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Wendungen

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
Carlisle Cullen Edward Anthony Masen Cullen Esme Cullen Jasper Whitlock Hale OC (Own Character) Rosalie Hale
02.01.2020
10.10.2020
85
279.809
30
Alle Kapitel
387 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
23.04.2020 3.420
 
Hallo ihr Lieben,
bevor ich mich gleich auf mein Abendessen stürze, noch ein Kapitel für euch. Ich hoffe es gefällt auch und ihr lasst mir wieder Feedback da, ich freue mich immer von euch zu lesen.
Ich hoffe es geht euch gut <3
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Das restliche Wochenende verging wieder relativ unspektakulär. Rosalie hatte sie in Frieden gelassen und die Cullens hatten sich darum bemüht sie in ihren Alltag miteinzubeziehen, hatte sie auch nur den Anschein gemacht, sich kurz in ihr Zimmer zurückzuziehen. Manchmal war es anstrengend gewesen sie ständig um sich zu haben und an ihren neuen Vorhaben teilzunehmen. Manchmal fragte sie sich ganz unterbewusst, ob die Cullens nie müde wurden, gewöhnt hatte sie sich dennoch daran. Und so war sie mit den Jungs nochmals mit den Fahrrädern unterwegs gewesen, ehe Jasper sie wieder zu einer Runde Schach herausgefordert hatte. Meistens deprimierte sie das, weil sie jedes einzelne Spiel verlor und er sie nie gewinnen ließ. Sofia verlor nicht gerne, aber Jasper hatte ihrem schmollenden Blick standgehalten. "Übung macht den Meister", hatte er gemurmelt und sich von ihr mit einem Kissen bewerfen lassen. Zumindest setzte er sie mittlerweile nicht mehr in weniger als fünfzehn Minuten Schachmatt, ihre Taktik hatte sich also irgendwie verbessert, auch wenn ihm das als strenger Lehrer nicht zu reichen schien. Erst als sie ihm vorgeworfen hatte das er schummeln würde, hatte er sie eine Runde gegen Carlisle spielen lassen. Auch gegen ihn hatte sie verloren, ehe sie genervt davon das Schachbrett zur Seite geräumt hatte. Jedes einzelne Spiel zu verlieren war unförderlich für die innere Motivation. "Ihr hättet mich ruhig auch mal gewinnen lassen können", hatte sie gemeckert, während Carlisle und Jasper sich grinsend ansahen. "Das wäre ja langweilig. Ein verdienter Sieg wird dich mehr ehren als ein geschenkter. Irgendwann wirst auch du gewinnen". Es waren mal wieder Carlisles weise Worte gewesen, die ihr eine Anekdote aus dem Leben lehren sollten, allerdings war sie relativ resistent gegen Weisheiten. Es machte sie träge den Erfolg stetig als Leiter zu sehen, anstatt direkt erfolgreich und als Gewinner aus all den Dingen hervorgehen zu können. Carlisle und Jasper jedoch waren der Meinung, dass auch sie das lernen musste und dagegen kam sie nicht an. Dabei waren sie es doch, die mit ihren magischen, blassen Händen alles zu Gold werden lassen konnten, was sie auch nur mit den Fingerspitzen berührten. Sie hatte das Gefühl, dass sie absolut alles konnten. Sie waren fehlerfrei. Und das war gemein!

Am nächsten Morgen war die Harmonie vom Wochenende schon wieder ein wenig flau. Sofia machte sich innerlichen Druck wegen des Trainings nach der Schule und dachte an nichts anderes als an Lola und ihre gemeinen Freundinnen, während Rosalie wegen einer Kleinigkeit schon wieder komplett in die Luft geschossen war. Diesmal war Sofia allerdings zu abgelenkt von ihren eigenen Gedanken und Sorgen, als dass sie sich die Giftigkeiten der Blondine auch nur im Ansatz zusätzlich aufbürdete. Sie verstand nicht einmal, wieso genau sie nun wieder schlecht drauf war, war das so etwas wie ein chronischer Dauerzustand? Langsam machte sie sich sogar Sorgen um sie, ein klein wenig zumindest. Immerhin wusste sie von sich selbst, dass schlechte Laune oft daher rührte, wenn man innerlich mit etwas unüberwindbaren zu kämpfen hatte oder schlichtweg überfordert war. Vielleicht war sie ja wirklich nicht zufrieden, doch fragen würde sie sie auch nicht. Rosalie würde ihr ohnehin nichts erzählen.
Irgendwann in der Schule hatte es dann begonnen. Der anfängliche Kloß im Hals, den Sofia schon seit dem Wochenende spürte, schien explodiert zu sein, denn sie fühlte sich erschöpft und ausgelaugt. Kränklich irgendwie, aber das stand sie sich vorerst nicht ein, um nicht wieder unnötig die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Den Sportunterricht hatte sie aufgrund ihres jugendlichen Leichtsinns dennoch mitgemacht, zumindest solange bis ihr der Fußball direkt ins Gesicht geflogen und ihr kurz Schwarz vor Augen geworden war. Seither brummte ihr Schädel laut und deutlich. Sie konnte sich nicht einmal dran entsinnen, wie genau sie zur Schulkrankenschwester gekommen war, bei der sie mittlerweile auf der Liege lag. "Du bist ganz blass, Mädchen", hatte sie gemurmelt und ihr mit einer Taschenlampe in die Augen geleuchtet. Immerhin hatte sie nicht schon wieder Nasenbluten bekommen und damit ihre kompletten Klamotten verdreckt. Krank fühlte sie sich dennoch plötzlich, dabei war heute Morgen alles noch relativ normal gewesen. Jetzt wo sie lag spürte sie erst, wie schwer sich ihre Glieder tatsächlich anfühlten. Ihr war kalt und sie war müde, es war ein grässliches Gefühl. Wie sollte sie da noch den halben Tag aushalten? Die Krankenschwester schien das allerdings fehlzuinterpretieren, weswegen sie ein wenig zu hektisch für ihre Verhältnisse aus dem Raum verschwand und erst nach ein paar Minuten wieder zurückkehrte. "Ich habe Mrs. Cullen erreichen können, sie holt dich ab", sagte sie als sie etwas auf ein Blatt Papier schrieb. "Ist dir denn schlecht"? Als wäre dies vollkommen abwegig schüttelte sie den Kopf, ehe sie sich auf der Liege etwas zusammenrollte. Es war ihr unangenehm das sie nun jemand abholen kommen musste, immerhin waren Esme und Carlisle sicher arbeiten und hatten keine Zeit, sie extra aus der Schule zu holen. "Das ist gar nicht nötig, mir geht es schon besser", versuchte sie sich also an einem schwachen Protest, während die Krankenschwester ungläubig mit dem Kopf schüttelte. Sie sah ihr an, dass sie nicht nachgeben würde. "Nicht nach diesem Unfall", presste sie zwischen strengen Lippen hervor und das Gespräch erstarb daraufhin. Sofia wusste weder was los war, noch ob sie sich tatsächlich schlecht wegen des Balles fühlte, oder weil sie allgemein kränkelte. Ergeben drehte sie sich etwas zur Seite und schloss für einen Moment die Augen.

Es dauerte nicht mehr lange, da klopfte es plötzlich leise an der Tür und Esme schob sich zur Tür hinein. Die beiden Frauen begrüßten sich kurz und tuschelten miteinander, was sich in Sofias Ohren schon wieder furchtbar gedämpft anhörte, ehe sie eine kühle Hand auf ihrem Gesicht spürte. Genau dort, wo der Ball sie schmerzhaft getroffen hatte. "Was machst du denn für Sachen, Liebes"?, hörte sie Esme besorgt murmeln und Sofia blinzelte daraufhin verwirrt. Sie hatte schon schlimmeres erlebt als diesen kurzen k.o im Sportunterricht. "War gar nicht so schlimm", nuschelte sie betreten und machte sich drauf und dran einfach von der Liege zu rutschen. "Sie sollten sie noch eine Weile im Blick behalten. Sobald ihr schlecht wird oder sie sich erbricht, sollten sie zum Arzt". Die Krankenschwester hielt ihnen schon die Tür auf, sicherlich war dies für heute der einzig wirklich spannende Fall gewesen. "Mein Mann schaut nach ihr", erwiderte Esme freundlich und bestimmt, während sie Sofia am Arm aus dem Zimmer führte und erst am Auto wieder freigab. Ihr selbst war all das ein wenig zu viel Trubel um ihre Person. "Wie ist das denn passiert"?, wollte Esme wissen, während sie das teure Auto vom Parkplatz lenkte. "Ich hab den Ball ins Gesicht bekommen als ich im Tor stand", erklärte sie eine Spur zu genervt, denn die Krankenschwester schien planlos und überfordert. Sie machte aus einer Mücke einen Elefanten und Sofia war ihr Opfer. "Sagst du mir bitte wenn dir schlecht wird oder schwindelig"? Kurz trafen sich ihre Blicke im Rückspiegel, ehe Sofia ergeben nickte, sie wollte Esme nicht beunruhigen. "Mir geht es gut",beteuerte sie und versuchte das Krankheitsgefühl aus ihren Gliedern zu verbannen. Sie konnte sich nicht erlauben krank zu sein, nicht schon wieder. "Kannst du vielleicht nur die Heizung anmachen"? Die kühlen Ledersitze ließen sie schaudern. Sie tat es, doch ihr fragender Blick blieb. Das Auto war eigentlich noch warm gewesen und Sofia machte einen äußerst blassen Eindruck. Und dann hatte sie einfach so den Ball ins Gesicht bekommen? Irgendwas war doch im Busch! Sie nahm sich vor sie im Blick zu behalten. "Ich wollte ja auch gar nicht, dass sie dich anruft. Sicher hast du eigentlich gar keine Zeit", erklang Sofias betretene Stimme irgendwann wieder leise, als Esme in die Einfahrt einbog und auf dem richtigen Parkplatz zum halten kam. "Keine Sorge, ich kann auch von hier aus arbeiten".  Sofia wirkte zwar nicht begeistert davon, machte sie sich innerlich doch Vorwürfe, allerdings verstummte sie relativ schnell. Sie hatte keine Kraft zu diskutieren, Esme würde sie sicher nicht anlügen. "Am besten ruhst du dich etwas aus, heute solltest du langsam machen. Wir behalten das im Auge, ja"? Zwar befand Sofia diese Maßnahme als äußerst überzogen, doch auch hier sagte sie nichts dazu. Sie nahm einen Eisbeutel für die leichte Schwellung an ihrem Jochbein entgegen, ehe sie nach oben ging und sich vornahm Esme in Ruhe arbeiten zu lassen.

Obwohl sich Sofia vorgenommen hatte nur kurz etwas zu ruhen, waren ihrem zitternden Körper schon nach ein paar Minuten die Augen zugefallen. Sie bemerkte weder Esmes regelmäßige Kontrollen, noch das der Rest der Familie wieder zuhause war. Sie hatte tatsächlich den kompletten Tag verschlafen! Es dämmerte bereits, als ihre Augenlider zu flackern begannen und ihr dieser unfassbare Schmerz in den Hals schoss. Es fühlte sich an, als hätte man ihr direkt ein heißes Eisen in den Rachen geschoben und dort verweilen lassen. Sie hatte schon lange keine Halsschmerzen mehr gehabt, dafür fühlte es sich nun umso grässlicher an. Allgemein hatte sie das Gefühl, als wöge ihr kompletter Körper mindestens das doppelte. Sie war wirklich krank geworden! Für einen Moment unfähig sich zu bewegen, schob sie einige Momente später die Bettdecke zurück und fror unfassbar dabei. Unter der Decke war es halbwegs warm gewesen, doch nun fühlte es sich an, als wäre der Winter in ihrem Zimmer ausgebrochen. Mit zittrigen Beinen balancierte sie die Treppenstufen nach unten und erkannte am Treppenende Edward stehen, der sie misstrauisch musterte. "Wie siehst du aus"?, stieß er entsetzt aus und schnappte nach ihrem Arm, als sie verdächtig wackelig neben ihm zu stehen kam. Es dauerte kaum länger als ein paar Sekunden, ehe auch Esme um die Ecke bog. Ihr Gesicht war in etwa gleich entsetzt wie Edwards. "Fühlst du dich nicht gut"?, fragte sie und Sofia schüttelte ergeben den Kopf, was ihr sofort einen dumpfen Schmerz durch den Körper trieb. "Mir tut alles weh", hauchte sie seltsam kehlig, während Esme sie schon wieder nach oben dirigierte. Sie spürte, dass ihre Haut sich seltsam heiß für ihre Verhältnisse anfühlte. Bei ihrer Berührung zuckte sie diesmal sogar, vom eigentlichen Schüttelfrost geplagt, von ihr weg. "Du bist ganz heiß", merkte sie an und Sofia hatte dafür keine anderen Worte mehr übrig. Ja, sie fühlte sich wirklich, wirklich schlecht. Nachdem Esme sie wieder ins Bett gesteckt und mit einer zusätzlichen Decke versorgt hatte, öffnete sie die Zimmertür wieder. "Carlisle müsste bald Feierabend haben. Ich hole dir einen Tee, Liebes", hörte sie sie noch murmeln, ehe sie verschwand und Sofia schon wieder in einen fiebrigen Traum abdriftete. Wann hatte sie es das letzte Mal so derbe erwischt?

Carlisle hatte den Anruf seiner Frau relativ besorgt entgegengenommen, normalerweise rief sie ihn nicht an. Und dennoch hatte sie recht als sie sagte, dass sie an Medikamenten und Utensilien kaum etwas im Haus hatten, was Sofia helfen könnte. Nicht einmal ein Fieberthermometer. So versprach er fürsorglich, etwas für ihr krankes Mündel mitzubringen. Zugegebenermaßen machte es auch ihn nervös, dass das Mädchen krank zu sein schien. Sie waren auf solche Situationen einfach nicht vorbereitet! Er sprach kurz mit Esme als er nach Hause kam, ehe er die Treppen mit langen Schritten nach oben nahm und entsprechende Tür nach einem leisen Klopfen öffnete. Sofia schien zu schlafen, trotzdem sah er ihr die Krankheit im Gesicht an, sie machte ihnen von der Hautfarbe ernsthaft Konkurrenz. Leise schlich er zu ihrem Bett und stellte seine Tasche neben sich auf den Boden, ehe sich auch Esme zu ihnen ins Zimmer schob und ihrem Mann einen fragenden Blick zuwarf. "Sie schläft schon den ganzen Tag", klärte sie ihn auf und er nickte nachdenklich. "Soll sie nur schlafen", antwortete er ruhig und legte ihr eine Hand auf die Stirn. Sie erschrak, als er sie berührte und blinzelte schwerfällig gegen das Licht an. Mittlerweile war es dunkel draußen. "Carlisle", krächzte sie dumpf und wand sich unter seiner Hand, die er schnell wieder zu sich nahm. Sie schien noch immer Schüttelfrost zu haben, zumindest glaubte er die Bettdecke über ihrem zierlichen Körper wackeln zu sehen. "Entschuldige, Kleines. Ich will dich nur kurz ansehen", flüsterte er leise und fühlte sie förmlich glühen. Sie war zu schwach sich gegen sein Vorhaben zu wehren, während er nach ihrem erhöhten Puls tastete und beobachtete, wie sie unter seinen kühlen Fingern unruhig wurde. "Kalt", wimmerte sie leise und er zog seine Hand schon bald zurück. "Ich weiß, Liebes. Du hast Fieber", stellte er mit einem Hauch von ärztlicher Professionalität fest und starrte auf das Ergebnis des Fieberthermometers, was Esme ihm gerade entgegenhielt. Es war schon relativ hoch, doch ihr Schüttelfrost und ihre blasse Haut verriet ihm, dass sie noch immer in der Phase des Fieberanstiegs steckte. "Tut dir etwas weh"? Sie nickte schwerfällig. "Mein Hals", formte ihre kratzige Stimme träge und er holte daraufhin etwas aus seiner Tasche, was sie stark an einen hölzernen Spatel und eine Lampe erinnerte. Sie öffnete den Mund, ohne das er sie dazu auffordern musste, ihre Not schien sie wirklich überaus kooperativ zu machen. "Ah ja", stieß er aus und verzog das Gesicht zu einer mitleidenden Maske. "Mandelentzündung. Wir werden schauen müssen wie sich das entwickelt. Bis dahin gebe ich dir Tabletten zum lutschen, die sollten gegen die Schmerzen vorerst helfen", erklärte er und sah im selben Zug nach ihren Trommelfellen und tastete die Lymphknoten an ihrem Hals ab. Wenn er schon dabei war, konnte er auch einen kompletten Check machen. Dabei hatte er allerdings nicht damit gerechnet, dass ihr schneller die Geduld ausgehen würde als gedacht. Sie wand sich unter seinen kalten Fingern und als er dann auch noch ihre Lunge abhören wollte, explodierte ihr Geduldsfaden. "Muss das sein"?, jammerte sie weinerlich und blinzelte dabei angestrengt, sie hatte schon die ganze Zeit damit gekämpft, nicht sofort wieder in einen fiebrigen Schlaf zu fallen, während Carlisle an ihrem Bett saß und sie zu diagnostizieren versuchte. Sich nun auch noch aufzusetzen zerrte an ihren Kraftreserven. "Ich beeile mich", antwortete er ausweichend und half ihr sich aufzusetzen, während das Mädchen sich jammernd an Esme lehnte, die sich mittlerweile neben sie aufs Bett gesetzt hatte. Sobald er ihr Shirt ein Stück nach oben zog, begann sie wieder heftig zu zittern, was sich in Intervallen auch auf seinen Körper übertrug. Da hatte sie sich ja einen tollen Infekt eingefangen!

Während er kurz die notwendigen Medikamente aus seinen Arbeitszimmer holen ging, half Esme ihr sich wieder richtig ins Bett zu legen und sich in die Decken zu kuscheln, während sie vehement den Tee verweigerte, der noch warm auf dem Nachtisch stand. Sie schaffte es ja kaum ihren Speichel zu schlucken, da wollte sie sich nicht noch diesen Tee runterwürgen. "Du solltest aber was trinken, Liebes", ermutigte Esme und kam nicht umhin, mit der Situation ein wenig überfordert zu sein. Wann hatte sie sich schon jemals um ein krankes Kind gekümmert? Carlisle war es wohl gewohnt, doch sie? "Es tut aber weh", erwiderte sie krächzend, als Carlisle mit einer Packung Lutschtabletten wieder ins Zimmer kam und ihr eine grünlich schimmernde hinhielt. Sie dachte nicht lange drüber nach ob ihr das schmecken würde, sie steckte sich die runde Tablette sofort in den Mund und hoffte, dass ihr Halsschmerz wenigstens etwas dadurch abklingen würde. Carlisle sah sie dabei durchdringend an. "Esme hat Recht, Sofia. Du solltest wirklich etwas trinken. Dein Körper braucht die Flüssigkeit", erklärte er ruhig und deutete mit einer sanften Bewegung auf den Tee. "Du kannst aber noch warten bis die Tablette wirkt. Dann fällt es dir vielleicht leichter". Sie war ja an sich schon keine gute Esserin oder gar Trinkerin, nun fiel es ihr jedoch besonders schwer. Es war ein müder Blick der ihn traf, doch sie erwiderte nichts. Höchstwahrscheinlich fehlten ihr dafür schlichtweg die Kräfte. Es verstrichen ein paar stumme Augenblicke und beinahe wäre sie wieder eingeschlafen, wenn sie nicht doch noch etwas auf dem Herzen hätte, was sie bedrückte. "Ich war gar nicht beim turnen", stellte sie traurig fest und ärgerte sich innerlich noch mehr darüber, dass Lola dies sicherlich als Sieg deuten würde. Aber nicht mit ihr! "So geht das ja auch nicht", erwiderte Esme überrascht ob der plötzlichen Aussage und konnte sich nicht verkneifen, ihr sanft über die Haare zu streichen. "Ich weiß. Aber ich wäre trotzdem gern dort gewesen. Sicher denken sie nun, ich komme nicht wieder".
-"Doch nicht wegen diesem einen Mal", versuchte Carlisle zu beschwichtigen, der neben seiner Frau saß und sie misstrauisch musterte. Obwohl die Blässe ablenkend war, fiel ihm die leichte, rötliche Schwellung an ihrem Jochbein auf. War das der Unfall, von dem Esme ihm erzählt hatte? Sofia bemerkte seinen Blick nicht, ihre Augen waren geschlossen und ihre Gedanken damit beschäftigt, Lolas hämisches Grinsen aus ihrem Kopf zu verbannen. "So wirst du auf jeden Fall auch nicht zur Schule können, ich bleibe morgen zuhause", erklärte Esme mütterlich weiter und wurde jäh von ihrem Mann unterbrochen, der in einer unwirschen Bewegung auf ihren Kopf deutete. "Apropos Schule...was genau ist heute Morgen passiert"? Als Sofia misstrauisch die Augen öffnete, sah sie Carlisle ärztlich durchforstenden Blick über ihr schweben. So schlimm war das nun wirklich nicht! "Ich habe den Ball ins Gesicht bekommen, weil ich nicht aufgepasst habe", erklärte sie eine Spur zu genervt und spürte langsam, wie das Medikament ihren Hals taub werden ließ. "Das wird wohl ein kleines Feilchen geben", antwortete Carlisle professionell und seine Hand tastete schon wieder nach ihrem Gesicht, was sie mit einer zu hektischen Bewegung gerade noch abwenden konnte. Ihr Blickfeld verschwamm für einige Sekunden, ehe ihr ein stechender Schmerz in den Kopf schoss. Obwohl es sicher praktisch war Carlisle als Arzt hier zu haben, war sie nun einfach nur noch genervt. "Nicht anfassen", quakte sie daher also zimperlich, nicht nur weil seine Hände eiskalt waren, sondern auch weil ihr die Stelle tatsächlich auch schmerzte. "Liebes, ich bin Chirurg. Und Chirurgen gucken mit den Händen", antwortete er ihr mit einem süffisanten Lächeln was sie nicht erwiderte. Er würde ja sowieso nicht Ruhe geben, ehe er auch diese Verletzung unter die Lupe genommen hätte. Also ließ sie jammernd zu, dass seine Finger forschend über ihr pochendes Jochbein strichen und er ihr schlussendlich mit einer Taschenlampe in die Augen leuchtete. Heute wollte er wohl alles ausschließen!

"Scheint mir, als könnte dein Dickkopf eine Menge ab", war das Resultat seiner Untersuchung, während er seine Tasche schloss und ihr schlussendlich die Tasse entgegenhielt. Mittlerweile dampfte der Tee nicht mehr ungenießbar heiß vor sich hin. "Das sage ich ja schon den ganzen Tag", flüsterte sie schwach und brachte Esme und Carlisle damit zum schmunzeln. Momente wie diese waren unbezahlbar. "Trotzdem solltest du es noch etwas kühlen. Trinkst du bitte? Es ist nicht mehr heiß". Mit einem flehenden, kraftlosen Geräusch griff sie nach der erwärmten Tasse und trank ein paar kleine Schlücke, ehe sie die Tasse wieder an Esme weitergab. Sie bekam es einfach nicht runter. Sie befanden diese kleine Menge wohl als besser als nicht, weswegen sie es umkommentiert ließen und stattdessen auf ihre Pflegetochter sahen, die sich kränklich in ihren Laken wand. Esme konnte nicht verhindern, dass selbst bei dieser Bagatelle so etwas wie Mitleid durch ihren Körper strömte. Diesem Mädchen sollte am Besten überhaupt nichts mehr geschehen, aber das würden sie auf Dauer nicht verhindern können. Auch ihre Möglichkeiten waren begrenzt. "Möchtest du nochmal schlafen"?, fragte Carlisle unnötigerweise, als dem blassen Mädchen abermals die Augen zufielen. Sie nickte schwach, sie hatte ohnehin nicht die Kraft länger dagegen anzukämpfen. "Ruf uns wenn was ist. Wir sind unten", erklärte Esme, die nach Carlisle aus dem Zimmer trat und die Tür nur anlehnte. "Jetzt wissen wir wenigstens, warum sie am Wochenende ständig so schlapp war", schmunzelte Carlisle väterlich, als dieser seine Tasche im Arbeitszimmer verstaute und sich im gehen einen Kuss von seiner Frau stibitzte. Er sah es relativ locker.
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Und Zack, da hat es auch Sofia erwischt. Doppelt sogar, haha :)
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