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Greta und die Hexe

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P6 / Gen
02.01.2020
23.03.2020
7
9.205
5
Alle Kapitel
15 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
02.01.2020 1.484
 
Willkommen zu meiner zweiten Kindergeschichte! Vor zwei Jahren ging ich mit meinem Freund im Wald spazieren, als mir die Idee zu „Greta und die Hexe“ kam. Ich schrieb alles auf, was mir einfiel, dann ließ ich es liegen. Tut manchmal echt gut ;-)
Jetzt ist es soweit – I am proud to present chapter one. Ganz außer der Reihe habe ich diesmal die Ich-Perspektive und Präsens als Zeitform gewählt. Irgendwie hat diese Geschichte einen Charakter, dass das sein muss. Geplant sind sieben Kapitel, ein bisschen Magie muss schließlich sein.
Ich freue mich auf eure Kommentare, Favoeinträge und vielleicht kommt ja auch das ein oder andere Sternchen.

Herzliche Grüße und Vorhang auf -
Hanna


In meinem Wald wohnt eine Hexe!
Eine richtig, ganz echte Hexe mit Katze, Schornstein und Besen. Es ist fast dunkel und ich müsste eigentlich rennen. Wenn es dunkel ist, muss ich nämlich zuhause sein. Aber vorhin bin ich in der großen Höhle eingeschlafen und nur aufgewacht, weil seltsame Geräusche zu hören waren. Ein klagender Schrei, ein Wasserplätschern und noch etwas anderes. Als ich dann aus der Höhle krabbelte, sah ich es.
Wieder reibe ich mir die Augen, obwohl kein Sandmännchen darin ist. Aber ich kann ihnen wirklich nicht trauen. Es ist einfach zu unglaublich:
Hinter dem Waldhaus, an den drei großen Eichen, fliegt eine Frau gemächlich den Stamm hinauf. Jetzt ist sie auf Höhe der Baumkronen und klettert von ihrem Besen in die heftig schwankenden Baumwipfel.
„Nun komm schon, du kleiner Racker!“ Ihre Stimme klingt jung und ein bisschen wie ein Reibeisen. Nicht, dass ich schonmal eines sprechen gehört hätte, aber so stelle ich es mir vor.
„Hunderttausendmal habe ich dir gesagt, dass du nicht höher als über das Hüttendach klettern sollst. Meinst du, ich habe Lust, dich jeden Abend aus dem Baum zu holen?“
Ich blinzele sieben Mal – vor Staunen waren meine Augen die ganze Zeit weit aufgerissen. Doch trotz der magischen Sieben ändert sich nichts am Bild: Eine schwarze, kleine Katze miaut klagend und tapst zitternd auf den Besenstiel.

Ich renne los. So schnell ich kann. Die Bäume fliegen an mir vorbei, Hindernisse überspringe ich, als säße ich selbst auf einem Besen.
Wenn sie mich erwischt, verhext sie mich! Wenn sie mich erwischt, verhext sie mich!, schießt es mir immer wieder durch den Kopf. Und so renne und renne ich trotz des immer stärker stechenden Schmerzes in der Seite, bis ich keuchend zuhause ankomme. Zum Glück steht die Balkontür offen. Ich stürme in die Küche, halte eine Schmetterlingsbreite vor Mama an, schnappe nach Luft und rufe: „Mama! Mama! Im Wald lebt eine -“
Mama wirbelt herum und lässt fast das Handy fallen. Sie packt es gerade noch rechtzeitig und drückt es wieder gegen das Gesicht.
„Sie ist da. Ich rufe später wieder an.“
Sie legt auf. „Und nun zu dir: Wo um alles in der Welt bist du gewesen!? Es ist kurz vor Mitternacht. Kannst du dir vorstellen, was für Sorgen ich mir gemacht habe?“
„Es ist gar nicht kurz vor Mitternacht“, murmele ich und starre auf die blauen Punkte meines Gummistiefels. „Der kleine Zeiger ist auf der Zehn, nicht der Zwölf.“
„GRETA!“, faucht Mama, holt heftig Atem und seufzt dann tief. „Zieh deine Sachen aus und komm ins Bad. Ich lasse schonmal Wasser ein. So schlammig wie du bist, gehst du mir nicht ins Bett. Sogar deine Haare sind verkrustet.“ Sanft streicht sie mir über den Kopf. Jetzt sieht sie weniger böse aus.
„In der Höhle war eine Pfütze“, erkläre ich, während ich Hose und T-Shirt ausziehe und auf den Boden werfe. Mama atmet noch immer so tief, dass sich ihr Bauch zu einer großen Kugel wölbt und wieder abflacht.
„Marsch ins Bad, mein kleines Schlammmädchen.“ Mama schiebt mich am Nacken in Richtung Badezimmer.
„Mama, als ich aufgewacht bin, habe ich an der Hütte-“
„Hütte? Nicht etwa die an der Futterkrippe!“
„Doch. Und an den Tannen-“
„Greta, ich möchte nicht, dass du so tief in den Wald gehst.“
Sie drückt den Stopfen in das Loch, lässt das Wasser in die Wanne rauschen und kippt ordentlich Schaumbad hinterher.
„So, dann mal los. Bis gleich und setz das Bad nicht unter Wasser.“
Schon ist sie wieder weg. Ich springe in die Wanne, nehme eine Handvoll Schaum und puste ihn mit aller Kraft fort. Kleine Bläschen landen auf meinem Knie, wo sie allmählich platzen. Toll! Neugierig sehe ich zu dem Stopfen, der unter dem Schaumberg fast verschwunden ist. Führt das Rohr bis ins Meer? Das wäre schön, dann würden die Fische auch Blubberblasen abbekommen. Nehmen Eichhörnchen manchmal auch ein Bad? Wacht es vielleicht auf, wenn ich es mal in die Wanne setze?
Erst jetzt fällt es mir wieder ein - mein Eichhörnchen! In all der Aufregung um die Hexe habe ich die Nüsse ganz vergessen! Hoffentlich reichen sie bis morgen… Wenn es sie überhaupt angerührt hat.

„Bist du fertig?“
Ich zucke zusammen. Wasser läuft über meine Beine und der kleine Schaumhügel verschwindet. Mama sieht erschöpft und gereizt aus und so presse ich die Lippen zusammen, als sie sehr intensiv meine Haare einshampooniert. Nur gegen das Föhnen wehre ich mich und diesmal sogar mit Erfolg.
„Mama, die Hexe im Wald-“
„Schluss jetzt!“ Mamas Tonfall lässt meinen leicht erhobenen Fuß, der gerade aufstampfen wollte, lautlos zu Boden sinken. Es hat keinen Zweck. Mama glaubt mir nicht. NIE glaubt Mama mir.
Nicht mal das mit dem Tiger unter dem Bett hat sie mir geglaubt. Nur Papa! Und der hat ihn auch verjagt. Mama nimmt mich auf den Arm und trägt mich ins Bett.
„Schlaf gut, Süße.“ Sie streicht über das fast trocken gerubbelte Haar. Ein letztes Mal muss ich es noch versuchen.
„Mama, im Wald wohnt wirklich eine Hexe.“
Ich schmiege meinen Kopf an ihren Oberschenkel.
„Gut, dass sie dich nicht erwischt hat. Sonst wärst du womöglich ein Lebkuchenkind geworden.“
„Nein, sie war beschäftigt. Sie ist geflogen, Mama, bis zur Baumkrone hinauf.“
Endlich hört Mama mir zu. Aufgeregt setze ich mich im Bett auf, doch Mama drückt mich zurück.
„Schlaf jetzt, Greta.“ Sie drückt mir einen Kuss auf die Stirn und bevor ich mehr als: „Glaub mir doch“ rufen kann, ist sie schon gegangen. Ich starre ins Dunkel und sofort sehe ich mein Eichhörnchen vor mir. Wie kann ich ihm bloß helfen? Ich setze mich auf und lausche. Mama ist bestimmt noch unten und trinkt roten Erwachsenensaft. Vielleicht schläft sie dann wieder auf dem Sofa ein. Dann könnte ich an ihr vorbei schleichen und das Eichhörnchen besuchen…
Auf Zehenspitzen gehe ich aus dem Zimmer und die Treppe hinunter. Zum Glück macht sie keine Geräusche, wie in unserem alten Zuhause. Ich kann Mama nicht sehen, höre sie aber telefonieren.
Vorsichtig schiebe ich unsere Balkontür einen Spaltbreit auf und zwänge mich durch.
Im Haus klirrt es laut und ich höre Mama einen Fluch ausstoßen. Das tut sie nur, wenn ich nicht da bin. Weil ich keine Schimpfworte lernen soll. Aber trotzdem kenne ich herrlich viele!

In meiner kleinen Höhle an der Gartenmauer ist es ganz dunkel und angenehm kühl. Nach dem Kindergarten war es vorhin total heiß, aber Mama sagt, im August muss das so sein. Sachte drücke ich die Äste und Zweiglein zur Seite, bis meine Finger einen weichen Körper ertasten. Das Eichhörnchen liegt beinahe unverändert in seinem Nest. Meine Finger tasten nach dem Wassernapf. Er ist eindeutig leerer als nach dem Kindergarten. Da habe ich zuletzt nachgesehen. Allmählich erkenne ich in der Dunkelheit doch etwas. Ich nehme die kleine Spritze, ziehe etwas Wasser auf und lasse einen Tropfen auf die Nase fallen. Sie zuckt schwach und jetzt öffnet sich das Maul. Maul darf ich eigentlich nicht sagen, aber bei Tieren heißt das so. Mama kann das ja nicht wissen, sie mag nämlich keine Tiere. Ganz anders die Hexe!
Das Eichhörnchen wirkt wacher als vorhin. Seine Augen sind geöffnet und als ich die Spritze über das Maul halte, beginnt es, gierig zu trinken.
„Du wirst gesund“, flüstere ich entzückt und fahre mit dem Zeigefinger über den braunen Körper. Wenn ich bloß wüsste, was es hat.
Meine Mama kann kranken Menschen helfen, aber die können ihr ja antworten. Gibt es Menschen, die mit Tieren spre-
Die Hexe! Sie hat vorhin eindeutig mit der Katze gesprochen, vielleicht kann sie mein Eichhörnchen fragen, was es hat? Mein Bauch krampft sich zusammen. Um das Herauszufinden, müsste ich zu ihr gehen. Und eigentlich habe ich davor Angst. Obwohl sie zur Katze nett war. Ich lege mich neben das Nest und schließe die Augen, dann zucke ich zusammen. Ich darf nicht einschlafen! Nicht hier! Wenn Mama herausfindet, dass ich ein kleines Tier gefunden habe, dann…
Egal. Hauptsache, sie findet es nicht. Ein letztes Mal streiche ich über das Fell.
„Schlaf dich gesund“, flüstere ich. Das hat Papa immer gesagt und ich wurde noch immer gesund. Dann klappt das bei meinem Eichhörnchen bestimmt auch. Auf Indianersohlen schleiche ich zum Haus zurück, stehle mich durch die Schiebetür und in mein Bett.

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Anhören könnt ihr das Kapitel hier: https://www.youtube.com/watch?v=ytXmNOU_aeI
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