Wenn Huber zum Abendessen kommt

von Leeuwin
GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12 Slash
Benedikt Huber Ingo "Easy" Winter Paco Weigel Richard "Ringo" Beckmann Tobias Lassner
31.12.2019
04.01.2020
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„Bitte Benedikt, tu das nicht.“

„Aber –“

„Nein wirklich, lass es!“, beharrt Andrea am anderen Ende der Leitung auf ihrer Meinung, „die Straßen sind so gut wie dicht, es schneit höllisch und überall ist Chaos.“

„Ich habe ein ziemlich gutes Auto, weißt du?“, versucht er es ein letztes Mal, aber seine Exfrau lässt sich nicht darauf ein. „Denkst du nicht, dass diese Familie in den letzten zwei Jahren genug Katastrophen mit Autounfällen erlebt hat? Lass uns Weihnachten einfach um ein paar Tage verschieben, okay? Ich bin mir sicher, Ute und die Weigels nehmen dich heute Abend gerne bei sich auf.“ Benedikt schnaubt unzufrieden, während er sich in seiner leeren Wohnung umguckt. „Vergiss es, ich bin wahrscheinlich die letzte Person, die sie gerade brauchen. Und um vollkommen ehrlich zu sein, ich bin selbst auch nicht allzu wild darauf, einen ganzen Abend verbal um die Sache zwischen Conor und seinem Vater herumzuschleichen, jetzt, da wir unsere eigenen Familienprobleme endlich hinter uns gelassen haben.“

„Du solltest Heiligabend nicht ganz allein verbringen.“

„Werde ich nicht. Wir verschieben ihn doch, nicht wahr? Also ist heute noch gar nicht Heiligabend.“

Er kann Andreas Lächeln förmlich hören. „Ah, der gute alte Huber-Weg. Mach es richtig oder mach es gar nicht. Aber würdest du dich später vielleicht trotzdem über einen Videoanruf freuen?“

„Natürlich würde ich das. Wir sehen uns also später noch mal.“



Manchmal verwundert es Easy noch immer, wie entspannt die Beziehung zwischen Tobias und seinem Bruder mittlerweile geworden ist. Vor weniger als anderthalb Jahren noch hätte sein bester Freund jede sich ihm bietende Gelegenheit genutzt, um ihm zu erzählen, dass Ringo sein Leben ruinieren würde, weil es das sei, was Ringo am Ende immer tat und jetzt…

„Perfekter Plan sie hier zu verstecken, damit das hinterhältige kleine Wiesel sich nicht an Vivi und mir rächen kann, findest du nicht?“

„Das ist mein Ehemann, von dem du da redest!“

Sie stehen in einem der Büroräume von Wagner&Lassner und der Anwalt legt stolz Paket nach Paket auf seinen Schreibtisch.

„Und außerdem waren das in der WG auch meine Hochzeitsgeschenke… die ihr heimlich ausgepackt… und damit gespielt habt… was macht dich also so sicher, dass ich nicht selbst jetzt gerade, in diesem Augenblick, Rache an dir plane?“

Tobias wirft ihm einen Blick zu, der deutlich sagt, dass er an seiner Befähigung zweifelt, wenn es um solche Dinge geht, aber als Easy versucht, eines der Geschenke an sich zu nehmen, nimmt er es ihm trotzdem sofort wieder aus der Hand.

„Nur für alle Fälle. Du bist jetzt immerhin die andere Hälfte des hinterhältigen kleinen Wiesels und… warum lächelst du auf einmal so?

„Och… ich bin nur glücklich, dass wir den Weihnachtsabend auf diese Weise zusammen verbringen.“

Tobias sieht für eine Sekunde so aus, als wolle er ihn ins Kreuzverhör nehmen, aber sie drehen sich beide überrascht herum, als sich plötzlich die Eingangstür öffnet und Benedikt Huber hereinstürmt, offensichtlich in besonders schlechter Stimmung. Im Vorbeigehen nickt er ihnen flüchtig zu und ist die offene Treppe schon halb emporgestiegen, um zu seinem Büro zu gelangen, als Tobias seine Neugier nicht mehr unterdrücken kann und aus seinem eigenen heraustritt. „Sollten Sie nicht längst bei Ihrer Familienfeier in Hamburg sein?“, fragt er die Treppe hinaufblickend. Langsam dreht Huber sich um. Sein Blick ist eiskalt und seine Stimme zeigt keinerlei Emotion.

„Nun, Herr Lassner, da ich just in diesem Augenblick direkt vor Ihnen stehe, bin ich sehr offensichtlich nicht fortgefahren. Ein guter Anwalt sollte in der Lage sein, solch simple Fakten zusammenzusetzen, ohne nachfragen zu müssen, aber womöglich sind sie doch noch nicht wieder ganz auf dem Damm, also sollten wir diese kleine Befragung vielleicht einfach beenden, denken Sie nicht?“

„Und frohe Weihnachten auch für Sie“, lässt Tobias betont glücklich verlauten, sich dazu entscheidend, die Beleidigung zu ignorieren, und sowohl er als auch Easy fixieren weiterhin die zweite Etage, während Huber sein Büro betritt, sich einen Whisky einschenkt und deutlich die Tatsache ignoriert, dass er gerade angestarrt wird. „Denk nicht einmal daran”, murmelt Tobias beschwörend. Easy zieht fragend die Augenbrauen zusammen.

„Was meinst du?”

„Du denkst darüber nach, Huber zu unserem Weihnachtsessen einzuladen.“

„Tue ich nicht.“

„Ringo wird dich dafür umbringen.“

„Dann besorg ihm bitte einen guten Anwalt.“

„Sehr witzig, aber ich meine das todernst, Easy, lass es!“, versucht Tobias es ein letztes Mal, aber sein bester Freund hat bereits die ersten Stufen der Treppe hinter sich gelassen.



Einige Sekunden später steht er vor dem Schreibtisch des ehemaligen Chefs seines Ehemannes. Huber mustert ihn misstrauisch, das Whiskyglas immer noch in der rechten Hand.

„Wie kann ich Ihnen helfen, Herr Winter? Oder warten wir nur darauf, dass Ihnen eine Ihrer trefflichen kleinen Beleidigungen einfällt, die mich immer so amüsieren?“

„Ich wollte Sie fragen, ob Sie den Weihnachtsabend mit uns in der Wohngemeinschaft verbringen möchten.“

„Sie…was?“

„Glauben Sie mir, ich bin darüber genauso überrascht wie Sie, aber ich habe Dickens‘ Weihnachtsgeschichte mehr als einmal gesehen – die Muppetversion und auch die mit Bill Murray – und ich glaube, dass es, würden Sie von den Geistern der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnacht besucht werden und von morgen an mit Geld und Liebe um sich werfen, zu viel für uns alle zu verkraften wäre, nach all den Dingen, die wir zuletzt verarbeiten mussten, also…“

„…dachten Sie, mich dazu einzuladen, den Abend mit Ihnen, Miss Piggy und den jungen Waldorf und Statler zu verbringen, sei das kleinere Übel?“     

„So in etwa. Und Sie sollten Vivien besser nicht Miss Piggy ins Gesicht sagen, wenn Sie den Abend überleben wollen. Also, kommen Sie?“

„Natürlich nicht.“

Huber schenkt sich selbst einen weiteren Drink ein und hebt das Glas diesem zuprostend in Easys Richtung, der langsam seinen Kopf schüttelt.

„Sie realisieren schon, dass das hier bereits Sie sind, der vom Geist der gegenwärtigen Weihnacht aufgesucht wird, und ich der Nette bin? Waldorf und Statler werden Sie nicht so freundlich einladen."

„Ihr Ehemann und sein nervtötender Halbbruder werden mich überhaupt nicht einladen.“

„Werden sie, wenn ich sie darum bitte… also, haben wir einen Deal? Es ist ohnehin die einzige Möglichkeit, um zu verhindern, dass wir Sie in albernen Kostümen holen kommen.“
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