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Endlose Ohnmacht!?

von Dmagnus87
GeschichteDrama / P12 / Gen
Dr. Sabine Petersen Jan "Wollcke" Wollcke Jens Blank Johannes "Johnny" von Storkow
05.01.2020
18.01.2020
6
7.151
4
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08.01.2020 1.681
 
Sabine schlenderte durch die Straßen. Sie hatte sich lediglich eine dünne Jacke angezogen, eine dicke wollte sie nicht. Heute Nacht wollte sie frieren, wollte spüren das sie noch lebte, denn gerade war es als ob alles nur an ihr vorbei zog. Sie war zerfressen von Trauer. Es tat alles so furchtbar weh.

Stundenlang lief sie durch Hamburg und stand irgendwann vor dem Rettungszentrum. Sie ging rüber zu Annließe. Legte ihre Hand an die Schnauze der Bell. Blickte auf den Pilotensitz. Jens würde dort nie mehr sitzten. Es würde nie mehr das selbe sein. Nie wieder würde sie seine Stimme durch den Funk hören, nie mehr würde sie sich so sicher fühlen, wie mit ihm. Wieder weinte sie bittere Tränen. Brach vor der Bell zusammen, winden, schluchzend und voller Trauer saß sie in einer Pfütze, während der Regen weiter auf sie niederprasselte. Die Arme um den Körper gelegt.
Plötzlich schien der Regen aufgehört zu haben, sie blickte nach Oben und da stand Homann, mit einem Regenschirm.
"Frau Dr. Petersen, was machen Sie denn hier?" Fragte er mit seiner sanften Stimme.
Sabine stand auf,  wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.
"Ich weiß es nicht. Es zog mich einfach hier her."
Homann sah sie traurig und besorgt an. Dann nahm er die Ärztin einfach in den Arm. Sabine lies es zu, irgendwie tat das gerade gut.
"Kommen Sie, wir gehen rein,  sie duschen erstmal und ich mache uns eine Tasse Tee."
Sabine nickte und ging dann mit Homann ins Rettungszentrum.
Homann ging in die Küche um Tee zu kochen und Sabine in die Frauendusche. Vorher hatte sie sich noch ihren Jogginganzug und frische Unterwäsche besorgt,  sowie ein Handtuch.
Sie zog sich die nassen Sachen aus, stellte die Dusche an und lies sich das warme Wasser auf ihre kalte Haut prasseln und es tat wirklich gut. Erst jetzt merkte sie, wie kalt ihr war.
War ja auch eine blöde Idee, bei kaltem Wetter, noch dazu im Regen, draußen in einer Pfütze zu hocken. Und wer weiß wie lange sie noch dort gesessen hätte, wenn Homann nicht gekommen wäre. Er war wirklich eine gute Seele. Und sie froh, das er dagewesen ist.

Sabine stellte das Wasser aus. Trocknete sich ab, zog sich an und ging dann rüber in die Küche.
Und wieder wurde sie von Erinnerungen an Jens erschlagen. An dem Tisch hatten sie einmal gesessen und Glückskekse gefuttert. Sabine laß ihren Spruch vor und Jens glaubte nicht, was darin stand, als er den Zettel wollte, gab sie ihm diesen nicht und es kam zu einer witzigen Kabelei. Drüben auf dem Sofa saßen sie oft zusammen, haben Pizza gegessen und Filme geschaut.
Manchmal hatte Jens sogar für sie gekocht. Wieder weinte sie.
Homann bemerkte sofort die Tränen und nahm Sabine wieder in den Arm.
"Was ist denn los?"
Sabine schluchzte.  
"Hier...ich...Ich musste gerade nur wieder an Jens denken. Es ist schwer und es tut so weh...Er fehlt mir so."
"Mir fehlt er auch. Nicht so sehr wie Ihnen, aber es fehlt was ohne den Major."
Sabine löste sich von Homann. Und beide setzen sich an den Tisch. Mit einer Tasse Tee,  den Homann gekocht hatte.
"Wissen Sie was schlimm ist? Ich habe ihm nie gesagt, wie sehr ich ihn liebe...Ich war so dumm..."
"Ich bin sicher er weiß das."
Sabine wurde leicht genervt. Wieder jemand der das sagte...WOHER sollte Jens das schon wissen?
"Ich meine, so wie sie ihn immer angesehen haben, er wusste es. Auch wenn sie es ihm nicht gesagt haben, ich denke er hat es gespürt."
Sabine sah ihn erstaunt an. So etwas hatte sie tatsächlich nicht erwartet. Und zum ersten mal hatte sie ein kleines Gefühl der Erleichterung.

Sie saßen noch eine ganze Weile zusammen und redeten über alles mögliche,  doch irgendwann wurden beide müde und so verabschiedeten sie sich voneinander und während Homann nach Hause fuhr,  ging Sabine rüber zu Jens' Zimmer, öffnete die Tür und schaltete das Licht ein. Betrat den Raum und schloss die Türe hinter sich. Sein Zimmer war immer noch genauso, wie er es zuletzt verlassen hatte, keiner hatte bislang die Kraft, hier was zu verändern. Sabine ging zu Jens Bett, dort lag noch ein T-Shirt von ihm. Sie nahm es hoch und vergrub ihr Gesicht darin, wischte sich damit die wieder aufkommenden  Tränen weg, roch daran.
Dann zog sie es sich einfach über, sie löschte das Licht, zog sich die Schuhe aus und kuschelte sich in sein Bett. Kurze Zeit später schlief sie dann ein.

Der nächste Morgen brach an, Jan und Johnny waren schon in ihrer Fliegerkombi, sie saßen am Tisch und tranken Kaffee. Im Gegensatz zu Sabine, arbeiteten sie bereits wieder. Sie mussten, sie brauchten ein kleines Stück Alltag, ein wenig Normalität. Auch wenn es nie mehr so sein würde wie es mal war. Nicht nur Sabine litt. Auch Johnny war tieftraurig und Jan ging es ebenfalls nicht besser. Er hatte seinen besten Freund verloren. Paul zu verlieren war schon schlimm....Aber Jens...Das war noch wesentliche schlimmer. Es zeriss Jan förmlich das Herz. Auch das Sabine so litt, machte ihn fertig. Er würde ihr zu gerne all den Schmerz und all den Kummer abnehmen, aber er konnte das leider nicht.

Jan stellte sich ans Fenster und blickte nach draußen, der neue Pilot war bereits da und führte seinen täglichen Check up durch...Wie Jens...Er war da genauso gewissenhaft. Auch hielt er Anneließe  sauber und ordentlich, er war auch ein sehr guter Pilot, nett und Charmant und half wo er konnte, auch im Einsatz. Aber er war eben nicht Jens. Und das würde er auch niemals sein, keiner könnte ihn je ersetzen.

Jan drehte sich wieder um und sah das Sabine im Türrahmen stand, sie hatte offensichtlich ein T-Shirt von Jens an, total zerzauste Haare, war blass und hatte aufgequollene Augen. Wer weiß, wie viele Tränen sie gestern noch vergossen hatte. Nachdem Sabine zusammen gebrochen war, hatte Jan sie zu ihrer Mutter nach hause gefahren. Er dachte, das es das beste war, was er in dem Moment für sie tun konnte.
Johnny stand auf und ging auf Sabine zu, nahm sie wortlos in den Arm. Jan tat es ihm gleich. Sabine ließ es einfach geschehen. Irgendwie tat es sogar gut. Einige Minuten standen sie einfach nur schweigend so da und lösten sich erst, als der erste Alarm des Tages los ging. Sabine blieb alleine in der Küche zurück, sah durch das Fenster, wie sie mit Anneließe, der Ersatzärztin, die vorhin gleich aus dem Arztzimmer gerannt kam und mit Hilfe des neuen Piloten, abhoben.
Sabine trat ans Fenster und blickte auf die Bank, die neben dem RZ stand. Dort hatte sie mal mit Jens gesessen und sie waren sich näher gekommen, er war dabei ihr seine Gefühle zu gestehen und dann hatten sie sich fast geküsst, aber leider kam in dem Moment Homann dazwischen. Wie so oft, wurden sie gestört. Und nun war es zu spät. Niemals wieder, würde sie solche Momente mit ihm erleben, nie mehr würde sie seine Stimme hören oder seine Nähe spüren, nie mehr könnte er sie nun trösten oder in den Arm nehmen, es würde keine Video Abende mehr geben, keine Kabeleien, keine witzigen Augenblicke und auch keine Streitigkeiten mehr, nie wieder könnte sie ihm nahe sein....Und niemals würde sie die Chance bekommen, ihm zu sagen, was sie fühlte. Und dies bereute sie zu tiefst.

Sabine machte sich einen Kaffee und trank einen Schluck. Dann dachte sie nach, es war gutes Wetter, vielleicht sollte sie nochmal an sein Grab gehen, nochmal richtig Abschied nehmen. Oder vielleicht einfach ihrem Verlangen nachgeben und sich in seinem Bett verkriechen.
Sabine entschied sich für ersteres. Vielleicht würde es ihr ja sogar etwas helfen. Und so trank sie ihren Kaffee aus, ging sich umziehen und machte sich dann auf den Weg zum Friedhof.

Als sie vor seinem Grab stand, das nur durch ein einfaches Holzkreuz und Blumen geschmückt war, ein richtiger Stein und eine umrandung würden noch kommen, waren allerdings noch nicht fertig, liefen ihr abermals Tränen die Wangen herab. Warum nur? Warum musste das passieren?! Sie verstand es einfach nicht!
"Warum hast du mich alleine gelassen?! Ich brauche dich doch so sehr und....und ich...Ich wollte dir noch so viel sagen, noch so viel mit dir erleben....Ich habe dir niemals gesagt, das ich dich Liebe und nun bekomme ich keine Chance mehr dazu. Es tut mir so leid. Ich wünschte ich hätte es dir gesagt, du warst die Liebe meines Lebens und ich habe eine glückliche Zukunft mit dir verpasst, weil ich so dumm war und wollte das du den ersten Schritt machst. Ich hoffe du verzeihst mir das....Jan sagt, das du es weist, das ich dich Liebe, aber woher? Woher solltest du das wissen?! Ich habe es dir doch niemals gesagt und nun bist du nicht mehr da und kommst auch nie wieder zu mir zurück." während sie sich all das von der Seele sprach, schluchzte sie immer wieder. Sie war so tieftraurig. Es ging ihr so schlecht. Wie sollte sie jemals wieder glücklich werden? Wie sollte sie jemals wieder Freude am leben Empfinden? Wozu sollte sie überhaupt weiter leben? Hatte das Leben ohne ihn überhaupt noch einen Sinn? Sabine wusste es nicht. Auf keine dieser Fragen hatte sie eine Antwort. Sie wollte sich gerade zum gehen umdrehen, als ein warmer Windhauch sie umschloss...Und plötzlich hatte sie das Gefühl, als sei Jens ganz nah bei ihr. Als würde er sie umarmen. Und ihr Trost spenden wollen, als würde er ihr sagen wollen 'Ich bin immer bei dir, ich passe auf dich auf'. Sie fühlte sich ihm so nahe. Sabine schloss die Augen und genoss diesen Augenblick, sog diese Gefühle in sich auf, wollte sie als Kraftreserven nutzen. Sie würde kämpfen, für ihr Leben, ihre Freunde und für ihre Familie. Aber vor allem für Jens, der sicher nicht wollte, das sie in ihrer Trauer auf ewig versank.
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