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[Federation Law] Inter Arma enim silent Leges — Im Krieg schweigen die Gesetze?

von LukeWords
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Sci-Fi / P12 / Gen
03.01.2020
10.09.2020
6
14.215
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04.01.2020 2.735
 
„Ich bin nicht Ihr Feind, Captain und ich bin nicht einmal anderer Meinung als Sie“, beschwichtigte Clark.
„Und doch sitzen Sie hier vor mir, Lieutenant, berufen sich auf Sondervollmachten des Hauptquartiers und machen sich zum willigen Helfershelfer irgendeines Verfahrens, das nicht nur nie hätte stattfinden dürfen, sondern auch längst für beendet erklärt wurde. Eines Verfahrens, von dem sie sich nun zum zweiten Mal distanziert haben“, vermochte dieses Lippenbekenntnis den erfahrenen Kommandanten nicht zu überzeugen.
Nun war es an Clark, zu seufzen: „Nehmen Sie es mir nicht übel, Captain, denn ich beabsichtige damit keine Geringschätzung Ihrer Person oder Ihrer Leistungen, aber es hat Gründe, warum ich Mitglied des Juristischen Stabes und Sie Befehlshaber der Enterprise sind. Ihr praxisorientierter Ansatz hat seine Berechtigung im Einsatz, aber ich muss das Recht durchsetzen, wenn es die Lage erlaubt.“
Picard schnaubte: „Und ich bin verdammt froh, dass aus mir kein Jurist geworden ist. Richtig und falsch interessiert Leute wie Sie doch gar nicht – und ich bin sicher“, diese Retourkutsche konnte er sich dann doch nicht verkneifen, „dass Sie das nicht als Geringschätzung Ihrer Person oder Ihrer Fähigkeiten verstehen – Ihnen geht es doch nur darum, aus den Gesetzestexten das zu machen, was denen da oben gerade nützt. Rechtsdurchsetzung ist nur ein anderes Wort dafür, einen Sündenbock für etwas zu finden oder etwas zu erreichen, das in der Öffentlichkeit populär ist“, es war ein durchaus ätzender Vorwurf, wie Picard später einräumen würde, aber es war eine Beschreibung, die das Hauptquartier sich redlich verdient hatte.
„Wissen Sie, Captain, das ist der Grund, warum der Judge Advocate General seit langem auf eine Verbesserung der juristischen Ausbildung in der Sternenflotte dringt und die Stationierung juristischer Offiziere an Bord von Schiffen bereits in mehreren Jahresberichten angeregt hat. Leider bisher ohne Erfolg, weil man uns im Hauptquartier insgeheim ebenso geringschätzt wie Sie es tun.“ Der Tonfall des Besuchers war nun nicht mehr defensiv oder beschwichtigend, sondern voller Überzeugung. Langsam verstand Picard, warum O‘Brien sich von dem jungen Offizier hatte beeindrucken lassen, auch wenn diese Art mit ihm natürlich nicht verfing – oder etwa doch?
„Ich bin nicht hierhergekommen, um Ihr Bild von Juristen zu verändern und das wird mir sicher auch nicht gelingen, aber lassen Sie mich an eines erinnern: ‚Richtig und falsch‘ sind moralische Kategorien, auf die man keinen Staat und erst recht keine Organisation wie die Sternenflotte aufbauen kann. Ihre humanistischen Ideale haben sich herumgesprochen, Captain, aber Sie werden einsehen müssen, dass der Wunsch nach absoluter Harmonie und Verständigkeit aller Individuen eine Utopie ist, wie es die so oft propagierten Ideale unserer gleichen Gesellschaft sind. Sie selbst mussten Entscheidungen treffen, deren Tragweite ein Einzelner kaum überblicken kann. Ihre Mission ist die Forschung und die Völkerverständigung und doch machen Sie regelmäßig Gebrauch von Waffen, die sie nicht zufällig mitführen, sondern wohlüberlegt. Die Enterprise muss sich verteidigen und sie muss die Föderation verteidigen, vielleicht sogar so etwas Beliebiges wie deren Interessen. Als Jurist ist es meine Aufgabe, das Recht zu verteidigen – einschließlich jener Verfahren, die unsere Gesetze zur Feststellung und Durchsetzung des Rechts vorsehen. Und ebenso wie es nicht an mir ist, Ihre Befähigung und Motivation als Kommandant zu hinterfragen, so sollten Sie Respekt haben vor rechtsstaatlichen Verfahren. Wie ich sagte: Admiral Satie ist nicht der Maßstab unseres Handelns, ganz im Gegenteil.“, die Mahnung war deutlich, auch wenn sie in respektvollem Tonfall vorgetragen wurde.
Der Captain machte eine abweisende Handbewegung und kehrte dann doch zu seinem Sessel zurück, auf dem er sich niederließ: „Dafür, dass Sie mich nicht belehren wollten, verlieren Sie viele Worte, Lieutenant Clark. Und dafür, dass Sie es nicht besser wissen wollen, sind Sie ziemlich von sich selbst überzeugt. Sie erinnern mich an ein ehemaliges Crewmitglied, den jüngsten Offizier der Sternenflotte. Er hat sich viele Feinde gemacht.“, ein Grinsen konnte er nicht unterdrücken.
„Das ist eine Berufskrankheit, Captain...“, brachte daraufhin Clark ebenfalls grinsend vor und ab diesem Moment schien das Eis endlich gebrochen.

„Sie haben wohl recht, dass ich nicht ganz fair mit Ihnen umgegangen bin, Lieutenant und dafür möchte ich mich aufrichtig entschuldigen. Die letzten Tage waren für meine gesamte Besatzung eine Nervenprobe und ich hätte die Ruhe des heutigen Abends wirklich gut gebrauchen können.“, nutzte Picard diese Gelegenheit für eine mehr oder weniger deutliche Entschuldigung.
„Ihnen liegt das Wohlergehen Ihrer Crewmitglieder am Herzen, Captain, da gibt es weit schlimmere Motive“, bekam er dafür Verständnis entgegengebracht, „Ich wollte Sie wie gesagt auch gar nicht lange belästigen, sondern Ihnen nur mitteilen, wozu ich verpflichtet bin.“
„Nur zu, ich höre Ihnen jetzt auch wirklich zu“, versprach Picard daraufhin und deutete auf das PADD auf seinem Schreibtisch: „Ich nehme an, mir danach wenigstens die Lektüre dieser Dokumente ersparen zu können.“
„Sie werden darin weniger finden, als ich Ihnen zu erläutern vermag, Captain, das ist nur der Einsetzungsbeschluss des Judge Advocate General, der auf Antrag von Admiral Henry erlassen worden ist.“
„Admiral Henry?“, erkundigte sich Picard überrascht, „Aber der hat doch noch vor drei Tagen die Ermittlungen für beendet erklärt!“
„Die Ermittlungen des Sicherheitsdienstes sind auch beendet, Captain, nach dem Auftreten von Admiral Satie haben sie jede Glaubwürdigkeit und damit jeden Wert für das Hauptquartier eingebüßt. Aber das ist gerade der Grund, warum Admiral Henry ein formelles Verfahren angeordnet hat – und an dieser Stelle kommt nun der Juristische Stab ins Spiel, wie Ihnen vielleicht bekannt ist.“
Picard stützte seine Stirn gegen die rechte Hand, seufzte tief und erkundigte sich erst dann: „Das Hauptquartier hat also ein offizielles Militärstrafverfahren angesetzt?“
Lieutenant Clark war über die Verwunderung seines Gegenübers irritiert: „Sie haben nicht damit gerechnet, bei so einer Angelegenheit zu diesem Zeitpunkt? Es wäre doch hochgradig ungewöhnlich gewesen, wenn diese Täuschung ohne Folgen bleiben würde.“
Den Captain allerdings schien das nicht zu beruhigen, er schüttelte nur resigniert den Kopf: „Aus einer Hexenjagd macht man jetzt also ein sogenanntes rechtsstaatliches Verfahren gegen einen jungen Mann, der sich im Dienst nichts hat zu schulden kommen lassen und dessen Karriere dann zerstört ist. Wäre er einhundert Prozent menschlicher Abstammung und hätte dann einen vulkanischen Vorfahren eingetragen, säßen wir nicht hier. “
„Auch wenn Sie es vielleicht nicht so sehen wollen und es keine Verfehlung unter Ihrem Kommando ist: Crewman Tarses hat bei seiner Einstellung in den Dienst der Sternenflotte jedenfalls über die Identität seines Großvaters gelogen. Es ist doch nicht von der Hand zu weisen, das dem in einem geordneten Verfahren nachgegangen werden muss, zumal bei so klarer Beweislage.“
„Klare Beweislage?“, merkte Picard auf.
„Aus dem Bericht von Nellen Tore ergibt sich sogar, dass Crewman Tarses in einem Gespräch mit Ihnen seine Täuschung eingeräumt hat“, erklärte Clark.
Diese Erklärung war für Picard eine weitere Erkenntnis: „So weit ist es also her mit Ihrer Distanz zu Satie. Tore hat für sie gearbeitet und diese Information habe ich der Admiral in einem vertraulichen Vieraugengespräch offenbart. Sie sollte nie gegen den Crewman verwendet werden, sondern im Gegenteil zur Beendigung der Hexenjagd beitragen.“
„Der Bericht einer Verwaltungsmitarbeiterin des Sicherheitsdienstes wurde vom Chef des Sicherheitsdienstes herangezogen, um ein Militärgerichtsverfahren einzuleiten, das hat mit den Praktiken von Admiral Satie nichts zu tun. Dass Ihr vertrauliches Gespräch offengelegt wurde, können wir wohl nicht mehr ändern, aber die Anklage hätte Sie sicherlich ohnehin in den Zeugenstand gerufen, Captain. Und für die tatsächliche Abstammung werden sie wohl auf der Marskolonie auch weitere offizielle Belege finden“, bewertete Clark nüchtern.
„Wer sagt Ihnen, dass ich gegen Crewman Tarses aussagen würde und was genau lässt sie glauben, dass Sie und ich bei diesem ‚Wir gegen die‘ auf der gleichen Seite stehen, Lieutenant?“, die Frage klang beinahe wieder so feindselig wie noch vor wenigen Minuten.
„Was Ihre erste Frage angeht: Sie werden kaum eine andere Wahl haben, wenn Sie nicht selbst wegen Behinderung der Justiz vor ein Militärgericht gestellt werden wollen, Captain“, eigentlich hatte Picard bei dieser Feststellung Schadenfreude erwartet, sie blieb aber aus, „Und was Ihre zweite Frage angeht: Ich hatte Sie so verstanden, dass Sie weiterhin der Meinung sind, dass Crewman Tarses‘ Verhalten keine Militärstrafe oder Entlassung aus der Sternenflotte erforderlich macht?“, folgte stattdessen eine etwas verwunderte Rückfrage.
„Das bin ich in der Tat, Lieutenant“, bekräftigte Picard. „Und nachdem Sie die Anklage gegen Mr Tarses vorzubereiten scheinen sind wir in dieser Frage offensichtlich gerade nicht einer Meinung.“

„Der Judge Advocate General hat mich allerdings mit der Verteidigung von Crewman Tarses betraut“, widersprach Clark abermals.
„Sie sind der Pflichtverteidiger?“, es klang als müsse Picard mühsam ein Lachen unterdrücken, „Und Sie sind sicher, dass Sie dafür geeignet sind?“
„Ich verstehe Ihre Zweifel offengestanden nicht, Captain, wenn Sie mich nicht einmal kennen. Das hier mag das erste Verfahren sein, das ich in eigener Verantwortung führe, aber ich verfüge über alle notwendigen Qualifikationen und habe in mehreren Verfahren die Vertretung der Anklage oder der Verteidigung unterstützt“, zum ersten Mal wirkte Clark persönlich betroffen, vielleicht gar enttäuscht über seinen Gesprächspartner, während sich auf seiner Stirn einige Falten abzeichneten. Es folgte ein Räuspern.
„Sehr richtig, Ihre Qualifikation ist mir unbekannt, Lieutenant. Aber ich habe Ihre Worte gehört und von Ihnen die Dokumente übergeben bekommen, mit denen das Verfahren eingeleitet wird. Sie wirken nicht wie jemand, der an diesen Dokumenten zweifelt“, mühte sich der Captain um eine höfliche, wenn auch wieder merklich kühle Antwort.
„An dem Verfahren zu zweifeln ist nicht meine Aufgabe, Captain, ich muss es führen, weil es angeordnet wurde. Es muss dabei darum gehen, es zum richtigen Ergebnis zu bringen, nämlich die Folgen für Crewman Tarses möglichst gering zu halten. Sollte im Zuge dieses Verfahrens seine charakterliche Integrität wegen seiner Abstammung infrage gestellt werden, wie es Admiral Saties Untersuchungen versucht haben, wäre das Unrecht, das es zu unterbinden gälte. Würde ich aber immer die Systemfrage stellen, könnte ich meine Arbeit nicht tun – das sollte Ihnen doch bekannt vorkommen.“
„Ich persönlich arbeite lieber, nachdem ich die Systemfragen zu einer ausreichenden Klärung gebracht habe. Ich bin Offizier der Sternenflotte und nicht bloß ein willfähriger Befehlsempfänger des Hauptquartiers“, insistierte Picard nachdrücklich.
„Sie verlassen sich täglich auf den Gehorsam Ihrer Männer, Captain, und erwarten, dass sie Kritik – mag sie auch noch so berechtigt sein – in einer geeigneten Art und Weise äußern. Nicht etwa, wenn das Schiff in unmittelbarer Gefahr ist oder nachdem die Sichtweisen erschöpfend ausgetauscht wurden“, konterte sein Besucher, „So arbeiten wir im Juristischen Stab auch: Wir nehmen das Rechtssystem nicht als über alle Zweifel erhaben hin, akzeptieren es aber als Arbeitsgrundlage, ohne die wir weder die eine, noch die andere Seite hören könnten. So arbeiten Juristen ganz generell – und das sind wir trotz unserer Uniform an erster Stelle.“
„Aber“, suchte Picard das Haar in der Suppe, „Wenn Sie diese Unterlagen nicht überbracht hätten, könnte das Verfahren gar nicht erst beginnen. Sie schaden also Ihrem Mandanten durch Ihre Anwesenheit hier, ja sogar durch Ihre Tätigkeit.“
„Ich muss Sie enttäuschen, Captain, ich tue nichts dergleichen. Zunächst einmal habe ich Crewman Tarses noch gar nicht angetroffen, weil mich unser Austausch hier seit einer ganzen Weile in Beschlag nimmt und zum anderen ist meine Rolle als Pflichtverteidigers nicht die eines Robin Hood, der ohne Rücksicht auf Verluste die Interessen seiner Seite durchzusetzen hat. Ich bin ein Organ der Rechtspflege, und wenn ich nicht die Zustellung der Verfahrenseröffnung übernommen hätte, wäre von der Gegenseite eben ein anderer Bote beauftragt worden“, bilanzierte Clark nüchtern. „Ich werde Crewman Tarses also zu einer etwas geeigneteren Zeit am...“, der Blick wanderte nach kurzer Orientierung auf eine der Anzeigen, „heutigen Tage aufsuchen und mit ihm die notwendigen Formalitäten klären. Anschließend werde ich mit ihm Richtung Erde aufbrechen, wo man uns im Hauptquartier erwartet. Sie sehen also, dass ich Ihre Gastfreundschaft nicht lange auf die Probe zu stellen gedenke, Captain.“
„Wenn das so ist“, stellte Picard nicht ganz frei von Spott fest, „Muss ich Sie allerdings enttäuschen, Lieutenant. Die Enterprise ist um Mitternacht – also vor dreißig Minuten – in Richtung Kaelon II aufgebrochen, wo wir eine wissenschaftliche Mission zu erfüllen haben. Wir werden im Rahmen dieses ebenso geplanten wie wichtigen Auftrages nicht vor Ende des Monats in der Lage sein, die Rückreise von Crewman Tarses oder auch nur Ihrer Person auf die Erde zu veranlassen. Sind Sie sicher, dass man Sie im Hauptquartier nicht absichtlich derartig im Regen stehen lässt?“
„Ach wirklich, ist das so?“, die Überraschung war nicht sehr überzeugend gespielt, „Das ist natürlich ärgerlich und macht es um so bedauerlicher, dass ich erst so spät am Abend auf Ihrem Schiff eintreffen konnte.“, das schelmische Grinsen und der ironische Unterton machten offensichtlich, dass Clark genau das Gegenteil zu sagen beabsichtige, „In diesem Fall werde ich Ihre Gastfreundschaft in den nächsten zwei Wochen wohl doch strapazieren müssen. Ich werde mich bemühen, keine Last zu sein.“

Mit diesem zwischen den Zeilen vermittelten Wissen über sein Gegenüber war Picard nun als Gastgeber versöhnt und seine Zweifel über die Motive beruhigt. Entsprechend plauderhaft war nach einem kurzen Moment der Überraschung dann auch sein Tonfall: „Seien Sie mir auf der Enterprise willkommen, Lieutenant. Darf ich eine Tasse Tee anbieten?“
„Sie sind der britischte Franzose, der mir begegnet ist, Captain“, nickte Clark zustimmend und bekam so kurz darauf schmunzelnd einen ‚Earl-Grey-Tee, heiß‘ serviert: „Meine Familiengeschichte spielt in Westeuropa und ich landete trotzdem erst an der Westküste der Vereinigten Staaten und dann auf den Spuren der unendlichen Weite.“
„Und für mich wird diese Reise sozusagen die erste Fernreise, wenn auch nicht ganz freiwillig“, verkündete Clark augenzwinkernd.
„Ach kommen Sie, Mr Clark, das können Sie doch Ihrer Großmutter erzählen. Dieses Mal werden sich unsere Worte doch hoffentlich nicht in irgendeinem Bericht wiederfinden?“, Picard nahm einen großzügigen Schluck seines Tees.
„Ich werde natürlich einen Vermerk schreiben müssen, aber die Details fallen in die Kategorie ‚informelles Gespräch‘“, versicherte der Sternenflotten-Jurist, „Das wird übrigens auch für die Gespräche gelten, die ich in den kommenden Tagen – rein zufällig versteht sich – mit Mitgliedern Ihrer Crew führen werde. Sonst müsste ich der Gegenseite Gesprächsprotokolle zur Verfügung stellen.“
Picard merkte auf, offenbar hatte er sein Gegenüber taktisch doch unterschätzt, doch der winkte ab: „Übliches Vorgehen, wenn wir über offene Geheimnisse sprechen – die Gegenseite hat ja immerhin schon den Satie-Bericht, den sie offiziell natürlich nie nutzen wird, während sie ihn inoffiziell bereits ausschlachtet“, musste er stattdessen eine gehörige Prise Salz verteilen.
„Sie können mit meiner Unterstützung und der Unterstützung der gesamten Crew rechnen, Lieutenant Clark. Hier auf der Enterprise sind wir eine Familie, auch wenn Crewman Tarses nur einer unter vielen ist“, eine Feststellung, für die Picard seinen Stolz gar nicht zu verbergen versuchte.
„Dass Sie dieser Hoffnung sind, ehrt Sie, Captain, aber wenn die Gegenseite das ganze Verfahren groß machen möchte – wovon ich trotz allem derzeit nicht ausgehe – dann werden viele spätestens im Kreuzverhör wackeln. Die Maxime muss heißen, vom Schlimmsten auszugehen und das Beste zu hoffen“, offenbarte der seine Lageeinsschätzung.
„Was brauchen Sie?“, wollte der Captain stattdessen wissen, für alles andere blieben schließlich einige Tage der Reise.
„Eine Unterkunft für die Nacht und ein Schreibtisch genügen vollkommen, Captain“, versicherte der unerwartete Besucher.
„Ist man im Hauptquartier jetzt etwa doch bescheiden geworden, Lieutenant?“, merkte dieser daraufhin ironisch an, „Ich habe bereits veranlasst, Ihnen eine Offiziersunterkunft herrichten zu lassen, zugegebenermaßen in der Erwartung eines Lieutenant Commanders.“
„Sie überschätzen mein kleines Licht im Hauptquartier maßlos, Captain“, musste Clark einräumen, der zumindest noch einige Jahre bis zu der erwarteten Stellung vor sich hatte, „aber ich danke Ihnen.“

„Wenn Sie mir sogar dankbar sind, dann kann ich ja sogar fragen, ob ich sonst noch etwas für Sie tun kann, ohne mich sorgen zu müssen, fremde Verschwendungssucht rechtfertigen zu müssen“, war Picard nun endgültig zu Scherzen aufgelegt.
„Aus Ihnen spricht der Diplomat, Captain. Allerdings hätte ich tatsächlich eine Bitte: Wenn Sie Crewman Tarses‘ Vorgesetzte bitte darüber informieren würden, dass er vom Dienst freigestellt ist...“, trug Clark eine weitere Bitte vor und setzte erläuternd hinzu: „So können wir die Hierarchie sauber halten.“
„Ich werde Doktor Crusher gleich morgen früh mit den anderen Offizieren über Ihre Anwesenheit informieren, Lieutenant. Crewman Tarses hat selbstverständlich die Gelegenheit, mit Ihnen zu sprechen, so oft er dies wünscht, das wird Doktor Crusher ebenso sehen“, versicherte der Kommandant.
„Mein Ratschlag wäre in der Tat, Crewman Tarses von seinen Verpflichtungen gänzlich freizustellen, Captain“, hatte der Jurist allerdings an etwas erheblich anderes gedacht. Auch dieses Mal traf er damit auf Unverständnis bei seinem Gegenüber, der allerdings zu seiner besonnenen Form zurückgefunden hatte – Earl Grey sei Dank?: „Das müssen Sie mir näher erläutern, fürchte ich. Ich sehe keinerlei Grund, der Arbeit von Mr Tarses in der Krankenstation zu misstrauen.“
„Sie müssen das von der anderen Seite betrachten, Captain: Es soll nicht darum gehen, jemanden vor Crewman Tarses zu schützen, sondern vielmehr um den Schutz von Crewman Tarses selbst“, setzte Clark daraufhin zur gewünschten Erklärung an.
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