Isabelle Le Fanult - Gib Niemals Auf

KurzgeschichteAllgemein / P16
Allie Carter Isabelle Nathaniel
03.01.2020
14.02.2020
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Es war ein lauer Sommerabend, einige Wochen nach den Verhandlungen mit Nathaniel. Das Tor von Cimmeria öffnete sich und drei Gestalten traten heraus.
Eine von ihnen, die mittlere, war Isabelle le Fanult, Rektorin der Cimmeria Academy und Mitgründerin von Aurora. Isabelle wurde flankiert von zwei Männern im selben Alter wie sie selbst.
Rechts von ihr lief Raj Patel, Chef einer großen Sicherheitsfirma. Er sorgte für die Sicherheit in Cimmeria, jedoch würde er jetzt nachdem die Gefahr von Cimmeria abgewendet war, zu seiner Firma zurückkehren und nur noch gelegentlich kommen.
Die Gestalt links von Isabelle war Julian Bell-Howard, er hatte bis jetzt in London für Orion gearbeitet. Doch jetzt, wo Orion Nathaniel gehörte und Isabelle mit Allie Aurora gegründet hatte, arbeitete er mit an Aurora und fuhr deshalb regelmäßig nach Cimmeria. Denn es gab immer noch viele offene Fragen mit Isabelle und Allie zu klären.
Doch an diesem Sommerabend, hatten die drei alten Freunde beschlossen einen Spaziergang über die in der Dämmerung liegenden Landschaften von Cimmeria zu machen. Die drei hatten eine besondere Beziehung zueinander, denn über die Jahre hatte sich viel geändert. Beide Raj und Julian waren mit Isabelle zusammen gewesen. Doch Raj hatte sie betrogen, worauf die Trennung folgte. Auch Julian und Isabelle hatten sich getrennt, da beide immer mehr arbeiten mussten und ihre eigenen Wege gingen. Doch jetzt, viele Jahre später, nachdem sie alle älter geworden waren und schon oft aufeinander angewiesen waren, hatten sie sich vertragen und waren wieder Freunde geworden.
Jetzt gingen die drei nebeneinander über den Rasen Richtung Wald. Isabelle in ihrer Mitte. Sie unterhielten sich leise, doch als sie die Kapelle mit dem anschließenden Friedhof erreichten, verstummten sie. Julian warf Isabelle einen vorsichtigen Blick zu und fragte:
„Sollen wir zu ihr gehen?“
Isabelle nickte nur stumm. Julian öffnete das Tor und sie betraten den mittlerweile im Dunkeln liegenden Friedhof. Langsam gingen sie an den ersten Gräbern vorbei und blieben erst vor einem großen und schönen Marmorgrabstein stehen. In den Grabstein war feinsäuberlich der Name „Lucinda Meldrum“ eingraviert.
Stillschweigend blieben die drei stehen. Isabelle bückte sich, um den Grabstein zu berühren. Mit leiser Stimme sprach Isabelle:
„Ich kann immer noch nicht glauben, dass sie einfach weg ist.“
Sie richtete sich wieder auf. Mitfühlend legte Raj ihr seine Hand auf die Schulter. Gleichzeitig legte Julian seine Hand auf ihre andere Schulter.
Isabelle war peinlich gerührt. Beide hatten einen sehr starken Beschützerinstinkt ihr gegenüber, das wusste sie, trotzdem war ihr die Situation seltsam unangenehm. Sie räusperte sich und meinte:
„Wir sollten zurück gehen, bevor es endgültig dunkel wird“
Doch keiner rührte sich, beide verharrten in ihrer Position, denn es schien Isabelle als würden die beiden einen stummen Kampf austragen, wer sie denn zuerst loslassen würde. Sie musste innerlich seufzen, es würde nie wieder so wie früher werden, als sie noch jung waren. Doch schließlich, als Isabelle gerade etwas sagen wollte löste Julian seine Hand von ihr und erwiderte, als wäre nichts geschehen:
„Lucinda war ein wundervoller Mensch, besonders, wenn man sie wirklich kannte. So wie du und ich.“
Als Isabelle sich erneut räusperte, nahm auch Raj seine Hand von ihrer Schulter. Dabei warf er Julian einen wissenden Blick zu. Dieser ignorierte ihn jedoch.
Gemeinsam machten die drei sich auf den Rückweg zur Schule. Als sie aus dem Wald hinaustraten, blickte Isabelle zum Schulgebäude hoch und entdeckte dabei zwei Gestalten auf dem Dach der Schule. Sie konnte zwar nur Umrisse erkennen, allerdings war sie sich ziemlich sicher, dass das Allie und Carter waren. Niemand sonst kannte den Weg hinauf zum Dach, beziehungsweise traute sich dort hinauf. Eigentlich hätte sie es den Beiden verbieten sollen – okay – sie musste sich eingestehen, dass die Beiden ihr eh nicht gehorcht hätten. Doch sie würde Allie und Carter auch nicht mit Strafen drohen, denn ersten liebte sie die Beiden dafür viel zu sehr, zweitens erinnerte sie sich immer an ihre eigene Jugend und sie konnte nicht von sich behaupten nie da oben gewesen zu sein. Denn sie, Julian und Raj hatten ihre Abende oft dort oben auf dem Dach der Schule verbracht. Und drittens, wussten Carter und Allie, dass sie ihre Strafe niemals durchsetzen würde.
Julian folgte ihrem Blick und musste lachen. Von einer leichten Nostalgie befallen meinte er:
„Erinnert ihr euch noch an unsere Zeit, dort oben auf dem Dach?“
Raj und Isabelle nickten und sie gingen in Erinnerungen schwelgend zurück ins Gebäude.

Zur selben Zeit auf dem Dach. Allie saß an Carter gelehnt auf dem Dach und beobachtete den Sonnenuntergang, als Carter plötzlich, die Stille durchbrechend fragte:
„Ist das da unten Isabelle mit Raj und Julian, ich wusste gar nicht, dass er schon wieder da ist?“
Allie blickte auf. Carter hatte Recht, das waren wirklich Isabelle, Raj und Julian. Julian kannte sie eigentlich erst seit ein paar Wochen. Nichtsdestoweniger war er ihr von Anfang an sympathisch gewesen. Denn Julian hatte einen sanftmütigen Charakter, doch wenn er sich für etwas einsetzte, dann war er mit ganzem Herzen dabei und gab keineswegs klein bei. Zudem besaß er eine gute Portion Humor. In letzter Zeit kam Julian immer öfter aus London hergefahren. Deswegen vermutete sie, dass er heute Abend angekommen war.
„Stimmt Carter, glaubst du die haben uns gesehen.“
„Vielleicht, ist aber eigentlich auch egal, keiner von den dreien wird uns bestrafen.“
Allie musste lachen, denn damit hatte er schließlich recht. Sie verbrachten regelmäßig ihre Abende hier oben auf dem Dach und so würde es auch in Zukunft bleiben. Nur sie beide, glücklich schmiegte sie sich an Carter, der sogleich seinen Arm um sie legte.
Sie hörten noch ein leises Lachen von weiter unten, es klang sehr nach Isabelle, als die drei hinter sich die Eingangstür schlossen. Mittlerweile war es auch schon vollständig dunkel geworden.
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