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Man sagt Zeit heilt alle Wunden, doch man gewöhnt sich nur an den Schmerz...

von MoinSue
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Ben Kessler Katja Metz
05.01.2020
29.01.2020
8
7.523
2
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Dieses Kapitel
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12.01.2020 1.155
 
Katja war gerade auf dem Weg zur Arbeit, als ihr Handy piepte. Sie sah auf das Display.

Eine neue Nachricht von Ben Kessler.

Hey Katja,
wie geht es dir?

Ich weiß nicht, ob ich dir gesagt habe,
wo das Fußballspiel stattfindet. Das wird bei
uns sein auf dem Platz. Du darfst übrigens
natürlich noch jemanden mitbringen.
             
Bis Samstag!
Ben


Die Blondine steckte lächelnd ihr Mobiltelefon zurück in ihre Hosentasche, da sie an der Wache angekommen war. Sie freute sich immer mehr auf Samstag.
Am Tag nach dem Treffen mit Ben hatte sie überlegt Bens ehemalige Kollegen zu fragen, ob sie mitkommen würden. Dirk, Harry, Henning, Nicki und Lothar würden bestimmt mitkommen. Sie alle kannten Ben ja noch. Bei den anderen Kollegen war sie sich nicht so sicher, aber da würde der ein oder andere vielleicht auch noch mitkommen.
„Mooin!“, begrüßte Katja die anwesenden Kollegen kurz darauf. Ihr Weg führte sie direkt durch die Wache in den Aufenthaltsraum, wo Dirk, Harry und Henning zusammen standen und sich unterhielten. Als ihre Kollegin den Raum betrat, wechselten sie abrupt das Thema, doch Katja merkte es nicht mal in ihrer Euphorie. „Habt ihr Lust am Samstag mit zu einem Fußballspiel zu gehen? Bens Mädchenmannschaft hat ein Heimspiel und er hat uns eingeladen“, sie sah fragend zu den anderen. „Bist du sicher, dass er uns auch eingeladen hat?“, fragte Harry mit einem breiten Grinsen. Ihre Kollegin nickte, zückte ihr Handy und las nach wenigen Augenblicken den letzten Satz von Bens Nachricht vor. „Okay, dann hab ich nichts gesagt. Ich würde auf jeden Fall mitkommen. Was ist mit euch Jungs?“, die Griechin sah zu den Männern. Diese nickten ebenfalls und lächelten.
„Dann frag ich noch Nicki und Lothar, ob sie auch mitkommen. Dirk, wir sehen uns gleich draußen. Ich geh mich nur noch schnell umziehen.“

Als Katja wieder den Wachraum betrat, legte Nicki gerade den Telefonhörer auf und gesellte sich zu den anderen Kollegen am Tresen. Katja fragte sie direkt wegen des Fußballspiels. „Gerne komme ich mit. Aber ihr müsstet bitte vorher zu einem Nachbarschaftsstreit. Die Frau sagte etwas von einem lauten Streit im Schrebergarten zwischen ihrem Mann und einem Nachbarn“, sagte sie lächelnd. Katja nickte und nahm ihr den Zettel mit der Adresse ab, während Dirk den Schlüssel des 14/2 aus dem Regal nahm.


Der Nachbarschaftsstreit entpuppte sich als einen Kleinkrieg zwischen den Nachbarn Hubert Franz und Eduard Kaltensee. Laut der Ehefrau von Herrn Franz gab es öfter Streit und meist waren es wirklich nur Kleinigkeiten. Doch so schlimm wie heute, sei es noch nie gewesen. Die andere Ehefrau erzählte von zu weit herüber hängenden Ästen, stinkendem Müll, lauten Aktivitäten zur angeblich falschen Uhrzeit. Die beiden Männer würden immer etwas finden zum Streiten und wenn sie nicht stritten, ging es ihnen auch nicht wirklich gut.
Dirk schrieb sich einiges auf und sprach mit den beiden Herren. Danach fuhren sie erstmal ohne eine Anzeige zurück zum Revier. Dirk hatte aber beiden Herren ans Herz gelegt, dass er beim nächsten Anruf wegen ihrer Streiterei nicht so entspannt sein würde. Katja und die Ehefrauen, die die Polizei angerufen hatten, hofften, dass dieser Auftritt von Dirk Matthies ausreichen würde. Dran glauben wollte aber eigentlich keine der Frauen…

„Peter14 für 14/2 kommen“, funkte Katja im Auto an das 14te Revier. „Peter14 hört“, ertönte die Stimme ihrer jungen Kollegin. „Der Nachbarschaftsstreit ist schon eher ein Kleinkrieg zwischen zwei älteren Herren. Die Beiden wurden von Dirk ermahnt, dass sie beim nächsten Anruf nicht ohne Anzeige wegkommen. Mal sehen, wie es weitergeht. Habt ihr etwas neues für uns oder sollen wir erstmal zurückkommen?“, Katja wartete auf eine Antwort und strich sich eine zu kurze Haarsträhne aus dem Gesicht, die im Zopf nicht hielt. Da Nicki nichts für sie hatte, verabschiedete sich mit „Okay. Wir kommen zurück. 14/2 Ende.“ und legte den Hörer der Funke zurück.

Dirk stieß einen Seufzer aus. „Was?“, seine Kollegin sah ihn fragend an. „Ich hoffe, ich werde niemals so enden…is doch echt unglaublich, wie verbohrt man im Alter sein kann.“ Katja grinste und antwortete: „Ich glaube nicht, dass du so wirst. Wenn ich daran denke, was du in ein paar Jahren machst…dann stell ich mir immer vor, dass du auf deiner Repsold sitzt mit einem Liegestuhl und einem Kasten Bier und vielleicht ist noch einer von uns bei dir und sucht Rat wegen irgendeinem Fall“, Katja grinste und sah nach vorne. Dirk sah sie an und sagte: „Ach, bestimmt sitze ich noch auf dem Bock, bis ich umfa…“, er wurde unterbrochen, da Katja plötzlich „Vorsicht!“, rief. Dirk konnte wirklich dankbar sein, dass seine Reflexe noch so gut funktionierten. Schon während Katja das Alarmwort rief, schaute er nach vorne und sein Fuß trat fast schon von selbst auf die Bremse. Der Wagen blieb gerade so stehen.

Der kleine Junge, der eben ohne zu gucken auf die Straße gelaufen war, war verschreckt stehen geblieben, als er seine Mutter rufen hörte. Er starrte verwirrt auf den Wagen, der da auf ihn zuraste. Ganz große Augen hatte er bekommen, als er das Quietschen der Bremsen gehört hatte.
Katja löste ihren Gurt und stieg schnell aus und lief zu dem Kleinen. Sie kniete sich vor ihn hin, berührte ihn vorsichtig an der Schulter und sprach ihn ruhig an. Er sah sie an und sah dann zu seiner Mutter, die vom Bürgersteig aus auf Katja und den Jungen zu rannte. Inzwischen war auch der ältere Polizist aus dem Auto ausgestiegen. Er zitterte ein wenig und sein Herz pumpte ordentlich. Ihm war ein ziemlicher Schreck durch die Glieder gefahren, als er den Jungen plötzlich vor dem Auto sah. Er musste kurz an einen ehemaligen Fall denken. Seitdem saß ein inzwischen 20jähriger junger Mann im Rollstuhl, da er mit 5 Jahren vom Auto erwischt wurde.

„Oh Gott, Timmi! Du kannst doch nicht einfach so auf die Straße laufen!“, die Mutter kniete sich neben ihren Sohn und die blonde Polizistin. Sie schloss ihren Sohn in ihre Arme und drückte ihn kurz fest an sich.
„Du kannst nicht einfach auf die Straße rennen, okay“, sie sah ihrem Sohn in die Augen und wartet auf ein Nicken, das ein paar Sekunden später kam. „Aber Mama, da war der Hase…“, er sah seine Mutter mit großen Augen an. Die junge Frau nahm ihn auf den Arm und strich ihm einmal durchs Haar. „Ach Tim…nicht schon wieder…das haben wir doch schon mal besprochen. Alice im Wunderland ist nur eine Geschichte und den Hasen und Alice und alle anderen gibt es nicht in echt…“, sie sah entschuldigend zu den Polizisten. „Wegen sowas darfst du nicht einfach auf die Straße rennen!“
Katja lächelte den Jungen an. „Es ist ja zum Glück nochmal alles gut gegangen. Wir wünschen Ihnen noch einen schönen Tag“, Dirk nickte zustimmend. Sie sahen der Frau und ihrem Sohn noch kurz nach und stiegen dann zurück ins Auto. Dirk überließ freiwillig seiner Kollegin das Steuer. „Is vielleicht besser so“, murmelte er.
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