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Wendungen

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
Carlisle Cullen Edward Anthony Masen Cullen Esme Cullen Jasper Whitlock Hale OC (Own Character) Rosalie Hale
02.01.2020
10.10.2020
85
279.809
30
Alle Kapitel
391 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
30.07.2020 3.363
 
Hallo ihr Lieben, herzlich Willkommen zu Tag 2/7.
Ich rede nicht lange um den heißen Brei herum und wünsche euch viel Spaß damit. Eine Frage hätte ich allerdings: Ich habe diesmal die Absätze anders gemacht weil mir mein vorheriges Layout nicht mehr ganz so gefällt. Was sagt ihr dazu? Ist das besser? Oder das alte? Über Rückmeldung diesbezüglich würde ich mich sehr freuen. Es kommt ja auch immer drauf an, auf welchem Gerät ihr lest.
Habt noch einen schönen Abend. <3
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Gerne hätte Sofia ihren Pflegebruder noch am Abend nach einem seiner technischen Geräte gefragt, um ihr heimliches Vorhaben in die Tat umzusetzen. Es war jedoch Carlisle, der den Braten zu riechen schien und sie vorsichtshalber zum Filmabend nach unten geholt hatte, sodass sie ihren Plan wohl oder übel verschieben musste.

„Ich will keinen Film anschauen“, hatte sie gemotzt und sich verärgert auf ihren Schreibtischstuhl sinken lassen. Sie war es einfach nicht gewohnt, so viele Leute um sich zu haben und sich in eine intakte Familie einzufügen.

Zuhause war sie häufig alleine gewesen und hatte tun und lassen können, was ihr gerade in den Sinn gekommen war. Hier überhäuften sie sie beinahe mit Regeln und Strukturen, was auf längere Zeit hin gesehen furchtbar anstrengend sein konnte. Sahen sie denn nicht, wann sie einfach ihre Ruhe haben wollte?

Selbst wenn sie sich heute nicht mehr darum kümmern würde, was mit Leichen in Krankenhäusern geschah, so könnte sie sich wieder ihrem Puzzle zuwenden. Oder etwas malen. Ihr fielen auf Anhieb  tausend Dinge ein, die sie lieber täte als einen Film mit der perfekten Familie Cullen anzusehen.

Carlisle hatte trotzdem nicht locker gelassen und sie war ihm irgendwann wiederwillig gefolgt, nachdem er ihr immerhin zugesichert hatte, dass sie diesmal den Film aussuchen durfte. Die Romanzen befand sie nämlich ungefähr als genauso langweilig und kitschig wie die Jungs, die sich bei ihrer Auswahl zwar auch nicht unbedingt freuten, allerdings um Längen begeisterter aussahen als sonst.

Sofia hatte sich für einen Fantasyfilm entschieden, spannend, aber nicht ZU spannend. Dieser Klassiker ging sicherlich immer, ganz im Gegenteil zu den komischen Filmen, die Rosalie oder Alice immer aussuchten. Diesmal hatte sie sogar den ganzen Film ausgehalten, ehe sie sich nach Ende müde aufgerappelt, und sich gähnend ins Bett verabschiedet hatte. Jetzt hielt sie niemand mehr auf, sich alleine in ihr Zimmer zurückzuziehen.

Nach dem iPad würde sie nun allerdings auch nicht mehr fragen können. Vielleicht sollte sie es tatsächlich auf morgen verschieben, dann würde Carlisle auch nicht ständig so besorgt zu ihr herübersehen. Seine Besorgnis war zwar irgendwie süß, andererseits fühlte sie sich davon sofort wieder eingeengt und bevormundet.
Sie trauten ihr die Wahrheit nicht zu, sie hielten sie für labil. Vielleicht reagierte sie manchmal etwas über, aber mussten sie es wirklich so übertreiben? Sie würde das schon aushalten können.

Mit dieser Gedankenspirale tat sich Sofia mal wieder schwer damit, endlich einzuschlafen und als sie es tat, wachte sie sicher drei Mal auf, weil sich die blassen, kalten Füße des toten Menschen in ihre Träume schoben. Immerhin handelte ihr Traum diesmal nicht von dem blutigen Unfall im Sommer und durch ihre Unwissenheit, tat sie sich leichter damit, erschöpft wieder in den Schlaf zu finden. Sie würde sich morgen darum kümmern.

Am nächsten Morgen regnete es nicht. Zumindest nicht temporär, der Wald hüllte sich dennoch in dichte Nebelschwaden und machten aus dem Anblick eine Filmkulisse für gruselige Filme. Mittlerweile war es Samstag und Sofia wusste nichts mit sich anzufangen. Bis auf die Lateinübersetzung hatte sie ihre Aufgaben für die Schule erledigt und auch sonst war sie sich noch immer nicht so ganz sicher, ob Carlisle’s Hausarrest noch galt oder nicht. Ihn direkt fragen wollte sie allerdings auch nicht, weswegen sie sich innerlich schon dazu bereit machte, dass gesamte Wochenende im Haus zu verbringen. Es gab schlimmeres, oder? Obwohl sie sich gerne sportlich betätigte und an der frischen Luft war, konnte sie sich in diesem riesigen Haus sicherlich irgendwie beschäftigen. Vielleicht würde ja Edward ein wenig Klavier mit ihr spielen.

„Guten Morgen, hast du gut geschlafen“?, fragte Esme, als Sofia am Frühstückstisch auftauchte und an dem Glas Orangensaft nippte, das vorbereitet auf dem Tisch stand. Er schmeckte nicht wie gekauft, sondern wie frisch gepresst. Esme beeindruckte sie immer wieder. Um sie wenigstens nicht vor den Kopf zu stoßen, griff sie ohne Aufforderung nach dem Brot und biss ab. Eigentlich war es wirklich gemein, Esme’s Mühen ständig mit Füßen zu treten, nur weil sie durch den ganzen Stress keinen Hunger verspürte.

Bei den Mahlzeiten, die sie ständig auftischte, musste sie sicher die halbe Nacht in der Küche stehen, manchmal fragte sie sich wirklich, wie sie das alles bewerkstelligte, ein riesiges Haus auf Vordermann zu halten, denn eine Putzkraft hatte sie hier noch nie gesehen. In Kombination mit ihrem Job, der Vorbereitung für das Essen, oder den anderen fünf Adoptivkindern und einem Ehemann sollte sie eigentlich viel müder aussehen als sie es tat. Im Grunde sah sie nämlich wirklich perfekt aus, egal zu welcher Uhrzeit.

Ihre blasse Porzellanhaut war ebenmäßig und frei von Makeln, ihre honigfarbenen Haare umspielten ihr Gesicht charmant und ihre goldenen Augen wirkten liebevoll und tiefgründig. In Kombination mit ihrem herzlichen Charakter setzte Esme die Latte an Frauen in ihrem Alter ziemlich hoch. Eigentlich.

Gerade als sie ihr antworten wollte und ihr dabei zum ersten Mal heute tatsächlich ins Gesicht sah, merkte sie kaum noch etwas von dem Glanz, was sie sonst versprühte. Ihre Haut wirkte mit den dunklen Schatten unter ihren Augen nicht mehr gänzlich makellos, während Sofia verzweifelt die Wärme in ihren goldenen Augen suchte. Dabei fand sie allerdings weder das Gold, noch die Wärme. Ihre Augen wirkten dunkel und sie selbst sehr erschöpft.

„Ich hab gut geschlafen“, begann sie zögerlich und sie schaffte es dabei nicht, die Augen von Esme abzuwenden. Sie hatte doch bereits geahnt, dass alles irgendwann zu viel wurde. Sofort begann sie sich zu sorgen, ihre Mutter hatte durch ihre Krankheit bedingt auch immer sehr blass und erschöpft ausgesehen. Ob sie vielleicht krank wurde? Oder noch schlimmer: Richtig krank war? Sofort sprangen ihr tausend unheilbare Krankheiten in den Kopf, an welchen sie Esme verlieren könnte, bevor sie sie überhaupt richtig kennengelernt hatte. Mühsam schüttelte sie diesen Gedanken ab. Wieso konnte ihr Gehirn nicht endlich normal denken?

„Und du? Du siehst müde aus“. Es war ein vorsichtiger Versuch, etwas aus ihr herauszuquetschen, doch Esme wiegelte mit einer schnellen Bewegung ihrer Hand ab. „Ich hatte eine schlechte Nacht. Das kommt vor“, log sie und ließ das Mädchen nachdenklich in ihrer Unwissenheit baden. Sie traute sich nicht wirklich, tiefer zu bohren, weswegen sie sich ihrem Brot zuwandte und stumm daran knabberte. Wie war es möglich, dass ihre Augen plötzlich SO dunkel wurden? Strahlten sie sonst nicht immer hell und warm? Und die größere Frage war: Wieso hatten sie hier alle die selbe Augenfarbe? Bisher hatte sie an einen Zufall gedacht, aber nun kam ihr eine ganz andere Lösung in den Sinn: „Esme? Benutzt ihr eigentlich Kontaktlinsen“?

Ihre Neugierde war kaum noch zu verstecken, während Esme plötzlich jegliche Mimik aus dem Gesicht rutschte. Sie erstarrte in ihrer Bewegung, als hätte sie sie geradewegs bei etwas ertappt. „Was? Wieso sollten wir  denn sowas benutzen“?, entfuhr es ihr erschrocken, während ihre blassen Hände sich an eine Stuhllehne klammerten. „Ja, deine Augen sind doch sonst golden, heute sind sie dunkel“, antwortete Sofia überrascht, die ihr Brot längst zurück auf den Teller gelegt hatte und stattdessen Esme eindringlich musterte. Wenn sie keine Kontaktlinsen benutzte, was taten sie dann? „Wie wechselst du deine Augenfarbe dann? Ich will das auch können“.

Es war schon kindischer, naiver Übermut, den sie hier an die Oberfläche transportierte, der diesmal allerdings nicht sonderlich auf Anklang traf. Esme versteifte sich noch etwas mehr, während sie nach richtigen Worten zu suchen schien, ehe sie sich einfach erhob und entschlossen den Kopf schüttelte. „So ein Blödsinn, Sofia! Augenfarben können nicht einfach so wechseln wie sie wollen. Das ist doch keine Zauberei“, mahnte sie strenger als notwendig, als hätte Sofia gerade eine furchtbar schlechte Bemerkung gemacht. „Das hast du dir wahrscheinlich nur eingebildet“.

Reflexartig zog sie den Kopf ein als Esme an ihr vorbeiging und nur nochmal kurz am Türrahmen stehen blieb. „Iss das bitte auf! Ich bin im Keller Wäsche waschen. Und danach solltest du dich um deine restlichen Aufgaben kümmern, immerhin haben wir schon Samstag“. Sie zwang sich nun doch noch ein Lächeln ab, ehe sie sich wirklich umwandte und im Keller verschwand, während Sofia verwirrt am Esstisch zurückblieb und ihr nachdenklich nachsah.

Was hatte sie denn nun schon wieder falsch gemacht? Esme benahm sich wie eine Katze, der man versehentlich auf den Schwanz getreten war. Oder, als hätte man sie geradewegs bei etwas ertappt. Aber wieso erklärte sie ihr nicht einfach, wie sie die Augenfarben wechseln lassen konnte? Sie hatte sich bisher nichts dabei gedacht, wenn ihr ihre Augen etwas dunkler vorkamen wie sonst. Heute sah Esme aber eben besonders schlecht aus und sie machte sich ja auch nur Sorgen um sie. Es war gemein, dass sie so forsch reagierte, wo sie doch nur gefragt hatte.

Entschlossen schob sie den Teller von sich, der Appetit war ihr mittlerweile vergangen. Sie konnte nicht verhindern, sich nun dezent ungerecht behandelt zu fühlen. Sie hasste es, wenn Esme unbegründet schlechte Laune hatte. „Hey, was tust du da“?, ertönte da plötzlich eine Stimme und es war Edward, der sich nun zu ihr an den Tisch setzte. Sein Blick galt dem unfertigen Käsebrot, was Sofia schon in die Küche tragen wollte, hätte Edward sie nicht aufgehalten. Aus Neugierde sah sie ihm in die Augen. Seine waren so golden wie immer. Komisch.

„Aufräumen, sieht man doch“, kommentierte sie trocken und sie war schon im Begriff sich einfach umzudrehen, hätte Edward nicht noch etwas hinterhergeschoben, was ihr innerlich furchtbar auf die Nerven gehen würde: „Dein Teller ist aber noch gar nicht leer“.
Flink schnappte er nach dem Teller und stellte ihn wieder dort auf den Tisch, wo Sofia gerade noch daran herum geknabbert hatte und deutete in einer bestimmenden Geste auf den Stuhl. „Setz dich, Sofia“.

Was dachte er eigentlich, wer er war? Sofia war so überrumpelt, dass sie vorerst kein Wort herausbrachte und sich damit begnügte, die Augen zu Schlitzen zu verengen. Was war verdammt nochmal sein Problem? „Mal ehrlich, bist du eine Maus oder was? Was soll das denn sein“? Er tat so, als würde er ihr Brot von allen Seiten untersuchen, ehe er es wieder zurück auf den Teller legte und nochmals auffordernd auf den Stuhl deutete.

„Jetzt esse ich das sicher nicht mehr auf“, presste sie entnervt hervor und sie ignorierte seine Aufforderung provokant. Edward dachte immer, dass er hier etwas zu sagen hatte. Dann war er plötzlich wieder nett und dann doch wieder nicht. Zwar war er nicht so schlimm wie mit Rosalie, aber sie mochte es trotzdem nicht, wenn er sich so bestimmend aufplusterte, als hätte er etwas zu sagen.  „Wieso nicht“?
„Weil du es mit deinen dreckigen Händen angefasst hast. Deswegen“!

Im Endeffekt war sie gar nicht so pingelig wie sie es nun vorgab, allerdings ging es hier um mehr als nur um das Hygienekonzept. Sofia wollte sich sprichwörtlich von ihm nicht die Butter vom Brot nehmen lassen, nur weil er dachte er könnte sie als eine Art „großer Bruder“ durch die Gegend schubsen. „Du bist so eine kleine Prinzessin“, provozierte er weiter und konnte sich eines seiner charmanten, aber zugleich sehr überheblichen Lächeln nicht sparen. Er machte sie rasend! „Halt die Klappe, Edward“, motzte sie und griff schon wieder nach dem Teller, den er rechtzeitig einfach ein Stück zur Seite zog, damit Sofia wie eine Idiotin ins Leere griff. „Ups“, kommentierte er seine Erheiterung und wiederholte das Spiel noch ein paar Mal mit ihr, ehe sie, ziemlich genervt davon, inne hielt. „Du nervst“!

In einer fließenden Bewegung warf sie sich die langen, blonden Haare über die Schultern, dann würde sie einfach gehen. Ihr war dieses Schauspiel am frühen Morgen eindeutig zu doof.
„Du auch, wohin gehst du“? Er erhob sich auch, als würde er ihr am liebsten nachlaufen wollen. „Dorthin, wo du nicht bist“, antwortete sie wenig geistreich und sie schob sich schon an ihm vorbei, als Esme wieder in die Küche trat und zwischen Sofia und Edward hin und her sah. Auf ihm blieben ihre Augen etwas länger kleben, als würden sie sich stumm austauschen müssen. Unauffällig nickte er, aber das tat Sofia als Zufall ab. „Liebes, kannst du mir bitte den Gefallen tun und dein Brot essen? Nicht schon wieder dieser Hungerstreik“, begann nun auch Esme, nachdem sie den Teller entdeckt hatte. „Das ist kein Hungerstreik! Edward hat es angefasst ohne sich die Hände zu waschen und es mir weggenommen. Und jetzt habe ich keinen Hunger mehr. Beschwer dich doch einfach bei ihm“, nörgelte sie und bekam prompt einen sanften Schlag auf den Oberarm. Edward!

„Hör doch auf mich zu nerven“! Wütend hob auch sie den Arm und wollte ihm schon einen Schlag zurückgeben, als sich seine Finger unerwartet fest um ihr Handgelenk schlossen. „Vorsicht Prinzessin, du würdest dir nur weh tun“. Seine Kälte fraß sich unangenehm in ihre Haut, weswegen sie sich entnervt von alldem losriss und zur Treppe stürmte, bevor Esme noch etwas sagen konnte. Im Hintergrund hörte sie Edward  kichern. Was für ein Idiot!

Gerade als sie im oberen Stockwerk angekommen war, erklang Esme’s Stimme in ihrem Rücken. Sie stand unten an der Treppe und hielt sich mit einer Hand am Geländer fest. „Liebes, jetzt sei nicht gleich beleidigt“, bat sie, aber dafür war es schon zu spät. Edward konnte sie mal, wieso musste er sich auch so aufführen und schon morgens solch ein Theater veranstalten? Er konnte sie nicht einfach ärgern, wann er wollte und schon im nächsten Moment wieder nett sein. Sie war einfach nicht in der Lage dazu, ihn richtig zu durchblicken.
Mit einem empörten Geräusch ignorierte sie Esme und verschwand in ihrem Zimmer. Dieser doofe, arrogante Edward Cullen! Rosalie ließ sie ja immerhin meistens in Ruhe, aber er? Er musste kommen und sie absichtlich nerven, als hätte er nichts besseres zu tun. Was für eine furchtbare Nervensäge!

Sie hatte sich noch nicht einmal dazu entschieden wohin sie sich setzen sollte, als plötzlich die Tür geöffnet wurde und Esme den Raum betrat. Diesmal hatte sie noch nicht einmal geklopft. „Schätzchen“, begann sie direkt. „Nun stell dich doch nicht so an. Er meint es nicht so“.
Ja, genau. Sicher meinte er es nicht so, wenn er ihr einfach schon vor neun Uhr alle Nerven raubte und blöde Sprüche klopfte. Aber das behielt sie lieber für sich, während sie sich damit begnügte, entnervt mit den Augen zu rollen.

„Willst du vielleicht ein neues Brot? Stört dich das“? Als würde es daran liegen! Verächtlich schnaubte sie. „Nein Esme, ich will kein neues Brot“, antwortete sie gereizt und ließ sich schlussendlich doch auf der Bettkante sinken. „Ich will einfach mal für fünf Minuten meine Ruhe haben. Versteht ihr das nicht“?
Diesmal war es Esme, die unsicher zurückzuckte. An anderen Tagen wirkte sie liebevoller, verständnisvoller. Nun eher wie eine überforderte Hausfrau. Ach, sie würde sie nach der Reaktion vorhin sowieso nicht mehr darauf ansprechen. „Gut, dann eben nicht“, kapitulierte sie beschwichtigend und griff schon wieder nach der Türklinke, als ihr noch etwas anderes in den Sinn zu schießen schien: „Sofia, Carlisle und ich werden später wegfahren. Wir werden erst morgen Vormittag wieder hier sein aber die anderen sind hier, falls etwas sein sollte“. Sofia meinte ein schlechtes Gewissen zwischen ihren Worten erklingen zu hören, aber vielleicht hatte sie sich auch getäuscht. „Aber wohin denn“?, fragte sie sofort und sie klang etwas verloren dabei, weil Carlisle und Esme noch nie über Nacht fortgefahren waren. Musste sie nun also mit der Zicke Rosalie und Edward dem Monster das Wochenende verbringen?!

„Kann ich nicht mitkommen“? Esme schmunzelte leicht, als hätte sie auf diese Reaktion gewartet. „Nein, dir wäre auf diesem Medizinerkongress fürchterlich langweilig, Liebes“. Höchstwahrscheinlich hatte sie recht damit, aber es war besser als sich von Edward durch die Gegend schubsen zu lassen. Andererseits hätten sie alle ohne Carlisle und Esme viel mehr Freiheiten und vielleicht würde sie heute Emmett nach seinem iPad fragen können, jetzt, wo Carlisle sie nicht zu irgendeinem Abendprogramm überreden konnte. „Und ich glaube sogar, Alice hat eine Überraschung für dich geplant“.
Nun wurden ihre Augen groß. Eine Überraschung? Für sie? „Was für eine“?, fragte sie prompt, aber Esme wollte dahingehend nicht mit der Sprache herausrücken. Sie zuckte gespielt unwissend mit den Schultern, ehe sie wieder nach unten ging und den restlichen Vormittag damit verbrachte, das Haus auf Vordermann zu bringen und kleine Notizzettel zu schreiben, was sie nun beachten sollten.

Esme selbst wirkte ein wenig nervös und wehmütig, als sie am Mittag nochmal ihr Zimmer betrat und sie zum Abschied in die Arme schloss. „Wir sehen uns morgen, Liebes“, meinte sie liebevoller als vorhin, ehe ihr Blick kurz zu ihrem Schreibtisch huschte. „Denkst du bitte an deine Lateinaufgaben? Du brauchst sie am Montag“. Sie konnte es einfach nicht lassen, sie dahingehend immer wieder zu ermahnen. Latein war so anstrengend!
„Werde ich schon machen“, wiegelte sie ab. Vielleicht war es doch keine schlechte Idee, dass sie nun gehen würden. Sie würde Carlisle direkt vom arbeiten abholen und dann schon losfahren. Und Sofia? Sofia malte sich ein einzigartiges Wochenende aus, in welchem sie tun und machen konnte, was sie wollte. Ihre anfängliche Skepsis und der Wehrmut waren schon fast verlogen, wenn sie daran dachte. Sie hatte die beiden zwar wirklich gerne, aber einen Tag alleine zu verbringen nach all dem Stress erschien ihr eine wirklich wundervolle Aussicht. Mit Edward und Rosalie würde sie schon klar kommen.
Sofia winkte Esme noch nach, als diese sich ins Auto setzte und schlussendlich in der Ferne immer kleiner wurde. Was das wohl für ein Medizinerkongress war?

Sofia hatte sich gerade eine halbe Stunde auf die Couch gelümmelt und einen Film angestellt, als es plötzlich vor ihr klatschte und etwas vor ihr auf den Wohnzimmertisch zu fallen schien. Verwirrt sah sie auf und erkannte Rosalie’s Gesicht über ihr schweben. In der Hand schien sie bis gerade noch ihre Lateinunterlagen gehalten zu haben, die sich nun vor ihr erstreckten. „Kannst du mir mal sagen, was das schon wieder werden soll“?, fauchte sie und einer ihrer manikürten Finger deutete anklagend auf Sofia.

Was, um Himmels Willen, war denn nun schon wieder ihr Problem?
„Was“?, zischte sie zurück, aber Rosalie ließ ihr gar keine Chance. Sie entzog ihr die Fernbedienung schneller als sie es realisieren konnte und stellte den Film kurzerhand ab. „Seit wann läuft hier mittags der Fernseher? Steh endlich auf, ich soll dir bei der Übersetzung helfen“. Sie brauchte nicht mal zu fragen um zu wissen, wer ihr diesen Auftrag gegeben hatte. Esme hatte ja wirklich auch keine Gelegenheit gelassen, damit sie irgendwie um diese doofen Hausaufgaben herumkam. Und nun hetzte sie ihr auch noch Rosalie auf den Hals? Schlimmer ging es ja wohl nicht. „Kannst du vergessen“, begann sie und rappelte sich zumindest soweit auf, dass sie nicht mehr vollkommen unterlegen war. „Carlisle hat gesagt, dass er mir hilft“.
„Tja, siehst du Carlisle hier irgendwo? Steh jetzt auf, ich habe nicht ewig Zeit“.
Sie nahm das Buch und den Block wieder an sich, ehe sie kurzerhand zum Esstisch ging und dort das Material lautstark platzierte. Ihre Laune war wirklich ganz unterirdisch.

Sofia folgte ihr, nicht weil sie wirklich Lust hatte, sondern weil sie sich nach der Sache mit Edward nicht auch noch von ihr herumtreiben lassen wollte. „Ich kann das alleine“, setzte sie schon an, als Rosalie den Block öffnete und so überheblich lachte, dass es eiskalt den Rücken runterlief. „Ja, DAS sehe ich. Das ist grausam! Hast du jemals im Unterricht aufgepasst? Nur ein einziges Mal“? Es war wirklich gemein, wie unfair sie über ihre Leistungen sprach. Dann war sie eben nicht gut in Latein, war das so schlimm? Sicher war Rosalie auch nicht besser! „Setz dich endlich hin und arbeite“, zischte sie unwirsch was Sofia mit einem bockigen Kopfschütteln quittierte. So erreichte man bei ihr meistens gar nichts. Wieso hatte sie Esme nicht doch überredet, mit zu diesem Medizinerkongress zu fahren?

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Was Esme da wohl stumm mit Edward kommuniziert hat? Vielleicht hatte ja sein ganzes Verhalten einen Grund? :D
Ob die Lateinübersetzung mit Rosalie wohl was werden kann?
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