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Wendungen

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
Carlisle Cullen Edward Anthony Masen Cullen Esme Cullen Jasper Whitlock Hale OC (Own Character) Rosalie Hale
02.01.2020
10.10.2020
85
279.809
30
Alle Kapitel
387 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
11.05.2020 2.366
 
Hallo ihr Lieben,
ich präsentiere euch stolz das neue Kapitel. Ich hoffe ihr habt Spaß damit und fühlt mit Sofia genauso mit wie ich. Ich muss sagen, dieser Fight hat mir Spaß gemacht, haha:D
Ich würde mich sehr über Feedback freuen, ich hoffe es geht auch gut und ihr seid gut in die neue Woche gestartet.
Fühlt euch gedrückt <3
Ich möchte warnen: Dieses Kapitel könnte triggernd wirken, wenn ihr sensibel auf Mobing reagiert. Falls euch das je widerfahren ist oder ihr sowas nicht lesen könnt, dann wartet auf das nächste Kapitel!
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Sofias abendlicher Rückfall war nur einer von vielen gewesen.
Die vergangenen vierzehn Tage hatten ihren schmächtigen Körper auf eine harte Probe gestellt, es war kräftezehrend. Nach dem Waldspaziergang hatte es Momente gegeben, an welchen sie sich geweigert hatte aufzustehen. An welchen sie sich nicht einmal die Mühe gemacht hatte, die schmerzenden Augen zu öffnen. Das Fieber war in seiner ganzen Wucht zurückgekehrt und mit ihm auch die wachsende Erschöpfung. Carlisle hatte sich bei dieser Grippe irgendwann nicht mehr anders zu helfen gewusst, als härtere Geschütze aufzufahren. Das Mädchen hatte irgendwann aufgehört zu essen, zu trinken. Hatte geweint vor Müdigkeit und Erschöpfung. Ihr hatte schlichtweg die Kraft dafür gefühlt, sich weiterhin diesem tobenden Kampf hinzugeben und weder Esme, noch er selbst, hatten ihr Leiden weiterhin mit ansehen können. Nachdem er die notwendigen Medikamente nicht mehr oral in das Mädchen hineinbekommen hatte, hatte er weitaus drastischere Maßnahmen ergreifen müssen als ihm und Sofia lieb gewesen wäre. Zwar hatte er ihr die Wahl gelassen, vielleicht wäre es ihm sogar lieber gewesen, sie hätte sich gegen ihn entschieden. Doch ihr Vertrauen in seine ärztliche Maßnahmen schien groß und ihre Kraft zu kämpfen zu mager, weswegen sie sich gegen das Krankenhaus, und für die Behandlung zuhause entschieden hatte. In ihrem Delirium schien sie nicht einmal zu bemerken, zu was genau sie zugestimmt hatte. Schweren Herzens hatte er ihr einen intravenösen Zugang gelegt und dabei zugesehen, wie sie leidend das Gesicht verzog. Das Herzchen in ihrer Brust galoppierte schneller als sonst, aber sie war tapfer. Von ihrer Angst vor Spritzen war in jenem Moment nicht viel zu sehen, in ihrer Not schien sie alles über sich ergehen zu lassen. "Gleich wird es besser", hatte er tröstend gemurmelt und ihr neben den notwendigen Medikamenten auch ausreichend Flüssigkeit an den Tropf gehängt. Von da an wurde es wirklich besser. Tag für Tag ein kleines bisschen.

Mittlerweile fühlte sie sich wieder wie vor der Grippe. Hatte Appetit, hatte Kraft und keine Schmerzen mehr. Kurzum war alles wieder normal, weswegen sie den Einwand ihrer Pflegeeltern nicht verstehen konnte, sich ruhig zu verhalten und ihrem Körper die nötige Zeit zu geben um sich zu regenerieren. Mittlerweile tobte eine Menge aufgestauter Energie in ihr und machten es fast unmöglich, sich auf die Schulaufgaben zu konzentrieren, die Alice ihr aus der Schule mitgebracht hatte. Das ganze Wochenende hatte sie damit verbracht, unter den strengen Augen ihrer Pflegeeltern, den verpassten Schulstoff nachzuholen und sich nebenbei noch ausreichende Ruhepausen zu gönnen. Immerhin hatte sie ihnen hervor kitzeln können, am Montag endlich wieder selbst zur Schule zu dürfen. Niemals im Leben hätte sie gedacht, dass sie sich darauf tatsächlich einmal freuen würde, doch die vergangenen zwei Wochen lasteten schwer auf ihrer energiegeladenen Persönlichkeit. Sie wollte sich endlich wieder bewegen, sich verausgaben, etwas anderes sehen als das schicke Designerhaus am Waldrand. Irgendwann war es eben auch mit Carlisle und Esme langweilig geworden und das sie sie zusätzlich in Watte packten, machte die ganze Sache nicht besser. Manchmal hatte sie den Eindruck, als hätten sie Angst, sie würde gleich in sich zusammenfallen, wenn sie nicht vorsichtig genug mit ihr umsprangen. Dabei war sie weder aus Zucker noch aus anderweitig zerbrechlichen Stoffen. Umso besser fühlte sie sich also, als Carlisle ihr am Sonntag Abend tatsächlich grünes Licht für die Schule gegeben hatte, nachdem er sich nach ihrem Befinden erkundigt hatte. Sie hatte seit drei Tagen keinen einzigen Rückfall gehabt, hatte mittlerweile nicht einmal mehr eine Schnupfnase und müde fühlte sie sich auch nicht mehr. Es waren perfekte Voraussetzungen für die kommende Woche und Carlisle hatte nickend zugestimmt, ehe sie jubelnd in ihrem Zimmer verschwunden war. Noch eine weitere Woche in zwanghafter Quarantäne hätte sie sicher auch nicht ausgehalten. Und so kam es, dass sie am Montag voller Vorfreude beinahe in die Schule schwebte, während Edward und die anderen eher mäßig begeistert hinter ihr her trotteten und stumm in ihren Klassenräumen verschwanden. Sofia sog an diesem Tag alles auf, alles was sie in den letzten zwei Wochen verpasst hatte. Sie lauschte dem Lehrer aufmerksam, beteiligte sich sogar am Unterricht und plapperte unaufhaltsam mit ihren neuen Freunden, die sich ebenfalls wieder freuten sie hier zu haben. Kurzum war eigentlich alles perfekt an diesem Tag, bis sie die Sporthalle für das Turntraining betrat. Sie hatte Esme versprochen sich nicht zu übernehmen, aber eine dritte Woche ohne Training wollte sie sich und ihrem ohnehin schwächelnden Körper nicht mehr antun. Sie wollte ihre alte Fitness, ihre alte Beweglichkeit zurück und das würde sie niemals nur mit rumliegen erreichen. Esme hatte einfach keine Ahnung davon, wie fit sie vor dem Autounfall tatsächlich gewesen war und sie hatte es satt, ständig nur in Watte gepackt zu werden.

Also nahm sie am Training teil, bemerkte jedoch schnell, dass sie frühzeitiger außer Puste kam als noch vor der Grippe. Es war wie verflucht, ihr Körper schien täglich ein Stückchen mehr abzubauen. Aber Sofia wäre eben nicht Sofia, wenn sie sich darauf ausgeruht hätte, sie ahnte schon, dass sie ihre Belastbarkeit etwas über die Grenzen treiben musste, um ihren faulen Körper endlich zu etwas aufzuraffen. Also ignorierte sie ihren zitternden Körper, ihre pfeifende Atmung und machte alles, was auch die anderen taten. Dabei achtete sie stets darauf, Lola und ihrer selbsternannten Zickengang aus dem Weg zu gehen und hielt sich stattdessen an jene Menschen, die ihr bereits in der ersten Trainingseinheit sympathisch gewesen waren. Heute hatte sie sich fest vorgenommen, nicht in eine dieser dummen Fallen zu tappen und sich dabei verletzlich zu machen. Heute würde sie sie souverän ignorieren und ihnen bestenfalls noch intrigant über die Schulter hinweg zulächeln. Die Schmach der letzten Abreibung hatte sie dank Alice aufbauenden Worten erfolgreich verdrängt.
Ihre wachsende Souveränität bekam allerdings erste Risse, als sie fremde Finger an ihrem Fußknöchel spürte, die sie unsanft vom Schwebebalken schubsten. Erschrocken verlor Sofia das Gleichgewicht und fiel seitlich auf die dicke, blaue Matte am Ende des Balkens und rappelte sich verwirrt wieder auf. Bevor sie fragen konnte was das sollte, erklang eine altbekannte Stimme in der Halle.  "Ich bin wirklich beeindruckt! Hätte nicht gedacht, dass du dich tatsächlich noch einmal her traust", hörte sie Lolas gemeine Stimme höhnen, während sie sich verwirrt aufrappelte und sich betont mutig vor sie stellte. Wieder einmal fiel ihr auf, dass Lola zwar die selbe Haarfarbe hatte, sie an Rundungen und Körpergröße allerdings bei weitem übertraf. "Du hast mich nie vertrieben", antwortete Sofia so provokant wie möglich und verschränkte zur Bekräftigung ihre Arme vor der Brust. "Nicht? Hat letztes Mal ganz anders ausgesehen als du deine Möpse nicht mehr bedecken konntest. Wie alt bist du nochmal? 11? Kann man bei deiner Hühnerbrust gar nicht identifizieren". Arrogant warf sich Lola ihren blonden Pferdeschwanz über die Schultern und kicherte im Einklang mit ihren Knechten, die direkt aus der Hölle zu kommen schienen. "Halt die Klappe, Lola", fuhr sie ihr dazwischen und deutete mit einer Geste ihres Kinns auf die Trainerin, die am Reck beschäftigt war und gerade ein anderes Mädchen für ihre Leistung verbal in den Boden stampfte. "Ich kann ihr ja erzählen das du mich gerade vom Balken geschubst hast. Mal sehen was sie dazu sagt". Ihre Drohung verhallte unheilvoll in der Turnhalle, ehe die größere Blondine siegessicher die Mundwinkel kraus zog. Sie machte sie mit ihrer falschen Arroganz, verdammt nochmal richtig wütend! "Bist du eine kleine Petze? Hast du dich auch bei den Cullens ausgeheult, weil du plötzlich keine Kleidung mehr hattest? Armes Baby", höhnte sie weiter und in Sofias Hand kribbelte es plötzlich unheilvoll. Am liebsten würde sie ihr mit der Faust den Mund stopfen damit sie endlich die Klappe hielt. Aber sie hatte sich unter Kontrolle. Noch.

Wie sie es auch so oft bei Rosalie tat, wandte sie sich schon um und wollte sie in ihrer selbsterlegten Arroganz schmoren lassen, ehe sie eine grobe Hand an der Schulter zurückhielt. "Weißt du? Eigentlich tust du mir leid", begann Lola und ihre blauen Augen bohrten sich dabei schalkhaft in ihre. "Immerhin wohnst du ja nicht umsonst bei den Cullens. Hast du Daddy bei einem Unfall verloren? Hat er dich alleine gelassen"? Ihre glänzende Unterlippe schob sich gespielt traurig hervor, während Sofia in eine Art Schockstarre verfiel. Woher zur Hölle wusste sie das? Und was gab ihr das Recht, so unfassbar dreist über den schlimmsten Moment ihres Lebens zu sprechen? Vor ihren Augen tanzten wütende Sterne, während ihre Kiefer sich wütend aufeinander pressten. "Ich warne dich", presste sie erstickt hervor. "Rede nicht so"! Aber darauf sprang das Mädchen nur weiterhin an. Mit schiefem Grinsen brachte sie Sofias Schutzmauer gewaltig ins wackeln und ihre innerliche Unruhe nur noch mehr ins straucheln. Die letzten zwei Wochen war sie zu krank gewesen, um sich mit ihrer Trauer auseinandersetzen, hatte zwei Sitzungen bei Dr. Bell verpasst und sich an Carlisles Versprechungen gehalten, nun ein Teil ihrer Familie zu sein. Nun schien sie der Schmerz schlagartig wieder einzuholen. Noch schlimmer: Er prasselte auf sie nieder wie tausend spitze Giftpfeile. Und das tat verdammt nochmal weh! "Was sonst? Gib es schon zu. Dein Vater hatte einfach keine Lust mehr, sich mit einer Versagerin wie dir das Haus zu teilen. Wahrscheinlich warst du eine einzige Enttäuschung, wenn ich mich dich so ansehe.  War er eigentlich auch so hässlich und ungepflegt wie du"? Ihre schrille Stimme setzte noch eins oben drauf und am liebsten wäre Sofia ergeben aus der Sporthalle gerannt, um den Schmerz in ihrem Inneren Eingehalt zu gewähren. Doch mittlerweile war sie unfähig sich zu bewegen, während ihr die heiße Wut ungefiltert den Magen nach oben kochte! "Halt die Klappe, du weißt gar nichts", spie sie und erntete höhnisches Lachen. "Ich weiß mehr als du denkst. Ich habe Zeitungsartikel gefunden. Eine Schlagzeile lautete: Todesfahrt in Washington: War der Fahrer betrunken"? Sie kramte ihr Handy aus dem Bund ihres perfekt sitzenden Sport-Bhs, und deutete auf irgendwelche Screenshots. "Oh, die hier war auch gut: Unfallursache weiterhin ungeklärt. Fuhr er sich und seine minderjährige Tochter absichtlich in den Tod"? Sie ließ es kurz wirken, ehe sie betont gleichgültig die Schultern zuckte. "Du erscheinst mir leider viel zu lebendig. Wünscht du dir, du wärst mit ihm über die Regenbogenbrücke getanzt"? Ihre manikürten Finger schubsten nach ihren schmächtigen Schultern und trieben sie weiter in die Enge. Es war gemein, es war unfair. Lola hatte nicht den Hauch einer Ahnung was sie ihr mit diesen Worten antat. "Das ist Lügenpresse. Nur Leute wie du glauben sowas", war ihr schwacher Einwand, aber aus jeder einzelnen Pore ihres Körpers sprühte der Hass. Wer war Lola, um so zu reden? Sofia ließ sich wahrlich viel gefallen, doch an ihren toten Eltern durfte sich kaum einer vergreifen. Ein weiterer Grund, weswegen Sofia nicht mit Dr. Bell sprechen wollte. "Wo ist eigentlich deine Mutter? Hat sie euch etwa verlassen? Warst du auch ihre größte Enttäuschung"? Jedes weitere Wort bohrte sich schmerzhaft in ihre Seele, während sich ihre Hände unweigerlich zu Fäusten ballten. Lola könnte nun gehen und sie hätte dieses Duell wieder für sich entschieden. Stattdessen fing sie nun erst so richtig an. "Ich wäre auch abgehauen wenn ich ein solch hässliches, abartiges, dummes Kind aus mir herausgepresst hätte. Du bist ein Versager, Sofia. Sieh es ein, niemand hat dich gern und bald schon werden das auch die Cullens merken". Lola rückte noch ein Stück näher und stand nun so dicht, dass Sofia an ihr hochsehen musste. Das war unfassbar erniedrigend. "Gib Dr. Cullen und seiner Frau noch ein paar Wochen, dann geben sie dich wieder ab. Du bist nichts weiter als Abfall. Verschwinde besser freiwillig, Versagerin"!

Das war zu viel!
Das waren nicht nur Hänseleien unter Gleichaltrigen, blöde Sprüche. Das waren Gemeinheiten, die die Moral des guten Anstandes um Weiten verletzten. Lola spielte nicht nur mit ihren Nerven, mit ihrer Geduld, sondern auch mit ihren tiefsten Ängsten. Sie wirbelte einen Sturm Emotionen hervor, die Sofia die letzten Wochen fein säuberlich unter Verschluss gehalten hatte. In ihr setzte das rationale Denken aus, als sie flink die Faust hob und diese direkt in Lolas Gesicht krachen ließ. Sie hörte sie schreien, aber es war ihr egal. Wie von Sinnen schlug sie auf alles ein, was sie von ihr zu fassen bekam. Gesicht, Brust, Beine. Sie stürzte sich auf sie wie eine wilde Bestie und hörte auch dann nicht auf, als Lola ihr an den Haaren zog und in wildem Gefuchtel selbst austeilte. Der Schmerz, welchen die Schläge auch ihr verursachten, spürte sie in ihrer Wallung aus Wut und Adrenalin nicht. Stattdessen machte sie sich daran, ihr weitere Schmerzen zuzufügen, um auszugleichen, was sie ihr mit Worten angetan hatte. In jenem Moment würde sie sie gerne töten, um Gerechtigkeit zu erleben. Sie wollte ihr die Augen auskratzen, sie schlagen bis sie endlich den Mund hielt! Allerdings waren es starke, grobe Hände die sie von ihr zerrten und sie flach auf den Boden drückten als wäre sie eine Gefahr für die Allgemeinheit. Sie spürte einen dumpfen Schmerz zwischen den Schulterblättern, wurde allerdings nicht müde zu zappeln als würde es um ihr verdammtes Überleben gehen. "Schlampe", spie sie ihr entgegen, ehe der Tumult in der Halle immer größer, immer lauter wurde. Aber auch das war ihr egal. Lolas Gesicht war wie das rote Tuch für einen Stier, sie löste ungeahnte Aggression in ihr aus und machten sie ganz benommen. Noch nie in ihrem ganzen Leben hatte sie jemand so sehr mit Worten verletzt, wie es Lola getan hatte! Und dafür sollte sie in der Hölle brennen!
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Lola hat ein weiteres Mal zugeschlagen. Was meint ihr, hat Sofia überreagiert?
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