Emotional oder Gefühllos

von Silke90
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Ingo "Easy" Winter Richard "Ringo" Beckmann
02.01.2020
17.02.2020
10
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02.01.2020 1.031
 
Hallöchen. Ich will jetzt gar nicht zu viel  Quatschen. Ich habe mich einfach mal an einer neuen Story versucht und hoffe sie stößt auf Interesse und findet Gefallen. Über Rückmeldungen jeder Art freue ich mich stets, sei es Lob, konstruktive Kritik oder Ideen/Vorschläge. Ich wünsche euch viel Spaß.


Mit brennenden Augen bog Ingo Winter, von allen nur Easy genannt, um die Ecke und war erleichtert, sein Ziel einen Schritt näher zu sein. Die letzten Tage zerrten an seinen Kräften und er fragte sich, wie sein Cousin das alles durchzustehen vermochte. Die Welt war so ungerecht. Eine junge Frau, einfach so aus dem Leben gerissen. Easy wünschte sich, dass er den selben Glauben an ein gutes Ende der Geschichte haben konnte, wie Malte, doch er war Realist und einen solchen Flugzeugabsturz konnte niemand überleben. Das einzige was er hoffte, war, dass der Körper von Caro bald gefunden werden würde und sie zur letzten Ruhe gebettet werden konnte.

Wieder verließen Tränen Easys Augen und er wünschte sich, dass er nicht so emotional wäre. Vielleicht hatten Menschen wie sein verhasster Nachbar Ringo es wirklich leichter im Leben. Nicht nur, dass die Moral in vielen Fragen nicht dem Erfolg im Wege stand, nein, auch konnte ein schlimmes Ereignis ihnen nicht so viel anhaben. Ringo hatte seines Wissen nicht einmal beim Tod seiner Eltern Trauer verspürt und schaffte es am nächsten Tag eine perfekte Abiturprüfung abzulegen. Wie gesagt: keine Gefühle die einem im Weg standen.

Doch wäre das wirklich ein Leben? Keine Gefühle zu haben? In den letzten Wochen hatte Easy sich das oft gefragt. Gefühle waren im Moment wirklich sein Feind. Inzwischen musste er sich mit ganz unbekannten Auseinander setzte: die Gefühle zum eigenen Geschlecht. Easy machte sich nichts vor. Es lag nicht an der Person Finn selbst. Natürlich fand er ihn nett und anziehend, doch er war bestimmt nicht sein Seelenverwandter. Er war nicht in den Eventmanager verliebt. Es lag tatsächlich einfach nur an der Tatsache, dass er ein attracktiver Mann war und Easy erkannte, dass der ihn mehr anzog, als alle Frauen in seinem Leben.

Natürlich war er in jede einzelne verliebt gewesen. Romy, seine erste Liebe. Charlotte, seine Ehefrau, die ihm die Leichtigkeit im Leben zeigte. Lilly, die Anfangs nur seine gute Freundin war und ihn verzaubert hatte. Suji. Ein Lächeln bildete sich auf seinem Gesicht, als er an Suji dachte. Sie war wirklich jemand gewesen, die ihn hätte glücklich machen können. Wenn da nicht Ringo dazwischen gefunkt hätte und erst ihre Beziehung zerstört und später Suji aus dem Land vertrieben hätte. Easy atmete tief durch und erinnerte sich daran, dass diese Sache vergeben war. Er durfte sich nicht von Hass leiten lassen.

So dachte Easy nun an seine letzte Beziehung: Fiona. Ein Mädchen, das in ihrem jungen Leben viel zu schreckliches durchmachen musste. Den Tod der Mutter, die Entfremdung vom eigenen Vater, aufgewachsen in der Fremde, die Menschen die sie für ihre Eltern hielt verloren und schließlich in einem schrecklichen Waisenhaus und später auf den Straßen von Argentinien in die Prostitution gezwungen. Wie könnte ein Mädchen, das all das vor ihrem 16. Geburtstag erlebt hatte, je glücklich werden? Easy hatte es leider nicht geschafft, sie zu retten und er betete dafür, dass sie irgendwann ihr Glück finden möge.

War es ihm vielleicht niemals möglich, mit einer Frau glücklich zu werden, weil da diese seltsamen Gefühle in ihm schlummerten? Hatte Finn recht und er hatte sich sein Leben lang nur etwas eingeredet? War er wirklich schwul? Diese Frage ließ ihn einfach nicht los und Easy bemerkte überrascht, wie seine Beine ihn einfach durch die Stadt getrieben hatten und er nun vor einer Bar stand. Er war da schon einmal gewesen. Mit Finn, Valentin und Ringo hatte er eine lustige Nacht in dem Gay-Club verbracht. Eine Nacht, die ihn erkennen ließ, dass Männer ihn nicht kalt ließen. Easy würde jetzt nicht in den Club gehen, aus der laute Musik drang, immerhin hatte er einen harten Tag hinter sich und war nicht entsprechend gekleidet, doch er merkte, wie ihn der Gedanke an diese Location ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Die Atmosphäre, die Menschen, die Musik, all das passte zu Easy.

Ob er sich morgen mit Finn verabreden und es dieses Mal durchziehen sollte? Sollte er mit seinem Kumpel schlafen? Easy hatte Schiss vor dem Akt, war in Wahrheit kein Mann für Sex ohne Gefühle und doch war es vermutlich die einzige Möglichkeit um herauszufinden, ob er wirklich Schwul, Bi, Demisexuell oder was auch immer war.

Ein lauter Schmerzensschrei riss Easy aus seinen Gedanken und er blickte sich verwirrt um. Woher kam das? Er zog seine Brauen hoch und lauschte angestrengt. Das einzige was er wieder vernahm, war die Musik, die aus dem Lokal drang, ansonsten war nur die Stille der Nacht zu vernehmen. Vermutlich hatte Easy sich das eingebildet und machte sich nun auf den Weg zur Schillerallee. Er wollte eben die Straße verlassen, als er ein leises „Hilfe“ vernahm. Easy schreckte auf und konnte dieses Mal die Richtung, als die der Ruf erklang, ausmachen. Schnellen Schrittes eilte der Fotograf darauf zu und konnte in einer kleinen Gasse eine am Boden liegende Gestalt ausmachen. Sein Herz zog sich kurz zusammen, als er auf die Person zulief und vorsichtig seine Hand auf die Schulter von ihr legte und den sich krümmenden Mann zu sich drehte.

Das erste was er wahrnahm war das Blut auf seiner Schläfe. Dann fühlte er, dass er nackte Haut berührte und ein Blick bestätigte, dass sein Hemd zerrissen war und enthüllten auf Brust und Bauch Hämatome. Entsetzt ließ Easy seinen Blick wieder in das Gesicht des Mannes unter sich wandern und erblickte eine aufgeplatzte Lippe. Vermutlich war das Blut daran schuld, dass er ihn nicht sofort erkannte. Noch größer war die Wahrscheinlichkeit, dass es einfach nicht sein konnte, dass es Richard Beckmann, sein verhasster Nachbar Ringo, war, der hier zusammengeschlagen auf dem Asphalt lag, zitterte und versuchte keinen Ton zu machen, während Tränen seine Augen verließen.

„Was ist geschehen?“, fragte Easy geschockt, ließ sich auf seine Knie fallen und versuchte, Ringo festzuhalten, als dieser plötzlich aufschluchzte und sich an Easys Jacke festklammerte. Reflexartig zog Easy den Jüngeren an sich und umarmte ihn. Was war hier nur geschehen?


TBC
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