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Wendungen

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
Carlisle Cullen Edward Anthony Masen Cullen Esme Cullen Jasper Whitlock Hale OC (Own Character) Rosalie Hale
02.01.2020
10.10.2020
85
279.809
30
Alle Kapitel
387 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
10.04.2020 2.402
 
Hallo ihr Lieben,
heute lade ich das Kapitel etwas früher hoch, da ich über die Ostertage Nachtschicht habe. Ich hoffe es gefällt euch und ihr lasst mit Feedback da.
Ich wünsche euch einen schönen Karfreitag <3
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Sie wollte hier weg. So schnell wie möglich einfach nur weg.
Dr. Bell hatte ihr schwaches Vertrauen für ihre gemeinen Spielchen ausgenutzt und nun fühlte sie sich traumatisierter und trauriger als zuvor. Sollte das der Sinn ihrer Therapie sein? "Komm", forderte Carlisle leise als er sich erhob und ihr seine Hand anbot. Er merkte, dass sie sich hier ohnehin nicht weiter öffnen würde. Es würde keinen Sinn machen, ihr nun den Wunsch auszuschlagen nach Hause zu fahren. Ohne zu zögern griff sie nach ihm und ließ sich so auf die zittrigen Beine ziehen. Sie fühlten sich an wie Wackelpudding. "Wir sollten uns trotzdem noch verabschieden, was meinst du"?, wagte er einen weiteren Schritt und ehe sie sich die richtigen Worte überlegt hatte, erkannte sie Dr. Bell an ihrem Schreibtisch sitzen. So viel großzügigen Freiraum hatte sie ihnen also doch nicht gewährt. Auffordernd hielt sie ihr die gelbe Mappe entgegen. "Ich weiß das ich dich heute sehr gefordert habe, Sofia. Bitte denke daran, was wir besprochen haben. Wenn dein Druck nun zu groß wird, versuche dich ruhig an der Liste", erklärte sie sachlich, während ihre Augen sich intensiv auf Sofia legten. Sie ahnte, dass sie sie nun vertrauensmäßig wieder zurückgestoßen hatte. Die Konfrontation mit erlebten Geschehnissen erschien den meisten Betroffenen in den ersten Sitzungen als gemein und schmerzhaft. Aber es war notwendig, um mit den Erinnerungen umgehen zu können. "Vielleicht erzählst du ja Carlisle, was du gesehen hast", setzte die Psychologin weiter fort und blinzelte dabei sanft. "Trotzdem wäre es schön, wenn du dir nochmal Gedanken darüber machst, damit wir nächste Woche daran anknüpfen können. Wenn es dir hilft, kannst du es auch malen". Das hätte sie wohl gerne! Abweisend trat sie einen Schritt zurück und verbarg ihren Körper somit kindlich hinter Carlisle. Sie wollte hier nie wieder zurückkehren. Also würde sie sicherlich auch keine Bilder malen, damit Dr. Bell in sieben Tagen Salz in die Wunde streuen konnte. Sie würde ihr keine Chance mehr geben, hinter ihre Fassade zu blicken. "Vielen Dank, Sally. Wir werden sehen wie wir das regeln", übernahm nun Carlisle und Sofia lehnte dabei dankbar ihren Kopf gegen seinen Rücken. Die Kopfschmerzen waren stärker geworden und noch immer fühlte sie sich so eigenartig müde, dass sie sich selbst über sich wunderte. Ob es tatsächlich an dieser blöden Fantasiereise lag, dass sie sich fühlte wie ein Stein? Carlisle und Sally unterhielten sich noch kurz, was Sofia jedoch nicht weiter verfolgte. Das rauschen in ihren Ohren, der leichte Geruch nach Benzin waren noch zu prägnant, als dass sie für diese Worte tatsächlich zugänglich gewesen wäre. Erst als er sich verabschiedeten, regte sich auch das Mädchen. Sie selbst hatte keinen Gruß für die Psychologin übrig, in ihr wallte der Hass und die Enttäuschung über ihre eigene, naive Dummheit. Wie hatte sie auch denken können, dass es eine entspannte Fantasiereise werden würde?

Langsam ging sie neben Carlisle her, sie hatte den Weg zum Ausgang vergessen. Er hätte sie sonst wohin bringen können, sie wäre schon wieder in diese dumme, naive Falle getappt. Trotzdem fühlte sich Carlisle Arm um ihre schmächtigen Schultern seltsam vertraut an, er würde ihr Vertrauen niemals ausnutzen. Oder hatte er das bereits getan, indem er sie heute schon wieder zu einer Sitzung gedrängt hatte? Er schien nicht sonderlich überrascht über ihren Zustand. Ihr gemeinsamer Weg führte sie dennoch zum Parkplatz und Carlisle schloss in einer beiläufigen Bewegung seines elektronischen Schlüssels den Wagen auf. Sie rührte sich keinen Meter. Sollte sie sich nun schon wieder ins Auto setzen? In jenes Fahrzeug, was ihr ganzes Leben zerstört hatte? "Ich kann nicht", hauchte sie weinerlich, als er ihr die Tür aufhielt und ihr Herz schien einen nervösen, wummernden Takt vorzugeben. Sie hatte Angst, nein gar Panik, dass sich nun etwas wiederholen würde, was sie auf keinen Fall nochmals erleben wollte. "Liebes, ich fahre immer vorsichtig. Du kannst mir zu 100 Prozent vertrauen", versuchte er sie zu beruhigen und wirkte etwas bestürzt dabei, dass sie nun nicht einmal in sein Auto steigen wollte. "Und wir fahren nur durch die Stadt, höchstwahrscheinlich stehen wir sowieso im Stau und können so gar nicht schnell fahren. Hab keine Angst". Er drückte sie sanft an seine Brust und konnte sich nur noch wage an seine mahnenden Worte erinnern die er zuvor an seine Familie gerichtet hatte. Es war vor allem in solchen Situationen nicht möglich, sich körperlich von ihr zu distanzieren. Es wäre herzlos sie nur mit Worten zu trösten, während sie sich unfassbar verloren dabei vorkam. Er brachte es nicht über sich, sie so alleine zu lassen. "Und wenn doch etwas passiert"?, schluchzte sie. Anscheinend schien sie alle Szenarien durchzugehen. "Und du dann auch stirbst"? Bedauernd hielt er ihren Hinterkopf, spürte ihre weichen Haare an seiner Haut kitzeln. Er würde niemals bei einem Autounfall sterben können. Manchmal fragte er sich, ob es sie solch ein Wissen beruhigen oder noch mehr verängstigen würde. "Wir werden keinen Unfall haben", flüsterte er ruhig. Seine Reflexe waren zu gut, seine Sinne zu scharf und sein Auto mit der modernen Vollausstattung und all dem Schnick Schnack ziemlich sicher. "Wenn du möchtest, kannst du dich auch neben mich setzen. Dann bist du nicht alleine dort hinten", schlug er vor, aber diesen Vorschlag unterband sie mit heftigem Kopfschütteln. Dieser Beifahrersitz war die zentrale Problematik ihrer Angst. Denn dort hatte sie ihren Vater sterben sehen.

Carlisle redete ihr noch einige Minuten gut zu, ehe sie sich doch unsicher auf die Rückbank sinken ließ. Schlussendlich wollte sie jedoch wirklich hier weg und Carlisle hatte ihr mit seinem Fahrstil noch nie zu verstehen gegeben, dass er unvorsichtig war. Trotzdem flimmerten ihre Augen ängstlich zur Straße, wann auch immer er Gas gab oder abbremsen musste. "Zuhause hatte ich ein Fahrrad", murmelte sie nach einer halben Ewigkeit plötzlich und Carlisle warf ihr einen verwunderten Blick über den Rückspiegel zu. Die ganzen Strecken mit dem Fahrrad zurückzulegen würde eine Menge Mühe und Zeit bedeuten, immerhin lag ihr Haus sehr außerhalb. Abgesehen von seinem mangelnden Wissen über ihre Kondition, wollte er auch vermeiden, dass sie die Autos dadurch häufiger meiden würde. Sie sollte sich langsam wieder daran gewöhnen, sich in ihnen sicher zu fühlen. Er wollte nicht das es zur Gewohnheit wurde, dass sie vor ihren Problemen stetig davonlief. Trotzdem stieg er drauf ein, um sie nicht direkt vor den Kopf zu stoßen. "Was?! Du willst mich alten Mann doch nicht etwa auf ein Fahrrad steigen lassen, um dich dann zu begleiten, oder"? Er wollte ihr nicht direkt auf die Nase binden das er damit die Termine bei Dr. Bell meinte. Aber genau das meinte er. "Doch", antwortete sie prompt und ganz kurz blitzte ein Lächeln über ihre Lippen. Er wirkte so schockiert und theatralisch dabei, dass sie die Vorstellung davon eigentlich ganz witzig fand. Allgemein passte sein ganzes, äußeres Erscheinungsbild eher zu seinem protzigen Mercedes als auf ein Fahrrad. "Einmal musst du es ausprobieren", erwiderte sie und langsam schienen sich die blutigen Bilder wieder zu klären. "Weil ich nämlich auch immer Auto fahren muss. Dann sind wir quitt". Sie hatte es wirklich faustdick hinter den Ohren! "Wenn du willst, kannst du dich auch auf den Gepäckträger setzen. Dann musst du dich gar nicht anstrengen". Dieses Mädchen! "Dafür bin ich zu schwer", schloss er ab und entlockte ihr ein zweites Lächeln. "Also fährst du selbst", war ihre kecke Antwort und er nickte wohl oder übel ergeben. Sie hatten sogar Fahrräder in der Garage stehen, weil die Kinder für einen Schulausflug welche benötigt hatten. Alice Fahrrad würde von der Größe sogar passen. Und wenn es sie glücklich machen würde? Wieso eigentlich nicht?

Es dauerte nicht mehr allzu lange, ehe Carlisle seinen Wagen in der Garage parkte und den Motor abstellte. Irgendwann war das Gespräch zwischen ihnen wieder erstorben und Sofia hatte ihren Kopf ergeben an die Kopfstütze gelehnt. Ihr Kopf hämmerte noch immer in schmerzhaften Impulsen, während sie sich fühlte als könnte sie sofort und auf der Stelle einschlafen. Sie hatte keine Kraft mehr, sich noch lange auf den Beinen zu halten. Dabei war es erst früh am Abend und das Wochenende, zum allerersten Mal ohne Hausarrest, stand vor der Tür. Das sollte sie ausnutzen bevor sich Esme und Carlisle es noch anders überlegen konnten oder sie wieder eine unsichtbare Grenze überschritt. "Carlisle"?, fragte sie deswegen wieder, als sie aus dem Auto stieg, um seine Aufmerksamkeit zu erhaschen. "Habe ich wirklich keinen Hausarrest dieses Wochenende"?  
"Nein, Liebes. Bisher hast du nichts angestellt", antwortete er scherzhaft und verriegelte das Auto. "Was willst du am Wochenende tun"? Diese Frage überforderte sie ein wenig, die letzten Wochen hatte sie nicht die Möglichkeit gehabt, sich Forks näher anzusehen. So kannte sie bisher auch nur die Schule, das Waldstück neben dem Haus und das Shoppingzentrum in Port Angeles. Ahnungslos zuckte sie also die Schultern. "Vielleicht haben ja die anderen eine Idee", ermutigte er und ging die Treppen voraus nach oben. Vielleicht hatten sie das ja wirklich, allerdings wäre es ihr für heute lieber, in Ruhe gelassen zu werden und ihre Müdigkeit auszuschlafen. Diese Rechnung schien sie allerdings ohne die Cullens gemacht zu haben. Beinahe sofort als Sofia den ersten Schritt in den Wohnbereich gesetzt hatte, hüpfte Alice ihr entgegen. "Hey, hast du Lust mit Esme und mir Kuchen zu backen"?, quietschte sie trällernd und sie war schon im Begriff sie einfach an der Hand zu packen und mit sich zu ziehen, hätte Carlisle sich nicht zwischen sie geschoben. "Nun lasse sie doch erst einmal ankommen, Alice", mahnte er und schob sie zurück in die Küche, um dort auch seine Frau zu begrüßen. Er wollte der Kleinen die Chance geben sich zu sammeln, bevor sie wieder mit neuen Eindrücken überrannt wurde.

"Was ist DAS denn für eine Jacke"?, ertönte da allerdings plötzlich Rosalies Stimme und schon zupften ihre blassen Finger an Sofias Ärmel, welchen sie ihr wütend entzog. "Eine ganz normale Regenjacke", erwiderte sie genervt. Die neue hatte ihr ja leider Lola entwendet. "Sie sieht aus wie ein hässlicher Sack"! So wie sich Rosalie vor ihr aufbaute wirkte sie bedrohlich und Sofia kam nicht umhin, sich neben ihr unattraktiv und unbedeutend zu fühlen. Nur war es so nötig, ihr das nach diesem ganzen Stress noch so deutlich unter die Nase zu reiben? Die letzten Wochen hatte sie sie doch auch in Ruhe gelassen? "Wo ist die Jacke, die wir dir gekauft haben? Denkst du, wir schmeißen unser Geld für dich aus Spaß aus dem Fenster"? Ihre gemeinen Worten ratterten unangenehm in ihrem schmerzenden Kopf nach und Rosalie kam ihr so nah dabei, dass Sofia langsam wirklich Angst bekam. Wieso war sie so wütend? "Ich habe...", setzte sie stotternd an, wurde aber von zischenden Flüchen unterbrochen. "Was hast du? Hat es dir die Sprache verschlagen oder was"? Als könnte Rosalie es selbst nicht glauben, wandte sie sich kurz von dem Mädchen ab, nur um sich dann nochmals zu ihr umzudrehen. Die Kleine blinzelte ihr verletzt und ängstlich entgegen, aber auf das Kücken nahm sie keine Rücksicht. "Mit der neuen Kleidung hast du wenigstens ein bisschen zu uns gepasst. Aber das konntest du wohl nicht schätzen", überhäufte sie sie mit Vorwürfen. "Weißt du wie man Leute wie dich nennt? Leute, die denken auf den Kosten von Anderen leben zu können und sich in fremde Familien drängen"? Kurz ließ sie ihr Zeit, die Frage zu verarbeiten, bohrte ihr dabei allerdings schmerzhaft ihren lackierten Zeigefinger in die Brust. "Schmarotzer"! Als hätte Rosalie verbal geohrfeigt, stammelte Sofia unkenntliche Worte. Sie hatte sich die Sachen doch nicht absichtlich klauen lassen. Und sie wollte die Cullens auch nicht ausnutzen, das hatte sie noch nie gewollt. "Rose", ertönte Esmes strenge Stimme. Sie war mittlerweile dazugestoßen, dicht gefolgt von Carlisle und Alice, die sie einen ähnlich vorwurfsvollen Blick musterten. Sofia verstand das jedoch völlig falsch. War sie denn wirklich so schlimm? Nutzte sie die Cullens wirklich nur aus? Und wieso konnte Rosalie sie einfach nicht leiden? Rosalie reagierte jedoch nicht, ihr goldener Blick klebte wütend auf dem Mädchen. Sie war noch nicht fertig, ihre schlechte Laune an der grauen Maus auszulassen. "Denk dran, wir sind nicht deine Familie. Du gehörst hier nicht her und wahrscheinlich geben dich Carlisle und Esme schneller wieder weg als du denken kannst. Ich zumindest wäre ziemlich froh darum, nicht mehr ständig auf ein schwer erziehbares Kind aufpassen zu müssen"! Schnippisch verschränkte sie die Arme, während Sofia immer kleiner zu werden schien und aufkommende Tränen ihr die Sicht versperrten. Rosalie hatte wirklich die Eigenschaft alles um sich herum in Schutt und Asche zu legen. "Es reicht jetzt, Rosalie", erklang nun auch Carlisles Stimme und er packte sie von hinten am Arm, um sie aus Sofias Nähe zu ziehen. "Also ich habe sie gern", mischte sich nun auch Alice ein, die die Tränen in ihren Augen als Erste glitzern sah. Ihr Kompliment half trotzdem nicht, sich besser fühlen zu lassen. Im Moment fühlte sie sich wertlos und ungeliebt, vielleicht hatte Rosalie ja wirklich Recht. Vielleicht sahen die anderen das auch so. "Und jetzt heult sie wieder", waren die abschließenden Worte der Blondine, die sich mittlerweile von Carlisle losgerissen und im Wohnzimmer verschwunden war. Ihre Laune hatte sich seit dem letzten Gespräch über Sofia drastisch verschlechtert.

"Liebes, sie meint es nicht so", versuchte Esme Sofia zu beruhigen, die mittlerweile schützend die Arme um ihren Körper geschlungen hatte. Sie weinte stumme Tränen, während ihr Oberkörper in unregelmäßigen Abständen bebte. Carlisle ging mittlerweile mit erhobenen Händen auf sie zu, doch sie wich ihm aus, kurz bevor er sie berühren konnte. "Ich habe es mir nicht ausgesucht", flüsterte sie traurig und ging stumm und langsam an ihm vorbei die Treppen nach oben. Ihre Zimmertür sperrte sie diesmal ab. Sie wollte keinen der Cullens mehr sehen.
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Rosalie versucht nun eigenhändig Sofia wegzuekeln und trifft dabei wie immer über die Strenge. Gemein, oder?
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