A Red Dead story: Outlaws for life

GeschichteAbenteuer / P18
01.01.2020
07.08.2020
3
8.665
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01.01.2020 4.088
 
Dies ist zwar nicht meine erste FF, aber meine RDR Story und das auch noch zum Jahreswechsel! Ich hoffe, dass sie euch trotzdem gefallen wird.

Alle OCs sind Charaktere von echten Leuten aus meinem Bekanntenkreis, von denen ich auch die Erlaubnis bekommen habe, deren Informationen für diese FF zu nutzen. Das Verhalten der OCs basiert grundsätzlich auf das Verhalten der Charaktere im Spiel. Theoretisch ist es eine Verknüpfung von Online und Storymodus, da RDR Online nur ein Jahr vor der Story stattfindet und deshalb dachte ich mir: warum nicht beide verbinden? Durch diesen Einschritt werden einige Dinge anders sein, als es von R* vorgegeben wurde, doch einige Ereignisse sollten doch noch erwähnt werden. Daher - SPOILER ALERT!


Da die Onlinecharaktere nicht sprechen und ich nicht so oft ihre Mimik und Handlung beschreiben möchte, werde ich diese - zwischen zwei Strichen als solche markieren -.
Über Reviews jeglicher Art würde ich mich freuen. Und nun viel Spaß beim Lesen ; )






Verdammter Schnee. Verdammte Kälte. Verdammtes Blackwater Massaker. Wie konnte das ganze nur schiefgehen? So wie ich es verstand, hatte eine Frau uns verraten – weshalb Dutch sie wohl auch erschossen hatte. Eigentlich gehörte es zu unserem Codex, dass wir Frauen in Ruhe ließen. Doch wenn es stimmte, wollte ich seine Taten nicht in Frage stellen. Dutch war unser Anführer. Er sollte wissen, was am Besten für uns ist.


Also stand ich hier. Hielt Wache. Hoffte, dass dieser eisige Albtraum bald ein Ende nahm.


„Alles klar, Javier?“ „Ach, weißt du, friere mich nur zu Tode.“ „Nicht aufgeben. Das wird schon.“ „Wie du meinst, Arthur.“ Der Mann tippte seinen Hut und verschwand in seine Hütte. Wie gerne wäre ich ihm gefolgt, doch ich konnte nicht einfach so von der Stelle weggehen. Ich hatte meine Pflichten zu tun. Außerdem hatte ich hier draußen ein Lagerfeuer. Wenigstens etwas.


Die Sonne ging schnell unter. Viel zu schnell für meinen Geschmack. Es wurde kälter, dunkler. Und mit der Dunkelheit kamen auch mögliche Gefahren. Wölfe. Banditen. Niedrigere Temperaturen. Zwischendurch kam jemand raus, nur um in einer anderen Hütte zu verschwinden. Bill reichte mir einmal eine Flasche Whyskey, damit es sich nicht ganz so schlimm anfühlte. Ein wenig funktionierte es, doch dass war auch schon alles. In diesem Moment wünschte ich mir tatsächlich eine Schüssel von Pearsons verheerendem Eintopf, nur um mich von Innen etwas aufwärmen zu können. Jedoch fehlte es uns an den notwendigen Zutaten. Hoffentlich wird Charles bald jagen gehen, wenn der Sturm etwas nachlässt.



Mein Gefühl für Zeit hatte nachgelassen, als ich in der Finsternis ein Licht entdeckte. Meines Wissens nach war die einzige Person außerhalb des Lagers John, doch der wurde erst vor kurzem weggschickt. Weshalb sollte er jetzt schon zurückkehren? „Wer ist da?“, rief ich, machte mein Gewehr sicherhaltshalber bereit. Ein zweites Licht tauchte auf. Es sah wie ein Wagen aus. „Wer ist da?“, wiederholte ich, diesmal lauter und zielte mit dem Gewehr.



Der Wagen kam langsam zu stehen und mir fiel auf, dass die nur schwer erkennbare Person ihre Hände hob. Kein Wort. Aber ergibt sich freiwillig. Wenn es nicht John war, wer dann? Langsam näherte ich mich dem Fremden, welcher sich nicht rührte. „Wer sind Sie?“ Keine Antwort. Als ich direkt neben dem Wagen zum stehen kam, konnte ich den Fremden besser erkennen – oder besser die Fremde. Der einzige Hinweis auf diese Erkenntnis war der lange, geflochtene Zopf. Zum Schutz vor der Kälte hatte sie ein weißes Bandana an, welches wie der Rest ihrer Kleidung weiß war. Mit Ausnahme von dem Sombrero, den sie sich sicher befestigt hatte.


Eine Mexikanerin?


„Hablas español?“, versuchte ich es diesmal, in der Hoffnung endlich eine Antwort zu kriegen. Und ich wurde enttäuscht. Stattdessen zuckte sie mit den Schultern. Was für eine seltsame Frau…


„Was machen Sie hier?“ Die Fremde zeigte hinter sich auf die mit einer Plane bedeckte Ladung. Vielleicht ein Überfall? Als ich zögerte, fing sie langsam an ihre zwei Gewehre zur Seite zu legen und zog anschließend die Plane weg. Irritiert betrachtete ich den Inhalt. Nahrungsmittel, Kleider, Krimskrams. Nichts gefährliches. „Sie sind auf der Durchreise?“ Die Frau nickte. Wahrscheinlich eine Lieferung. Hier oben? Um diese Zeit?


Ein Windstoß lies mich erzittern und auch mein Magen meldete sich. „Verdammt“, murmelte ich. Sie sah mich schräg an, stieg vom Wagen und kramte in der Ladung. Nach einer Weile reichte sie mir ein Kleidungsstück, welches sich als dicker Wintermantel herausstellte. „Für mich?“ Wieder nickte sie. Da war so ein funkeln in ihren Augen, welches ich nicht erklären konnte. Daraufhin übergab sie mir ein großes Stück Fleisch, welches in ein Tuch eingewickelt war. Ich bedankte ich mich irritiert. Hut tippend stieg sie wieder auf den Wagen. „Warten Sie! Bevor Sie verschwinden…wer sind Sie?“


Um sicher zu sein, dass niemand uns beobachtete, sah sie sich um, bevor sie sieben Finger zeigte. „Was?“ Nun tippte sie auf ihre Gürtelschnalle, auf welcher eine Sieben abgebildet war. „Sieben? Sie heißen Sieben?“ Die Frau schüttelte den Kopf, zeigte auf mich, tippte an ihren Kopf und zeigte mir nochmal die Sieben. „Ich soll mir einfach die Sieben merken?“ Genau. „Ich habe zwar keine Ahnung was das soll, aber okay. Dann werde ich Sie aber als Sieben bezeichnen. Siete.“ - Wie du meinst -. Ein letztes Mal winkte die Frau mir zu, bevor sie weiterfuhr.


Da stand ich. Völlig perplex von dem unerwarteten Treffen, den ich gerade hatte. Wer war diese Frau? Waum hatte sie mir diese Sachen gegeben? Und warum sprach sie nicht? Vielleicht eine Stumme…


Lauter Donner riss mich aus meinen Gedanken und erst jetzt realisierte ich wieder die eisige Kälte. Ohne zu zögern betrat ich die Hütte und übergab Bill das Gewehr. „Du bist jetzt dran“, sagte ich nur, als er mich verwirrt ansah. „Woher hast du die Sachen?“, fiel Micah auf, als ich meine Kleider wechselte. Das Kleidungsstück war ein edler, blauer Mantel mit Fell und interessantem Schnitt. Es passte sogar perfekt. „Schicker Mantel“, kommentierte Lenny. „Und schön warm noch dazu“, fügte ich zufrieden hinzu. „Aber woher hast du den plötzlich?“, hackte Micah weiter, worauf ich nur knurrte: „Das geht dich gar nichts an!“


„Nicht gleich so aggressiv werden.“ „Ich gebe dir gleich aggressiv, cabrón…“ „Jungs, Jungs, kommt wieder runter! Das ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, um sich zu streiten“, mischte sich der Dunkelhäutige ein. „Hast Recht“, seufzte ich. „Micah ist es eh keine Kugel wert.“ Darauf wurde gelacht. Glücklicherweise gab sich Micah geschlagen und wir konnten in Ruhe schlafen.



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Am nächsten Morgen ging raus zum Lagerfeuer, um das große Stück Wildfleisch aufzuwärmen. „Hübscher Mantel. Woher hast du den?“, fragte nun auch derPearson, der gerade vorbeiging. „Hat mir jemand gestern Abend gegeben“, war meine einzge Antwort, bevor ich zur größten Hütte ging, um das Essen zu teilen. Ich wollte nicht geizig sein und alles für mich behalten. Es war das Mindeste, was ich tun konnte, seit mich die Gang aufgenommen hatte. Die Frauen waren sehr erfreut, auch wenn es nicht viel war. Als diese die selbe Frage über den Mantel gaben, antwortete ich desmal ehrlicher: „Mir ist gestern Abend jemand über den Weg gekommen, als ich Wache hielt. Eine Frau hat mir den Mantel geschekt.“


„Oooohhh….da hatte wohl jemand Mitleid mit dem armen Javier“, säuselte Karen entzückt. „Und wer war diese Frau?“ Ich zuckte mit den Schultern. „Kannte ich nicht. Die Sicht war zu schlecht. Sie sprach aber auch nicht.“ „Was?“ Das regte jedermanns Aufmerksamkeit auf. „Kein Wort?“ Ich schüttelte den Kopf, lehnte mich mit verschränkten Armen neben den Kamin. „Was machte diese Frau überhaupt bei diesem Wetter hier oben?“, fragte nun auch Reverend Swanson. „Sah nach ner Lieferung aus. Wagen war gefüllt mit Lebensmitteln und ein paar Kleidern.“


„Was für eine Lieferung?“ Wie auf Ruf betrat Hosea die Hütte, um nach dem Rechten zu schauen. „Javier sagte, dass eine Frau auf einem Wagen ihm einen Mantel und Fleisch geschenkt hat, als sie diese Mienenstadt durchquert hatte“, erklärte Tilly, was den alten Mann aufhorchen lies. „Bei diesem Wetter?“ „Das haben wir uns auch gefragt“, sagte ich und gab dem Anführer das restliche Stück Fleisch. „Aber ich habe keine Ahnung, wer das sein könnte.“ „Nun, hübsch ist der Mantel…und das schmeckt wirklich gut“, meinte Hosea, als er einen Bissen nahm. „Hosea?“ „Mhm?“


„Sie sagten doch, dass Sie sich gut auskennen, richtig?“ Der Mann lachte. „Also ich war vor einer halben Ewigkeit in der Gegend und auswendig kenne ich mich hier auch nicht aus…aber ich kenne das ein oder andere. Wieso?“ Ich trat etwas näher, senkte meine Stimme. „Gibt es hier eine Bande von stummen Leuten, die etwas mit der Zahl Sieben zu tun haben?“ „Eine Bande von Stummen, die etwas mit der Zahl Sieben zu tun haben? Junge, du stellst ja komische Fragen.“ Ich prustete. „Die Frau hat kein Wort gesagt. Als ich sie nach ihrem Namen fragte, hatte sie mir nur sieben Finger gezeigt und auf ihre Gürtelschnalle getippt, worauf eine Sieben zu sehen war.“


Mit einem Male wurde der alte Amerikaner ernst. Seine Augen weiteten sich interessiert. „Eine Gürtelschnalle…mit einer Sieben darauf?“ „Genau.“ „Kannst du mir die Frau beschreiben? So gut wie möglich.“ Ich seufzte nachdenklich, versuchte mich an so viele Details wie möglich zu erinnern. „Weiße Kleider, die zum Wetter passten, als würde die Person öfters hier herum reisen. Sie hatte keinen Rock, sondern eine weiße Hose und einen Sombrero, ähnlich wie meiner…aber dunkler. Ihr Gesicht schütze sie mit einem weißen Bandana, wegen der Kälte. Schwarze Haare, die zu einem Zopf geflochten waren. Aber die Haut war recht blass, nicht wie eine Mexikanerin.“


„Seltsam“, murmelte Hosea. „Und weiter?“ „Die Frau war gut vorbereitet. Zwei Revolver und zwei Gewehre hatte sie dabei. Pump-Action und…Lancaster, oder sowas ähnliches.“ Beeindruckt nickte der Mann. „Die scheint wohl gut zu verdienen.“ „Der Gürtel war auch gut verziert, genauso wie die Holster. Und die Gürtelschnalle…ich habe noch nie sowas gesehen. Haben Sie eine Idee, was dahinter steckt?“ Grübelnd ging Hosea die Hütte auf und ab. „Zeit für ein paar Geschichten.“


Wie kleine Kinder versammelten wir uns um den alten Mann. Hoseas Geschichten waren unterhaltsam und momentan hatten wir eh nichts Besseres zu tun, um die Zeit zu verschlagen.
„Es gibt zwei- okay – drei Arten als Mensch auf dieser Art zu leben: Legal, illegal oder beides. Die Meisten würden den legalen Weg nehmen, aber es sind auch viele, die illegal arbeiten. Weniger sind schlau genug Beides zu machen. Wir zum Beispiel. Aber in diesem Gebiet gibt es Leute, die im Geheimen leben. Diese Leute sind Schwarzbrenner. Aber nicht irgendwelche. Die Schwarzbrenner aus den Staaten von New Austin bis nach Lemoyne sind eigene Organisationen, die gegeneinander und zusammen arbeiten.“ „So wie wir und die O´Driscolls?“, fragte Reverend, was Hosea bejahte.


„Vor einigen Jahren regierte – mehr oder weniger - eine Frau über das Schwarzbrennergeschäft. Vor etwa sechs Jahren, so habe ich das Gehört, ist sie von der Bildfläche verschwunden.“ „Einfach so?“, fragte Abigail, der Amerika winkte ab. „Die Regierung. Mal wieder.“ Das brachte einige dazu die Augen zu rollen. „Diese verdammte Regierung muss sich auch in jede Angelegenheit einmischen“, spottete ich. „Und wisst ihr, was man mit ihr gemacht hat?...Lebendig am Leibe verbrannt!“ „WAS?!“ Pure Empörung füllte jedermanns Gesicht. „Lebendig verbrannt? Wer macht denn bitte sowas? Und dann auch noch eine Frau“, jammerte Mary-Beth. Auch ich hatte kein Verständnis. Menschen töten war eine Sache. Aber lebendig verbrennen? Und dann auch noch eine Frau. In meinen Augen einen Grund ewig in der Hölle zu schmoren.


„ABER!...“, betonte Hosea mit erhobenem Finger, „das Schwarzbrennergeschäft hat vor einem Jahr in dieser Gegend wieder angefangen zu blühen. Und ich habe gehört, dass diese Frau zurück ist. Maggie Fike ist ihr Name.“ „Woher weit du das alles, Hosea?“, fiel Tilly auf. „Warst du selber einmal Schwarzbrenner?“ Besagte Person schüttelte lachend den Kopf. „Leider nein, aber ich kenne den ein oder anderen Schwarzbrenner und Maggie…ich habe einmal mit ihr zusammengearbeitet. Ein einziges Mal. Was für eine Frau…Von Männern lässt sie sich auf jeden Fall nicht an der Nase herumführen. Die Frau ist schlau, keine Zweifel. Und gewitzt noch dazu.“


„Und du meinst, dass diese Frau Maggie Fike ist?“, hakte ich nach. „Und was hat das mit der Sieben zu tun? Ist das eine Art…geheimer Code?“ „Ja…und nein. Es ist etwas kompliziert.“ „Erzähl ruhig. Wir haben alle Zeit der Welt.“ „Na schön. Aber nicht alles was ich erzähle, wird auch wahr sein. Ein Teil davon habe ich nur als Hörer mitgekriegt. “ Der Alte sammelte sich noch einmal, bevor er anfing.


„Niemand schafft es allein ein Imperium aufzubauen. Dazu braucht es Verbündete. Javier, kannst du mir mal zeigen, wie sie dir die Sieben gezeigt hat?“ „Einfach so“, sagte ich, streckte von der linken Hand alle und von der Rechten Zeige – und Mittelfinger aus. „Sie schaute sich dabei um, als sei es ein geheimes Zeichen. Mit einer Vorahnung nickte Hosea. „“Und die hatte eine Sieben auf der Gürtelschnalle. Dann ist das nicht Maggie. Sie würde sich niemals so offen zeigen. Vor allem würde sie hier oben nichts machen. Ihre Welt ist das Büro. Javier…Die Frau, die du gesehen hast, gehörte zu ihren Verbündeten. Und das war nicht einfach irgendwer.“ Mit einem ernsten Blick beugte er sich in meine Richtung. „Das war die Anführerin der Gang Septem.“ „Huh?“


Ich war nicht der Einzige, der nur Bahnhof verstand. „Die Gang…Septem? Das ist doch Latein und heißt…“ „Sieben“, beendete der Alte meinen Satz. „Ganz genau.“ „Aber warum Sieben?“


„Septem ist eine berüchtigte, wenn auch sehr mysteriöse Gang. Der Name kommt in erster Linie von der Anzahl der Mitglieder, die bei der Gründung vorhanden waren. Mittlerweile müssten es einige mehr sein. Ihr Reich ist New Hanover und die umschließenden Staaten - inklusive New Austin. Die Gang besteht aus den gefährlichsten und geschicktesten Outlaws der südlichen Staaten. Die Sache ist die – wer die Mitglieder sind. Ihre echte Identität ist ziemlich unbekannt.“ „So gut geschützt?“, fragte ich. „Und wie lange existiert die Gang schon?“ Hosea zuckte ahnungslos mit den Schultern. „Das weiß keiner genau. Ihre Aktivitäten wurden jedoch im letzten Jahr häufiger und extremer. Vielleicht existieren die so lange wie wir, vielleicht auch nur seit ein paar Jahren.“
„Wer existiert so lange wie wir?“

„Dutch, du kommst gerade rechtzeitig! Ich bin mir sicher, dass dich das auch interessieren wird. Wir reden gerade über Septem.“ „Was?“ Der jüngere Anführer setzte sich noch unwissend neben dem Erzähler. „Septem. Die berüchtigt – mysteriöse Gang, die hier ihr Unwesen treibt.“ „Septem“, wiederholte Dutch leise. „Ja. Du hast mir einmal davon erzählt. Was ist damit?“ Hosea wendete seinen Blick zu mir, dass ich antworten soll. „Es kann sein, dass ich gestern Abend während der Wache die Anführerin getroffen habe. Sie war auf der Durchreise.“ Der Niederländer hob eine Braue. „Du? Hast´ gestern Abend die Anführerin von Septem gesehen?“ „Sie soll ihm den Mantel und etwas zu Essen gegeben haben.“ „Ja…jetzt wo du es sagst…habe mich gerade gewundert, wo du das schöne Teil herhast. Steht dir.“ „Danke“, antwortete ich etwas verlegen. Komplimente zu meinem Aussehen bekam ich nur selten von ihm, was mich nun rührte.


„Erzähl weiter, Hosea“, drängte Jack aufgeregt. „Was ist nun mit dieser Gang und der Frau?“


„Also. Wo war ich nochmal…ach ja, bei der erhöhten Aktivität. „Jedenfalls soll das Schwarzbrennergeschäft seit einem Jahr wieder blühe. Die Anzahl der berüchtigten Kriminellen, die ein hohes Geld auf ihrem Kopf haben, ist zurückgegangen. Yukon Nik, Pearl the girl, Red Ben Clempson, die Owlhoot Family, Sergio Vencenza und der restliche Packt.“ „Die Owlhoot Family?“, wiederholte Dutch ungläubig. „Das ist doch ein Haufen Verrückter. Wie hat die das denn geschafft?“ „Wahrscheinlich ist sie nicht allein gewesen. Doch es muss gesagt sein, dass sie und viele ihrer Verbündeten unter Anderem erfahrene Kopfgeldjäger sind. Blackbeard ist angeblich einer von denen. Bekannt ist er als Kopfgeldjäger im östlichen Bereich von New Hanover.“


„Ich glaube, ich habe Mal von ihm gehört“, meinte Tilly. „Anthony Foreman hat jemanden mit dem Namen erwähnt.“ „Aber wenn das gefürchtete Kopfgeldjäger sind…müssen wir uns da auch Sorgen machen?“, fragte Abigail. Ich konnte ihre Angst gut verstehen. Auch ich hatte die Nase voll von Kopfgeldjägern. „Wenn es stimmt, dass du gestern der Anführerin begegnet bist und sie dir Geschenke gemacht hat, bezweifle ich, dass sie uns schaden werden. Das sind Leute mit guten Kontakten. Die erfahren schnell untereinander, was wo los ist.“ „Aber wir haben doch bereits ein hohes Kopfgeld auf uns sitzen. Warum würden die die Chance nicht ergreifen?“


„Vielleicht kennt sie unser Motto“, meinte Dutch. „So berüchtigt und gut informiert wie die sind, würde sie Menschen wie uns wohl in Ruhe lassen.“ „Gut möglich“, stimmte Hosea zu. „Wie gesagt, sie machen illegale und legale Sachen. Sie ist niemand, die unüberlegt einfach losballern würde. Nicht ohne Grund.“ „Und was genau macht diese Menschen so außergewöhnlich?“, fragte ich neugierig. „Haben die gute Waffen oder sind einfach nur intelligent?“


„Eigentlich ist der volle Gangname Muta Septem, weil keiner von denen ein Wort sagt.“ „Die stummen Sieben“, übersetzte Reverend. „Ihre Stummheit ist ein Grund für ihren Erfolg. Denn wer nichts sagt, kann auch nichts offenbaren.“ „Aber wirklich kein Wort sagen ist doch auch auffällig“, bemerkte Karen. „Es sei denn, du vermeidest Konfrontationen und lange Gespräche“, konterte Hosea. „Auch wieder wahr“, gab sich die Frau geschlagen. „Jedenfalls sollen die Stummen – so werden die Mitglieder oft genannt – einige faszinierende Fähigkeiten besitzen, unter anderem etwas, was Leute den siebten Sinn nennen. Ihre Reflexe sind unglaublich, blitzschnell und nachts können sie Tiere erkennen, die eine halbe Meile entfernt sind. Ohne Licht. Spurenlesen sei problemlos, egal bei wann und wo, bei welchem Wetter.“


„Klingt gar nicht nach einem Menschen“, meinte Dutch. „Javier und Charles sind beide gute Fährtenleser, aber ich glaube, dass Beide Schwierigkeiten kriegen, wenn es dunkel ist, dass diese ohne Licht problemlos eine Fährte finden.“ „Das stimmt“, betonte ich. „An einem Punkt kriegt jeder Probleme und dann kann man nur noch auf Glück hoffen.“ „Keiner weiß, wie sie das schaffen, aber ich nenne diese unglaubliche Sehkraft Adlerauge. Passt auf jeden Fall.“ „Das tut es in der Tat“, bejahte Dutch. „Und weiter?“


„Sie haben keine festen Unterkünfte, leben wie wir, in Zelten und frei. Immer unterwegs. Einige sind Kopfgeldjäger, andere sind Händler und dann gibt es auch noch die Sammler – ganz clevere Füchse. Die wissen, wie sie an ihre Beute kommen.“ „Was sammeln die denn?“, fragte Mary-Beth, ihre Augen glitzerten vor Neugier. „Alles Mögliche. Von einfachem bis wertvollen Schmuck, Tarotkarten, Pflanzen, antike Schnapsflaschen und was weiß ich. Und die kriegen gutes Geld dafür, so habe ich gehört.“ „Dann sollte Arthur demnächst Mal die Augen aufhalten, wenn er unterwegs ist“, säuselte ich. „Der findet doch eh immer die verrücktesten Sachen.“ „Vielleicht könntest du diese Frau mit einem Sammlerstück deine Dankbarkeit erweisen“, schlug Abigail vor. Mein erster Impuls war lachen. Doch dann erinnerte ich mich, was Hosea über den Wert solcher Sammlerstücke gesagt hatte. „Vielleicht. Hat denn jemand eine Karte oder eine antike Schnapsflasche zufällig gesehen?“


„Ich glaube, da war eine Flasche in unserer Hütte“, fiel Dutch ein, überlegte angestrengt. „Und im Stall habe ich gestern das gefunden“, sagte Mary-Beth und reichte mir eine Karte. Auf der Vorderseite ein Ritter, auf der Rückseite eine Sonne. „Vielen Dank, Mary-Beth!“ „Für dich doch gerne. Ich hätte sowieso mit der Karte nichts anfangen können.“ „Wer weiß. Vielleicht wird sie deine nächste Freundin“, scherzte Hosea, was ich auch so akzeptierte. Hätte jemand wie Micah oder Bill das zu mir gesagt, hätte ich denen eine reingehauen. Längere Beziehungen haben sich bei mir nie bewiesen. Ein One-Night-Stand war in der Regel das Längste, was ich mittlerweile akzeptieren würde. „Echte“ Beziehungen liefen immer schief. Schließlich war es eines der Gründe, dass ich hier in Amerika gelandet bin und nicht mehr in meine Heimat zurückkehren konnte.


„Hier, Sohn. Das ist die Flasche“, sagte der Niederländer und reichte mir den Alkohol. „Tennessee Whisky…nicht schlecht. Vielen Dank, Dutch!“ „Gern geschehen. Hätte das zwar gerne selbst probiert, aber es scheint nicht Mal angerührt zu sein. Hosea meinte, dass es dann noch mehr wert ist. Jetzt musst du sie nur noch finden.“ „Sollte nicht schwer sein. Wenn sie hier durchfährt, um ihr Ziel zu kommen, fährt sie wahrscheinlich auch den selben Weg zurück.“ Auf einmal lachte der Anführer. „Dumm bist du nicht, Javier, oh nein. Das wusste ich schon immer.“



Nicht nur, weil ich diese mysteriöse Frau treffen wollte, sondern auch, weil der neue Mantel gut wärmte. Es fiel mir um einiges leichter bei dem Mistwetter draußen zu stehen. Die Aufregung lies die Zeit wie im Fluge vergehen, oder ich bildete es mir einfach nur ein. Doch es schien nicht lange zu dauern, bis der Wagen wiederauftauchte. Auch wenn die Sonne strahlte, verhinderte der dichte Nebel die Sicht erheblich und erst als das Transportmittel einige Fuß von mir entfernt war, konnte ich auch die Person darauf erkennen. Mein Herz schlug plötzlich schneller. „Sie sind zurück!“


Wie zuvor sagte sie kein Wort, nickte nur und stieg hinunter, um etwas vom Wagen zu holen. Ein raues Stöhnen ertönte, welches mir nur allzu bekannt vorkam. Die Frau hatte sich einen Mann über die Schulter geworfen und ging auf mich zu. Ich konnte nicht fassen, wen sie gefunden hatte. „John?“ Ohne zu zögern ging die Fremde an mir vorbei, steuerte auf die größte Hütte zu. Schnell überholte ich sie und ging als erstes hinein. „Javier“, fragte Dutch. „Ist etwas?“ „Ihr werdet es nicht glauben, wen ich gefunden habe“, sagte ich, ließ die Person hinter mir eintreten und schloss die Tür.


Alle Blicke waren auf die immer noch maskierte Frau gerichtete, welche den Mann auf eine der Bänke legte und ihn überprüfte. „John!“ „John ist zurück!“ „Ist er okay?“ Abigail war die Erste, die aufgesprungen war und nach ihm schauen wollte. „Was ist passiert?“, fragte Susan und näherte sich ihr. Da John nicht reagierte, gab die Fremde ihm ein paar Klapser auf die Wange. Nichts. Keine Reaktion. Ein schallender Knall, den man gefühlt bis nach Blackwater gehört hätte, ertönte und endlich…


„Ah! Uh…w-wo bin ich?“ „John!“ Zufrieden entfernte sich die Fremde, worauf die Frauen sich um ihn versammelten. „John, du bist in Sicherheit. Du bist wieder bei uns“, versicherte Abigail ihn. „Was ist mit dir passiert? Du bist ja verletzt“, stellte Miss Grimshaw fest. „Wölfe…sie sind einfach gekommen und haben mich angegriffen. Mein Pferd hat mich angeworfen. Ist weg. Ich dachte, ich würde sterben…dann ist sie aufgetaucht…und hat mich gerettet.“ Schwach zeigte er auf die Fremde, welche uns mit einem Lächeln zunickte. Augenblicklich bedankte sich jeder bei ihr für ihre gute Tat. Miss Grimshaw war rausgegangen, um den Rest zu informieren.


„Danke…dafür, dass Sie John gerettet hast. Er ist wie ein Bruder für mich“, sagte ich, versuchte nicht allzu lange in ihre Augen zu starren. Also nahm ich mir den Moment sie genauer zu betrachten. Der Schnee auf ihren Kleidern begann langsam zu schmelzen. Mit einer Bewegung, die fast schon mechanisch aussah, ließ sie den Sombrero auf ihrem Rücken ruhen und zog das Bandana hinunter. Blasse Haut, eisblaue Augen, blutrote Lippen und ein paar Narben auf der rechten Wange, die wie die von John ähnelten, jedoch vor langem schon verheilt. Die Wangen waren von dem Temperaturunterschied gerötet und gaben ihr ein jüngeres Aussehen. Eine Kaukasische Schönheit, keine Spur von lateinamerikanischen Zügen oder Merkmalen.


Ich brauchte einen Moment, um zu realisieren, dass auch sie mich anstarrte. Fast so, als würde sie mich wiedererkennen. Dabei kannte ich sie gar nicht. Fast schon hilflos suchte ich nach den richtigen Worten. Doch das war nicht nötig. Im nächsten Moment kam schon der Rest der Gang und die Stimmung änderte sich schlagartig. Hosea war der Erste, der die Initiative nahm. „Ach, Sie müssen Johns Retterin sein. Vielen Dank, dass Sie das getan haben. Das war sehr mutig von Ihnen.“ Die Stumme zuckte mit den Schultern. Nicht der Rede wert. „Oh, nur nicht so bescheiden“, lachte Dutch, klopfte ihr locker auf die Schulter.



Es schien ihr nicht unangenehm, in der Nähe von mehreren Menschen zu sein. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass ihr der ganze Lob eher egal wäre. Als wenn sie das schon zu oft erlebt hätte und es für sie normal geworden war. Ich steckte eine Hand in eine Jackentasche. Da fiel mir plötzlich etwas ein. Ohne die zwei Anführer schlecht aussehen zu lassen, versuchte ich ihre Aufmerksamkeit auf mich zu richten. „Außerdem wollte ich mich für den Mantel und das Fleisch bedanken. Das war sehr freundlich. Bitte, nehmen Sie das als Dank. Ich habe gehört, dass Sie Sammlerin sind.“ Freude zeichnete sich in den Zügen der Frau, als ich ihr Flasche und Karte überreichte. Und wie bei den letzten Malen sagte sie kein Wort. Stattdessen deutete sie eine Verbeugung an und steckte die Sachen in ihre Manteltasche.



Hosea hatte Recht. Es war eine gute Idee ihr die Sachen zu geben…
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