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Wendungen

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
Carlisle Cullen Edward Anthony Masen Cullen Esme Cullen Jasper Whitlock Hale OC (Own Character) Rosalie Hale
02.01.2020
10.10.2020
85
279.809
30
Alle Kapitel
387 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
13.04.2020 2.127
 
Hallo ihr Lieben,
ich hoffe ihr hattet trotz der erschwerten Umstände schöne Osterfeiertage. Zum Ostermontag habe ich noch ein Kapitel für euch und es gibt auch etwas zu feiern: Heute ist meine letzte Nachtschicht für diesen Monat. Ich bin dezent müde :D
Viel Spaß mit dem neuen Kapitel und bleibt gesund <3
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Sofias zartes Körpergewicht lastete kaum merklich auf ihm, während ihm die Schwere seines voreiligen Versprechens den Brustkorb zuschnürte. Was, wenn er es nicht einhalten könnte? Was, wenn etwas passieren würde, was ihn zwänge sie aus der Schussbahn zu bringen? Was,wenn in Rosalies provokanten Vorwürfen auch nur ein Funke Wahrheit läge? Er würde ihr niemals die Wahrheit erklären können, im Falle des Falles wäre er ihre größte Enttäuschung und der Auslöser für ein weiteres Trauma. Für einen kurzen Moment schloss er angsterfüllt die Augen, atmete unnötigerweise tief durch, ehe er einen Blick auf das Mädchen riskierte. Das Versprechen schien sie ruhiger werden zu lassen, ganz so, als hätten sie nun einen unsichtbaren Pakt geschlossen. Sie vertraute ihm, während sein größtes Dilemma war, dass er sich selbst nicht vertraute. Die Umstände waren zu wage, um in die Zukunft gerichtete Versprechungen zu machen. Wieso hatte Rosalie es geschafft, so viele Zweifel in ihm loszutreten? Als Esme plötzlich wieder am Türrahmen auftauchte lächelte sie sanft, der Anblick ihres Mannes in dieser Situation war bezaubernd und rührend zugleich. Um den Moment nicht zu zerstören, stellte sie das Glas lautlos auf dem kleinen Nachtisch ab und verschwand respektvoll nach unten. Sie wollte das Mädchen nicht zusätzlich mit ihrer Anwesenheit überfordern. Allein die Tatsache, dass sie ihnen die Tür geöffnet hatte, war erstaunlich. „Komm, leg dich hin. Du schläfst ja gleich ein“, wisperte Carlisle nach einer Weile, er hatte etliche Minuten gebraucht sich aus dieser neugewonnenen Vertrautheit zu reißen. Dieses Mädchen verdrehte ihm langsam aber sicher den Kopf, ungewöhnlicherweise fühlte er sich zu ihr väterlich vernarrt und gebraucht. Redete er sich das ein? Sie war erst einen Monat bei ihnen, bezogen auf seine Unendlichkeit war dieser Zeitraum nichts. Und doch hatten die letzten Wochen scheinbar etwas in ihm losgetreten. „Willst du einen Schluck Wasser“?, fragte er, als sie sich langsam von ihm löste und ihm schlussendlich das Glas aus der Hand nahm. Sie trank es ungewöhnlich schnell für ihre Verhältnisse aus. „Kannst du bleiben“?, fragte sie leise, während sie sich unter ihre Decke verkroch und nach dem Häschen angelte, was friedlich an der Wand lehnte. Sie fröstelte verräterisch. „Ich warte hier bis du eingeschlafen bist“, hörte sie ihn bekräftigend murmeln, während er die Decke ein wenig höher zog und an den Seiten feststeckte. Er war für diese Rolle wie gemacht, dieser Gedanke überkam ihn schmerzlich. Für ein paar Minuten war es vollkommen ruhig im Zimmer, ehe Sofia doch wieder die Augen aufriss.

„Carlisle“?, fragte sie wieder und fing seinen fragenden Blick ein. „Muss ich wieder zu Dr. Bell“? Es fühlte sich an, als würde sie damit die nächste Lawine lostreten. Nun mit ihr über dieses ernste Thema zu diskutieren würde die Fronten nur unnötig verhärten und sie zurückstoßen. „Nicht mehr heute, Sofia“, antwortete er ausweichend. „Aber ich will nicht mehr zu ihr“. Wieder glitzerten Tränen in ihren Augen, was war heute nur passiert? „Du bist so müde, Liebes. Bitte lass uns wann anders darüber reden, ja“? Es war ein schwacher Versuch sie davon abzuhalten, er merkte jedoch an ihrer körperlichen Reaktion, dass seine Antwort das Gegenteil von Beruhigung in ihr ausgelöst hatte. Er konnte ihre Angst förmlich riechen. „Ich will nicht“, wiederholte sie aufgebracht und schon kullerte die erste Träne wieder über ihre zarten Wangen. Leise seufzte Carlisle, sie würde nicht schlafen wenn sie das nun nicht klärten. „Was ist heute passiert, Sofia“?, fragte er deswegen leise und seine Hand streichelte sanft über ihre Stirn. Würde er ihr überhaupt glauben? Oder würde er es ebenso schlicht abtun wie seine Kollegin? Dr. Bell hatte auch kein Mitleid gehabt, als sie sie mit dem Gesicht voraus in ihre Erinnerungen getaucht hatte. „Sie hat mich reingelegt, sie hat es absichtlich getan. Damit ich an den Unfall denke“. Ihre Stimme wurde zittrig. „Habt ihr über den Unfall geredet“? Entschlossen schüttelte sie den Kopf, sie würde niemals mit Dr. Bell über den Unfall sprechen. Nicht nach heute, ihr Vertrauensverhältnis war gestört. „Sie wollte wissen, was ich bei der Fantasiereise gesehen habe. Aber ich habe es ihr nicht gesagt“, erklärte sie weiter, ihre Finger spielten dabei nervös mit dem Saum ihrer Decke. „Am Anfang war alles ganz normal, aber dann hat sie plötzlich etwas ganz anderes gemacht. Ich wollte das gar nicht“.

„Und was hast du bei dieser Fantasiereise gesehen“?, fragte er einfühlsam weiter. Sie hatte seine volle Aufmerksamkeit. „Erst die Insel mit dem Strand und der Sonne“, begann sie nachdenklich. Das Meeresrauschen, die beruhigende Idylle war beinahe wie weggeblasen. Sie war rasch anderen Bildern gewichen. „Und dann…dann das Auto“, schloss sie leise ab. „Ich habe es sogar gerochen“. Der Geruch von heißen Reifen und ausgelaufenem Benzin hing ihr noch immer in der Nase, während die Tränen immer mehr zu werden schienen. „Aber sie hat nicht aufgehört solche Dinge zu sagen. Sie wollte das so“! Ihre brüchige Stimme klang in jedem einzelnen Buchstaben vorwurfsvoll. Wie hatte sie nur darauf reinfallen können? „Deswegen willst du dort nicht mehr hin“?, schloss Carlisle ab und er reichte ihr einfühlsam ein Taschentuch. Sie betraten dünnes Eis, er wusste das. Und deswegen legte er sich seine Worte auch innerlich fest, um sie nicht versehentlich vor den Kopf zu stoßen. „Sieh mal, Sofia. Der Unfall war wirklich schrecklich für dich. Dein Körper möchte dich vor den Bildern schützen, indem er sie zu verdrängen versucht. Aber denkst du nicht, dass diese Reaktion nicht sehr anstrengend ist? Denkst du nicht, dass du deine Erinnerungen austricksen kannst“?
„Wie soll ich sie denn austricksen“? Fragend legte sich ihre Stirn in Falten, mit diesem Maß an rationaler Aufmerksamkeit konnte er sie lenken. „Wenn du dich oft genug an sie erinnerst und mit Dr. Bell darüber sprichst, denkst du dann nicht, dass sie weniger weh tun könnten? Die Gespräche sind eine Chance, dich wieder voll und ganz auf dich selbst zu konzentrieren. Wir merken, dass dir deine Lage die Energie raubt“, flüsterte er und blieb sachlich dabei. Er würde ihr die Therapiesitzungen nicht ersparen können. Irgendwann musste sie einsehen, dass es ihr helfen würde. Nur wann? Er ahnte schon, dass der nächste Freitag wieder in einem Dilemma ausarten würde, weil sie sich furchtbar gegen ein weiteres Gespräch sträubte. Es war an der Zeit, an ihre Vernunft zu appellieren. „Du bist so oft traurig, Kleines. Wäre es nicht schön, wenn du auch mal wieder richtig glücklich sein könntest? Und unbeschwert? Ich sehe dich gerne lachen“. Dabei war es ihr gar nicht zum lachen, oft verzog sie nur aus Selbstschutz die Mundwinkel, um nicht aufzufallen. Um zu verbergen, dass sie eigentlich ziemlich traurig war. „Aber manchmal bin ich doch glücklich“, erwiderte sie rasch. „Ich bin doch ganz normal“. Schon wieder dachte sie, dass sie sie für verrückt und durchgeknallt hielten. „Aber du bist appetitlos, du bist müde und sehr sensibel. Dein Körper schreit nach Hilfe, Sofia. Dr. Bell weiß was sie tut, du kannst ihr vertrauen. Alles was dort passiert, auch wenn es mit dem Unfall zutun hat, spricht sie nicht an, weil sie dich ärgern möchte. Sie spricht es an, weil sie auch wieder das glückliche, unbeschwerte Mädchen haben will. Deine Gedanken kreisen zu oft um das Negative“, fuhr er fort und seine Hand angelte nach ihrem Hasen. Er mochte das Tierchen irgendwie. „Ich esse doch“, war ihre ruppige Antwort auf all das, sie wurde ungeduldig. „Du isst, weil wir es von dir verlangen. Würden wir deine Portionen nicht kontrollieren, wäre es anders, oder“? Darauf antwortete Sofia nicht. Sie wusste, dass er Recht hatte. Es war nur eine schwere Kunst, sich dies auch einzugestehen. „Ich will aber nicht wieder zu ihr“, hielt sie weiterhin dagegen und ihr flatterndes Herz pochte schnell dabei. „Es tut mir Leid, Liebes, ich kann es dir nicht ersparen“, erwiderte auch Carlisle. „Irgendwann wirst du verstehen warum“.

„Ich will aber nicht“, weinte sie nun wieder und drehte sich mit dem Gesicht zur Wand. Anscheinend war er das nächste Opfer ihrer aufgewühlten Emotionen. Doch anstatt ihr verbales Konfliktpotential zu bieten, blieb er stumm und streichelte sanft ihren zugewandten Rücken. Nach anfänglichem Protest, ließ sie seine Berührung sogar zu. Doch es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis sich auch ihr schluchzen gelegt hatte. „Hast du dir weh getan“?, fragte er plötzlich, als er sich ihrer erneuten Ruhe sicher war. Ein wenig verstört wandte sie müde den Kopf zu ihm, als hätte sie nicht richtig verstanden. „Hast du dich gekratzt“?, bohrte er weiter und der Ausdruck in ihren Augen beantwortete ihm die Frage bereits. Sanft griff er nach ihren Unterarmen und schob den Stoff ein wenig höher. Sie hatte sich aus Stress tatsächlich wieder die Unterarme verkratzt, die Rötungen und Abschürfungen waren frisch. „Bitte tu das nicht“, bat er verletzt, gar so als hätte er Schmerzen dabei. Er fürchtete sich vor jenem Augenblick, wenn sie sich blutig kratzen würde oder ihr ihre Fingernägel nicht mehr ausreichten. Sie hatte diese Schmerzen nicht verdient. „Wieso tust du das, Sofia“? Er wollte sie wirklich verstehen. Betreten schob sie ihre Ärmel wieder runter. „Wenn ich es tue, dann ist der Rest für einen Moment egal“, erklärte sie leise und schämte sich, weil sie Carlisle wohl verängstigte. „Mach dir keine Sorgen“, wisperte sie deswegen schnell und griff nach seiner Hand. Sie war zu gut, zu lieblich. Wenn er gekonnt hätte, hätte er selber geweint. Er verstand sie nicht. "Ich mache mir große Sorgen", war seine sachliche Erwiderung darauf und das Mädchen blickte ihn aus ihren meeresblauen Augen schuldbewusst an. Sie hätte es ihm nie zeigen sollen, es hätte ihr Geheimnis bleiben sollen. "Bist du sauer auf mich"? Wieder sammelten sich Tränen in ihren Augen, sie sollten endlich aufhören all die aufreibenden, emotionalen Themen vor dem schlafen gehen zu besprechen. Er hatte das Gefühl, dass er sie allein mit seinen Worten nicht ausreichend beruhigen konnte. "Ich bin nicht sauer auf dich, Kleines. Ich...mache mir nur Sorgen, dass es schlimmer wird, verstehst du? Dich selber zu verletzen bringt dich nicht weiter. Im Gegenteil, deine Probleme werden größer und meine Sorge auch. Ich will nicht, dass du dir weh tust. Bitte höre auf damit. Wir können über alles reden". Sein sonst so schönes Gesicht war unheilvoll verzogen und sein Kummer schien direkt auf sie überzuströmen. Ihre innerliche Unruhe wuchs ins Unermessliche, während ihre Handflächen zu schwitzen begannen. "Ich will es ja gar nicht. Manchmal passiert es einfach, ich merke es nicht immer sofort". Erst wenn es verräterisch zu brennen begann, kam ihr Verstand wieder zu Bewusstsein. Wenn er sie zuvor nicht für absolut verrückt gehalten hatte, musste er es sicherlich jetzt tun. "Ich weiß, Kleines. Ich weiß", seufzte er betreten und lehnte sich erschöpft davon mit dem Rücken gegen die weichen Kissen neben ihr. "Vielleicht solltest du zu uns kommen wenn wieder etwas passiert, was dich traurig oder wütend macht. Es ist nicht einfach, aber so hätten wir das am besten unter Kontrolle", wandte er nachdenklich ein und Sofia drehte sich stumm auf den Bauch. Wenn sie es ihm nun versprechen würde, müsste sie es einhalten, oder? Und was, wenn sie es nicht konnte? Zweifelnd biss sie sich auf die Unterlippe. Vielleicht sollte sie sich doch an Dr. Bells Skills ausprobieren, sie mochte es nicht, wenn Carlisle oder Esme sich wegen ihr Sorgen machten.

Carlisle schien ihre Zweifel zu bemerken, sein Blick veränderte sich kaum merklich. "Wir sollten wann anders darüber sprechen, ich glaube dir wird es langsam zu viel", merkte er an und strich wie in Trance über ihren Handrücken. Sie hatte nichts dagegen einzuwenden, die Themen machten ihr zu schaffen und ehrlicherweise würde sie auch diese Sache gerne einfach verdrängen. Sie vertraute den Cullens noch nicht genug, um ihre Selbstkontrolle vollständig an sie abzugeben. Im Stillen kämpfte sie noch immer für sich alleine gegen den Rest der Welt. Sie blieb eine Weile stumm, während ihre Augenlider langsam zu flattern begannen. Ihr Kopf zog wohl gerade die Notbremse und schien ihren Körper geradewegs ins Land der Träume schicken zu wollen. Sie hatte nicht mehr die Kraft sich dagegen zu wehren. In einem letzen Impuls griff sie wieder nach Carlisles Hand. Sie fühlte sich eiskalt an, aber sie empfand es in diesem Moment nicht als unangenehm. Sie mochte Carlisle. Und mit ihm hatte sie das Gefühl, dass nichts schlechtes passieren konnte, es war ein merkwürdiges Gefühl von Vertrautheit und Zuneigung. "Träum schön", hörte sie ihn noch murmeln, ehe sie vollständig von Dunkelheit umhüllt wurde. Die goldenen Augen die in der Dunkelheit nachdenklich auf den Bäumen vor ihrer großen Glasfront aufblitzten bemerkte nur Carlisle.
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Wem diese Augen wohl gehören? :)
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