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Wendungen

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
Carlisle Cullen Edward Anthony Masen Cullen Esme Cullen Jasper Whitlock Hale OC (Own Character) Rosalie Hale
02.01.2020
10.10.2020
85
279.809
30
Alle Kapitel
387 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
16.03.2020 3.492
 
Hallo ihr Lieben,
hier ist ein neues Kapitel, durch die Zeitverschiebung bei euch leider mitten in der Nacht.
Auch Panama ist durch den Coronavirus ganz aus dem Häuschen und alles macht langsam aber sicher die Schotten dicht. Sehr schade, aber wir machen das Beste draus.
Lasst mir liebes Feedback da.
Sonnige Grüße
Haypoint :)
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Sie hatten nicht weiter mit ihr diskutiert.
Carlisle hatte sich entnervt für seine Verhältnisse dem Straßenverkehr zugewandt, während Sofia sich schmollend in ihren Gedanken verloren hatte und Esme still die vorbei rauschende Landschaft beobachtete. Dieser Tag hatte absolut nichts für die allgemeine Stimmung getan und die drückende Laune ließ sich beinah in der Luft greifen. Es war ihr noch immer schleierhaft, wieso Carlisle plötzlich so anders, so übellaunig war. Schweigend war er nun auch nicht wirklich besser aber sie würde ihn heute sicherlich nicht nochmal ansprechen. Zu groß war die Angst vor der Konfrontation mit Dr. Bell und seiner übertriebenen Überzeugung. Manchmal hatte sie das Gefühl, dass er all die schlechten Situationen und Erlebnisse liebend gerne seiner Kollegin überließ, um sich nicht weiter damit beschäftigen zu müssen. Das er ihr damit nur die Möglichkeit geben wollte, all ihre traumatischen Erlebnisse aufzuarbeiten, konnte das Mädchen noch nicht nachvollziehen, war sie doch noch nicht so weit sich das einzugestehen. In ihren Augen war die Sache mit der Psychologin reine Schikane, vielleicht auch Provokation. Für einen kurzen Moment verlor sich ihr Blick nachdenklich auf seinem Hinterkopf, ehe sie seine goldenen Augen im Rückspiegel aufblitzen sah und demnach erschrocken den Kopf senkte. Carlisle war furchtbar aufmerksam!

Die zwei Stunden Autofahrt vergingen nur zäh und am liebsten wäre Sofia einfach eingeschlafen. Müde genug wäre sie, allerdings waren ihre Gedanken dafür momentan zu laut. Ihr Kopf wollte sich nicht abschalten lassen, weswegen sie sich damit ablenkte die vorbei rauschenden Bäume zu zählen. Bis nach Forks hatte sie 63 gezählt, war allerdings nicht Immer sonderlich aufmerksam gewesen. Manchmal war ihr Blick dabei verschwommen und sie hatte sich erst Sekunden später wieder orientiert. Und so geschah es, dass Carlisle seinen Mercedes auf dem Parkplatz eines Supermarktes parkte, ohne das sie es tatsächlich wahrnahm. Erst als Esme sich mit einem auferlegten Lächeln zu ihr nach hinten drehte, reagierte sie abwesend und langsam. "Was hast du gesagt"?, fragte sie verwirrt und war sich sicher, dass sie irgendetwas gesagt haben musste. In ihren Augen lag eine stumme Aufforderung. "Wir müssen noch einkaufen. Der Kühlschrank ist leer, Liebes", wiederholte Esme schmunzelnd und wurde jäh von Sofia unterbrochen, als diese gestisch ablehnte und sich gelangweilt gegen die Rückbank lehnte. Konnten sie nicht wann anders einkaufen gehen?! Musste das unbedingt heute sein?! "Ich habe aber keine Lust", antwortete sie typisch pubertär und hielt sich kindisch die Hände vor den Kopf. "Geht doch alleine"! Es würde ihr nichts ausmachen eine halbe Stunde alleine im Auto zu verbringen. "Naja, ich hatte gehofft das du mir hilfst. Geht auch super schnell wenn wir vier Hände haben, und...". Esme wurde unterbrochen, als Carlisle einfach die hintere Tür aufriss und Sofia mit einer stummen Geste zu verstehen gab, endlich aus dem Wagen zu steigen. Für einen Moment wahrlich verärgert bohrten sich ihre blauen Augen in seine goldenen, doch er gewann den nonverbalen Machtkampf für sich. Ihr wurde ja wirklich auch NICHTS erspart.

Wenig motiviert schlenderte sie neben dem Einkaufswagen her und zuckte beleidigt jedesmal mit den Schultern, wenn Esme sie nach etwas besonderem fragte. Es war ihr so egal was sie kochen würde...ihr war der Appetit ohnehin vergangen. Und so kam es, dass Esme und Carlisle kauften was sie wollten und sich der Wagen langsam füllte, ehe sie zur Kasse gingen und eine horrende Summe an die Verkäuferin bezahlten. Immer wenn sie mit ihrem Vater einkaufen gewesen war, hatten sie vielleicht die Hälfte davon ausgegeben. Wenn überhaupt. Diese Familie schien aber wirklich auch gar nicht aufs Geld achten zu müssen, ein wenig wehmütig stimmte sie das ja schon. Sie wünschte sich doch nichts sehnlicher als ihre Kette zurück! Während Carlisle die Einkäufe im Kofferraum verstaute und Esme den Wagen zurückbrachte, verzog sich Sofia schnell wieder auf ihrer geliebten Rückbank und sprach auch weiterhin kein Wort, ehe sie am frühen Nachmittag in die Garage im Cullen Haus einfuhren. Ohne weitere Erklärung rauschte das Mädchen an ihren Pflegeeltern vorbei die Treppen nach oben, ignorierte die nett gemeinten Kommentare der anderen Adoptivkinder und schmiss schon wenige Sekunden später die Tür ihres Zimmers ins Schloss. Sie hatte keine Lust sich mit ihnen zu unterhalten und auf Carlisles Anwesenheit konnte sie heute auch verzichten.
Die plötzliche Ruhe, die sich in ihrem hell durchfluteten Zimmer ausbreitete wie eine flauschige Decke ließ den Stress der letzten Stunden von ihr abfallen. Unter Tränen warf sie sich ins Bett und schälte sich auch dann nicht heraus, als Alice und Jasper ihr die beiden Umzugskartons ins Zimmer trugen und sie freundlich fragten, ob sie sie gemeinsam auspacken sollten. Ziemlich unfreundlich sogar, hatte sie ihre Pflegegeschwister aus dem Zimmer geworfen und sich auch rebellisch gegen Esmes Aufforderung zum Abendessen zur Wehr gesetzt. Heute erschien ihr alles sehr besonders anstrengend und zäh, sie wollte einfach ihre Ruhe haben! War das für die Cullens so schwer zu verstehen, dass sie einfach für sich sein wollte? Nur ein einziges Mal? Nach einer kurzen Diskussion hatte Esme ihr einfach einen Teller des Fisches und der Kartoffeln nach oben gebracht und war wortlos verschwunden.

Aber auch hier hatte Sofia nichts davon angerührt. Die Erinnerungen an längst vergangene Zeiten wägten ihr schwer im Magen und bereiteten ihr unfassbaren Herzschmerz. Sie würde ihn nie wieder sehen. Ihr Vater war Geschichte, seine Kette auch...alles. Das tat unfassbar weh. Um den innerlichen Schmerz zu dämpfen, hatten sich ihre Fingernägel beinahe unbewusst in ihre Unterarme gekrallt und kratzten an der feinen Haut hoch und runter. Das hatte sie schon in der Jugendgruppe gemacht, wenn ihr der Druck zu viel geworden war und sie sich hilflos gefühlt hatte. Erst als ihre Arme rötlich schimmerten und leichte Kratzspuren zu sehen waren, hielt Sofia inne. Das war nicht normal, oder? Das war krank! Und für sowas würde Carlisle sie sicher zweimal die Woche zum Psychologen schicken. Dann wäre er bestätigt in seiner Annahme, dass sie ganz sicher professionelle Hilfe benötigte.  
Um sich wenigstens etwas abzulenken, verschwand Sofia für immerhin eine halbe Stunde im Bad und zog sich ihren Schlafanzug über, ehe sie den Kuschelhasen ihrer Mutter aus einem der Kartons kramte und ihn neben den Bären setzte, der immer unter ihrem Arm klemmte wenn sie versuchte einzuschlafen. Ihre Auszeit hatte sich nicht angefühlt wie ein halber Tag, doch mit einem Blick auf die Uhr wurde auch ihr klar, dass es mittlerweile schon vorangeschrittener Abend war. Schwermütig drehte sie sich auf den Bauch, klammerte sich mit der einen Hand an den Bären, während ihre andere den Hasen hielt und sie blinzelte ein paar Mal gegen das helle Zimmerlicht an, was sie sich heute nicht auszumachen getraute. Die Dunkelheit war manchmal so furchtbar drückend und einnehmend, dass Sofia sich in ihrer Angst darin verlor. Das hatte sie schon immer...diese irrationale Angst vor der Dunkelheit. Besonders dann tanzten dunkle Schatten um ihr Bett herum und streckten ihre gierigen Arme nach ihr aus. Obwohl sie wusste das es Einbildung war, war es furchtbar beängstigend.

So war es allerdings okay und gerade als ihr die Augen schwer genug wurden, riss sie ein leises klopfen an ihrer Zimmertür aus der angrenzenden Ruhe. Schwerfällig öffnete sie die Augen wieder und erkannte Carlisle am Türrahmen lehnen. Nicht er noch! Was wollte er ihr sagen? Das sie am Freitag unbedingt zu Dr. Bell sollte? Das er noch immer wütend war wegen was auch immer?! "Las mich alleine. Ich schlafe", motzte Sofia auch schon gleich drauf los, ohne ihm überhaupt die Möglichkeit zu geben sein Anliegen zu erklären. Als er sich jedoch keinen Schritt bewegte, drehte sie sich einfach kurzerhand um und blickte mit ihren blauen Augen stur an die weiße Wand. Sie hatte ihn heute von einer ganz anderen Seite kennen gelernt und konnte noch immer nicht nachvollziehen, warum genau er nun so seltsam war. "Ich möchte kurz mit dir reden, Sofia", blieb er hartnäckig und zu ihrem Missfallen hörte sie die Tür, die er leise ins Schloss drückte. Seine Schritte hallten schwer im Raum und sie merkte es an ihrer Matratze, dass er sich auf die Bettkante gesetzt hatte. Was zur Hölle wollte er um diese Zeit von ihr?! Hatten sie denn alle nicht verstanden, dass sie keine Lust zu reden hatte?! Als sie nicht reagierte, sprach er einfach unbeirrt weiter. "Ich denke, ich war heute nicht ganz fair zu dir", setzte er abermals an und Sofia verdrehte innerlich die Augen. Das hatte er ja ganz diplomatisch ausgedrückt. "Du warst voll gemein zu mir", antwortete sie deswegen und in ihrem hellen Unterton klang so etwas wie wage Verletztheit wieder. "Ich weiß". Seine schlichte Antwort war überraschend, weswegen sich das Mädchen doch vorsichtig umdrehte und ihren Pflegevater mit großen Augen musterte. Sollte das jetzt eine Entschuldigung werden? Nachdenklich griffen seine langen, kühlen Finger nach dem weißen Stoffhasen und drehten ihn andächtig in den Händen, was Sofia mit verwirrtem Blick geschehen ließ. Dabei mochte sie es nicht, wenn man ihr wichtige Dinge einfach so wegnahm. „Liebes, ich wollte dir keine Angst machen. Ich habe nicht richtig nachgedacht. Es tut mir Leid“, sprach er weiter und seine goldenen Augen bohrten sich intensiv in ihre blauen. Gerade im Moment wirkte er wie immer und von seiner ehemaligen Genervtheit schien nichts mehr übrig zu sein.

Für einen Moment legte sich eine intensive Stille um sie herum und Sofia blinzelte dabei verwirrt. Sie hätte niemals im Leben damit gerechnet, dass Carlisle sich bei ihr entschuldigen würde. Früher, wenn sie sich mit ihrem Vater gestritten hatte, waren sie beide viel zu stur für eine Entschuldigung gewesen und hatten sich ein paar Stunden angeschwiegen, ehe alles wieder von selbst seinen gewohnten Gang genommen hatte. Carlisle Cullen jedoch schien ernsthaft über sein Verhalten nachgedacht zu haben, denn er wirkte reumütig und ehrlich. "Ich hab gedacht du bist sauer auf mich", flüsterte Sofia endlich und er quittierte diesen Einwand mit einem sanften Kopfschütteln. "Wie könnte ich jemals sauer auf dich sein, Liebes? Ich war entzürnt darüber, was Mr. Lee zu dir gesagt hat. Die Tür stand einen Spalt offen", erklärte er ehrlich und in sein Gesicht legte sich ein sorgenvoller Schleier, er sorgte sich um dieses Mädchen und wollte nicht, dass man sie derart belästigte. "Weißt du, wenn man erwachsen ist, dann weiß man eigentlich wie man sich gegenüber jungen Menschen verhalten sollte und Mr. Lee hat eine Grenze überschritten, findest du nicht"?
-"Er war schon immer so seltsam", antwortete Sofia schnell. Sie wollte nicht, dass Carlisle sich deswegen den Kopf zerbrach. So deutlich wie heute hatte er ihr zwar noch nie etwas angeboten und auch seine Berührungen hatten sich vor dem heutigen Tage in Grenzen gehalten, doch er war schon immer übermäßig interessiert an ihr gewesen. Sie hatte nur nie etwas gesagt, weil sie ihrem Vater die Freundschaft nicht schlecht reden wollte und schlussendlich auch nie etwas passiert war. Bis auf den einen oder anderen anzüglichen Blick, hatte Mr. Lee sich nichts zu Schulden kommen lassen. "Wie meinst du das"?, hackte Carlisle nun nach und fixierte sein Pflegemädchen mit einem intensiven Blick. Hatte sie ihm doch etwas verschwiegen? "Naja", antwortete sie verlegen und sie schien kurz in sich zu gehen, ob sie ihm das wirklich erzählen sollte. Aber da er ehrlich zu ihr gewesen war, nahm sie sich zusammen. "Er hat mich immer komisch angeschaut oder seltsame Witze gemacht".
"Seltsame Witze"? Sofias Wangen färbten sich schlagartig rötlich. So ganz ins Detail wollte sie auch nicht gehen, immerhin war es ihr peinlich und Carlisle ein Mann. "Zweideutige Witze", erklärte sie näher und er nickte daraufhin verstehend. Das er dabei allerdings die breiten Schultern strafte, bekam sie diesmal gar nicht mit. "Aber er hat mich nur heute angefasst. Sonst nicht. Wirklich, er soll deswegen keinen Ärger bekommen, okay"? Sie erkannte, wie ihr Pflegevater schmunzelnd zu Boden sah. Ihre Sorge um einen Mann der es gar nicht verdient hatte diese Art der Loyalität zu erfahren, rührte ihn. Sie war wahrlich ein liebes, süßes Ding. "Versprochen"?, hackte sie unsicher nach und suchte seinen Blick, den er nur langsam vom Boden hob. "Er war ein Freund meines Vaters. Das wäre nicht gut". Sofias sorgenvolle Augen wurden immer verzweifelter, sie wollte wirklich nicht das er Ärger bekam. "Hat dein Vater nichts gemerkt"?, wich Carlisle dennoch aus, um dem Mädchen ein wenig auf den Zahn zu fühlen. Zwar sprach sie, wenn sie denn mal sprach, immer von den höchsten Tönen von ihrem Vater, aber manchmal konnte und wollte er ihr das nicht abkaufen. All das wirkte ZU positiv, ZU perfekt. Ob sie etwas beschönigte, was nicht so war? Carlisle hatte in der Regel eine gute Menschenkenntnis. "Ich habe ihm nie etwas gesagt. Es war ja auch nicht nötig", antwortete sie zerknirscht.
-"Aber du hast dich doch anscheinend nicht ganz wohl gefühlt, oder? Zumindest hast du schon von Anfang an den Eindruck gemacht, dass du ihn nicht leiden kannst. Verzeih mir, Sofia. Ich verstehe dich nicht. Hast du deinem Vater so wenig vertraut"? Seine Stimme war zwar sanft und leise, doch für sie waren seine Worte rasiermesserscharfe Pfeile. Sie wollte nicht, dass jemand die Beziehung zu ihrem Vater madig redete und sie zur Rechenschaft zwang. Viel zu schnell fühlte sie sich dabei mit dem Rücken zur Wand gedrängt.

"Das hat doch nichts mit Vertrauen zu tun", antwortete sie verständnislos und schüttelte abwehrend den Kopf. Sie hatte ihm diese freundschaftliche Beziehung einfach nicht zerstören wollen, war das so schwer zu verstehen? Wenn man so perfekt war wie die Cullens, dann vielleicht schon. Nachdenklich drehte Sofia sich auf den Rücken und starrte für einen Moment die Decke an, ihr Leben war so anders gewesen als das der Cullens. Würden sie überhaupt irgendwas verstehen können? "Du verstehst das nicht", war ihre schlichte Antwort und sie versuchte damit die Diskussion abzuschließen.
-"Dann erkläre es mir doch bitte". Seine goldenen Augen baten eindrücklich um Erklärung und Sofia vermied es, abermals einen Blick hineinzuwerfen. Die stummen Blickduelle entschied Carlisle immer für sich. Allerdings entschied sich ihr innerliches Ich doch für ein kleines bisschen Wahrheit, ein wenig Abhilfe für ihren Seelenballast. "Naja...weißt du? Mein Vater hatte eben nicht so viele Freunde. Alle wollten plötzlich nichts mehr mit uns zutun haben, als meine Mutter gestorben ist. Ich weiß nicht genau wieso, aber es hat sich alles verändert und er musste sich ja auch um mich kümmern, ich denke mein Vater war eben einsam. Würdest du ihm dann den letzten Freund schlecht reden wollen"? Fragend blickte sie nun doch zu ihm, würde Carlisle das tun? "Ich denke nicht, Liebes", antwortete er ehrlich und wirkte nachdenklich dabei. "Aber ich würde ihm sagen, wenn mich etwas stören würde. Denn nur wenn man darüber redet, kann man versuchen eine Lösung zu suchen, mhm? Einfach zu schweigen macht es oft nicht besser". Und das sollte wohl ein kleiner Denkanstoß in alle Bereiche sein, die Sofia gerade zu bewältigen versuchte. "Ich hoffe, dass du uns irgendwann genug vertrauen kannst um deine Probleme mit uns zu besprechen", schob er nach und strich mit der flachen Hand sanft über ihren Kopf. "Egal wie unangenehm es auch sein mag".

Es war nett von ihm ihr das anzubieten, aber in Endeffekt war sie nicht der Typ dafür. Sie hatte schon früh lernen müssen, was es bedeutete ihre Probleme alleine mit sich auszumachen. Ihr Vater war dafür ganz selten daheim gewesen und insgeheim wusste das Mädchen, dass er als alleinerziehender Vater wohl überfordert gewesen wäre. Sie hatten sich ja gerade so organisiert bekommen und ihr Leben war mehr als einmal aus den Fugen geraten. Sofia versuchte sich an einem Lächeln, während sie nach dem Häschen in Carlisles Hand griff und es wieder an sich nahm. Vielleicht auch ein wenig zur Beruhigung. "Aber ich denke es ist wichtig dir zu sagen, dass du niemals für das Glück deines Vaters zuständig warst. Und auch jetzt bist du nicht für irgendwelche Nachwirkungen verantwortlich, Liebes. Du musst keine Mietschulden bezahlen". Schlagartig wurde sie rot dabei, sie hatte nicht gewusst das ihr Vater die Miete nicht mehr rechtzeitig gezahlt hatte und das über Monate. Für die Cullens musste das sicher abartig klingen. "Aber ohne bekomme ich meine Kette nicht wieder", antwortete sie traurig und spürte das verräterische Brennen in ihren Augen, sie würde beinahe alles für dieses zarte Schmuckstück machen. Das Carlisle sich inzwischen in die Hosentasche griff, merkte sie nur am Rande. "Darum musst du dir keine Sorgen mehr machen", bestärkte er abermals und griff bedächtig nach ihrer Hand, um ihr gleich darauf das Kettchen hinein zu legen. "Ich habe lange überlegt, aber der heutige Tag wird keine Konsequenzen für ihn haben. Und du musst dir keine Sorgen mehr um das Geld machen. Ich werde das regeln und dann sehen wir weiter". Für einen Moment zerfloss die Rührung in Sofias Augen, sie spürte was er ihr gerade in die Hand gelegt hatte. Andächtig öffnete sie ihre Handfläche und fand darin ihre goldene Halskette wieder. „Hast du sie wirklich wieder bekommen“?, japste sie noch und sie wollte schauen, dass es sich um keine Täuschung handelte, doch die Tränen nahmen ihr die Sicht. Vor Erleichterung und Glück, liefen die Tränen in Bächen von ihren Wangen und sie rappelte sich umständlich dabei auf. Sie hatte sich selten so erleichtert gefühlt wie jetzt. All die Angst, all die Anspannung fiel plötzlich von ihren Schultern und ließ sie frei fühlen. Das hätte sie niemals für möglich gehalten!

"Nicht weinen", hörte sie Carlisle noch überrascht murmeln, ehe er ihr beruhigend über den Arm strich und und sie sanft wieder zurück ins Bett drückte. Dieses Mädchen weinte eindeutig zu viel, auch wenn es nun nur Freudentränen waren die ihr hübsches Gesicht benetzten. "Es ist alles gut", wiederholte er und nahm ihr das Kettchen sanft wieder aus der Hand, um es auf ihren Nachtisch zu legen. Der goldene Herzanhänger baumelte dabei leicht hin und her, während Carlisles Augen unsicher huschten. Er sollte sie vor dem schlafen gehen nicht noch zusätzlich mit Dingen belasten, die sich auch am nächsten Tag klären könnten, um nicht zu riskieren das sie ewig kein Auge zutat. Heute hatte er es allerdings als notwenig befunden, ihr diese Last irgendwie abzunehmen. "Es tut mir Leid, Liebes. Ich wollte dich nicht so zappeln lassen. Das war dumm von mir, Shhh", flüsterte er weiter und er streichelte dabei beruhigend über ihren Rücken, nachdem sie sich erleichtert zurück auf den Bauch gedreht hatte. Das ihr diese Kette SO am Herzen lag, hatte er nicht gedacht und gleichzeitig rührte es ihn, wie sehr sie sich über dieses Teil so freuen konnte. Sofia überraschte ihn jeden Tag aufs Neue.

"Ich bin nur so froh, ich habe sie von meinem Vater", murmelte sie und er nickte verständnisvoll. "Ich habe gedacht, ich bekomme sie nie wieder, weißt du? Niemand hat mich ernst genommen".
"Ich habe dich ernst genommen, auch wenn es nicht so gewirkt haben muss", antwortete er auf ihre traurige Feststellung hin und er zog ihre warme Bettdecke etwas enger um sie herum. Anscheinend hatte der Tag für sie heute gut geendet, auch wenn er dunkler erschien und sie sicher noch etwas beschäftigen würde. "Du solltest jetzt versuchen etwas zu schlafen, Liebes. Morgen wird wieder ein langer Tag, mhm"? Langsam erhob er sich von ihrer Bettkante, sie wirkte so zufrieden in ihrer Decke eingewickelt, dass er automatisch wieder an den schlafenden Engel denken musste. Akribisch bettete er das Häschen neben ihrem Kopf, ehe er zur Tür ging und nach dem Lichtschalter tastete. Die Dunkelheit die sie beide umgab ließ das leise pochende Herz sofort schneller schlagen und noch ehe er ihr eine Gute Nacht wünschen konnte, ertönte ihre Stimme. "Carlisle"?, fragte sie und er wandte sich abermals zu ihr um. "Kannst du das Licht anlassen"? In ihrem Gesicht spiegelte sich Unsicherheit wieder, sie wollte ihm nicht die Stromrechnungen in die Höhe treiben, aber momentan schlief sie furchtbar schlecht im dunkeln. "Ich lass es im Flur brennen, ok? Dann scheint es dir nicht direkt ins Gesicht", schlug er vor und seine Idee klang eigentlich ganz okay. Hauptsache, sie wäre nicht vollkommen in Dunkelheit gewickelt. "Okay", lenkte sie nachdenklich ein, im Zweifelsfall würde sie einfach wieder das Licht anmachen. "Schlaf gut, Sofia. Bis morgen".

"Du auch", antwortete sie, ehe er aus dem Zimmer trat und die Tür einen Spalt offen ließ, damit der Lichtschimmer durchs Zimmer fluten konnte.

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Na? Wer hätte auch gedacht das Carlisle sich entschuldigt? :)
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