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Ungewollte Bindung

von Tales-
GeschichteDrama / P18 Slash
Bardock Radditz Son Goku Turles
05.01.2020
29.11.2020
52
115.127
8
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22.11.2020 2.065
 
„Kakarott“, sagte Radditz schlicht und seufzte genervt.
„Nein, Sórek… so geht es nicht mehr weiter!“, erwiderte Kakarott bestimmt. „Was denkst du, wie Tales sich im Moment fühlt? Du hältst ihn auf Abstand und er darf seine Tochter nicht sehen!“
„Ja, das hat auch seinen Grund“, entgegnete Radditz beinahe patzig.

„Welchen?“
„Welchen? Das fragst du mich ernsthaft?“, wiederholte Radditz entrüstet.
„Ja! Tales wusste genauso wenig wie wir, was Okara vorhatte! Woher hätte er es auch wissen sollen? Oder denkst du etwa er hat ihr geholfen? Denkst du Tales würde dir jemals etwas so Schreckliches antun?“, fragte Kakarott scharf. Radditz knurrte, obgleich er ein wenig beeindruckt war. Normalerweise wagte es Kakarott nicht, in so einem Ton mit ihm zu sprechen. Sein Baby spürte die angespannte Stimmung und begann zu wimmern. Schützend zog Radditz sie an seine Brust und stellte die heiße Tasse aus ihrer Reichweite.

„Tales hat ihr vertraut. Seinetwegen konnte sie hier rein und rausspazieren, wie sie es wollte. Außerdem hat er mich auch allein mit ihr gelassen!“, erwiderte Radditz wütend. Seine Rute schwang wild hinter ihm durch die Luft und sein Blick war finster.
„Tales hat dich nicht alleingelassen. Wenn überhaupt bin ich daran schuld, dass Okara mit dir allein war, Sórek“, antwortete Kakarott eindringlich. Radditz blinzelte, ehe er fragend eine Augenbraue hob. Wieso sollte Kakarott daran schuld sein?
„Was meinst du damit?“, hakte Radditz nach.
„Tales war im Palast, wegen der Arbeit als Wache. Er hat mich gebeten bei dir zu bleiben. Ich sagte ihm, dass ich gleich bei dir wäre und das war ich auch. Doch kaum, dass ich gelandet bin, hat mich Takrá kontaktiert, weil unser Bókra nach Hause gekommen war…“, erzählte Kakarott ernst, aber seine Stimme zitterte etwas. Radditz erwiderte nichts und hörte ihm nur ruhig zu.

„Ich bin nach Hause geflogen, weil ich dir zuliebe mit Bókra reden wollte. Aber ich habe es Okara überlassen, Tales zu sagen, dass ich nicht mehr bei dir bin. Du warst meinetwegen allein mit ihr. Tales trifft keine Schuld“, sagte Kakarott und sank etwas in sich zusammen. Er schloss die Augen und wartete darauf, was Radditz nun sagen würde. Sein älterer Bruder war jedoch so überrumpelt, das kein Wort über seine Lippen kam. Diese Information traf ihn ziemlich unerwartet. Das änderte etwas… zugegeben.

Aber trotzdem konnte er die Tragweite von diesem Geständnis kaum erahnen. Kakarott öffnete die Augen wieder, als Radditz weiterhin beharrlich schwieg. Dann beugte er sich über den Tisch und legte eine Hand auf die seines Bruders.
„Es tut mir wahnsinnig leid, Radditz. Váraktu… wenn ich gewusst hätte, was passiert, hätte ich dich niemals allein gelassen“, sagte Kakarott reumütig.

Radditz starrte ihn an und ein merkwürdiges Gefühl bereitete sich in seinem Inneren aus. Es war Kakarotts Schuld gewesen, dass Okara ihn hatte quälen konnte. Seinetwegen hätte er fast sein Baby verloren und wäre gestorben. Das Ausmaß dieses Geständnisses war immens. Radditz‘ Ki brodelte etwas hoch, er war wütend. Doch gleichzeitig auch verzweifelt.

Ausgerechnet Kakarott? Sein kleiner Bruder, der vom ersten Moment seiner Schwangerschaft zu ihm gehalten hatte?

Wie sollte er damit umgehen?

„Ich verstehe deine Wut, Sórek. Glaub mir, ich habe niemals gewollt, dass das alles passiert. Aber ich verstehe natürlich, dass du mir das nicht so leicht verzeihen kannst“, sagte Kakarott leise und eine Träne lief über seine Wange hinab.
„Du solltest jetzt besser gehen, Kakarott“, sprach Radditz bemüht ruhig. Er brauchte jetzt Zeit um das zu verarbeiten. Gleichzeitig trat Olve in die Küche und wischte sich müde über das Gesicht. Ernst sah er zwischen den beiden Brüdern hin und her, als er sich der angespannten Stimmung bewusst wurde.

„Das werde ich. Aber vorher will ich dir begreiflich machen, dass du Tales unrecht tust“, erwiderte Kakarott ruhig.
„Kakarott, dass…“, fing Radditz an und knurrte leise. Sein Baby wimmerte abermals und er strich ihr beruhigend über den Rücken. Sie spürte, dass etwas nicht stimmte.
„Nein, Sórek… Tales leidet. Es geht ihm überhaupt nicht gut. Er vermisst dich und die Kleine. Er zieht sich die ganze Zeit von uns zurück und verkriecht sich in seinem Baum. Er hat sich sogar für dich mit Elitekriegern angelegt…“, erzählte Kakarott eindringlich.
„Sicher, dass er nicht Okara vermisst?“, unterbrach ihn Radditz unwirsch. Kakarott weitete die Augen, ehe er ebenfalls leise knurrte.

„Nein, Radditz! Er vermisst sie nicht, sondern dich! Er saß Tag und Nacht vor deinem Krankenzimmer. Als du in den Kerker geworfen wurdest, ist er ohne an die Konsequenzen zu denken losgestürmt und hat dich befreit, bevor du überhaupt freigesprochen wurdest! Verdammt Radditz, Tales hatte schon vor dieser Sache Zweifel an seiner Beziehung mit Okara. Er misstraute ihr und war kurz davor sie zu verlassen. Deinetwegen!“, sprach Kakarott und wurde mit jedem Wort lauter. Seine Hände schlugen kräftig auf den Tisch und die Kleine fing an zu weinen.

Radditz starrte Kakarott mit aufgerissenen Augen an und brauchte einen Moment, ehe er anfing sie zu beruhigen.

„Radditz, du und die Kleine… ihr bedeutet ihm alles! Es ist nicht fair, dass du ihn für etwas bestrafst, für, dass er gar nichts kann. Denk darüber nach!“, bat Kakarott nun etwas ruhiger. Sein Ki beruhigte sich wieder. Auch er hatte sich für einen Moment mitreißen lassen. Aber er wollte so dringend, dass Radditz endlich merkte, was er Tales antat.

„Wir sind alle für dich da, Radditz. Auch Bókra… er würde sich bei dir entschuldigen, wenn du ihn lassen würdest. Takrá und ich sind auch für dich da. Obwohl du uns noch nicht einmal deine Tochter für eine Sekunde anvertraust…“, sagte Kakarott und seufzte traurig. Nun, wo er seinen Standpunkt klargemacht hatte, erhob er sich und verließ ohne ein weiteres Wort das Haus.

Radditz und Olve blieben zurück. Der Elitäre stand unschlüssig in der Tür, ehe er ein paar Schritte auf Radditz zu trat. Doch der Langhaarige sprang auf und ging an ihm vorbei.
„Radditz, wo willst du hin?“, fragte Olve irritiert.
„Ich will meine Ruhe. Wenn ich zurückkomme, will ich, dass du verschwunden bist“, erwiderte Radditz abweisend. Dann verließ er ebenfalls sein Haus ohne sich seine Stiefel anzuziehen. Er wollte nur noch weg. Zum Glück hatte der Ahníz, der Frühling auf ihren Planeten begonnen. Die Temperaturen waren mild und angenehm. Doch Radditz achtete gar nicht darauf, er drückte seine Kleine wärmend an sich und flog zu seinem Geburtsbaum, Rasildán.

Dort ließ er sich auf einem der großen Äste nieder und wickelte seine Rute fest darum. Beinahe erschöpft lehnte er sich gegen den breiten Stamm. Die Äste seines Baumes bewegten sich unruhig und zeugten von seiner inneren Aufruhr. Radditz war geschockt, von dem was ihm Kakarott gerade alles an den Kopf geworfen hatte.
„Tales…“, nuschelte er leise. Hatte er seinem Bruder wirklich so unrecht getan? Gedankenverloren sah Radditz auf sein Baby herab, was sich in seinem Schoß zusammenrollte. Ihre Finger hielten den Mittelfinger seiner rechten Hand und ihre kleine Rute hatte sich um sein Handgelenk geschlungen. Radditz seufzte. Er musste über eine Menge nachdenken…

Radditz blieb mehrere Stunden bei seinem Baum und dachte lange und intensiv darüber nach, was Kakarott ihm erzählt hatte. Doch irgendwann trieb es ihn nach Hause. Seine Kleine hatte eine volle Windel und er hatte Hunger. Nachdem er barfuß im Garten landete, suchte er die Energie seines Freundes. Aber Olve war nicht hier. Dieses Mal hatte Radditz ihn offensichtlich endgültig von sich gestoßen. Fast tat es ihm wieder leid, doch trotzdem holte er ihn nicht zurück.

Was sollte er auch zu Olve sagen?

Sein Kopf war immer noch voll von den ganzen Informationen, die Kakarott ihm an den Kopf geworfen hatte. Gedankenverloren badete er sein Mädchen, ehe er sich etwas zu Essen kochte. Sein Blick fiel auf den Beutel mit dem Geld, der immer noch unberührt auf dem Tisch lag.

Tales ging es also schlecht. Wegen ihm. Kurz sah Radditz zu seinem Baby, was er auf ein paar weiche Felldecken in der Mitte des Tisches gelegt hatte. Sie schlief friedlich. Radditz war glücklich darüber, dass sie hier bei ihm war. Doch gleichzeitig wurde er sich der Tatsache bewusst, dass er Tales seine Tochter wegnahm… so wie Okara ihm. Radditz wurde schlecht und er fühlte sich schuldig.

Er war so wütend gewesen, dass er diese Tatsache einfach verdrängt hatte. Wieso war er überhaupt wütend auf Tales gewesen? Nachdem was er heute gehört hatte, wusste er das selbst nicht mehr. Er war so ein Idiot…

Tales hatte mit Kakarott darüber gesprochen, dass er Zweifel an seiner Beziehung zu Okara hatte? Wieso hatte er mit ihm nicht darüber gesprochen? Radditz seufzte, da er die Antwort sofort erahnte. Tales wollte ihn nicht aufregen…

Tja, wie dumm. Wenn sie vielleicht früher miteinander geredet hätten, wäre vielleicht alles anders gekommen…

Wenn er so darüber nachdachte, gab es viele Ungereimtheiten. Dinge, die er nicht so ganz verstand und die sich vielleicht auflösen würden, wenn sie endlich miteinander sprachen. Radditz schloss die Augen und konzentrierte sich.
„Tales, kannst du herkommen? Ich will mit dir reden“, sprach er ruhig zu Tales‘ Herzen. Am Baum der Macht schreckte Tales hoch und saß mit einem Mal kerzengerade da. Seine Augen gingen weit auf, während sein Herz vor Aufregung schneller schlug.
„Ich bin so schnell wie möglich da“, antwortete Tales sofort, ehe er aufsprang und sofort losflog. Er konnte es kaum fassen, dass sich Radditz gemeldet hatte.

Radditz antwortete ihm nicht mehr und sah überlegend auf die fertige Suppe herab, die er soeben gekocht hatte. Er schaltete die Herdplatte aus und ließ sie erst mal stehen. Dann holte er zwei Teller und zwei Löffel aus den Schränken und stellte alles zur Seite. Sein Baby begann sich zu rühren und Radditz hob sie lächelnd auf seine Arme.
„Na, meine Süße, hast du gut geschlafen?“, fragte er sanft. Sie sah ihn verschlafen an und gähnte. Radditz gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Dann nahm er die Felldecken vom Tisch und trug die Teller mit einer Hand rüber, ehe er ordentlich eindeckte.
„Dein Bókra kommt gleich“, sagte Radditz mehr in Gedanken, als er wieder zu seiner Kleinen sah. Er seufzte, dann holte er Gläser und stellte sie an den Tisch.

Es klopfte an der Haustür. Radditz atmete tief durch und straffte seine Gestalt, ehe er zur Tür ging und sie öffnete. Tales stand davor und sah ihn ruhig an. Seine Augen wanderten zu der Kleinen und sein Blick wurde etwas sehnsüchtig. Radditz bemerkte das, doch er ließ es sich nicht anmerken. Wortlos trat er zur Seite und ließ ihn eintreten.
„Willst du mit essen?“, fragte Radditz ruhig und ging in die Küche. Tales folgte ihm unschlüssig und war etwas erstaunt über die Frage. Langsam nickte er zustimmend und betrachtete den gedeckten Tisch.
„Wie geht es dir?“, fragte Tales leise. Radditz drehte sich zu ihm um und sie sahen einander in die Augen. Radditz betrachtete seinen Bruder ganz genau und sah deutlich, dass es ihm wirklich schlecht gehen musste. Kakarott hatte nicht gelogen, aber das hatte er auch nicht erwartet.

Tales war blass und hatte dunkle Augenringe. Er schien nicht wirklich viel geschlafen zu haben. Seine Arme und sein Gesicht waren mit blauen Flecken und kleinen Schnittwunden übersäht, die aber allesamt bereits am abheilen waren. Radditz erinnerte sich daran, dass Kakarott meinte, dass Tales für ihn gekämpft hatte. Fragen brannten ihm auf der Zunge, er wusste gar nicht wo er anfangen sollte. Das war alles etwas viel auf einmal. Dann glitt Tales‘ Blick wieder zu seiner Tochter.

Radditz folgte seinem Blick, ehe er wieder zu Tales rüber sah. Langsam kam er näher. Wieder sahen sie einander in die Augen.
„Willst du sie mal halten?“, fragte Radditz ruhig. Tales weitete die Augen, ehe er anfing zu strahlen.
„Unbedingt“, flüsterte der Dunkelhäutige beinahe andächtig. Radditz‘ Hände begannen etwas zu zittern und empfand großen Widerwillen, bei dem Gedanken, seine Tochter aus seinen Händen zu geben. Seit er sie wiederbekommen hatte, hatte er dies nicht einmal gemacht. Radditz konnte nicht.

Tief atmete er durch, ehe er die Arme ausstreckte und sein Mädchen Tales reichte. Es versetzte ihm einen Stich, als er sie aus seinen Händen hob. Radditz fühlte sich unwohl und er bekam Angst. Ihm war selbst klar, dass es dumm war sich zu fürchten. Doch er konnte das Gefühl nicht abstellen.

Tales nahm seine Tochter auf die Arme und drückte sie eng an seine Brust. Aufgeweckt blickte sie ihn mit großen Augen an und taste mit einer Hand über sein Gesicht. Ein breites und sehr glückliches Lächeln schlich sich auf eine Lippen. Eine tiefe Woge der Zuneigung erfasste ihn und glücklich stupste er sie mit der Nase an, ehe er anfing zu schnurren.
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