Es kann ja nur noch besser werden...

von Buddels
GeschichteDrama / P12
Alex Rider Tom Harris Wolf
05.01.2020
08.02.2020
3
6351
1
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Sam rannte hinter dem Ball her und stoppte ihn mit seinem Fuß. Kurz schaute er auf und kalkulierte den Abstand, dann passte er den Ball zu seinem Teamkameraden, der diesen ins Tor donnerte.

Der Sportlehrer blies in seine Trillerpfeife: „Das wars Jungs. Feierabend. Seht zu, dass ihr rauskommt!“
Sam wischte sich den Schweiß von der Stirn und trottete mit den anderen zu den Umkleidekabinen.
„Hey, du bist Samuel, richtig? Der Neue?“, ein großer dunkelhaariger Junge stand vor ihm. Sam nickte und lächelte schief.

„Du kannst mich ruhig Sam nennen.“ „Hi Sam, ich bin James Hale.“ James streckte ihm die Hand entgegen und Sam ergriff sie.

„Sag mal Sam, hast du in deiner alten Schule Fußball gespielt? Du bist ziemlich gut.“ Sam kratzte sich verlegen am Hinterkopf. „Schon, ja. Ich war ein Mittelfeldspieler.“ James beäugte ihn abschätzend. „Hast du Lust mal zum Training zu kommen? Wir könnten echt ein paar gute Spieler gebrauchen.“

„Na ich hoffe doch, du meinst nicht mich!“, ein kleiner Junge schlang seinen Arm um James Schultern. Seine blauen Augen glitzerten schelmisch. James verdrehte amüsiert die Augen. „Wie käm ich denn dazu, oh großartigster Spieler aller Spieler?“ Der kleine Junge nickte zufrieden. „Das will ich meinen.“

„Tom, das ist Sam. Sam das hier ist Tom Harris, unser Torwart.“ „-und Eroberer aller Herzen.“ James schnaubte und schob Toms Arm von seinen Schultern. Sam musste grinsen: „Nett dich kennenzulernen.“ „Ganz meinerseits, ganz meinerseits, Sammy.“ Sam schnitt eine Grimasse. „Sammy nennt mich nur mein großer Bruder. Und meine Großmutter.“ Tom sah ihm tief in die Augen: „Vielleich bin ich ja deine Großmutter.“

Sam blinzelte. „Was?“ „Jetzt ist aber genug.“ James schlug Tom kräftig auf den Hinterkopf. „Training ist immer Dienstag und Donnerstag nach der Schule. Wir treffen uns vor dem Haupteingang und gehen dann gemeinsam zum Park. Unser Kapitän ist Taylor Moore.“ James zeigte auf einen breitschultrigen, rothaarigen Jungen am anderen Ende der Kabine. „Komm einfach mal vorbei. Dann kannst du es dir immer noch überlegen.“

„Gerne, warum nicht? Ist ja nicht so, als hätte ich schon sonderlich viele Pläne.“ James lächelte ihn mitleidig an: „Der Nachteil daran, neu zu sein, was?“

Sam nickte wehmütig: „Wem sagst du das?“ Tom klopfte ihm auf den Rücken: „Kopf hoch, Alter. Du bist im Moment der interessanteste Junge der Schule.“ Er schulterte seinen Rucksack und machte ein Peace-Zeichen. „See you later, Alligator.“

Dann schlüpfte er durch die Tür nach draußen und war verschwunden. Sam blickte ihm zweifelnd hinterher. James lachte. „Tom ist immer so.“ Sam hob eine Augenbraue. „Na dann bin ich ja beruhigt. Ich dachte schon es liegt an mir.“ James schüttelte bloß den Kopf und zog sich seinen Sweater über. „Also, Sam, wo hast du vorher gewohnt?“

Sam seufzte, „Fulbourn, das ist in der Nähe von Cambridge.“ James musterte ihn neugierig: „Warum seid ihr umgezogen?“ „Meine Mutter brauchte einen Tapetenwechsel.“, wich Sam aus. Diese Geschichte war wirklich nichts für eine erste Unterhaltung.

„Ich bin selbst auch erst vor ein paar Jahren hergezogen.“, gab James zu. Sam sah ihn überrascht an. Sein Londoner Akzent war makellos. „Du wirst schon sehen, es wird dir gefallen und bald wirst du vergessen haben, wie es war, jemals woanders gewohnt zu haben.“


Sam stieß die weiße Gartenpforte ihres neuen Hauses auf. Es war ein schönes Einfamilienhaus mitten in Chelsea. Eins musste man seinem Vater lassen. Auch nachdem er seine Kinder vernachlässigt, seine Mutter erniedrigt und mit seiner neuen Affäre abgehauen war, gab er ihnen dennoch reichlich Geld. Wahrscheinlich, um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen.

Sam drückte auf die kupferne Türklingel, denn einen Schlüssel hatte er noch nicht. Seine Mutter öffnete ihm. Ihre bräunliche Haut hatte einen aschfahlen Ton und ihr sonst glänzend schwarzes Haar war matt und strähnig. Doch ihre warmen dunklen Augen leuchteten ihm erleichtert entgegen. Es würde alles in Ordnung kommen.

„Wo warst du denn, mi angel?“ Sie zog ihn zu sich und drückte ihn fest. „Mamà, du erdrückst mich ja.“, jammerte Sam. Doch insgeheim liebte er es, so umarmt zu werden. „Komm doch rein, dann essen wir was, ja?“ Sam ließ sich von ihr ins Haus ziehen. Überall im Flur standen noch Umzugskartons und einzelne Möbelstücke, die noch verstellt werden musste. Sam fühlte seine Arme schon beim Gedanken daran schwer werden. „Wo warst du denn Sam?“, rief eine Stimme aus der Küche und Laura streckte ihren Kopf in den Flur.

Laura war seine Schwester und mit 19 drei Jahre älter als er. Sie studierte an der University Of London Literatur und war zu Besuch gekommen, um beim Umzug zu helfen. „Ich wurde von einem Jungen aus meinem Sportkurs abgefangen.“ Laura wackelte mit ihren Augenbrauen: „Und? War er süß?“ Sam verdrehte die Augen: „Nur weil ich schwul bin, muss ich mich nicht in jeden Jungen, mit dem spreche, vergucken.“ Laura zuckte mit den Schultern und grinste süffisant: „Weißt du, ich kann mich da an einen bestimmten Typen erinnern. Wie hieß er noch?“

Laura tat so, als müsse sie einen Moment nachdenken. „War es nicht so ein großer Junge in deinem Kunstkurs in diesen wirklich, wirklich engen…“ Sams Gesicht begann zu glühen. „Ach halt doch die Klappe.“, murmelte er.
„Kinder.“, sagte ihre Mutter tadelnd und stemmte die Hände in die Hüften, „Wie wäre es, wenn ihr euch nützlich macht und mal den Tisch deckt.“ Grummelnd schob Sam sich an seiner Schwester vorbei in die Küche. Auch hier stand noch alles voller Kartons. Sam wühlte aus einer der Kisten Besteck hervor, während seine Mutter zu kochen begann und Laura nach ihrem jüngeren Bruder Luis suchte.

„Und? Hast du schon Freunde gefunden?“, fragte seine Mutter. Sam zuckte mit den Schultern. „Freunde wäre übertrieben, aber zwei Jungs haben angeboten, dass ich dem Schulfußballteam beitreten kann.“ Seine Mutter strich ihm über das Haar. „Und mi angel? Wirst du beitreten?“

„Ich werde es zumindest mal ausprobieren. Was könnte schon im schlimmsten Fall passieren?“ Seine Mutter schürzte die Lippen und sah ihn besorgt an. „Du weißt doch noch, was in Fulbourn passiert ist.“ „Wir sind in London. Wenn man irgendwo schwul sein kann, ohne dass man schief angeguckt wird, dann wohl doch hier.“, meinte Sam zuversichtlich.

Als seine Mutter ihn jedoch immer noch unsicher anguckte. Fügte er schließlich zaghaft hinzu: „Außerdem, naja du weißt schon, es lag auch daran, dass Dad und Lucas Mum…“ Seine Mutter wendete sich ab. „Ich will nur nicht, dass du wieder verletzt wirst.“ Er nahm sie in den Arm „Mir wird schon nichts passieren.“

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Alex lehnte seinen Kopf gegen die kalte Scheibe. Die U-Bahn war so gut wie leer. Kein Wunder, denn es war mitten in der Nacht. Alex war müde, hungrig und ihm taten alle Knochen weh. Vor wenigen Stunden war er von einer zermürbenden Mission aus Mexico wiedergekommen, bedeckt mit Schrammen, blauen Flecken und Schnitten.

Er hatte ein Straßenkind dargestellt, dass von einer Gang unter seine Fittiche genommen wurde, um zu stehlen, zu betteln, zu dealen und Botengänge zu machen. Das Ziel der Mission war es gewesen, die Männer auszumachen, die dem Mob Informationen zukommen ließen. Doch Alex war schließlich aufgeflogen und sie hatten ihn gefühlt durch halb Mexico gejagt, bis er endlich Kontakt zu MI6 aufnehmen konnte.

Alex betrachtete sein Spiegelbild im Fenster. Sein Haar war zerzaust und ein bisschen zu lang, sodass es ihm über die Ohren und in die Stirn viel. Er hatte dunkle Schatten unter den Augen und seine Wangenknochen stachen hervor. Das Auffälligste war jedoch die lange Schramme, die sich von seiner Schläfe aus über seine Wange zog, und das dazu passende blaue Auge.

Die Bahn kam zum stehen und Alex trat durch die Türen hinaus in die Nacht. Kühle Februarluft schlug ihm entgegen und er stopfte seine Hände in seine Jackentaschen. Er wich einem zusammengesackten Obdachlosen aus und wünschte sich, er würde noch in Chelsea wohnen. Doch nachdem Alex aus Amerika zurückgekehrt war, war das Haus an irgendein reiches osteuropäisches Pärchen verkauft worden und Alex hatte sein einziges Zuhause verloren.

Für eine Weile hatte er bei einer MI6 Agentin gewohnt, doch das war einfach nur schrecklich gewesen. Sie konnte einfach nicht verstehen, warum er sich nicht so verhielt wie ein normaler Teenager, warum er kaum mit ihr sprach oder ein Küchenmesser unter seinem Kopfkissen versteckte. Und er konnte es einfach nicht ertragen, dass sie sich um ihn kümmern wollte. So wie es bisher nur Jack für ihn getan hatte, so wie es die Pleasures versucht hatten. Er war dazu verdammt, ein Leben zu führen, in dem nur er selbst für sich verantwortlich war und niemand sonst.

Deshalb waren beide mehr als froh gewesen, als MI6 einen entfernten Cousin von ihm finden konnten, der sich für ein entsprechendes Entgelt dazu bereit erklärte, die Vormundschaft für Alex zu übernehmen.
Kyle Beckett wäre wohl in jedem anderen Fall der denkbar schlechteste Vormund gewesen, den man hätte finden können. Er war erst 24 und von Beruf her Fahrradkurier und Drogendealer. Wobei Alex bezweifelte, dass er ein sonderlich guter Dealer war, denn er und seine Kumpels schienen das meiste Gras selbst zu rauchen. Alex war nur froh, dass Kyle keine anderen Drogen nahm.

In dem Jahr, das Alex bisher bei ihm wohnte, waren die beiden zu der stummen Vereinbarung gekommen, dass Alex sich aus Kyles Scheiß raushielt, wenn Kyle sich dafür nicht in Alex Angelegenheiten einmischte.

Als Alex die Wohnungstür aufschloss drang ihm sofort der Geruch von Gras, kaltem Rauch und Pizza in die Nase. Die Wohnung, in der die beiden lebten war winzig und Alex war derjenige, der normalerweise die Ordnung hielt. Dementsprechend war der Flur vollgestellt mit Schuhen, leeren Kartons und Müllsäcken. Alex ließ seinen Rucksack neben die Schuhe gleiten und kämpfte sich bis in das Wohnzimmer vor. Er schmiss sich neben Kyle auf die Couch. Kyle hielt einen Controller in den Händen und sah nicht einmal auf.

„Ich hab mich schon gefragt, wann du mal wieder auftauchen würdest.“ Alex legte den Kopf in den Nacken und rieb sich die gesunde Gesichtshälfte. „Ist noch Pizza da? Ich sterbe vor Hunger.“ Alex wusste, dass Kyle, wenn er nicht da war, sich im Wesentlichen von Tiefkühlpizza ernährte. „In der Küche liegt noch was.“ Alex schlurfte in die Küche. „Und zieh die verdammten Schuhe aus. Du trägst Dreck durch die ganze Scheißwohnung!“, rief Kyle ihm hinterher. Alex hatte nicht einmal mehr die Kraft, ihm den Mittelfinger zu zeigen.

Auch in der Küche herrschte Chaos. In der Spüle stapelte sich dreckiges Geschirr und in der Ecke lagen Pizzakartons und Cornflackesverpackungen. Die Pizza war mit Ananas belegt, doch Alex war zu hungrig, um sich darum zu kümmern. Er verschlang die Reste bis auf den letzten Krümel. Dann schleppte er sich in sein Zimmer und ließ so wie er war auf sein Bett fallen.
„Home, sweet home.“, dachte er und ehe er sich versah, war er auch schon eingeschlafen.

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Hi :)

Ich bin ein riesiger Fan von Alex Rider Fanfiktion und als ich gesehen, wie inaktiv die deutschen Fanfiktions sind, dachte ich mir: Warum das nicht mal ändern?

Also habe ich mir ein paar englische als Inspiration genommen und hier bin ich!
Review schreiben