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Wendungen

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
Carlisle Cullen Edward Anthony Masen Cullen Esme Cullen Jasper Whitlock Hale OC (Own Character) Rosalie Hale
02.01.2020
10.10.2020
85
279.809
30
Alle Kapitel
387 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
12.04.2020 3.301
 
Hallo ihr Lieben,
passend zum Ostersonntag noch ein Kapitel. Ich hoffe es gefällt euch und ihr lasst mir fleißig Feedback da. Habt noch schöne Festtage und bleibt gesund. <3
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„Muss das immer sein“?, polterte Carlisle schon wenige Augenblicke später. Er war laut für seine Verhältnisse, nicht sonderlich beherrscht und irgendwie wütend. Aber das schien Rosalie nur noch mehr aufzustacheln, sie wollte mit dieser rotzfrechen, heulenden Göre nichts zu schaffen haben! „Ihr packt sie in Watte“, war deswegen ihre sehr hochnäsige Antwort. „Einer musste ihr doch mal die Leviten lesen. Sie tanzt uns auf der Nase rum“. Sie hatte hohe Ansprüche was das Verhalten eines Menschen anging, allerdings ging es hier um so viel mehr. Sofia war in der Lage, die ganze Familie Cullen auszulöschen, wenn sie auch nur das geringste ahnen würde und die Volturi Wind davon bekämen. Es wäre nicht nur das traurige Ende der Kleinen, sondern auch ihr eigenes. Man mochte ihrer distanzierten Persönlichkeit vielleicht viel vorwerfen können, doch Rosalie würde für ihre Familie sterben. Wer war Sofia also, die sich erlauben durfte sich derart penetrant in die Mitte zu drängen? Sich langsam aber sicher an sie zu gewöhnen, während die anderen total auf ihren Charme ansprangen? „Ach ja? Und was genau soll sie nun schon wieder getan haben? Ich habe nichts gehört“, verteidigte Carlisle das Mädchen, das weinend in ihr Zimmer gerannt war. Er würde sich wohl später um sie kümmern müssen, denn gerade hinderten ihn zu viele negative Emotionen daran, sich auch nur im Ansatz um ein weinendes Kind zu kümmern. „Sie war eben da“. Natürlich hatte Rosalie keine richtige Begründung für ihren Hass, aber das schien ihr ebenso egal zu sein wie die Worte, die sie wie Giftpfeile abgeschossen hatte. Jedes einzelne davon hatte sein Ziel nicht verfehlt und Sofia furchtbar klein werden lassen. „Du hättest sie sehen sollen! Bei jedem Wort hast du sie ein Stück mehr zerbrochen“, spuckte er weiter und sie prustete beiläufig dabei. Und wenn schon…in ein paar Stunden würde sie es sowieso wieder vergessen haben. Sie war nichts weiter als ein naives, dummes, weinerliches Ding, was sich nur von Tag zu Tag hangelte und nach elterlicher Aufmerksamkeit lechzte. Was wäre sie denn ohne sie? Noch immer würde sie in dieser Jugendgruppe sitzen und sich selbst in Selbstmitleid baden. „Carlisle, bist du wirklich so verschossen in die Kleine? Du merkst wirklich gar nichts mehr“, erwiderte sie kalt und ließ sich auf den Sofa sinken. Äußerlich wirkte sie ruhig, wenn auch innerlich ein Sturm tobte. „Ich sage es dir nur ungern, aber sie wird unser Ende sein. Diese Sofia ist eine Gefahr für unsere Art! Du wirst ihr nicht jahrelang etwas vormachen können. Spätestens in ein paar Monaten wird sie dahinter kommen, warum wir so sind, wie wir sind. Und dann“? Es war eine rhetorische Frage, sie sollte ihn dennoch zum nachdenken anregen und ihm bestenfalls in schlechtes Gewissen stürzen. „Und wenn du es nicht für uns einsiehst, dann sieh es wenigstens für das Mädchen ein. Irgendwann wird sie bluten und irgendjemand wird sich nicht unter Kontrolle haben. Hier ist kein sicherer Ort für Menschen“! Jasper wäre der erste, der sich in seiner Gier nach Blut nicht unter Kontrolle haben würde. Wenn das Feuer einst entfacht war, konnte man sie nicht mehr zurückhalten und an ihren Verstand appellieren. Wenn es in ihrer Kehle zu lodern begann, war es längst zu spät. Carlisle wusste das.  

„Willst du, dass sie stirbt? Oh, es wird ein tragischer Tod sein. Gebissen und ausgesaugt durch einen Vampir. Die Knochen gebrochen und der Schädel eingedrückt. Sie wird sich nicht wehren können, sie wäre uns schutzlos ausgeliefert. Stell dir bitte ihre schmerzerfüllten Schreie vor, wenn sich scharfe Zähne durch ihren Hals beißen, stell dir vor, wie sie dich mit kalten Augen anstarren wird. Denn dann wirst du dir wünschen, dass du dich niemals für diesen barmherzigen Samariter ausgegeben hättest, den du ihr vorspielst. Du wirst niemals der Ersatz für ihren Vater sein können, weil es unsere Art nicht erlaubt. Hör auf sie zu belügen, hör auf dieses Spiel zu spielen“, spie Rosalie wütend und wurde in ihrem Monolog nur unterbrochen, weil Carlisle mit der Faust auf den zarten Wohnzimmertisch geschlagen hatte. Er erzitterte und brach in der Mitte in zwei Teile. Er hatte sich selten so wenig unter Kontrolle. „Zügel deine Zunge, Rosalie“, warnte er knurrend und ihre goldenen Augen klebten förmlich auf dem Tisch. Sie schien ihn furchtbar wütend gemacht zu haben, aber war das nicht nötig? Sie hielt nichts davon, lange um den heißen Brei herumzureden und falsche Tatsachen zu beschönigen. Sie wollte weder das ihrer Familie die Sache über den Kopf wuchs, noch wollte sie irgendwann Sofias leblosen Körper vom Boden kratzen. Denn auch das Mädchen hatte Schutz und Sicherheit verdient. Nur eben nicht hier, sie waren gefährlich! „Es wird ihr nichts passieren. Wir haben uns alle unter Kontrolle“!Wütend tigerte er nun im Wohnzimmer herum, konnte allerdings nicht verhindern, dass Rosalies Worte Zweifel in ihm auslösten. Und was, wenn sie doch Recht hatte? Wie sollte er sich jemals verzeihen, wenn jemand hier die Kontrolle verlieren würde? Und doch, die leise, väterliche Stimme rüttelte ihn wach. In diesen wenigen Woche hatte er dieses Mädchen so gerne gewonnen, dass er es nicht übers Herz bringen würde, sie wieder abzugeben. Sie war so instabil, so verletzlich…im Heim würde sie verwelken. „Es ist nicht die klügste Entscheidung, die du getroffen hast“, mahnte die sie abschließend ein bisschen weniger provokant. Aber sie meinte jedes einzelne Wort so, wie sie es sagte. „Ich habe dich nicht nach deiner Meinung gefragt“, antwortete er und öffnete die Terrassentür ruppiger als nötig. „Du wirst sie nie wieder so verletzen, Rosalie. Halte dich von ihr fern, spare dir deine giftigen Worte und vor allem wirst du nie, nie wieder meine Entscheidungen anzweifeln! Du solltest dich schämen, es diesem Mädchen zusätzlich so schwer zu machen! Gewöhne dich endlich an sie. Sie bleibt“! Und mit diesen letzten Worten trat er an die frische Luft, sprang von der Veranda und verschwand in Vampirgeschwindigkeit im Wald. Er musste sich dringend abreagieren, ehe er wieder zurück ins Haus kehren würde. Er würde Esme so nur beunruhigen und Sofia zusätzlich verunsichern.

Es verging sicherlich eine Stunde, in welcher er ohne Ziel durch die Wälder streifte und sich im Einklang mit der Natur schneller allmählich beruhigt. Ohne Rosalies Provokationen kam ihm das Problem lächerlich klein vor. Sie achteten alle auf das Mädchen, wie sollte da tatsächlich etwas passieren können? Das Nasenbluten hatte auch ohne Zwischenfälle funktioniert, niemand hatte sie attackiert. Das nicht alle von ihnen anwesend waren, blendete er großzügig dabei aus. Ja, vielleicht machte ihn dieses hilflose Mädchen wirklich schwach und blind! Vielleicht wollte sein gutes Herz ihr tatsächlich helfen, weil er sich durch solche Taten gebraucht und geliebt fühlte. Und weil sie sich genauso danach sehnte, geliebt und akzeptiert zu werden. „Schatz“, ertönte plötzlich eine bekannte Stimme und ehe er sich umgewandt hatte, hatte sich Esme neben ihn auf den umgeknickten Baumstamm gesetzt, während sich ihre Arme vorsichtig um ihn schlangen. Er ließ ihre Zuneigung zu, seine geliebte Frau! Was würde er ohne sie tun? „Ich habe mir solche Sorgen gemacht“, wisperte sie leise und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. Sie hielt ihn eine Weile lang fest und ohne das sie etwas zu sagen brauchte, wurde er automatisch ruhiger. Esme hatte diese Eigenschaft, sie machte ihn vollkommen zahm. „Sag mir, Liebes... Machen wir wirklich einen Fehler? Bin ich egoistisch“? Seine goldenen Augen drückten Unsicherheit aus, vielleicht brachte er sie ja doch in Gefahr. Vielleicht war er ja wirklich verblendet? Vielleicht dachte er gar nicht an Sofia, sondern nur an sich und seinen grenzenlosen Drang nach Hilfsbereitschaft? "Wie könnte es jemals falsch sein ihr hier ein Zuhause zu geben? Carlisle, dieses Mädchen hat alles verloren, was man verlieren kann.Es wäre grausam ihr sich selbst zu überlassen, nur weil wir Angst vor uns selber haben. Niemand würde ihr absichtlich weh tun", begann sie einfühlsam und er merkte sofort, dass auch sie sich von diesem Mädchen verzaubern lassen hatte. Sie war ihr sogar noch viel früher verfallen als er selbst. So war das nicht geplant gewesen. "Absichtlich nicht", murmelte er gedankenverloren. Es schmerzte daran zu denken, dass es trotzdem passieren könnte. Sie waren gierige Bestien, schlicht gesehen würde es das Mädchen sicherlich verängstigen, wenn sie jemals herausfinden sollte, was sie waren. Sie war ohnehin so furchtbar ängstlich und verschreckt. "Denk nicht daran, Carlisle. Hör auf dir für etwas Vorwürfe zu machen, was noch gar nicht passiert ist. Vielleicht passiert es auch nie". Ihre zarten Hände strichen ihm über den Nacken, er war fürchterlich angespannt. "Sie hat einen betörenden Duft, Esme", seufzte er und schloss für einen Moment die Augen. Es tat gut, auch einmal schwach sein zu dürfen. Seitdem Sofia bei ihnen eingezogen war, hatte er immer den Fels in der Brandung gespielt. Dabei war es für ihn auch nicht einfach, für niemanden war es das. "Ich weiß, Darling. Ich weiß". Ihre Worte klangen tröstlich, auch wenn sie ihm keine Alternative boten. Trotzdem war er dankbar, dass sie hier war und ihn bekräftigte. Er wusste das sie ihm sagen würde, wenn sie einer anderen Meinung wäre. Er konnte sich auf sie verlassen.

"Ich weiß einfach nicht, was in Rosalie gefahren ist. Eigentlich hat sie eine Schwäche für hilflose, junge Menschen", murmelte Esme nachdenklich, während Carlisle ihre Hand drückte. Rosalie wünschte sich schon so lange ein Kind, jemanden, um den sie sich sorgen und kümmern konnte. Sofia war zwar kein kleines Kind mehr, aber um ehrlich zu sein war ihre jugendliche, naive Art bezaubernd. Ihr fehlte die Lebenserfahrung, die die Cullens so furchtbar sachlich und ruhig machte. Sie störten sich nicht mehr an den Kleinigkeiten, die für das Mädchen den Weltuntergang bedeuteten. Rosalie wäre im eigentlichen Sinn eine optimale große Schwester. "Sie stört sich an etwas", antwortete Carlisle müde."Ich werde in den nächsten Tagen noch einmal in Ruhe mit ihr reden". Ihr Gespräch, die geladenen Emotionen, waren keine gute Basis für eine gute Diskussion gewesen. Aber auch ihr wollte er ihren Starrkopf nicht immer durchgehen lassen. Erst jetzt merkte er, wie ähnlich sich Sofia und Rosalie wirklich waren. Wenn sie sich doch nur verstehen könnten, es würde alles so viel einfacher machen.
Sie starrten noch eine Weile in die Ferne, während Carlisle Finger sanft mit dem Haar seiner Frau spielten und der Mondschein langsam durch die Baumwipfel drang. "Wie geht es Sofia"?, fragte er plötzlich, als wäre ihm das gerade erst wieder eingefallen. Er hatte sich so sehr über Rosalie den Kopf zerbrochen, dass er das weinende Mädchen vollkommen in den Hintergrund geschoben hatte. „Sie hat sich in ihrem Zimmer eingeschlossen und macht die Tür nicht auf“, antwortete Esme mit bedauerlichem Unterton. „Alice versucht noch sie umzustimmen. Aber ich denke heute werden wir nicht mehr zu ihr durchdringen können, sie blockt vollkommen ab. Was ist bei Dr. Bell passiert“? Carlisle seufzte. „Das hat sie mir auch nicht erzählt. Aber sie hat geweint, als ich sie abgeholt habe. Sally meinte, sie hat mit der Konfrontation angefangen und sie ein wenig aus der Reserve gelockt. Höchstwahrscheinlich hat sie sich an den Unfall erinnert, sie wollte am Ende nicht mehr in mein Auto steigen“. Kurz brannten ihre kleinen Hände nach, die sich panisch in seinem Mantel verfangen und nach Trost gesucht hatten. Wie sie wohl vor dem Unfall gewesen war? „Ich sehe mal nach ihr, vielleicht macht sie ja auf“, begann er langsam und erhob sich vorsichtig, ehe er seine Frau ebenfalls auf die Beine zog und einen Arm um sie legte. „Sie mag dich“, erwiderte Esme nach ein paar Schritten. „Sie gibt viel Wert auf deine Meinung“.  

Esmes Worte flackerten warm und angenehm in seinem Brustkorb, ehe er schon wenige Augenblicke später mit ihr vor Sofias Zimmertür zum stehen kam. Alice besorgter Blick streifte ihn eindringlich, ehe sie ihm Platz machte. „Ich bin mit meinem Latein am Ende“, flüsterte sie traurig und erwiderte seine kurze, dankbare Umarmung, ehe sie im Wohnzimmer verschwand. „Sofia“?, fragte Carlisle nach einem eindringlichen Blick mit Esme nun lauter und er hob die Hand, um sachte an ihre Tür zu klopfen. Sie reagierte nicht auf ihn, trotzdem hörte er ihr Herz leise wummern. Es war jedoch zu schnell, als das sie tatsächlich schlafen konnte. „Sofia, bitte antworte mir wenigstens. Ich würde gerne kurz mit dir reden, die Situation vorhin war ungeschickt“, versuchte er es weiter und und lauschte angestrengt durch die Tür. Sie schien sich ein wenig zu regen, obwohl sie sich entschlossen haben musste, nicht mit ihm zu sprechen. Tatsächlich lag ihr schlanker Körper mutlos auf dem flauschigen Teppich vor ihrem Bett. Was sollte das alles noch für einen Sinn haben? Sofia fühlte sich nicht bereit dazu, sich den Cullens zu stellen. „Es sind nur Esme und Ich hier.  Du brauchst keine Angst zu haben, Liebes“, hörte sie ihn weiter sprechen, während seine Stimme sanft in ihren Ohren nach klingelte. Sie wollte so gerne von ihnen gemocht werden, das nun genau das Gegenteil der Fall war. Rosalies wütende Worte beinhalteten sicherlich nicht nur Lügen, oder? Vielleicht war sie wirklich nur eine Last? Ein Schmarotzer, der sich in fremde Familien drängte? „Ich will nur sehen, ob es dir gut geht, Kleines. Wenn du vielleicht für nur zehn Sekunden die Tür öffnest? Nur für einen kleinen Moment? Und wenn du dann nicht reden willst, lassen wir dich bis morgen in Ruhe, versprochen“, sprach er sanft und leise weiter auf sie ein. Innerlich hatte er dennoch Angst, dass sie sich wieder die Arme aufkratzen oder sogar etwas schlimmeres tun würde. Verzweifelt genug war sie ja. „Bitte“, schob er eindringlich hinterher und vernahm ein paar Augenblicke später tatsächlich leise Schritte hinter der Tür. Sie schien sich endlich zu bewegen. Nur wenig später öffnete sie die Tür einen ganz kleinen Spalt weit und seine sanften, goldenen Augen suchten nach ihren blauen. Sie hatte ein verquollenes, gerötetes Gesicht und verweinte Augen, während sie so aussah, als hätte sie direkt mit dem Teufel kommuniziert. Noch immer sagte sie nichts und es war die vollkommene Leere in ihrem Ausdruck, was ihm zu schaffen machte. Er hatte mit einem Ausbruch gerechnet, mit viel Wut und Enttäuschung, mit Trauer. Doch diese Reaktion war seltsam. „Geht es dir gut, Liebes“?, fragte er unsicher und seine Hand vergrößerte den Spalt in der Tür um das Doppelte. Sie ließ es geschehen, während er sie nach möglichen Verletzungen scannte und Esme vorsichtig die Hand nach ihr ausstreckte. Er konnte kein Blut riechen. „Dürfen wir rein kommen“?, fragte sie sanft und das Mädchen  zuckte daraufhin unbeteiligt die Schultern. Sofia wusste gar nicht, weshalb sie ihnen die Tür überhaupt geöffnet hatte, sicherlich würden sie sich nun nicht mehr abwimmeln lassen und unangenehme Fragen stellen. Dabei stand ihr Kopf kurz vorm platzen. Noch mehr Input würde sie heute nicht mehr ertragen können. „Du siehst blass aus, Liebes“, stellte Carlisle sporadisch fest und diesmal sah sie ihm sogar direkt in die Augen. „Ihr auch“, erwiderte sie daraufhin zum ersten Mal und brachte ihn damit ein ganz kleines bisschen zum schmunzeln. Die Blässe würde bei ihnen allerdings auch nie vergehen. „Wir waren wohl alle ein wenig in Panik“, antwortete ihr Esme, die vorsichtig ihren Rücken streichelte. „Wegen mir“?, fragte Sofia mit belegter Stimme und angsterfüllten Augen. Carlisles ehrliches Nicken brachen bei ihr alle Dämme. Ungewollt liefen ihr die Tränen schon wieder über das Gesicht und vernebelten ihr die klare Sicht.

"Tut mir leid", weinte sie betreten und entlockte Esme somit einen bedrückten Laut. Dieses Mädchen war so voller Trauer, dass es direkt ungefiltert auf sie überging. "Schätzchen, sollen wir uns vielleicht setzen"?, wandte Esme ein, die ihr beruhigend die Tränen von den Wangen wischte. "Dann können wir reden". Entgegen ihrer Erwartung, dass sie sich nun vollkommen gegen ein Gespräch sträuben würde, ließ sie sich mutlos auf dem weichen Teppich sinken, auf welchem sie vorhin schon gelegen hatte. Etwas verwirrt, aber dennoch überzeugt von ihrer Kooperation ließen sich Esme und Carlisle links und rechts neben ihr nieder, während Esme ihre zierliche Hand hielt und mit dem Daumen beruhigende Kreise auf ihren Handrücken malte. "Wir müssen uns für Rosalie entschuldigen. Sie ist sehr launisch", begann nun Carlisle, der betreten auf das Mädchen herab starrte und sich seine Worte sehr genau zu überlegen schien. "Aber wir wollten dir sagen, dass wir dich gerne hier bei uns haben und wir dich auch nicht wieder hergeben werden. Das ist vollkommener Quatsch gewesen. Rosalie ist manchmal...sehr unfair. Das hat aber nichts mit dir zu tun, Liebes". Unsicher holte sie Luft. "Aber warum mag sie mich denn nicht"?, wandte sie ein und man erkannte, dass ihr diese zusätzliche Kriegsfront mehr zusetzte als er vielleicht geglaubt hatte. "Ich meine, ich habe ihr doch nichts getan. Wieso ist sie immer so gemein"? Vorsichtig steckte Carlisle ihr eine blonde, verirrte Strähne hinters Ohr. "Sie ist manchmal selber nicht zufrieden mit sich selbst. Gib ihr noch etwas Zeit, dann sieht alles ganz anders aus". Das konnte sie nicht glauben, aber sie erwiderte nichts darauf. Sie war zu müde, als dass sie ihre letzten Kraftreserven noch für so etwas opfern könnte. "Vielleicht werdet ihr mal wirklich gute Schwestern", versuchte nun auch Esme, die Stimmung zu lockern. "Ich glaube nicht", war Sofias schlichte Antwort. Sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie sich einmal mit Rosalie ganz normal unterhalten würde. Ihre starre Mimik wirkte immer so furchtbar angsteinflößend und bedrohlich. Alles an ihr schrie nach Abneigung. Wie sollten sie da jemals etwas wie Schwestern werden? "Geht es dir wirklich gut, Kleines"?, fragte Carlisle, als Sofia ergeben ihren Kopf auf den angezogenen Knien bettete und bedrückt schwieg. Sie war so ruhig für ihre Verhältnisse. Ob sie ihm sagen konnte, dass sie Kopfschmerzen hatte? Heute Mittag hatte er auch nur an eine Ausrede geglaubt. "Mein Kopf", wimmerte sie dennoch leise und er nickte verstehend, ohne das sie es sah. "Hast du noch immer Kopfschmerzen"?, fragte er weiter und seine kühle Hand legte sich kurz auf ihren Haaransatz. Ihre Schläfen, ihre Schädeldecke schienen bei der Berührung explodieren zu wollen. Unweigerlich zuckte sie zusammen, während er sanft seine Arme unter sie schob. "Der Tag war auch anstrengend, Liebes. Vielleicht solltest du schlafen gehen, was meinst du"? Er hob sie an und legte sie sanft im Bett ab, ehe sie sich hektisch wieder aufrappelte. "Ich muss mich noch umziehen", warf sie müde ein und verschwand für ein paar Minuten im Bad.
Esme hatte sich mittlerweile auf den Weg in die Küche gemacht, um ihr ein Glas Wasser zu holen, während Carlisle die Decke zurückschlug und das große Licht im Zimmer löschte. Die Lichterketten warfen angenehme Schatten an die Wände.

"Carlisle"?, fragte ihre leise Stimme plötzlich wieder und er sah sie auffordernd dabei an. "Ja, Liebes? Was ist"? Er ließ sich auf der Bettkante nieder. "Darf ich hier wirklich bleiben"? In ihrem Gesicht lag Sorge, dachte sie wirklich sie würden sie beim nächsten Konflikt mit Rosalie einfach wieder im Heim abgeben? "Natürlich. Rosalie hat das nicht zu entscheiden", warf er ein und es überraschte ihn, dass sie sich mit wenigen, schnellen Schritten in eine seiner kühlen Umarmungen flüchtete. Sanft drückte er sie an sich, während sie ihr Gesicht an seiner Brust verbarg. "Versprichst du es"?, bohrte sie traurig weiter, er überlegte einen Moment zu kurz für eine Antwort, er wollte sie nicht enttäuschen. "Versprochen", wiederholte er leise. Die innerliche Panik, dieses Versprechen vielleicht nicht einhalten zu können, schmerzte schon in der nächsten Sekunde furchtbar in seinem Herzen.
Hatte er seinen Verstand verloren?
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Ich hoffe es hat euch gefallen, Rosalie war hier nochmal richtig doof, oder?
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