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Viel mehr als Freundschaft

GeschichteFamilie, Freundschaft / P6
Chris "The Lord" Harms Class Grenayde Gared Dirge Niklas 'Nik' Kahl OC (Own Character) Pi Stoffers
01.01.2020
04.06.2020
51
163.805
9
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174 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
01.01.2020 1.280
 
Ich wünsche herzlichst ein frohes Neues Jahr! <3

Ja, hier beginnt sie also, die Fortsetzung von 'Viel mehr als ein Dankeschön'.
Den ersten Teil findet Ihr hier unter dem folgenden Link:

Viel mehr als ein Dankeschön

Neue Kapitel lade ich jeweils am Mittwoch und Sonntag hoch, Ausnahmen natürlich wie immer nicht ausgeschlossen. :D

Ich wünsche Euch ganz viel Spaß beim Lesen und Kommentieren!


Greets

Alea





~~~

Kapitel 1



„Gute Erinnerungen sind Geschenke der Vergangenheit.“

(Emil Baschnonga)


Eigentlich hatte sich Elisabeth Bollmann, seit sie in Köln wohnte, längst an völlig überfüllte Straßenbahnen zur Mittagszeit gewöhnt. Doch heute hätte sie am liebsten jeden einzelnen Fahrgast aus der Bahn geworfen, obwohl sie mit etwas Glück noch einen der letzten Sitzplätze ergattert hatte. In ihren Händen, fest umschlossen, hielt sie ihr Smartphone. Immer wieder warf sie einen flüchtigen Blick auf das Display. Einmal um zu prüfen, ob sie neue Nachrichten empfangen hatte oder wie weit die Zeit seit dem Beginn ihrer Reise fortgeschritten war.
Genau genommen war Elisabeths heutiger Ausflug keine Reise. Von Köln aus hatte sie sich mit der Bahn auf den Weg in das nahegelegene Düsseldorf gemacht. Dort hatte sie ein bestimmtes Ziel, wobei sie sich nicht einmal sicher war, ob sie tatsächlich dorthin gehen wollte.
Die Straßenbahn machte an einer Station Halt. Ohne darüber nachzudenken sprang Elisabeth von ihrem Sitzplatz auf. Hastig drängelte sie sich an den stehenden Menschen vorbei und schlüpfte durch die Zugtüren, bevor sich diese wieder mit dem üblichen Piepsen schlossen.

Mehr oder weniger erleichtert atmete Elisabeth durch. Dann ließ sie ihren Blick durch die Gegend schweifen. Ratlos runzelte sie die Stirn. Diese Haltestelle und überhaupt diese Straße waren längst nicht ihr Ziel. Ihre Nervosität hatte sie fest im Griff. So sehr, dass sie viel zu früh aus dem Zug ausgestiegen war, obwohl sie noch weiterfahren hätte müssen.
Seufzend ging Elisabeth wenige Schritte und setzte sich im Wartebereich des schmalen Bahnsteigs auf eine ebenso schmale Sitzbank. Sie sah zur automatischen Anzeigetafel, wann die nächste Straßenbahn auftauchte. Noch handelte es sich trotz Wochenende um die Hauptverkehrszeit, da fuhren die Bahnen für gewöhnlich regelmäßig und mindestens im Fünfzehn-Minuten-Takt.

Während der Wartezeit schaute sich Elisabeth verunsichert um. Hier, in diesem Stadtteil Düsseldorfs hatte sie das Gefühl vollkommen mutterseelenalleine zu sein. Alleine und vielleicht auch ein wenig verloren. Nur die üblichen Geräusche der Stadt verrieten ihr, dass sie alles andere als das war. Sie hörte den Lärm von Autos und Straßenbahnen. Aus einem nahegelegenen Wohnhaus vernahm sie den Streit zwischen Mutter und ihrem sicherlich pubertierendem Sohn, der seine Hausaufgaben nicht machen wollte. Tauben liefen gurrend vor ihren Füßen herum, ganz in der Hoffnung, vielleicht ein paar Krümelchen zugeworfen zu bekommen.

Abermals entwich Elisabeth ein missmutiges Seufzen, als die nächste Straßenbahn gehalten hatte und sie eingestiegen war. Nach relativ kurzer Fahrtzeit war sie endlich an ihrem Zielort angekommen. Nun befand sie sich in einem Gewerbegebiet, umgeben von großen und kleineren Hallen, die entweder als Firmen- oder Lagergebäude dienten.
Elisabeths eigentliches Ziel lag am anderen Ende der Straße. Nur langsam machte sie sich auf den Weg, als ob sie ganz bedacht einen Fuß vor den anderen setzte. Mit jedem Schritt, den sie zurücklegte, schlug ihr Herz wilder. Sicherlich lag ihr Puls jenseits über den Normwerten. Plötzlich hielt sie abrupt den Atem an. Sie war dort angekommen, wo sie hinwollte.
Zu ihrer Linken lag ein Gebäude, welches von außen betrachtet einen eher schäbigen Eindruck machte. Das lag daran, dass dieses früher eine Fabrik gewesen und vor einigen Jahren zu einem Livemusikclub umgebaut worden war. Ein großes Eisentor versperrte unerwünschten Besuchern den Weg auf das Gelände.

Vorfreude überkam Elisabeth. Rasch trat sie an das schwere Eisentor und hielt sich mit den Händen daran fest. Voller Sehnsucht blickte sie in den Innenhof. Das, was ihr als erstes in Auge fiel, war ein ihr bekanntes Fahrzeug, ein großer, dunkelblauer Bus. Dabei handelte es sich um einen Nightliner, das rollende Zuhause von Lord of the Lost während der Tour.

Sofort keimten Erinnerungen in Elisabeth auf. Langsam schloss sie für einen Moment ihre Augen und erlaubte sich, diesen Gedanken nachzuhängen. Ein wohliges Gefühl breitete sich in ihr aus, als sie an die vergangenen Erlebnisse dachte, die noch nicht einmal lange zurücklagen.

„Ich bin Sebastian Harms.“

Während dem Brunnenfestival in Köln hatte Elisabeth im Rheinpark den kleinen Sebastian gefunden. Dieser hatte sich verlaufen. Sebastian war der Sohn von Chris Harms, dem Sänger der Band Lord of the Lost. Zufälligerweise zählte genau diese Band zu Elisabeths Lieblingsgruppen. Sie half dem kleinen Knirps seinen Vater wiederzufinden und dieser wollte sich bei ihr bedanken. Sie betrachtete ihre Hilfe als Selbstverständlichkeit, die mit keinem Dank entlohnt werden musste. Chris war da jedoch etwas anderer Meinung.

„Es gibt kein Hotel. Ich habe dir das Gästezimmer zurecht gemacht.“

Sebastian überreichte Elisabeth im Auftrag seines Vaters einen Brief. Der Inhalt war allerdings viel mehr, als sie erwartet hatte. Neben einer Dankeskarte hatte ihr der Sänger Bahntickets mit eingepackt und seine Telefonnummer aufgeschrieben mit der Bitte, ihn über die Zusage ihres Besuchs in Hamburg zu informieren. Nach langem Überlegen hatte Elli eingewilligt und sich ein entspanntes Sightseeing-Wochenende in der Hansestadt ausgemalt. Allerdings hatte Chris ganz andere Pläne. Anstatt sie in einem Hotel unterzubringen, hatte er ihr das Gästezimmer in seinem Haus hergerichtet.

„Du kannst morgen gerne mitfahren.“

Aufgrund des bevorstehenden Auftritts mit Lord of the Lost in München hatte Chris seinen Sohn zu seinen Eltern nach Husum gebracht und Elisabeth dorthin mitgenommen. Während eines kurzen Abstechers zum Wattenmeer hatte Chris ihr verraten, dass seine Freundin ihn wegen eines anderen Kerls verlassen hatte. Er konnte damit umgehen, sein Sohn nicht. Die plötzliche Ablehnung seitens seiner Mutter, machten dem Kind zu schaffen.

„Wieso hast du denn nichts gesagt als wir telefoniert haben? Ich hätte die Bahntickets natürlich umgetauscht.“

Einige Stunden vor dem Konzert in München hatte sie mit Bengt, Chris, Gerrit, Pi und Moritz den Olympiapark besucht. Oben auf dem Turm war sie mit Chris ins Gespräch gekommen und hatte ihm verraten, dass sie als Kind mit ihren Eltern nach Bayern gezogen war und erst seit wenigen Wochen in Köln lebte.

„Ich kann dich doch nicht zu einem Konzert mitnehmen und dich dann ohne Fotos gehen lassen.“

Der Auftritt in München war grandios gewesen. Allerdings hatte sich Elisabeth nach dem Konzert nicht getraut, wie einige andere Fans zum Merchstand zu gehen, um von den Jungs Autogramme und Fotos zu bekommen. Chris hatte jedoch dafür gesorgt, dass sie nun viele einzigartige Bilder mit ihnen hatte.

„Eigentlich wollte ich noch mit dir frühstücken, aber aus zeittechnischen Gründen war das jetzt leider nicht mehr möglich.“

Am Tag ihrer Abreise war der frühe Morgen sehr hektisch gewesen. Wecker hatten nicht geklingelt, sie waren zu spät aufgestanden und satt Frühstück hatte Chris Elisabeth ein Lunch Paket überreicht. In diesem befand sich allerdings weitaus mehr als nur Essen.

Schlagartig verdrängte Elisabeth jede weitere Erinnerung. Sie ließ das Tor los, an welchem sie sich gerade die ganze Zeit über festgehalten hatte. Dann durchsuchte sie hektisch ihre kleine schwarze Handtasche. Erfolgreich holte sie keine Minute später das schwarze Lanyard heraus, an welchem ein Backstage-Pass angebracht war. Zum gefühlten tausendsten Mal las sie, was auf der laminierten Karte stand.

Lord of the Lost - Düsseldorf - 18. August 2018

Das heutige Datum. Der heutige Spielort.

Plötzlich sah Elisabeth erschrocken auf. Eine bekannte Stimme hallte über den Innenhof des Firmengeländes. Sie erkannte den Klang. Übereilt verstaute sie ihren Backstage-Ausweis wieder in der Tasche und machte derweil auf dem Absatz kehrt.
Innerlich erlebte Elisabeth eine wilde Achterbahnfahrt. Einerseits ohrfeigte sie sich für ihr doofes Verhalten, welches sie ihrer übertriebenen Nervosität zu verdanken hatte. Andererseits war sie erfüllt von purer Vorfreude, endlich Chris und seine Jungs wiedersehen zu können.

Wäre da nicht ihre blöde Nervosität.
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