. Macht mir Hoffnung …“, auch wenn es bei ihm selber wohl bis nach der Karriere dauern würde.

„Alex, es ist vieles möglich. Bei Marius und mir hat der Zufall mitgespielt. Wäre er hetero, wäre ich heute wahrscheinlich auch Single. Warte ab, was kommt. Und wenn du mich zu reden brauchst oder einfach mal zum Essen kommen willst, dann lass es mich wissen.

„Aber jetzt lass uns mal die Rinderbollo und die glutenfreien Nudeln vernichten, bevor sie kalt werden … und dann zum Abschlusstraining und auf nach Frankfurt. Morgen Abend haben wir dann endlich Urlaub.“

Sie füllten sich beide ihre Teller und ließen es sich dann schmecken.