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[Federation Law] Inter Arma enim silent Leges — Im Krieg schweigen die Gesetze?

von LukeWords
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Sci-Fi / P12 / Gen
03.01.2020
10.09.2020
6
14.215
4
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Dieses Kapitel
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01.03.2020 3.168
 
Persönliches Logbuch, Medizinische Offizierin Dr. Beverly Crusher, Sternzeit 44789.8 (16. Oktober 2367, gegen 7:30 Uhr): Jean-Luc wirkte heute Morgen bei unserem Frühstück noch ruheloser und angespannter als sonst, ist aber auf meine besorgten Nachfragen auch nicht eingegangen. Wäre mir nicht aufgefallen, dass er selbst sein geliebtes Croissant nicht aufgegessen und an seinem Earl Grey nur ein paar mal lustlos genippt hat, hätte ich Deanna die Sache überlassen. Nun werde ich ihn wahrscheinlich in den nächsten Tage zu einer vorgezogenen Gesundheitsuntersuchung bitten, denn ich mache mir mit diesen Symptomen nach dem Stress der letzten Monate nun doch Sorgen um die Funktion seines Herzens. Er wird davon kaum begeistert sein, deswegen kann ich es noch vertreten, den Verlauf in den nächsten Tagen weiter zu beobachten und mich im Anschluss an die Offiziersbesprechung mit Deanna auszutauschen.
Von Wesley habe ich in den eineinhalb Monaten nichts mehr gehört, obwohl er mir versprochen hatte, sich jedes Wochenende zu…


„Computer, Aufzeichnung pausieren!“, Beverly Crusher stutzte, als sie durch die Fenster ihres Büros einen unbekannten jungen Mann in Kommandouniform erblickte, der sich entweder unbeobachtet wähnte oder ähnlich wenig Respekt vor dem Protokoll der Sternenflotte hatte wie Commander Riker, lehnte er sich doch halb an die Wand. Bei Will hatten derartige Haltungsmarotten einen medizinischen Hintergrund, auch wenn er den immer herunterzuspielen versuchte und sich daher aktiv um die Legendenbildung bemüht hatte, es sei ein Zeichen seiner Eigensinnigkeit gegenüber der Sternenflotte. Sie blickte auf die Anzeige: Es war noch immer fast eine halbe Stunde, ehe sie ihre Schicht offiziell beginnen sollte.

„Doktor Crusher an Doktor Hsia“, kontaktierte sie also den diensthabenden Assistenzarzt.
„Hsia hier. Soll ich in Ihr Büro kommen?“, folgte die Antwort prompt, wenn auch verwundert.
„Lassen Sie nur, Charlie. Ich wollte nur wissen, ob Sie mir etwas über den jungen Mann sagen können, der im Flur vor meinem Büro steht und auf etwas zu warten scheint. Das ist doch noch ihr Patient?“, erkundigte sich die Chefärztin stattdessen ohne den persönlichen Kontakt zu suchen – das hätte der rätselhafte Besucher vor ihrer Tür ja unweigerlich sofort mitbekommen.
„Er hat sich hier nicht als Patient gemeldet, Doktor Crusher. Verzeihen Sie meine Unaufmerksamkeit, ich werde ihn gleich aufnehmen!“, die Stimme des jungen Arztes wurde mit einem Mal hektisch.
„Wenn er nicht um eine Behandlung gebeten hat, habe ich noch keine Veranlassung, eine solche für notwendig zu erachten. Aber was sucht er dann hier?“, beschwichtigte Crusher ihn direkt. Er würde noch lernen, mehr Vertrauen in seine Beurteilungen zu haben.
„Lieutenant Clark hat mir gesagt, dass er auf Captain Picard warten wolle und dann etwas mit Ihnen zu besprechen habe, Doktor. Deswegen habe ich ihn schon einmal nach Hinten geschickt“, wusste Hsia zu berichten, konnte damit ihre Neugierde allerdings nicht stillen.
„Jean-Luc? - Ich habe doch eben noch mit ihm gefrühstückt.“, dachte die Schiffsärztin eher laut, als dass sie ihren Mitarbeiter tatsächlich um seine Meinung fragen wollte, „Captain Picard hat mir gar nicht mitgeteilt, dass er heute vor der Offiziersbesprechung noch ein Gespräch mit mir terminiert hat und mit dem Namen Clark weiß ich auch nichts anzufangen.“
„Er dient nicht auf der Enterprise, Doktor Crusher.“, lieferte Hsia dafür eine Bestätigung, „Sagte etwas vom Hauptquartier und dass er eine Weile an Bord bleiben wird. Ansonsten eher ein verschlossener Zeitgenosse.“
„Ich werde ihn einfach mal fragen“, entschloss sich Crusher, „Ich danke Ihnen erst einmal, Charlie. Die Übergabe machen wir hoffentlich wie geplant um acht.“
„Es war eine ruhige Schicht, Doktor – ich habe nicht viel zu berichten und kann auch gerne eine Weile länger bleiben, wenn das notwendig ist.“, bot der aber sogleich an.
„Danke, ich gehe nicht davon aus. Aber sollte das der Fall sein, hätte man uns ruhig im Voraus informieren können, finde ich. Sie könnten dann ja schon mit Alyssa beginnen, Charlie. Crusher Ende!“, verkündete sie, während sie zur Tür ihres Arbeitszimmers ging und diese öffnete.

„Kann ich Ihnen behilflich sein, Lieutenant Clark?“, erkundigte sie sich gleich darauf und machte keinen Hehl daraus, dass sie im Bilde über seine Person war.
Der Angesprochene blickte von dem PADD auf, das ihr bislang nicht aufgefallen war, straffte sich und stellte ziemlich gelassen fest: „Sie müssen Commander Crusher sein.“
„Doktor genügt vollkommen, Lieutenant, aber Sie haben richtig geraten.“, sie lächelte, „Was kann ich für Sie tun?“ Clark war ihr inzwischen gegenübergetreten, sodass sie ihre Vermutung bestätigen konnte: Er schien ein medizinisches Problem mit sich herumzuschleppen, auch wenn er angeblich deswegen nicht hierhergekommen war. Seine Haltung wirkte schon nach wenigen Augenblicken verkrampft, wie es bei einem jungen Mann absolut unüblich war. „Sind Sie sicher, dass ich Sie nicht einmal gründlich durchscannen soll?“
Der Lieutenant grinste nur und machte eine abwinkende Handbewegung: „Meine Familie hat in den letzten einhundertfünfzig Jahren so viele Ärzte aufgesucht, das ich das kaum für zielführend halten würde, Doktor Crusher. Einige von uns müssen sich eben immer noch mit dem Spätfolgen der Atomaren Schreckenszeit herumplagen und wir haben gelernt, uns damit abzufinden. Aber haben Sie trotzdem vielen Dank. Mit einem Stuhl wäre mir schon mehr als genug geholfen.“
Crusher runzelte die Stirn, trat aber zur Seite und machte eine einladende Handbewegung: „Sie hätten sich nur melden brauchen, Lieutenant, dann hätte ich Sie auch schon früher hereingelassen.“
„Ich habe mit Captain Picard heute Nacht verabredet, dass wir Sie gemeinsam aufsuchen wollen, Doktor. Er scheint sich allerdings ein wenig zu verspäten“, erklärte Clark daraufhin und wandte seinen Blick im Arbeitszimmer um, offenbar auf der Suche nach einer Zeitanzeige.
„Das scheint in der Tat so zu sein, Lieutenant“, sie verschwieg ihm, dass sie bereits mit dem Captain gefrühstückt und dieser dabei kein Wort über derartige Pläne oder auch nur einen neuen Offizier an Bord der Enterprise verloren hatte – dieses Hühnchen würde sie mit Jean-Luc persönlich bei anderer Gelegenheit zu rupfen haben, „Sie könnten mir aber trotzdem verraten, wie ich mir diesem morgendlichen Überfall verdient habe.“
„Ich denke“, wiegelte Clark ab, „dafür sollten wir auf den Captain warten, immerhin ist das hier sein Schiff und wir hatten uns so vereinbart. Ich kann Ihnen aber versichern, dass mein Besuch nicht Sie persönlich betrifft, Doktor Crusher, und es auch nicht um Ihren Sohn gehen wird.“
„Wesley?“, die Schiffsärztin stutzte und verfiel eher unbewusst in einen geradezu mütterlich-vorwurfsvollen Tonfall, als sie wissen wollte: „Sie haben doch nicht etwa meine Personalakte studiert, junger Mann?“
„Aber nicht doch, Doktor. Ich kann Ihnen versichern, dass wir hier über einen reinen Zufall sprechen. Captain Picard lies seinen Namen im Laufe unseres Gespräches beiläufig fallen, als ich von meinem letzten Besuch an der Akademie vor drei Wochen erzählte.“
„Sie sehen nicht aus, als kämen Sie frisch von der Akademie, Lieutenant Clark.“, stellte Crusher fest, „Ich fürchte, Sie müssen mir schon etwas mehr über sich verraten, wenn ich Ihren Schilderungen folgen soll.“
„Aber natürlich, verzeihen Sie meine Manieren, Sie haben mich zugegebenermaßen ein wenig überfallen.“, Clark erhob sich etwas schwerfällig wieder von seinem Platz und reichte ihr seine Hand, „Lieutenant Matthew L. Clark, Judge Advocate General‘s Corps, normalerweise in San Francisco stationiert, derzeit auf Dienstreise mit der USS Enterprise. Sehr erfreut.“
Nach einem kräftigen Händedruck hatte sich Clark eilig wieder auf den Stuhl niedergelassen und setzte nun zu einer gewissen Erklärung an: „Der Judge Advocate General ist sehr daran interessiert, dass Offiziersanwärtern das Recht der Föderation als Grundlage der Sternenflotte und das System des Rechts als Grundlage allen Handelns in der Sternenflotte vermittelt wird. Leider werden diese Themen bei aller Bedeutung der umfassenden humanistischen und naturwissenschaftlichen Bildung an der Akademie sträflich vernachlässigt.“
„Ich wünschte, ich könnte für die Medizin zu einer wesentlich besseren Lageeinschätzung kommen“, warf Crusher dazwischen ein und dachte mit einigem Schrecken daran zurück, was sie als Leiterin des Medizinischen Corps vorgefunden hatte, das immerhin noch über eine eigene Akademie für das Medizinische Personal verfügte, „aber es ist traurige Realität, dass die meisten Offiziere im besten Fall über ein paar Grundkenntnisse der Medizin verfügen, selbst die Wissenschaftsoffiziere.“
„Ihre Profession hat es immerhin zu Anerkennung in der Sternenflotte geschafft. Sie sind ein Teil jeder Mission, weil die menschliche Gesundheit sich sehr vehement äußert, wenn man sie allzu sehr vernachlässigt.“, Clark schien nachdenklich, „Ohne uns Juristen aber kommt man im Zweifel ganz gut aus: Innerhalb der Föderation bilden wir uns ein, ein Paradies in Frieden und Harmonie geschaffen zu haben und nach außen werden Diplomaten oder Soldaten benötigt, keine Paragraphenreiter.“
„Captain Picard ist ein sehr angesehener Diplomat, Lieutenant“, wandte Crusher ein.
„Das ist richtig. Aber Diplomaten sind nicht die Antwort auf alle Probleme.“, Clark überlegte einen Augenblick, um dann einen Vergleich zu nennen, „Stellen Sie sich vor, die Menschen hätten sich vor Jahrhunderten dazu entschieden, in der Medizin allein auf Kräuterhexen zu vertrauen und alles andere außen vorzulassen...“
„Mit Pflanzen kann man viele Beschwerden lindern und auch einige Krankheiten heilen, aber sie sind kein Ersatz für den medizinischen Fortschritt und seine Medikamente und Techniken – obwohl die alten Hausmittel schon ihre Berechtigung haben“, analysierte die Ärztin diesen zügig, „Meine Vorgängerin in dieser Position hat bei Erkältungen immer Hühnersuppe nach dem Rezept ihrer Großmutter empfohlen, das...“
„Sehr richtig“, wurde sie allerdings von ihrem Gast eilig unterbrochen, „ein solches Bewusstsein scheint sich im Fall des Rechts in der Sternenflotte allerdings nicht recht durchsetzen zu können. Die Mitglieder unseres Corps werden nachwievor meist von zivilen Universitäten abgeworben, bekommen ein paar Grundkurse in Sachen Raumfahrt und Astorpolitik und werden dann in eine Sternenflottenuniform gestpoft. Das versucht der Judge Advocate General immer wieder zu ändern. Admiral Bennett ist seit kurzem erst befördert worden und scheint sich jetzt Hoffnungen zu machen. Deswegen hat er ein paar junge Juristische Offiziere wie mich an die Akademie geschickt, um ein bisschen Werbung zu machen und zu informieren. Ein frustrierendes Erlebnis, wenn ich ehrlich sein soll.“
„Und da haben Sie meinen Sohn kennengelernt.“, versuchte Crusher diese willkommene Vorlage ein wenig für ihre Zwecke zu nutzen – wenn Wesley sich schon nicht bei ihr meldete, könnte sie vielleicht auf diesem Wege einige Neuigkeiten in Erfahrung bringen.
Die mütterlichen Hoffnungen wurden allerdings enttäuscht: „Kennengelernt ist wohl zu viel gesagt. Ich hatte da eine Gruppe ganz unterschiedlicher junger Menschen vor mir sitzen, aber während der Mittagspause wurde ich von so einigen Dozenten der Akademie nach Cadet Wesley Crusher gefragt. Nach anderen dagegen gar nicht.“, schilderte Clark die etwas skurrile Begebenheit, „Ich kann wohl sagen, dass Ihr Sohn sich eine gewisse Fanbasis bei Professoren aus den Naturwissenschaften und den Fluglehrern aufgebaut hat. Mir selbst war er in meiner Gruppe allerdings nicht aufgefallen. Nach der Mittagspause habe ich natürlich etwas genauer auf ihn geachtet, aber er schien nicht besonders interessiert zu sein. Seine Stärken liegen eindeutig in anderen Bereichen.“
Eine gewisse Enttäuschung konnte Crusher in ihrem Gesichtsausdruck nicht verbergen, schließlich war  ihr Sohn lange Zeit überall aufgefallen, wo er sich aufgehalten hatte, wenn auch nicht immer positiv: „Und haben Sie den Eindruck, dass er sich an der Akademie wohlfühlt?“
„Ich glaube kaum, Doktor Crusher, dass ich für diese Frage der richtige Ansprechpartner bin. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass Sie meine Einschätzung – wenn ich denn eine abgeben könnte – etwas angeht. Ihr Sohn ist erwachsen und wird seinen eigenen Weg finden müssen“, antwortete Clark darauf nichtssagend.
„Vermutlich haben Sie recht, Lieutenant. Verzeihen Sie meine Nachfrage“, bat die so gescholtene Mutter, „Sie klingen übrigens wie Captain Picard, wenn ich ihn nach Wesleys Talenten für Philosophie und Literatur gefragt habe. Das sind seine Leidenschaften, müssen Sie wissen.“

„Habe ich da etwa meinen Namen gehört?“, mischte sich eine neue Stimme in das Gespräch ein und wurde zunächst von Crusher mit einem überraschten „Jean-Luc!“ in Empfang genommen, während Clark ein höfliches „Captain!“ entgegnete.
„Ich sehe, Sie haben unsere Absprache nicht ganz durchgehalten, Lieutenant Clark“, tadelte Picard diesen statt einer Begrüßung.
„Der Lieutenant hat mir noch nichts über den Grund seines Besuches verraten, wir haben uns nur ein wenig unterhalten, während wir auf Sie gewartet haben, Captain“, beeilte sich Crusher dazu klarzustellen.
„Ich hatte nur auf der Brücke nach dem Rechten gesehen.“, erklärte Picard, „Wenn Sie beide sich schon bekannt gemacht haben, ist meine Aufgabe eigentlich erledigt. Wären Sie nun also so freundlich und würden Bev…“, Picard stockte kurz, „Doktor Crusher über den Grund Ihres Aufenthalts an Bord der Enterprise informieren, Lieutenant Clark?“

„Natürlich, Captain.“, Clark nickte zustimmend und wandte sich dann wieder Crusher zu, „Doktor Crusher, der Captain und ich hielten es für angemessen, Sie als unmittelbar vorgesetzte Offizierin vor der allgemeinen Offiziersbesprechung davon in Kenntnis zu setzen, dass gegen einen Ihrer Untergebenen ein Militärstrafverfahren eingeleitet worden ist.“
„Lassen Sie mich raten, Lieutenant: Es geht um Crewman Simon Tarses“, ihr Gesichtsausdruck verfinsterte sich, „und unsere nette Unterhaltung war nichts anderes als der Versuch, schon einmal unverfänglich an ein paar Information zu kommen. Wie passend, dass Captain Picard sich verspätet hatte und wie ärgerlich, dass ich mit Ihnen nur über Belanglosigkeiten zu sprechen bereit war.“ In ihrem Tonfall schwang überdeutlich der Vorwurf mit, der Picard zu einem tiefen Seufzer und Clark zu einer abwehrenden Handbewegung verleitete, gefolgt von einem belustigten Grinsen.
Das wiederum sorgte bei Beverly Crusher für Wut: „Es belustigt Sie auch noch zu sehen, wie sehr mich dieses Verhalten empört, nach allem, was wir bereits vom Hauptquartier in dieser Sache erleben mussten, was Crewman Tarses bereits durchzumachen hatte dank einer hoch angesehenen Frau auf Hexenjagd? Ich habe geschworen, meinen Lehrern, meinen Kollegen und meinen Schülern Respekt und Anerkennung zu erweisen. Dazu stehe ich – wenn es sein muss bis zum bitteren Ende – auch für Crewman Tarses.“
„Ich war eher erstaunt darüber, Doktor, wie ähnlich Sie und Captain Picard auf diese Nachricht reagiert haben.“, offenbarte Clark nun sehr ernsthaft, „Und ich würde abermals um die Chance bitten, die Sachlage und auch mich selbst erst einmal näher zu erklären, ehe Sie Ihr Urteil über mich fällen. Ich kann Ihnen versichern, dass ich in unserem Gespräch keinerlei unlautere Absichten verfolgt habe, selbst wenn das eine ganz wunderbare Gelegenheit dafür gewesen wäre.“
Crusher schluckte: „Sie haben natürlich recht, Lieutenant, ich war nicht fair Ihnen gegenüber. Aber hier auf der Enterprise sind wir alle eine große Familie und mir persönlich liegt natürlich insbesondere mein Stab am Herzen. Wir sind ein kleines Team mit großen Aufgaben.“
„Ihr Selbstverständnis ehrt Sie, Doktor, und ich bin davon überzeugt, dass es uns noch nützlich sein kann.“, eröffnete Clark seinen Vortrag und fuhr dann mit den Informationen fort, die er wenige Stunden zuvor erst dem Captain offenbart hatte. Abermals schloss er mit der Bitte, Crewman Tarses vorerst vom aktiven Dienst freizustellen.
„Ich verstehe sehr wohl, Lieutenant, dass wir augenscheinlich auf der gleichen Seite stehen, während uns das Hauptquartier als solches einmal mehr mit einer an Verfolgungswahn grenzenden Haltung belästigt.“, setzte daraufhin die Schiffsärztin an.
„Das ist nicht, was ich gesagt habe oder sagen wollte, Doktor Crusher, ganz und gar nicht!“, folgte der Widerspruch zu dieser Einschätzung prompt.
„Mir ist durchaus bewusst, dass Sie an Ihre Gesetze und Vorschriften glauben wollen, Lieutenant. Ich bin Ärztin, ich glaube an Menschlichkeit, Menschenwürde und wissenschaftliche Erkenntnisse.“, insistierte Crusher, „Und in diesem Sinne ist für mich nicht nachvollziehbar, warum Sie Crewman Tarses vom Dienst freigestellt wissen wollen. Alle Vorwürfe gegen ihn sind politisch motiviert, weil wir einmal mehr am Rande einer Eskalation des Konflikts mit den Romulanern stehen. Sie müssen als sein Verteidiger an seine Unschuld glauben…“
„Ich muss seine Interessen bestmöglich vertreten. Das ist – wie ich auch schon Captain Picard erklärt habe – ein großer Unterschied.“, legte der Militäranwalt seine Position dar, „Es entspricht dem normalen Vorgehen und den Vorschriften, dass ein Angehöriger der Sternenflotte vom Dienst freigestellt wird, wenn gegen ihn ein solches Verfahren eingeleitet wurde. Auch zu seinem Schutz, damit nicht gegebenenfalls weitere Entscheidungen in Zweifel gezogen werden oder den Vorgesetzten Versäumnisse in der Mitarbeiterführung vorgeworfen werden können, wenn das Verfahren in Gang kommt. Ich bin mir sicher, dass niemand an Bord auf die Idee kommen wird, es handle sich um eine Vorverurteilung, wenn Sie alle hier sich wie eine große Familie fühlen.“
„Ihren Optimismus in allen Ehren, Lieutenant, aber so blauäugig sind Sie doch nicht tatsächlich: Menschen sind vorurteilsbehaftet. Wir entscheiden gerne nach unserem ersten Eindruck und es kostet Überzeugungskraft, den zu revidieren.“, wandte nun Picard dagegen ein.
„Das ist leider richtig, Sir“, musste Clark einräumen, „aber mit diesem Phänomen werden wir so oder so zu kämpfen haben. Die Frage ist nur, ob Ihre Glaubwürdigkeit als Schiffsoffiziere in Mitleidenschaft gezogen wird, weil Sie von den Vorschriften eine Ausnahme machen oder ob Sie mit voller Autorität zugunsten von Crewman Tarses auftreten können.“
„Und deswegen war ich auch bereit, Ihrer Empfehlung zu folgen, Lieutenant.“, bestätigte der Captain.

„Als Medizinische Offizierin ist es meine Aufgabe, die für die Sicherheit der medizinischen Versorgung und den Fortgang der Forschungen an Bord die notwendigen Entscheidungen zu treffen.“, erinnerte daraufhin Crusher, „Sie werden also an meiner Entscheidung nicht vorbeikommen, Gentleman, und die werde ich im Sinne der medizinischen Ethik treffen.“
„Bev…“, abermals musste Picard sich selbst zügeln, „Commander Crusher, ich muss Sie nicht daran erinnern, dass Sie nicht nur die Schiffsärztin, sondern auch Offizierin der Sternenflotte sind. Auch Ihre Entscheidungen können hinterfragt werden, werden hinterfragt werden, wenn man das im Hauptquartier für notwendig hält. Meinen Sie wirklich, dass die medizinische Versorgung der Enterprise gefährdet ist, wenn wir Crewman Tarses für die Dauer dieser Mission freistellen?“
„Nein.“, erwiderte die so ermahnte einsilbig, „Nein, das glaube ich nicht. Ich werde der Empfehlung folgen, wenn auch widerwillig und ohne von ihr in der Sache überzeugt zu sein. Vorschriften sind Vorschriften, jedenfalls solange kein Notfall vorliegt.“

„Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen, Doktor Crusher und würde gerne mit Ihnen gemeinsam Crewman Tarses über die Sachlage informieren“, schlug Clark daraufhin vor.
„Im Anschluss an die Offiziersbesprechung scheint mir ein dafür geeigneter Zeitpunkt zu sein, vor allem, wenn Captain Picard diesem Gespräch beiwohnen möchte“, klang der Tonfall der Schiffsärztin wieder versöhnlicher.
„Ich denke nicht, dass das nötig sein wird. Immerhin habe ich Crewman Tarses genug Schwierigkeiten gemacht.“, war dafür nun Picard einsilbig, geradezu hektisch und mit einem „Wenn Sie mich entschuldigen würden, ich muss die Besprechung vorbereiten.“ auch plötzlich in Aufbruchsstimmung.
Als Beverly Crusher ein spitzes „Jean-Luc!“ ausstieß, hatte er das Büro längst verlassen, offenbar in der Vorahnung der herannahenden Entdeckung.
„Ist alles in Ordnung, Doktor Crusher?“, erkundigte sich stattdessen ein leicht verdutzter Lieutenant Matthew Clark, woraufhin Crusher nur auf das aktivierte Display vor ihr deutete.
„Crewman Tarses ist heute für keine Schicht eingeteilt, auch wenn das ganz unmöglich ist. Der Captain war eben nicht nur auf der Brücke, um nach dem Rechten zu sehen. Er hat Simon eine außerplanmäßige Freischicht eintragen lassen!“, erklärte sie abermals - wenn auch dieses Mal deutlich weniger – verärgert.
„Aus meiner Sicht klingt das nach einer vernünftigen Entscheidung, bis wir mit ihm sprechen konnten und die Gründe für die längerfristige Freistellung im richtigen Licht darstellen konnten. Oder haben Sie Sorge, dass Crewman Tarses Verdacht schöpfen wird?“, verstand Clark die Aufregung zunächst nicht.
„Wir befinden uns auf einem recht ereignislosen Teil eines Routinetransfers, insofern ist diese Entscheidung nicht ungewöhnlich, wenn auch an Bord der Enterprise eher unüblich.“, erklärte Crusher, „Nach den Ereignissen der letzten Tage ist Simon vielleicht sogar ganz froh, etwas mehr Ruhe zu bekommen.“
„Sie hätten gefragt werden wollen, ehe der Captain diese Anordnung traf“, erkannte Clark.
„Natürlich hätte ich das – ich bin die Medizinische Offizierin dieses Schiffes und es geht um einen meiner Leute!“
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