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Wendungen

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
Carlisle Cullen Edward Anthony Masen Cullen Esme Cullen Jasper Whitlock Hale OC (Own Character) Rosalie Hale
02.01.2020
10.10.2020
85
279.809
30
Alle Kapitel
387 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
01.03.2020 1.767
 
Hallo ihr Lieben,
ich wünsche euch ganz viel Spaß mit dem neuen Kapitel. Ich möchte mich an dieser Stelle für die mittlerweile 45 Favoriteneinträge bedanken. Ihr seid absolute Spitze!!
Ich würde mich sehr über Feedback freuen.
Liebste Grüße und bis bald.
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Es war schon längst dunkel geworden, als Carlisle seinen dunklen Mercedes in der Garage parkte. Sofia hatte die Zeit ganz vergessen und mittlerweile war der Abend schon angebrochen, trotzdem fühlte sie sich nach diesem Training furchtbar ausgelastet und zufrieden. "Ich hab Hunger", plapperte sie locker drauf los, als sie sich ebenfalls aus dem Auto schob und an Carlisle aufsah. Er quittierte ihren Einwurf mit einem zufriedenen Lächeln, endlich schien er wenigstens ihrem Appetit nicht mehr nachhelfen zu müssen. Es hatte auch ihn angestrengt, sie jedesmal am Tisch zu behalten bis sie endlich ihre Portion gegessen hatte. Die endlosen Diskussionen hatten sich jedesmal wiederholt und er war froh, dass sie seit Tagen ausgelassen und fröhlich war. "Esme hat sicherlich schon gekocht", antwortete er und stapfte hinter ihr die Treppen nach oben. "Du hast sicher auch schon Hunger". Umwerfend besorgt drehte sie sich auf der Treppe kurz zu ihm um und bemerkte seine Irritation. Hunger? Er? "Du warst doch den ganzen Tag arbeiten, oder? Dann musst du einen Bärenhunger haben". Sie zwinkerte ihm zu und er zwinkerte zurück, ehe sie die Treppe zum Flur aufstieß und direkt in die Küche lief. Esme stand tatsächlich am Herd und alles schien so normal, dass ein Mädchen wie Sofia niemals ahnen könnte, dass sie im Grunde niemals aßen. Das Schauspiel was sie aufzogen war phänomenal. "Hallo Liebes", ertönte die Stimme seiner Frau und er beobachtete, wie Esme das Mädchen kurz in die Arme schloss, ehe sie ihm einen sanften Kuss auf die Lippen hauchte. "Was gibt es zu essen"?, fragte Sofia weiter und ließ sich vor dem Backofen in die Hocke sinken, um einen Blick darauf zu erhaschen, Esme jedoch zog sie sanft wieder auf die Beine. "Kartoffelgratin, braucht aber noch etwas", wiegelte sie sanft ab und schob sie an den Schultern aus der Küche heraus. "Ich rufe dich wenn es fertig ist. Entspann dich ein wenig". Ein wenig verwirrt fing Sofia den Blick ihrer Pflegemutter auf, ehe sie betont mit den Schultern zuckte und mit übermütigen Hüpfern nach oben trabte. Dann würde sie eben solange duschen gehen.

Carlisle wartete bis Sofia oben ihre Zimmertüre schloss, ehe er grinsend einen Schritt auf seine Frau zuging und sie an sich zog. "Die Mutterrolle steht dir gut", flüsterte er und legte seine Lippen sanft auf ihre Stirn. Gerührt schmunzelte Esme und lehnte sich für einige Augenblicke gegen die starke Brust ihres Mannes. "Ich glaube die Rolle gefällt mir auch ganz gut", hauchte sie leise und er schmunzelte. Carlisle wusste wie sehr sie sich ein Kind wünschte, Esmes Liebe war grenzenlos und Alice, Edward und die anderen einfach schon viel zu reich an Erfahrung um sie tatsächlich bemuttern zu können. Sofia schien Esme da im Moment vollkommen in ihrer Bestimmung aufgehen zu lassen und er zweifelte nicht daran, dass dem Mädchen ein wenig mütterliche Nähe ebenfalls sehr gut tat. Sie war all die Jahre ohne weibliche Komponente aufgewachsen, vielleicht hatte sie deswegen solch einen Narren an seiner Frau gefressen. "Ich denke sie mag dich", flüsterte Carlisle seiner Frau ins Ohr und sie verharrten für ein paar Augenblicke in dieser Position. Sofias Sorgen und Nöte waren so furchtbar menschlich und kindlich, dass Vampire in ihrem Alter meist gut damit zurecht kamen. Sie hatten über all die Jahre viel Erfahrungen sammeln können und hatten so vieles dazu gelernt, dass ihnen ihre Sorgen meist sehr klein vorkamen. Natürlich war der tragische Unfalltod ihres Vaters keine Bagatelle, dennoch glaubten sie mit ihr den richtigen Weg einzuschlagen und sie demnach richtig führen zu können. Langsam machten sie Fortschritte und Sofias Laune momentan war erfrischend, ein Beweis dafür, dass Carlisle strikter Überraschungsbesuch bei Dr. Bell etwas bewirkt hatte. "Wir sollten es ihr trotzdem sagen".
-"Carlisle, ich weiß nicht", seufzte sie und löste sich aus seinem sanften Griff. "Sie ist so zufrieden im Moment. Meinst du nicht, wir würden sie damit wieder zurückwerfen"? Esmes Hände beschäftigten sich mit dem Besteck, was sie bestimmend aus einer der Schubladen holte und auf der Arbeitsfläche ablegte. Irgendjemand würde noch den Tisch decken müssen. "Es wäre nicht fair von uns ihr nichts zu sagen. Irgendwann würde sie uns das zum Vorwurf machen, meinst du nicht auch"? Sein Blick bohrte sich in ihren, er wusste das sie innerlich mit sich kämpfte. "Aber wenn sie es doch nicht weiß", hauchte sie nachdenklich und er schüttelte kaum merklich mit dem Kopf. "Irgendwann würde sie es doch erfahren, Schatz".
-"Du hast ja Recht", flüsterte sie und lehnte sich doch nochmals in seinen bergenden Griff. "Sie muss sich dem stellen. Gib ihr die Möglichkeit auch traurig sein zu dürfen".

Natürlich mochte niemand von ihnen das traurige, weinende Mädchen und innerlich zerriss es ihnen bei diesem Anblick das Herz. Und dennoch- es musste ihr gestattet sein zu trauern, weswegen Carlisle seinen Sohn Jasper in solchen Momenten auch immer bewusst im Hintergrund hielt. Ihre Emotionen einfach zu begraben war keine dauerhafte Lösung und nur im absoluten Notfall eine Alternative.
Sie deckten gemeinsam den Tisch, ehe sie Sofia zu Tisch riefen und sie mit ihrer ausgelassenen, fröhlichen Art die Treppe hinuntersprang. Sie warteten bewusst bis die Kleine leer gegessen hatte, um wenigstens diesen Diskussionspunkt zu vermeiden und sprachen beim Essen über ihr Training und den Tag in der Schule. Das Mädchen ahnte nicht, welch ernstes Gespräch die beiden noch mit ihr führen wollten. "Wo sind die Anderen"?, fragte sie irgendwann, als auch ihr endlich die leeren Plätze ihrer Pflegegeschwister auffielen. "Sie sind heute Abend auf einer Veranstaltung für die Klassen aus der Oberstufe", erwähnte Carlisle eher nebensächlich und Sofia merkte nicht, dass er log. Wieso sollte er auch, sie hatte bisher nichts gemerkt und er hoffte wirklich inständig, dass dieser Zustand jahrelang anhielt. Auch, wenn eine innere Stimme natürlich etwas anderes flüsterte aber daran wollte er gar nicht denken. Er hatte keinen Plan B. Carlisle beobachtete noch eine Weile, wie sie mit gesundem Hunger ihren Teller leer kratzte und schlussendlich das Besteck zur Seite legte. Sie würden nicht drumherum kommen. Ehe sie sich nach oben verabschieden konnte kam er ihr zuvor. "Liebes, wir würden gerne noch etwas mit dir besprechen", sagte er mit ernstem Ton und Sofia sah ihn plötzlich so panisch an, dass es ihm den Magen herumdrehte. Er wusste wie sie auf solche Anspielungen reagierte und es tat ihm leid, dass er ihr beinahe jede Woche etwas derartiges zu sagen hatte. "Was denn"?, presste sie erstickt hervor und suchte hilfesuchend Esmes Blick, die allerdings bangend zu ihrem Mann sah. "Wir haben eine Einladung bekommen, Sofia. Eure Wohnung wird...", kurz suchte er nach einem neutralen und passenden Ausdruck dafür. "...geräumt. Wir haben die Chance nochmal hinzufahren und persönliche Dinge mitzunehmen. Wir dachten, dass du das sicher gerne tun würdest", schloss er ab und beobachtete genau ihre Reaktion. Kurz blitzte so etwas wie Erleichterung in ihrem Gesicht auf, machte aber schnell der Verwirrung platz. Anscheinend hatte sie nicht gänzlich begriffen was er meinte. "Geräumt? Was soll das heißen"? Sie ahnte es, doch sie weigerte sich daran zu denken. "Liebes, die Wohnung kann nicht ewig leer stehen. Der Vermieter möchte sie wieder an neue Leute vermieten und will deswegen die alten Dinge aus der Wohnung schaffen. Er gibt uns aber die Chance alles mitzunehmen, was dir wichtig ist". Esmes beruhigende Stimme klang nur wenig tröstlich. Hieß das also, sie würden den letzten Flecken Erinnerung einfach buchstäblich auf den Müll werfen? All die Möbel, die Erinnerungen? Wenn sie das täten, würde ein weiteres Erinnerungsstück an ihren Vater einfach so von der Welt gelöscht werden. Er verblasste von Tag zu Tag immer mehr.

Diese Erkenntnis traf sie hart. Das konnte doch alles nicht einfach so vorbei sein, wie konnten sie einfach so die Wohnung verändern? Sofia wusste nicht, was sie sich gedacht hatte. Wusste nicht, was sie mit dieser Wohnung überhaupt vorgehabt hätte. Aber es traf sie schmerzhaft und ganz tief in ihrem Herzen, dass man ihr diese Erinnerung auch noch nehmen würde. "Aber das können sie doch nicht einfach so machen", protestierte sie leise. "Das war doch unsere Wohnung".
-"Ich weiß, Liebes", antwortete Esme verständnisvoll aber ohne einen anderen Ratschlag. Sie würden dieses Vorhaben auch nicht aufhalten können. Sie würden ebenfalls mitansehen müssen, wie sich andere, fremde Leute die Wohnung nach ihrem Geschmack einrichten würden und so war auch irgendwie der Lauf der Dinge. Sie hätten diese Wohnung niemals halten können, war sie doch nicht in ihrem Besitz und für Sofia war es besser, damit abzuschließen. Selbst wenn es sich in ihren Ohren wieder grausam anhören musste. "Wann soll das sein"?, fragte sie da plötzlich und es war wieder Carlisle, der antwortete. "Am Mittwoch, wir werden da schon morgens hinfahren. Ich bespreche das mit deinen Lehrern". Sofia verlor sich kurz in seinen goldenen Augen, ehe sie nachdenklich nickte und nicht bemerkte, dass ihre Lippen zu beben begannen. Sie hätte niemals gedacht, dass jemand einfach so ihre Wohnung ausräumen würde. So schnell. "Kommt ihr mit"?, presste sie da noch hervor und ihre Pflegeeltern nickten daraufhin verständnisvoll. "Natürlich Liebes", antwortete Esme beruhigend. "Du musst dort nicht alleine hin". Ihre schlanken Finger griffen über die Tischplatte zu ihr hinüber und streichelten für einen kurzen Moment über ihre Hand, ehe Sofia ihr diese entzog und unter dem Tisch verschwinden ließ. Sie konnte diese lieb gemeinte Geste im Moment nicht verarbeiten.  "Darf ich jetzt aufstehen"?, fragte sie abwesend und Carlisle nickte nachdenklich, während er die Tränen in ihre Augen steigen sah. Sie sprang schneller auf als ihnen Recht war und verschwand mit stummen Leiden in ihrem Zimmer.

"Soll ich nach ihr sehen"?, fragte Esme nach einer Weile und sah selbst so aus als hätte sie Schmerzen. Ihr ging der Kummer des Mädchens sehr nah, wollte sie sie doch eigentlich in zehn Lagen Watte packen damit sie wieder so fröhlich und ausgelassen sein konnte wie es ihr zustand. "Nein Schatz", antwortete Carlisle besonnen."Gib ihr die Chance selbst damit klarzukommen".

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Irgendwie gibt es immer etwas, was Sofia aus der Bahn wirft. Was denkt ihr, kann der Besuch zuhause auch heilsam sein?
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