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Wendungen

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
Carlisle Cullen Edward Anthony Masen Cullen Esme Cullen Jasper Whitlock Hale OC (Own Character) Rosalie Hale
02.01.2020
10.10.2020
85
279.809
30
Alle Kapitel
387 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
12.05.2020 3.368
 
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Hallo ihr Lieben,
ich möchte mich heute mit einem ernsteren Thema an euch wenden und hoffe, ich finde ein paar offene Ohren dafür, um mich selbst von meinen Zweifeln zu befreien:
Nach dem letzten Kapitel erreichte mich eine private Nachricht mit Vorwürfen, meine GeschichteN würde Mobbing unterstützen, fördern, verherrlichen (sucht euch eine passende Beschreibung dafür aus). Ich möchte mich an dieser Stelle ganz klar von jeglicher Verherrlichung von Mobbing DISTANZIEREN!! Ich weiß selbst wie schrecklich es sich anfühlen kann, von Mitschülern wegen etwas nicht akzeptiert oder gehänselt zu werden. Wie sich dabei richtige Mobbingopfer fühlen, darüber vermag ich nicht zu urteilen. Aber ich schätze, jeder von uns hat schon einmal etwas in dieser Richtung erfahren müssen. Ich habe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, Zivilcourage, Verstand für Moral und  ich bin durchaus auch in der Lage, Kritik anzunehmen. Allerdings will ich mich heute dazu äußern, da meine Geschichten "Wendungen" und "Malea" keine solcher Gefühle in euch auslösen sollen. Sie sind rein fiktiv und spielen in den Leben meiner Protagonisten, die eine schwierige Zeit durchmachen. Das ALLES entspringt meiner Fantasie! Literatur ist dafür da, mit seiner Fantasie zu spielen. Situationen auszureizen und fiktive Charakter und Räume zu erschaffen. Krimiautoren verherrlichen auch nicht das, wovon sie schreiben. Aber in ihren Geschichten handelt es von Mord, Entführung, Vergewaltigung oder Diebstahl. Momentan lese ich eine Buchreihe, die sich um Menschenhandel dreht. Auch da kann man der Autorin nicht vorwerfen, sich in jener Hinsicht an schwierigen Thematiken zu ergötzen. Literatur bedeutet für mich auch, Grenzen zu testen und über Tabus zu schreiben. Und JA, ich liebe es, gewisse Situationen zu überreizen.  Das, was hier allerdings zwischen Lola und Sofia vorgefallen ist, war minder beschrieben und soft im Vergleich zu dem, was ich schreiben KÖNNTE. Für solche Fälle gibt es natürlich auch die verschiedenen Ratings, bezogen auf das Alter. Ich habe mich trotzdem dafür entschieden, nun Triggerwarnungen einzubauen und die Altersempfehlung von 16 auf 18 zu heben, um mich selbst ein wenig zu beruhigen und sensibleren Lesern die Möglichkeit zu geben, sich davon fernzuhalten. Denn ich weiß auch, dass (ehemalige) Mobbingopfer auf meine Zeilen vielleicht mehr reagieren als Leute, die sich klar davon distanzieren können.
Ihr könnt mir sehr gerne in den Reviews eure Meinung dalassen und nun wünsche ich euch viel Spaß mit dem heutigen Kapitel. Fühlt euch gedrückt <3
PS: Auch heute wieder die Warnung: Wer sensibel auf Mobbing oder Streit reagiert, sollte lieber auf das nächste Kapitel warten.
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Die Stimmen und Schreie in ihren Ohren hallten in unangenehmen Oktaven immer und immer wieder nach, während sich ihr Verstand langsam aber sicher verabschiedete. Sie hatte keine Kraft mehr sich gegen die Hände zu wehren, die sie beinahe so platt wie einen Pfannkuchen drückten, hatte keine Kraft mehr sich gegen Lolas höhnendes Gesicht zur Wehr zu setzen. Mit einem letzen, wütenden Schrei gab sie auf und ihr schmächtiger Körper erschlaffte unter den Griffen die sie hielten wie einen Schwerverbrecher. Der kühle Hallenboden brannte unangenehm auf ihren erhitzten Wangen, während sich Tränen der Wut und Enttäuschung aus ihren Augen stahlen. Lolas Worte hatten ihr Ziel nicht verfehlt, die Giftpfeile hatten genau dort getroffen, wo sie hatten treffen sollen. Direkt ins Herz. Beinahe hatte Sofia es abermals knacken gehört, ehe es endgültig zu Staub verfiel. Vielleicht hatte sie ja recht, vielleicht war sie wirklich nur eine Enttäuschung gewesen. Nur deswegen hatte sich ihre Mutter bereits nach fünf Lebensjahren verabschiedet, während ihr Vater in einem brennenden Frack von Auto seine Erlösung gesucht hatte. Sie war schlecht, sie hatte all das verdient, oder? All den Schmerz, die Einsamkeit. Irgendwas musste es doch geben, was ihre Eltern verärgert hatte. Weswegen sie die einzige Lösung im Himmel gesehen hatten und sie als Überbleibsel im Fegefeuer zurückließen. Sie stand buchstäblich in Flammen, alles an ihr schmerzte. Die Pein in ihrem Magen schien langsam Überhand zu gewinnen. Wieso habt ihr mich alleine gelassen, Daddy? Wieso hast du nicht mehr gekämpft, Mummy?
Sofia hatte sich noch nie in ihrem Leben so verloren gefühlt wie in jenem Moment, die Kälte der Einsamkeit vermischte sich unangenehm mit der heißen Wut und formten es zu einer undefinierbaren Emotion. Am liebsten hätte sie sich einfach quer über dem Boden übergeben, um Linderung zu erfahren. "Das wird Ärger geben", hörte sie plötzlich jemanden flüstern und das Raunen, was angestachelt durch diese Vermutung durch die Sporthalle huschte, war furchteinflößend. Was genau war eigentlich gerade passiert? Schwach wandte sie den Kopf um, erkannte in verschwommenen Schatten Scharen von Mädchen und den blonden Teufel, der lauthals heulend auf dem Boden saß und getröstet wurde. Was für eine Lügengeschichte hatte sie der Trainerin nur auftischen müssen, dass sie sie nun in ruhiger, mütterlicher Manier tröstete? Wieder einmal mehr fühlte sich Sofia verloren und im Stich gelassen. Verraten. "Es reicht jetzt, Mädchen", hörte sie eine tiefe, männliche Stimme schimpfen, die direkt über ihr zu thronen schien und ihren schwachen Protest sofort im Keim erstickte. Es waren seine Hände, die ihren knochigen Körper schwer auf den Boden drückten und seine Beine, die ihre Arme gefangen hielten. Er saß mit seinem vollen Gewicht auf ihr, während ihr langsam aber sicher die Luft ausging. "Runter", schnappte sie atemlos, beinahe erstickt. Sein Griff war schmerzhaft und die Situation unangenehm. Alle sahen zu, wie sie zu Boden gedrückt wurde wie ein Sträfling! "Ich bekomme keine Luft mehr, runter"! Diesmal wurde sie deutlich panischer, während sie versuchte sich unter seinen Fingern zu winden und er doch kein bisschen lockerer ließ. Erst als sie hektisch zu atmen begann und die Tränen wie Sturzbäche aus ihren Augen flossen, ließ er leise fluchend von ihr ab und zog sie unsanft auf die Beine. Durch einen Tränenschleier erkannte sie, dass es der Coach der Jungen war. Niemand sonst hatte sich an sie herangetraut. "Das wird Konsequenzen haben, junge Dame", hörte sie nun auch ihre Trainerin sagen, die sich mittlerweile von Lola abgewandt hatte und mit wütenden Blicken auf sie zugestapft kam. Jeder ihrer hektischen Schritte schien den Erdboden erzittern zu lassen. "Ich dulde keine Gewalt in meiner Truppe. Ich rufe eure Eltern an, den Direktor wird dieser Zwischenfall sicher interessieren. Packt eure Sachen"! Und damit stapfte sie genauso hektisch weg, wie sie hergekommen war und Sofia erkannte noch, wie sie sich wenige Meter entfernt ein kleines Handy ans Ohr hielt. Zum ersten Mal heute dachte sie an Carlisle und Esme. Sie würden sicherlich furchtbar wütend werden, wenn sie erfuhren was passiert war. Sicher interessierte sie auch nicht, dass Lola sie provoziert hatte. Das sie scheussliche Dinge gesagt hatte, die einen Schlag zu tief gewesen waren. Sofia hatte die Fassung verloren und es gab nichts, was sie in dieser Situation wohl vor Sanktionen retten konnte. Sie hatte dem traurigen Monster ihrer Seele für einen Moment die Oberhand gewinnen lassen, ohne an die Konsequenzen zu denken. Sie war ja selber blöd! So unfassbar blöd!

Kaum eine halbe Stunde später hatten sie sich im kahlen Büro des Schuldirektors versammelt. Sie alle. Direktor Flint mit dem strengen Blick und der kantigen Brille, die ihn ein wenig unsympathisch erscheinen ließ. Neben ihm die noch immer erregte Trainerin. Lola mit ihren Eltern, die in ihrer Businesskleidung aussahen wie knallharte Anwälte ohne Gewissen und die immer wieder böse Blicke zu ihr hinüberwarfen, die sie wohl in den Erdboden rammen sollten. Natürlich kannten sie bisher nur Lolas Version und verurteilten sie deswegen aus Prinzip. Und dann war da noch Carlisle, der sich fürsorglich zwischen die Fronten gesetzt hatte und dessen Blick unergründlich war. Sicher war er stinksauer auf sie und musste sich beherrschen, sie nicht sofort hier zu bestrafen, aber sie hatte auch nicht den Mut ihn lange anzustarren. Sie kam sich neben ihm furchtbar klein vor und ihr Herz schien ihr beinahe aus der Brust springen zu wollen, während sie nochmals eine Etage tiefer rutschte und ihre Fingernägel schmerzhaft in die blassen Unterarme rammte. Sie wusste sich in diesem Moment nicht mehr anders zu helfen als sich mit körperlichem Schmerz zu bestrafen. "DAS passiert also, wenn man Verrückten ermöglicht am normalen Schulleben teilzunehmen"?!, ertönte eine schrille Stimme, die wohl der Mutter des blonden Teufels zu gehören schien, denn sie war die Einzige, die wild in der Luft gestikulierte, während die anderen Blicke auf sie gerichtet waren. Sie mussten zuvor schon ein angeregtes Gespräch geführt haben, Sofia hatte dem jedoch nicht beigewohnt. Zumindest nicht mental. Dennoch war sie sich zu neunundneunzig Prozent sicher, dass der Hauptteil der angeregten Diskussion Schuldvorwürfe und Flüche gewesen sein mussten. Zumindest schienen sich die unterschiedlichen Parteien noch nicht beruhigt zu haben. "Ich schätze, dies war eher ein Disput unter Gleichaltrigen, der sich etwas zugespitzt hat", mischte sich Carlisles sanfte Stimme ein. Sie ahnte was er versuchte. Es war nicht mehr und nicht weniger als die reine Begrenzung von Schaden und das eventuelle erreichen von Milde. Sie alle dachten doch, dass sie Schuld war. Das sie verrückt war! Höchstwahrscheinlich hatte sie es verdient, mit sofortiger Kraft der Schule verwiesen zu werden und Lola für immer auf knochigen Knien hinterher schrubben zu müssen. "Disput? So nennen Sie das, Dr. Cullen? Ihr Mündel hat meine Tochter beinahe bewusstlos geschlagen. Ist das die Art, mit welcher sie Konflikte zuhause lösen"? Nun war es Lolas Vater, der sich ins Gefecht stürzte. Nun griffen sie Carlisle an. Und sie logen! Sie zogen sich die ganze Geschichte aus der Nase und urteilten, obwohl niemand nach ihrer Sichtweise gefragt hatte. Keiner hatte sie gefragt, wieso sie mit Fäusten auf Lola losgegangen war. Für sie war klar, dass Sofia ein Problem mit der Gefühlsregulierung zu haben schien und das wiederum versetzte ihr einen Stich. Schon lange hatte sie sich nicht mehr so elend gefühlt wie heute, die Grippe hingegen war eine Kleinigkeit gewesen. "Ich denke nicht, dass Sofia in der Lage dazu gewesen wäre, ihre Tochter bewusstlos zu schlagen", verteidigte Carlisle vehement und besah sich für einen Moment die Rötungen in Lolas Gesicht. Getroffen hatte sie anscheinend dennoch. "Außerdem interessiert mich sehr, was der Auslöser für den Streit war. Ohne Grund wird sich das nicht so hochgeschaukelt haben". Und damit hatte er verdammt nochmal recht. Wieso erwähnte niemand, dass Lola ihren Vater durch den Dreck gezogen, und mit ihren Ängsten gespielt hatte? Niemand interessierte sich für sie. Das tat fürchterlich weh! "Es gibt keinen akzeptablen Grund, der diese sinnlose Gewalt rechtfertigt! Lola hat mir erzählt wie sie aus heiterem Himmel auf sie losgegangen ist wie eine wildgewordene Raubkatze. Völlig grundlos! Dr. Cullen, ich appelliere an Ihre Vernunft. Wachen Sie auf und erkennen sie diesen kleinen Teufel als gefährlich an", argumentierte der Anwalt und rutschte unruhig auf seiner Sitzfläche herum. Einer seiner trüben Blicke traf Sofia, doch sie schien durch ihn durchzusehen. Sie sprachen über sie, als wäre sie nicht anwesend. Innerlich begann sie, Stein um Stein ihrer Schutzmauer wieder hochzuziehen und sich dahinter zu verbarrikadieren.

"Nun, ohne Grund wird es wohl nicht gewesen sein", mischte sich nun auch der Direktor ein, der bislang äußerst wenig dazu gesagt hatte. Er schien Sofia mit seinen glasigen Blicken erdolchen zu wollen, aber sie wich ihm aus. "Sofia, willst du uns nicht erzählen, wieso du so sauer wurdest"? Er war der Erste! Der Erste, der endlich nach ihrer Sichtweise fragte und sie aufforderte, endlich Licht ins Dunkle zu bringen. Aber konnte sie das überhaupt? Konnte sie davon erzählen, was Lola ihr in aller Abscheulichkeit an den Kopf geknallt hatte? Sofias zögern schürte das Feuer nur noch mehr, es war Lolas Mutter, die ihr die Möglichkeit nahm, sich zu erklären. Und ihre Worten waren weitaus grausamer als die ihrer Tochter: "Mit Waisenkindern ist es wie mit Welpen. Sind die Eltern verkorkst, sind es die Nachkömmlinge auch. Höchstwahrscheinlich hat es das Mädchen nie anders vorgelebt bekommen und Konflikte schon immer auf diese Weiße gelöst". Ihr blauer Blick streifte sie beiläufig. "Lola hat es mir erzählt. Die Mutter verschwunden, der Vater ein Säufer und Amokfahrer. Was will man erwarten"? Es folgte ein kleinerer Disput zwischen allen anwesenden Personen, die diese Redensart nicht für sonderlich diplomatisch befanden, aber sie schien sich die Butter noch nicht vom Brot nehmen lassen zu wollen, denn sie sprach unsensibel all die Lügen weiter, die Lola ihr eingetrichtert hatte.Schlampe!
"Dieses Mädchen ist psychisch labil und benötigt dringend professionelle Hilfe! Stationär! Sie ist eine Gefahr für die gesamte Schülerschaft, was soll morgen passieren? Beißt sie da den Fünftklässlern die Ohren ab? Schubst Lehrkräfte die Treppen nach unten? Hier trennt sich die Spreu vom Weizen und Sofia gehört weggesperrt, um wieder Ruhe in den Schulalltag zu bringen. Ich zahle nicht umsonst monatlich Unsummen an Fördergeldern", spie sie weiter und baute sich bei jedem Wort etwas stolzer auf. Jedes ihrer Worte war Gift für ihre Seele. Jedes ihrer Worte traf genau dort, wo Lola zuvor getroffen hatte. Unwillkürlich spürte Sofia das Brennen in ihren wässrigen Augen. Vielleicht war es ja wirklich so. Vielleicht hatte sie die Chance bei den Cullens nicht verdient. „Mrs. Watts, bitte achten sie auf Ihren Ausdruck. Wir haben noch immer die Kinder da“, mischte sich nun doch der Direktor ein, der die erste Träne kullern sah. Sofia weinte nicht laut und künstlich wie Lola, Sofia litt still und alleine. Das war also das Bild, was andere Eltern von ihr hatten? War sie solcher Abschaum? „Entschuldigen Sie, Mister. Die Wahrheit ist vielleicht nicht immer nett, aber was soll ich sagen? Sehen Sie sich meine Tochter doch an, sie musst fürchterliche Angst gehabt haben, als sie attackiert wurde“. Beiläufig strich sie ihr über die Rötungen auf den Wangen und Armen, ehe sie anklagend mit dem Finger auf Sofia deutete. "Dr. Cullen, es tut mir leid Ihnen auf diese Weiße die Augen öffnen zu müssen. Aber denken Sie doch bitte auch nur eine Minute an Ihren guten Ruf. Wir wissen Ihr soziales Engagement zu schätzen, aber dieses Mädchen ist Gift für Ihre Karriere. Für das Ansehen Ihrer Frau. Ziehen Sie die Reissleine, ehe sie Sie alle in den Abgrund zerrt". Für einen Moment war es so still, dass Sofia eine Stecknadel fallen hören könnte. Das war das Ende, oder? Carlisle würde sich bequatschen lassen und sie spätestens morgen wieder abgeben. Sie passte ja wirklich nicht zu ihnen, vielleicht sollte sie ja wirklich freiwillig gehen, um es ihnen einfacher zu machen? Es war jedoch Carlisle, der sich plötzlich aus seiner Starre regte und während einer seiner kühlen Hände ihre Fingernägel von ihrem Unterarm löste, wandte er sich mit dem Gesicht den reichen Eltern zu. "Ich denke, wir führen das Gespräch besser ohne die Mädchen weiter. Die gepflegte Debattenkultur scheint mir ein wenig gestört", setzte er freundlich und beherrscht wie immer an, ehe er sich Sofia zuwandte. Seine Stimme ließ keine Diskussion zu. "Du wartest vor der Tür auf mich", wies er streng an und sie erhob sich beinahe sofort, um aus der Tür zu rauschen. So entkam sie immerhin der schmerzhaften, nicht enden wollenden Situation.

Nur wenige Sekunden später folgte ihr auch Lola, die die schwere Tür schlussendlich ins Schloss zog und sich neben Sofia auf die Bank sinken ließ. Ihr fieses Grinsen strotzte nur so vor Arroganz und Siegessicherheit, während ihre blauen Augen gemein glitzerten. "Das du es mir auch so einfach machst, Idiotin", flüsterte sie leise und lehnte sich dabei zurück. Kurz wagte Sofia einen Seitenblick auf sie, die Kratzer und Rötungen machten sie auf kranke Weiße ein kleines bisschen zufriedener. Gerade so, dass sie ihre weiteren Sticheleien halbwegs gefasst ertragen konnte. "Meine Eltern werden gewinnen, weißt du? Du kannst froh sein, dass sie dich nicht direkt in die Klapse stecken und dir eine Zwangsjacke anlegen"! Wenn sie wüsste, wie nah sie an der Wahrheit tatsächlich dran war. Wenn sie nur wüsste, dass Carlisle sie wöchentlich zu einer Psychologin zwang und Esme auch schon bereits eine stationäre Therapie angedeutet hatte. Es zerriss ihr fast das Herz, auch nur eine Sekunde daran zu denken. "Herzlichen Glückwunsch, du hast gewonnen", antwortete sie deswegen geschlagen und wandte sich von ihr ab. Sie wollte sich das Elend nicht länger ansehen, doch Lola schien noch nicht genug davon zu haben, ihr weiterhin schlecht zuzureden. "Wohin ist deine Mutter eigentlich abgehauen? Verdient sie als Prostituierte ihr Geld? Oder hat sie einfach nur einen reichen Mann gefunden? Oh, oder ich hab noch was besseres. Sie sitzt im Knast, richtig"? Lola lachte über ihren eigenen Witz und begutachten ihre roten Nägel dabei, wie konnte sie nur so zufrieden wirken? Wieder streifte einer von Sofias traurigen Blicken ihr Gesicht. Wieder kullerte eine einsame Träne über ihr Gesicht, was Lola ein gehässiges Lachen entlockte. "Wusste ich es doch", stöhnte sie und sie hätte es wohl dabei belassen, wenn Sofa sich nicht wutentbrannt zu ihr umgewandt hatte. "Ich weiß zwar nicht, wieso es dir Spaß macht Witze darüber zu machen. Aber wenn du es so genau wissen willst: Meine Mutter ist auch tot. Reicht dir das jetzt"?! Sofia war nicht einmal mehr wütend genug, halbwegs selbstbewusst zu klingen. Ihre Stimme zitterte und sie hatte Mühe, die salzigen Tränen zurückzudrängen, um sich nicht noch verletzlicher zu machen. "Wie erbärmlich! Alle Zeitungen schreiben nur von deinem Vater und dir in dem Auto", unterbrach sie sie und sie sprang dabei erregt von der Bank auf, während Sofia hingegen wirkte wie ein Häuflein Elend. Hätte sie doch nur ein bisschen von dem Elan, was Lola in ihre Hasstiraden legte. Aber ihr Feuer war vollkommen erloschen. "Sie ist an Krebs gestorben als ich fünf Jahre alt war. Bist du nun zufrieden? Dann halt endlich die Klappe und lass mich in Ruhe"! Das tat sie tatsächlich. Sofia spürte ihren schockierten Blick auf ihr kleben, hörte ihr verwirrten stottern ehe sich endlich die nötige Ruhe über sie legte. Sie hasste es, diese Worte ausgesprochen zu haben. Hasste sich selbst dafür, sich so verletzlich zu geben. Aber was hätte sie sonst tun sollen? Noch mehr Provokation hätte sie einfach nicht ertragen.
Ergeben zog sie die knochigen Knie auf den Sitz und schlang die Arme darum. Vielleicht hatte der Albtraum ja so schneller ein Ende.

Die Erwachsenen ließen sich allerdings eine ganze Menge Zeit. Sofia hatte keinen Sinn mehr für die Zeit, als sich die Türe endlich langsam öffnete und Carlisle ihr mit einer kleinen Geste bedeutete, ihm zu folgen. Sie konnte in seinem Gesicht nichts ablesen, weswegen sie ihm ergeben hinterher trottete und keinen weiteren Blick auf Lola verschwendete. Hauptsache sie würden endlich gehen! Leider brachte sie auch während der Autofahrt auch nicht den Mut zusammen, ihm nach den Verlauf des Gespräches zu fragen und er schien sich zwanghaft auf den Verkehr zu konzentrieren. Beinahe wirkte er so distanziert wie bei dem Treffen mit ihrem ehemaligen Vermieter, nur das sie seine Laune nun sehr gut nachvollziehen konnte. Als er das Auto abstellte, fing er ihren wässrigen Blick für einen Moment im Rückspiegel auf, ehe er sich elegant wie immer aus dem Auto schwang und vor ihr die Treppe nach oben nahm. Seine Ärgernis war beinahe greifbar, aber sie schien vergessen zu haben, wie man sich erklärte. Unsicher trat sie von einem Bein auf das andere, wich Carlisle durchforschenden Blicken aus und ihre innerliche Unruhe schien sie dabei beinahe um den Verstand zu bringen. Konnte er nicht wenigstens etwas sagen? Nur ein paar beruhigende Worte? Konnte nicht wenigstens er sie verstehen? Nur ein kleines bisschen? "Geh auf dein Zimmer, Sofia. Ich will mich erst mit Esme unterhalten", meinte er daraufhin mit gewisser Strenge und deutete mit einer flüssigen Bewegung seines Kopfes auf das obere Stockwerk. "Aber was haben sie denn gesagt"?, wagte sie einen kleinen Schritt in die Offensive, der allerdings von einem strengen Blick quittiert und sofort im Keim erstickt wurde. Carlisle entschied solche Blickduelle immer für sich. "Geh nach oben, wir sprechen uns später". Und mit diesen Worten wandte er sich um und ließ sie im Gang stehen. Er wusste, dass sie nach oben gehen, gar flüchten würde. Er wusste allerdings nicht, dass er mit diesem Unverständnis für ihre Situation noch ganz andere Emotionen in ihr lostrat. Die Wut war zurück.
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Denkt ihr, Carlisle und Esme werden mit ihr schimpfen? Oder haben sie Verständnis für ihre Situation?
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