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Wenn die Vergangenheit die Zukunft zu bestimmen droht ...

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Dr. Kai Hoffmann Dr. Kathrin Globisch
02.01.2020
11.01.2020
3
4.363
3
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02.01.2020 1.339
 
Hallo und herzlich Willkommen bei meiner ersten Geschichte, die ich hier veröffentliche.

Ich wäre sehr dankbar für Reviews mit konstruktiver Kritik und Vorschlägen, was ich in Zukunft besser machen kann. Vielen Dank schon einmal im Vorhinein!

》Die Figuren der Geschichte sind nicht aus meiner Feder sondern aus der des MDR, lediglich die Handlung habe ich erfunden. Des Weiteren hatte ich beim Finden des Titels eine große Hilfe und somit ist dieser auch nicht von mir.《

Und nun viel Spaß beim Lesen des 1. Kapitels.




Erinnerungen der Vergangenheit

Es war ein Tag wie jeder andere. Die Notaufnahme, war wie jeden Tag aufgrund der winterlichen Verhältnisse gut gefüllt und auch sonst war den Ärzten der Sachsenklinik alles andere als langweilig. Neben den vielen Patientenfällen und Operationen waren alle damit beschäftigt noch die letzten Geschenke zusammenzusuchen und das Weihnachtsfest vorzubereiten. Mit anderen Worten – eigentlich war alles wie immer. Fast alles.

Kathrin war gerade gemeinsam mit dem Chefarzt auf dem Weg ins Ärztezimmer, als beide in die Notaufnahme gerufen wurden. Dort angekommen erwartete sie bereits der erste Einsatzwagen und der Notarzt, der sie kurz über den Gesundheitszustand des Patienten in Kenntnis setzte. Es stellte sich heraus, dass er, wie auch noch mehrere andere Personen, die nach und nach eingeliefert wurden, aber auch auf andere Krankenhäuser verteilt wurden, von einem wahllos um sich schießenden Mann am Leipziger Weihnachtsmarkt verwundet worden waren.

Geschockt sahen sich die beiden an, ehe sie den Patienten gemeinsam versorgten. Da es sich um einen Bauchschuss handelte, wurde der Patient anschließend schnell in den OP gebracht. „Ich sehe nichts! Jetzt saugen sie doch endlich!“, schrie Kai seine Kollegin an. Ehe diese noch reagieren konnte, kam vom Anästhesisten „Herzstillstand.“

Kai begann sogleich mit der Herz-Druck-Massage, doch es geschah nichts. Einfach nichts. Im OP war lediglich der monotone Ton zu hören. Immer und immer wieder versuchte Kai den jungen Mann zurück ins Leben zu holen, doch er schaffte es nicht. Die Null-Linie hatte sich schon auf das Display gebrannt. „Dr. Hoffmann, Dr. Hoffmann, es hat keinen Sinn mehr, es ist vorbei.“, versuchte Kathrin sanft auf den Chefarzt einzureden. Doch dieser reagierte nicht, er nahm nichts um sich herum war, wollte nur, dass ihm der Patient nicht auf dem Tisch bliebt.

„Dr. Hoffmann!“, kam es nun schon energischer von Kathrin. „Hören Sie auf, Sie können ihn nicht mehr zurückholen!“ Vorsichtig legte sie ihm eine Hand auf seine Schulter, woraufhin er seinen Kopf leicht in ihre Richtung drehte. Sie meinte Tränen in seinen Augen zu sehen. Doch war das möglich? War es möglich, dass der Chefarzt Gefühle zeigte, dass ihm der Tod eines Patienten so naheging? War das wirklich möglich?

Als er immer noch weiter versuchte den Mann zu reanimieren, legte Kathrin auch ihre andere Hand auf seine Schulter. „Dr. Hoffmann, schauen Sie mich bitte an. … bitte!“ Fast schon flehend hatte Kathrin diese Worte ausgesprochen, denn sie wusste nicht, was sie noch machen sollte. Und tatsächlich, er drehte sich in ihre Richtung und sah sie an. Vielleicht bildete sie sich das auch nur ein, aber sie glaubte durch seine Augen seine Seele sehen zu können. Sehen zu können, wie es tief in seinem Inneren aussah und so verlor sie sich in seinen Augen. Auch ihm ging es nicht anderes und so standen sie einige Zeit einfach nur einander gegenüber und sahen einander in die Augen. Sie vergaßen alles um sich herum, es gab nur noch sie beide.

Der Anästhesist unterbrach mit seiner Stimme den fast schon magischen Moment: „Todeszeitpunkt 14:43 Uhr“. Erschrocken fuhren die beiden auseinander und wurden sogleich wieder in die Realität zurückgebracht und an das erinnert, was eigentlich geschehen war. Ehe der Chefarzt den OP verließ, wies er eine OP-Schwester an, die Leiche zuzumachen und eine andere, die Angehörigen zu informieren.

Beim Waschbecken angekommen stützte er sich mit beiden Händen ab und schaute in den Spiegel, doch er nahm nichts wahr, sah einfach ins Leere. Kathrin, die über den Spiegel seinen Blickkontakt suchte, war überrascht über das Verhalten des Chefarztes. Auch wenn sie nicht genau wusste, ob dies wirklich richtig und vor allem angebracht war, legte sie nun schon zum zweiten Mal an diesem Tag eine Hand auf die Schulter des Chefarztes und streichelte sie sanft.

Erschrocken durch diese Berührung drehte sich Kai ruckartig in ihre Richtung und verschwand noch bevor er sich in ihren Augen verlieren konnte mit einem „Lassen Sie mich doch einfach in Ruhe!“ durch die Tür. Verdutzt blieb sie zurück und brauchte einen Moment, um zu realisieren, was in den letzten Minuten geschehen war.

Einige Minuten später war sie bereits auf dem Weg ins Ärztezimmer, als sie sich doch noch dazu entschied an die frische Luft zu gehen. Erschöpft von der Operation und mitgenommen davon, dass der Patient auf dem Tisch geblieben war, setzte sie sich auf eine Bank, stützte sie Ellenbogen auf ihre Oberschenkel und vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. So saß sie einige Zeit da und genoss die Stille, die sie umgab. Plötzlich allerdings spürte sie starke Hände, die sie festhielten und noch ehe sie reagieren konnte, hatte ihr jemand ein Tuch unter die Nase gehalten und sie war ohnmächtig geworden.

Während Kathrin unbemerkt von jeglichen Personen von der unbekannten Person in den Keller der Klinik verfrachtet wurde, saß Kai in seinem Büro und dachte nach, was ihn vorhin geritten hatte. Warum hatte er nicht, wie sonst auch immer, mit der Reanimation aufgehört, als es ausweglos schien? Warum hatte seine Kollegin ihre Hände auf seine Schultern gelegt und warum hatte es sich so gut angefühlt? Und warum hat er sich in ihren Augen verloren, wo er sie doch eigentlich überhaupt nicht mochte? Und warum hatte sich all das so verdammt nochmal so gut angefühlt? So gut, dass er sogar wollte, dass die Zeit niemals enden würde. All diese Fragen quälten den Chefarzt und machten es ihm unmöglich sie auf seine Arbeit zu konzentrieren.

Er beschloss eine kurze Pause zu machen, setzte sich auf seine Couch und schaltete das Radio ein. „Nun kommen wir zu einem schrecklichen Ereignis, das sich heute in Leipzig ereignet hat. Ein Mann hat auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt wahllos um sich geschossen und riss so 20 Menschen in den Tod. Er selbst ist flüchtig und die Polizei ruft zu Vorsicht auf.“ Als Kai dies hörte, erschrak er zum wiederholten Male an diesem Tag. 20 Menschen waren gestorben. Den Familien dieser unschuldigen Menschen wurden 2 Tage vor Weihnachten ihre Liebsten genommen. War das fair?

Es geschah das Unvermeidliche. Plötzlich tauchten vor seinem inneren Auge all die Bilder auf, die er in seiner Zeit als Militärarzt gesehen hatte. Damals hatte er jeden Tag unschuldige Menschen verarztet und jeden Tag waren abermals dutzende unschuldige Menschen gestorben. Immer und immer wieder sah er diese Bilder wie einen Film vor seinem geistigen Auge ablaufen und er verlor sich in diesen schrecklichen Erinnerungen. Er sah all die verwundeten Menschen, hörte Schüsse und alles fühlte sich sehr real an. Deswegen hörte er auch das Klopfen an der Türe nicht und wurde so erst als die Person zu sprechen begann, aus seinen Gedanken gerissen.

„Dr. Hoffmann, entschuldigen Sie die Störung.“ Es war Dr. Heilmann, durch dessen Stimme er erschrocken herumfuhr. Kurz versuchte er sich wieder zu sammeln und antwortete so normal wie nur irgend möglich. „Dr. Heilmann, wie kann ich Ihnen helfen?“ „Sie wissen nicht zufällig wo sich Kathrin, ich meine Dr. Globisch momentan gerade aufhält, oder? Ich suche sie nämlich, da ich ihre fachliche Meinung in einem Patientenfall bräuchte und sie haben schließlich mit ihr gemeinsam operiert.“

„Ja … ja, das stimmt.“ Ehe er mit seinem Satz fortfuhr, sah er noch kurz auf die Uhr. „Aber das ist jetzt auch schon wieder fast 2 Stunden her, dass ich mit ihr gemeinsam den OP verlassen habe. Ich kann Ihnen da also auch nicht weiterhelfen. Tut mir wirklich leid.“ „Das ist wirklich untypisch für sie. Ich habe sie schon im ganzen Klinikum gesucht und sie nirgends gefunden. Naja, trotzdem vielen Dank.“

Mit diesen Worten wollte er schon das Büro des Chefarztes verlassen, als dieser ihn zurückhielt. „Warten Sie, es könnte meine Schuld sein, dass sie verschwunden ist.“
 
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