Künstlermorde

GeschichteThriller, Freundschaft / P18 Slash
L Light Yagami
01.01.2020
22.02.2020
7
8676
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Hallo, Hier ist Animeliker!
Ich wünsche Euch an dieser Stelle ein frohes neues Jahr und starte mit einer neuen Death Note Fanfiction, welche leicht an meine vorherige "Playing Doctor" anschließt. Die beiden Fanfics können aber uch getrennt gelesen werden ;)

LG Animeliker^^


PROLOG


Blühender Rosenbusch. So stand es auf dem Schild, welches neben dem berühmten Gemälde prangte. Ein kleines Schild. Ein riesiges Bild. Das Museum war leer, die Lichter ausgeschaltet. Aber eine Taschenlampe brannte und schwenkte von der linken oberen Ecke in die rechte untere. Dieses Gemälde war einfach und komplex zugleich. Die Pinselführung wild und ausgeglichen. So viele Gegensätze spiegelten sich in diesem Bild. Es sagte mehr als bekanntlich tausend Worte. Er spielte mit dem Licht in freudiger Erregung, doch nichts passierte. Das Bild änderte sich nicht. Der blühende Rosenbusch blieb ein blühender Rosenbusch und verwandelte sich nicht plötzlich in ein anderes Gemälde, welches ihm genauso bekannt war. Starry Night, Sternennacht. Ein ebenso bekanntes, wenn nicht eines seiner bekanntesten Werke. Er hatte versucht, an ihn heranzukommen. An seine Präzision, an seine Genialität. An sein Wissen. Aber er hatte es nicht geschafft und das frustrierte ihn. Es frustrierte ihn so sehr, dass er schon das Gemälde von der Wand reißen und es in Stücke schlagen wollte.

Doch er rief sich zur Ordnung. Würde er das Bild berühren, dann würde der Alarm losgehen. Würde er es anfassen, dann wäre es beschmutzt. Beschmutzt mit seiner Unkenntnis, mit seiner armseligen Eleganz. Sie war nicht annähernd so gut wie die des Künstlers, der Meisterwerke hinterlassen hatte und die nun ein Vermögen wert waren. Nur Millionäre und Milliardäre würden sich seine Kunst leisten können. Seine Kunst, die damals nie so angesehen war wie heute. Er wollte auch so werden. Unvergesslich, perfekt, in aller Munde! Aber so weit war er noch nicht und das wusste er. Er wusste, dass ihm das gewisse Etwas fehlte. Er wusste, was es hieß, nicht beachtet zu werden. Aber das würde sich ändern. Er würde der Welt zeigen, wer er war. Er würde der größte Künstler sein. Über ihn würde die ganze Welt berichten!

Nachdem er tief durchgeatmet hatte, ließ er seinen Blick noch einmal über das Gemälde schweifen. Es war zu … grün. Es brauchte definitiv mehr Farbe. Ganz egal, wie gut die Pinselführung war. Ganz egal, wie akkurat er gearbeitet hatte. Sein Idol hatte keine Ahnung von Farbe. Das hatte nur er. Nur er konnte dieses Gemälde verschönern. Etwas hinzufügen. Und er hatte genau das richtige dafür. Das Nationalmuseum für westliche Kunst war ein gut bewachtes Museum. Nur würde ihn hier niemand finden. Niemand würde Alarm schlagen. Er konnte machen, was er wollte. Niemand würde es hören. Er konnte sagen, was er wollte. Niemand würde ihn beachten. Und doch war er nicht allein. Sein Blick huschte zu den Rosenbüschen in der Mitte. Auf einmal schienen sie hässlich. Hässlich und nicht sehenswert. Aber das Gemälde wurde im Jahre 1889 gemalt. Damals hatte man noch nicht diesen ausgereiften Sinn für Kunst, den man heute hatte.

Er blieb dabei. Es fehlte Farbe. Frische Farbe. Eine Farbe in Kontrast zu all dem grün. Wieso nicht rot? Rot war eine wunderbare Farbe. Leuchtend, kräftig, die Farbe der Liebe. Ja, er liebte. Aber nicht mehr die Kunst, die er bis vor einigen Augenblicken noch so bewundert hatte. Er liebte SEINE Kunst. Sie war noch nicht perfekt, das wusste er, aber er würde es schaffen. Und ein Schritt zum Ziel war bereits getan. Mit einer ausladenden Bewegung drehte er sich auf dem Absatz und leuchtete mit der Taschenlampe an die gegenüberliegende Seite der Wand. Mit seinem Werk war er zufrieden. Auch wenn der Anfang schwer gewesen war, er sich kaum hatte überwinden können. Schließlich hatte er es doch getan und nachdem er fertig war, da strömte eine Art … Befriedigung durch seinen Körper.

Seit langer Zeit war er zufrieden. Aber dieses eine Mal reichte nicht aus. Er gierte nach mehr, wollte diese Zufriedenheit wieder und wieder spüren. Immer wieder wollte er sie umarmen und nicht mehr loslassen. Allein mit Kunst würde er das nicht erreichen. Etwas anderes musste her, etwas Neues, Dramatisches! Und er hatte es gefunden. Selbstzufrieden betrachtete er sein Werk, bis ihm einfiel, dass noch etwas wichtiges fehlte. Mit spitzen Fingern griff er in die Tasche seiner Hose und zog einen Pinsel heraus. Dann hockte er sich hin und begann den Pinsel in die frische Farbe zu legen und mit wilden Pinselstrichen drauf los zu malen, als wäre er der Teufel in Person. Der Lichtkegel der Taschenlampe musste ausreichen, um sein Werk zu vollenden. Die Pinselstriche nahmen Gestalt an, er musste sich bewegen, während er malte. Im Kreis, im Kreis musste er sich drehen, immer und immer wieder, bis er schließlich fertig war. Man sollte ihn für seine Taten bewundern. Man sollte ihn in den Himmel loben. Man sollte ihn auszeichnen.

All das sah er in sich. Er war ein Genie. Er war ein Genie! Mit runzelnder Stirn betrachtete er seine Ausführung, dann grinste er. Obwohl die Genugtuung bereits wieder abgeebbt war, hatte er bereits eine neue Idee. Die würde er umsetzen wollen. Seine Sachen packte er zusammen. Es machte nichts, wenn dabei die Taschenlampe herunterfiel. Man würde ihn sowieso nicht hören. Obwohl genau vor ihm jemand saß. Obwohl jemand da saß, mit aufgerissenen Augen, erschrockenem Gesichtsausdruck und die Lippen zu einem stummen Schrei geformt. Seine Uniform war einmal blau gewesen. Jetzt war sie violett. Aus seinem Mund ragte der Speer, der hinter ihm an der Wand befestigt war und ihn aufrecht hielt. An der Spitze klebte noch immer Blut und er sah zu, wie es hinabtropfte. Hinab in die Blutlache des Museumswärters, der ihn mit toten Augen beobachtete. Je länger er hinsah, desto mehr freute er sich. Er warf den Kopf in den Nacken und lachte, lachte so laut, dass jemand hätte kommen müssen. Aber der Wärter war hier und er hörte nur noch mit dem rechten Ohr. Falls Tote denn hören konnten.