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Wendungen

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
Carlisle Cullen Edward Anthony Masen Cullen Esme Cullen Jasper Whitlock Hale OC (Own Character) Rosalie Hale
02.01.2020
10.10.2020
85
279.809
30
Alle Kapitel
387 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
24.03.2020 2.282
 
Hallo ihr Lieben,
hier ist auch schon das neue Kapitel. Vorsicht: Es wird emotional und traurig.
Ich würde mich sehr über euer Feedback freuen.
Fühlt euch gedrückt.
Haypoint ;)
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Als es krachte war es längst dunkel um sie.
Den schmerzhaften Aufprall ihres Kopfes spürte sie erst, als sie nach einigen Minuten wieder zu Bewusstsein kam und sich nicht mehr orientieren konnte. Dennoch pochte der Schmerz scharf durch ihre Schläfen, durch ihren gesamten Körper, als wären sie geradewegs auf eine Betonmauer zugefahren. Sofia realisierte nicht sofort, dass der verunglückte Wagen mit weißen Ballons ausgefüllt war, sie wusste in jenen Momenten gar nichts mehr. Durch den Schwung war das alte Auto auf dem Dach zum liegen gekommen und in der Luft lag der Geruch von Benzin und heißem Gummi. Noch nie zuvor in ihrem Leben hatte sich Sofia so furchtbar hilflos, so verletzlich gefühlt wie in jenem Moment, als sie die Augen wieder geöffnet hatte. Sie hingen kopfüber und der stetige Druck durch die strammen Gurte nahm ihr die Luft zum atmen. Noch nie hatte sie solche unvorstellbare, klemmende Angst gehabt. An ihren Händen klebte Blut. "Daddy", weinte sie und schwerfällig tastete ihre Hand in jene Richtung, in welcher sie ihren Vater vermutete. Tränen mischten sich zu dem Blut in ihrem Gesicht und nahmen ihr die klare Sicht. Sie konnte ihn röcheln hören, als sie seinen Arm zu berühren schien. Sie machte sich fürchterliche Sorgen um ihn. "Daddy", wiederholte sie und ganz schwach tastete nun auch seine Hand nach ihr, bekam ihre blutigen Finger zu greifen und baute schwachen Druck darauf auf. Er lebte! "Raus", hörte sie ihn dumpf murmeln. "Wir müssen...raus". Sofia verstand nicht, begriff nicht was er meinte. Ihr Kopf fuhr Karussell während sie sich angestrengt durch die Augen wischte und das Gesicht zu ihrem Vater umwandte. Er sah furchtbar aus! Überströmt mit Blut sah er nicht aus wie jener Mann, den sie als ihren Vater in Erinnerung hatte. Unvorbereitet traf sie diese Kälte, die sie seitdem nicht mehr zu verlassen schien. Die Angst, ihren Vater zu verlieren stieg ins unermessliche und nahm ihr auch die letzten rationalen Gedanken. Sie hörte sich noch selbst verzweifelt weinen, als außerhalb der Fensterscheiben plötzlich Radau ausbrach. Blaulicht blitzte durch die leicht getönten Scheiben des Autos, während sich zusätzliches Stimmengewirr in ihren Gehörgang mischte und einen unverständlichen Klumpen ergab. Sofia wusste nicht was sie tun sollte, also klammerte sich ihre Hand an ihn wie an einen Ertrinkenden, doch sein eigener Händedruck wurde sekündlich schwächer. Er fühlte sich plötzlich so furchtbar schwer an, hatte er seine Position jedoch gar nicht verändert. "Daddy, ich habe Angst", flüsterte sie wieder, diesmal panischer und sie schaffte es dabei, ein letztes Mal seinen blauen Blick einzufangen. "Ich habe dich so lieb, Sofia", hauchte er eigenartig röchelnd, ehe ihm die Augen für immer dunkel werden sollten.


Der seelische Schmerz der plötzlich durch ihren Körper zuckte war so allgegenwärtig, dass es das Mädchen ruckartig aus dem Traum riss. Umhüllt von Dunkelheit hörte sie eine schrille Stimme um ihr Leben schreien, während ihr Kopf in Flammen zu stehen schien. Sie konnte ihr Herz förmlich nochmals knacken hören, während die Schreie immer lauter anschwellten. "NEIN", hörte sie die Stimme brüllen und sie wälzte sich furchtbar hektisch durch die Laken dabei, weil sie das Gefühl hatte ertrinken zu müssen. Die Schwärze legte sich eindrücklich auf sie und wenn sie es nicht besser wüsste, erstickte sie gerade an ihrer eigenen Dunkelheit. "NEIN", hallte es erneut durch den Raum, ehe sie die Kälte überkam. Sie kroch ihr die Arme nach oben, verharrte dort einen Moment ehe sie ihr zu Kopf stieg. So musste sich sterben anfühlen! Und niemand war da, um ihr wenigstens die Hand zu halten!
"Sofia", erklang eine laute, gar deutliche Stimme durch die Mauer der Panik. Sie konnte nur nicht identifizieren woher sie kam. Als würde eine Horde Elefanten durch ihren Brustkorb galoppieren, schlug ihr Herz immer schneller und heftiger gegen das knöcherne Gerüst und bereiteten ihr dabei Schmerzen, denen sie sich noch nie zuvor in ihrem Leben bewusst gewesen war. Als würde sie geradewegs durch das Fegefeuer wandern. Barfuß.
"Sofia, bitte beruhige dich"! Die Eiseskälte fröstelte mittlerweile durch ihren gesamten Körper, während sie noch immer um sich strampelte als müsste sie dem Tod trotzen. Als müsste sie sich aus seinen Fängen befreien und davonrennen so schnell sie konnte.

Ein dumpfes, knallendes Geräusch und ein brennender Schmerz auf ihrer Wange half nicht sie realisieren zu lassen, dass Carlisle sie soeben aus ihrem Wahn geohrfeigt hatte. Trotzdem riss sie aus Reflex die blauen Augen auf und blinzelte in grelles Zimmerlicht, während sie jemand mit deutlicher Anstrengung auf der Matratze hielt. Das es Carlisle war, realisierte sie erst, als der Tränenschleier sich etwas lichtete."Sofia,bitte beruhige dich wieder", hörte sie ihn sagen und erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie geschrien haben musste. Sie war die Stimme gewesen, die panisch den Schmerz aus ihren Lungen gebrüllt hatte, während bunte Farben vor ihren Augen tanzten. Kraftlos gab sie ihren Kampf auf, begann nun aber noch heftiger zu weinen. Carlisle sah für einen Moment schockiert auf sie hinab, ehe er ihre Handgelenke langsam freigab und sie sich aufrappelte, als wäre sie soeben einfach hingefallen. Ihr wilder Puls und der unregelmäßige Atem schienen auch ihn anzustrengen, während sich ihre Blicke für einen Moment trafen. Sie wusste nicht, wieso sie sich nun ausgerechnet ihm in die Arme warf, allerdings war seine Anwesenheit für jenen Moment furchtbar tröstlich. "Carlisle", schluchzte sie furchtbar aufgelöst und sie drückte ihren zittrigen Körper so dicht an ihn, als könnte nur er sie retten. Es war überraschend und gleichzeitig so bewegend, auch für ihn. Ihre weichen Haare kitzelten ihn im Gesicht und ihre erhitzte Haut brannte auf seiner kalten furchtbar ungewohnt. Allerdings legte er seine starken, beschützenden Arme ohne zu zögern um sie, während er minutenlang beruhigend auf sie einsprach. Das Mädchen schien sich allerdings nicht beruhigen zu können. "Shhhhh", flüsterte er leise und er wiegte sie sachte, während er ihr mit einer freien Hand sanft über den Hinterkopf strich. "Du hast nur geträumt, Liebes. Das war alles nur ein Traum. Beruhige dich". Es war ein ewig wiederkehrendes Mantra, doch Carlisle schien nicht müde zu werden, ihr die selben Worte immer wieder ins Ohr zu flüstern, während Sofia minutenlang ihre Ängste aus sich heraus weinte.

So verharrten sie sicherlich eine halbe Stunde in dieser Position, ehe Sofias Herzschlag sich langsam aber sicher zu erholen schien. Ihre Hände hatten sich fest in dem Stoff seines Hemdes verfangen, als befürchte sie seinen Rückzug in den nächsten Sekunden. Sie wollte ihn nicht loslassen, jetzt gerade fühlten sich seine Arme an wie Sicherheit und Geborgenheit. Sie hatte dieses Gefühl schon lange nicht mehr gespürt. "Ich habe das Licht ausgemacht. Es tut mir leid, Liebes", hörte sie Carlisle murmeln der sie noch immer leicht wiegte und ernsthaft betroffen wirkte, weil er eine Reaktion wie diese niemals erwartet hatte. Zwar wusste er um den unruhigen Schlaf seiner Ziehtochter, doch das sie in der vollkommenen Dunkelheit in solche Panik verfiel und sich die Seele aus dem Leib brüllte sollte er sich für die kommenden Wochen wohl besser merken. "Ich habe ihn wieder gesehen", schluchzte Sofia daraufhin gequält, während ihr erneut die Tränen kamen. "Ich bin Schuld", stand sie sich selbst ein und mit diesem Eingeständnis brach auch Carlisles kaltes Herz. "Du bist nicht Schuld, hörst du? Du hast nichts falsch gemacht", sprach er ernst auf sie ein und packte sie bestimmend an den Schultern, um Blickkontakt herzustellen. Ihre verquollenen Augen waren allerdings geschlossen. "Rede es dir nicht ein. Du bist nicht Schuld", wiederholte er, wurde allerdings von heftigem Nicken unterbrochen. Sofia war also der festen Überzeugung, ihren Vater selbst umgebracht zu haben? "Ich habe ihm nicht geholfen", schluchzte sie. "Ich habe nichts machen können, Carlisle. Ich will ihn doch nur noch einmal wiedersehen. Ich vermisse ihn so". Wieder wurde sie von heftigem weinen geschüttelt, während Carlisle nichts anderes machen konnte als sie zu umarmen bis sie sich wieder beruhigt hatte. Er wusste das es manchmal tröstlich war einfach nur gehalten zu werden während man an seiner Trauer zu ersticken schien. "Wieso lässt er mich alleine"?, war die nächste verzweifelte Frage des Mädchens und nun verfiel sein totes Herz endgültig zu Staub. Ihre Trauer, ihre pure Panik war greifbar. "Du bist nicht alleine, Liebes", versuchte er an ihren Verstand zu appellieren, doch innerlich wusste er, dass er scheitern würde. Sie schien noch nicht aufnahmefähig für Argumente wie diese. Also entschied er sich weiterhin stumm über ihren Rücken zu streichen, nachdem er sie notdürftig in ihre Decke gewickelt hatte. Er wollte verhindern, dass sie sich an seiner Brust auskühlte.

"Ich vermisse ihn", wiederholte sie sich verzweifelt und er nickte leicht. "Ich weiß, Liebes", antwortete er sanft. "Ich weiß". Er würde ihr diesen Schmerz auch nicht nehmen können, es war ihre eigene Aufgabe sich diesen Dämonen zu stellen, auch wenn er ihr diesen Schritt gerne abgenommen hätte. Sie so zu sehen, so vollkommen aufgelöst und verzweifelt nahm auch ihm den Atem. Dieses Mädchen war voller Traurigkeit und Angst. Vergessen war der ganze Ärger zuvor, Carlisle war noch nie sonderlich nachtragend gewesen. "Es war ein schrecklicher Unfall, aber du kannst nichts dafür. Hörst du? Es war ein Unfall. Niemand gibt dir die Schuld". Diese Last wollte er ihr nehmen, er wusste wie schnell man daran zerbrechen konnte, wenn man sich für etwas absolut schuldig fühlte. Sanft löste er ihre verkrampften Hände von seinem Hemd, mittlerweile war es fast drei Uhr. Doch ihre Finger griffen sofort wieder nach dem Stoff. "Er war voller Blut", schluchzte sie verschnupft weiter. "Es ist trotzdem nicht deine Schuld". Dieses Mantra war irgendwie beruhigend, auch wenn sie innerlich mit sich zu kämpfen schien welcher Wahrheit sie nun mehr Glauben schenken sollte. Sicherlich hätte es anders laufen können, wenn die Hilfe früher am Unfallort gewesen wäre. Aus den Presseartikeln hatte sie herausgelesen, dass minutenlang kein einziges Auto gehalten hatte um nach ihnen zu sehen. Ein trauriger Fakt, was häufiger passierte als man dachte. Irgendwann hatte sie dann aufgehört all die Schlagzeilen zu lesen, jedesmal hatte sie sich schlecht danach gefühlt und die Betreuer in der Jugendgruppe hatten ihr die Zeitung sogar einmal weggenommen damit sie besser schlief.
"Ich werde morgen sehen, dass wir dir ein kleines Licht besorgen", sagte Carlisle plötzlich und sie meinte herauszuhören, dass er sich für etwas verantwortlich fühlte. Er war es gewesen, der ihr Zimmerlicht vor etwa zwei Stunden ausgemacht hatte, bisher war sie allerdings auch nie derart panisch geworden wenn sie nachts aufgewacht war. "Dann ist es nie mehr ganz dunkel, okay"? Sie hatte ihm nie direkt gesagt das sie Angst vor der Dunkelheit hatte, allerdings hatte er all die Wochen seinen Teil dazu selbst zusammengesetzt. Es war so menschlich, sich der Dunkelheit schutzlos ausgeliefert zu fühlen.

Sofia nickte dankbar, mittlerweile hing sie wie ein schlapper Sack über seiner Schulter. Ihre Nase war vom vielen weinen verstopft, die Augen verquollen. Ganz generell wirkte ihr verschwitzter Körper in diesem Moment vollkommen ausgelaugt. "Möchtest du nochmal versuchen zu schlafen, Liebes"?, fragte Carlisle nach ein paar Minuten sanft und diesmal schaffte er es sogar, ihren Griff zu lösen ohne das sich ihre panischen Hände sofort wieder an ihm verfingen. "Ich habe Angst", flüsterte sie nach kurzem zögern in herzerweichenden Oktaven. Carlisle würde dann sicher wieder gehen und sie würde sich allein wieder den Bildern des Unfalls hingeben müssen. Verbissen kämpfte sie deswegen gegen die Müdigkeit an, die ihren Körper zu überrollen drohte. "Du musst keine Angst haben", flüsterte er sanft und er schlang seine Arme so um sie, dass er sie kurz anheben und wieder richtig ins Bett legen konnte. Die Laken waren von ihrer Panikattacke noch vollkommen durcheinander. Sie hatte sich in ihrem Wahn schrecklich gegen seine Hände gewehrt.
Sobald ihr Kopf das Kissen berührte, beschleunigte sich ihr Atem wieder angsterfüllt. "Es ist alles gut, ich bleibe hier", murmelte er, als könnte er ihre Gedanken lesen. "Ich passe auf". Er setzte seine beruhigenden Worte weiter fort, als er die Decke um sie wickelte und an den Seiten um sie herum feststeckte, ehe er das Licht im Flur betätigte und die Zimmertür so anlehnte, dass der Schein herein leuchten konnte. Dann löschte er das grelle Zimmerlicht, was in ihren verweinten Augen fürchterlich schmerzen musste. "Versuch nochmal zu schlafen, Liebes", sprach er weiter und er saß wieder auf ihrem Bett, ehe sie unruhig werden konnte. Sie griff nach seiner Hand und er erwiderte den sanften Druck. Er wollte ihr nicht das Gefühl geben, sich alleine zu fühlen. Nach ein paar Minuten nahm er wahr, dass sich ihr Puls langsam normalisiere, sich sogar dem Schlaf näherte. "Carlisle"?, fragte sie dennoch verwaschen und er legte seine Augen auf den blonden, müden Engel. "Ja, Liebes"? Es dauerte kurz, doch dann erklang ihre Stimme wie flüssiges Gold durch den Raum.
"Ich hasse dich nicht". Ihre Trauer über den vorherigen Streit schien greifbar zu sein und ließen sein kaltes Herz abermals erbeben. "Ich weiß, mach dir keine Sorgen. Wir alle sagen mal Dinge die wir nicht so meinen", erklärte er ruhig und so einfühlsam wie möglich. "Wir reden morgen in Ruhe darüber. Versuch zu schlafen".
Und das tat sie schon bald, als wäre ihr damit die letzte Last von den Schultern gefallen.

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Das war emotional. Ich lasse es mal so auf euch wirken :)
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