Ipheia II

von Black One
GeschichteDrama, Familie / P18
Aragorn Elrond Isildur OC (Own Character) Thranduil
31.12.2019
14.02.2020
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Ipheia II

Huhu allerseits!

Danke vielmals für die Reviews zum letzten Kapitel!
Jetzt geht es weiter mit der Handlung und zwar rasant vorwärts O.O
Viel Spass und noch einen schönen Valentinstag XD

Kapitel XIV

Jahresbeginn 3017, D.Z.

Die Sonne war ein glühender Feuerball. Gerade ging sie am Horizont unter und tauchte die Ebene von Rohan in rotes Licht, die wenigen Steine und Hügel warfen lange Schatten über den trockenen Boden.
Am Rand der Ebene, zwischen den Furten des Isen und dem Dol Baran ritt eine einsame Gestalt auf einem grauen Pferd. Sie war in dunkelgrüne, halb zerfetzte Kleidung gehüllt, ein schwarzer Umhang bot ihr gegen den scharfen Wind Schutz.
Ipheia hob den Blick kein einziges Mal, als Ereinion in die reißende Strömung schritt und sich mühevoll durch den Fluss kämpfte, jeder Tritt ein einziger Kraftakt. Ihre schwarzen Haare hingen ihr verfilzt wie ein Vorhang ins Gesicht und schützten des Tags vor dem gleißenden Licht.
Sie sah sich nicht um, als sie die Schreie hörte, als sie glaubte, ein Warg springe auf ihren Rücken. Sie reagierte nicht einmal, als sie meinte, eine Hand auf ihrem Oberschenkel zu spüren und leise seine Stimme zu hören. Sie wollte nicht mehr.
Stattdessen trieb sie Ereinion an, der mit wenigen großen Sätzen das andere Ufer erreichte und sich aus dem Isen erhob wie neugeboren. Sein Fell klebte schwarz an ihm und er schüttelte sich einmal, dass das Wasser nur so spritzte.
Auch wenn es noch nicht zu dunkel war, um weiterzureiten, hielt Ipheia ihren treuen Begleiter an und stieg von ihm ab. Mit einem Handgriff löste sie den abgenutzten Sattel, an dem sie den nun durchnässten Proviant aus einem rohirrischen Dorf befestigt hatte.
Ereinion entfernte sich nur wenige Schritte von ihr und begann sofort zu grasen. Kurz schnupperte er an einigen Grashalmen, dann zog es ihn weiter in eine Sandkuhle, in der er sich genüsslich wälzte.
Ipheia machte kein Feuer. Sie machte nie Feuer. Sie könnte sich daran verbrennen. Eine kalte Stimme in ihrem Nacken flüsterte etwas, doch sie winkte unwirsch mit der Hand. Verschwindet. Sie sollten verschwinden! Es blieb ruhig.
Nachdem sie ihren Mantel zum Trocknen ausgelegt hatte, griff Ipheia ihren Bogen, den Köcher mit den unterschiedlichsten Pfeilen, orkisch, von Menschen und Elben, und ihr Messer. Am Ufer des Isen kniete sie sich hin und blickte kurz ins Wasser.
Ihre Reflektion wechselte dauernd. Einmal sah sie sich, eingefallene Augen und Wangen, ein irres Lächeln auf den Lippen. Im nächsten Moment war er es. Elrond. Der Verräter. Dann Thranduil. Sein Blick war sanfter, doch wenn sie blinzelte, verwandelte sie sich in eine wahnsinnige Fratze.
Ipheia schüttelte den Kopf. Sie musste ihre Waffen von Orkblut befreien. Jetzt. Mit penibler Gründlichkeit wischte sie ihr wertvollstes Gut, den Bogen, mit einem Fetzen ihrer Hose sauber. Die Flüssigkeiten stammte von einem Ork, dessen Auge sie mit der Spitze des Bogens durchbohrt hatte. Die Sehne war vom Blut eines Wargs getränkt, dem sie die Kehle durchgeschnitten hatte.
Sie untersuchte die Pfeile. Viele waren halb zerbrochen oder zerfielen in ihren Händen. Die orkischen waren verbogen und trafen alles, außer ihr Ziel. Die menschlichen mochte Ipheia gerne. Sie gab es oft gegen ein oder zwei tote Orks zu erwerben. Das ursprüngliche Set, die elbischen Pfeile, waren bis auf eine handvoll in den letzten Jahren verschwunden mit ihren Opfern oder aber die Spitze war irreparabel geschädigt.
Das Messer hielt Ipheia direkt ins Wasser. Kurz färbte sich die Strömung rot, doch dann war das Blut schon weggeschwemmt. An ihrem Hosenbein trocknete sie die Waffe ab und steckte sie zurück. Sie verschnallte die Waffen wieder richtig, ehe sie zurück zu ihrem notdürftigen Lager ging.
Ipheia ließ sich, nachdem sie die Sattelunterlage ausgebreitet hatte, auf diese sinken und griff nach dem Proviant. Das Brot war noch nicht schimmlig, dafür aber vollkommen labbrig vom Wasser. Der Kürbis hingegen hatte die Reise gut überstanden und schimmerte orange in den letzten Sonnenstrahlen, die wenige Sekunden über die Ebene blitzten, ehe sie erloschen und die Nacht sich über Rohan senkte.
Mit ihrer Waffe halbierte sie den Kürbis und das Brot und während sie letzteres aß, entfernte sie alle Kerne und packte sie in einen kleinen Beutel. Im nächsten Dorf würde man sie dankend annehmen. Die Schale entfernte Ipheia, um sich nicht die Zähne auszubeißen, ehe sie auch die Kürbishälfte verspeiste.
Gut gesättigt rollte sie sich auf der Satteldecke zusammen. Ereinion graste friedlich zu ihren Füßen und schnaubte ab, wenn sie hochfuhr, weil sie meinte, ein Geräusch gehört zu haben. Es war für Ipheia tröstlich zu wissen, dass er auf sie aufpasste.
So müde und erschöpft sie auch vom Kampf des Tages war, der Schlaf wollte nicht über sie kommen. Ipheia schwankte zwischen Erleichterung und Unwohlsein. Sie wollte nicht schlafen. Er würde sie wieder verfolgen, wieder versuchen, das zu beenden, was ihr Vater begonnen hatte. Sie ähnelte ihm immer mehr, Isildur. Der wilde Ausdruck, die Gereiztheit und Unruhe. Wie ihr Vater. Sie war so wie er.
Wenn sie schlief, sah sie sich mit ihnen. All denen, die sie geliebt hatte, die auch sie geliebt hatten. Das ertrug sie nicht. Den anklagenden Blick Arwens, die Bitte, zurückzukehren. Thranduil, der ihr zunickte und sie aufforderte, sich ihren Gedanken zu stellen. Und Elrond. Elrond, der sie verfolgte. Elrond, hinter dem ein Ebenbild ihres Vaters stand.
Sie war die letzte Hürde für ihn. Den Erben Isildurs. Um König zu werden. Auch wenn sie kein Anspruch auf den Thron hatte und ihn auch nie haben wollen würde, so war sie dennoch die Tochter ihres Vaters. Und Elrond hatte das gewusst und sie aufgenommen.
Wie hatte sie so blind sein können? Nicht erkannt, dass Elrond sie nicht als seine Tochter sah, dass sie für ihn nur ein Mittel zum Zweck war. Wie lange hatte er nach einem anderen Erben gesucht? Einem rechtmäßigen? Die Jahrzehnte, die sie nicht in Imladris verbracht hatte, hatte er gut zu nutzen gewusst. Der Erbe Isildurs, König von Gondor und über die Menschen. Wie sehr verabscheute sie diesen Titel?
Ein Schrei ließ sie hochfahren. Ipheia riss ihr Messer hoch und sprang auf die Füße. Wild huschten ihre Augen über die nächtliche Ebene. Alles war leer, alles war still. Ereinion graste ruhig und gelassen.
Ipheiha taumelte und griff sich an die Kehle. War sie das gewesen? Wann hörte diese Qual endlich auf? Wann hatte sie endlich ihren Frieden? Wann wurde sie nicht mehr gejagt? Sie wollte doch einfach nur Freiheit.
Erschöpft sackte sie auf die Satteldecke. Das Messer fiel ihr aus der zitternden Hand. Sie seufzte schwer. Es tat so weh. Warum konnte sie nicht einfach das, was war, vergessen? Es eine Geschichte werden lassen, einen Mythos? Warum musste sie alles Tag für Tag mit sich tragen.
Ereinions warmer Atem an ihrer Hand ließ sie den Blick heben. Er blickte sie aus seinen großen Augen sanftmütig an, schnaubte einmal ab, ehe er sich dem Gras direkt neben ihr zuwandte. Ein wenig Schlaf. Sie brauchte noch ein wenig Schlaf, um morgen ihre Reise anzutreten. Um morgen dorthin zu gelangen, wo sie schon seit so vielen Jahren hinwollte.
Ipheia hörte ihre eigenen Schreie diese Nacht nicht mehr, auch wenn sie weiter über die Ebene gellten. Stattdessen hörte sie in ihren Ohren die Schreie so vieler. Isildur, Elrond, Celebrían, Gil-Galad, Elendil, Arwen, Elladan, Elrohir, Gandalf. Sie alle schrien und Ipheia schrie, wenn sie sie töteten. Thranduil. Thranduil flüsterte ihr sanft ins Ohr, bevor er die Klinge in ihren Bauch stieß. Er grinste, seine Augen flackerten schwarz, als sei er nicht Thranduil sondern Isildur. Ipheia schrie.

Als sie am Morgen mit der flachen Hand über Ereinions Rücken wischte, stach ihr das Licht der Sonne in den Augen. Schützend hob Ipheia den Arm, als sie die Decke und anschließend den Sattel auflegte. Den übrigen Kürbis verstaute sie in einem Beutel, den sie an ihrem Pferd befestigte. Nach einem letzten Blick zurück, ob sie nichts vergessen hatte, stieg sie auf.
Sie wendete Ereinion gen Süden, auf die Ausläufer des Weißen Gebirges zu. Diesen würde sie folgen, bis sie Minas Tirith erreichte. Bis sie am Ende ihrer Reise angelangt war. Energisch trieb sie ihr Pferd an, doch er tat keinen Schritt.
Wie immer. Wie jeden Morgen. Wie jedes Mal, wenn sie Richtung Gondor reiten wollte. Sie waren gemeinsam schon an so vielen Orten gewesen, hatten von der Wildheit und Natur Mittelerdes schon mehr gesehen als alle Menschen zusammen. Und dennoch, Ereinion weigerte sich, auch nur einen Schritt nach Gondor zu machen.
Ergeben seufzte Ipheia und richtete sich zu den Braunen Landen, nördlich Mordors aus. Ihr letzter Besuch dort lag schon mehrere Jahre zurück und die Orks vermehrten sich wie die Fliegen. Eine Säuberung würde auch dem menschenbefreiten Landstrich nicht schaden.
Ereinion schritt eifrig vorwärts, die Ausdauer des elbischen Pferdes war beeindruckend. Ein Geschenk eines Königs. Sie beugte sich über den Hals und befreite das Fell von Sandklumpen.
Er war schön. Ein edles Tier. Die Menschen fürchteten sich vor ihm, vor ihm und seinem Reiter in der dunklen Kleidung. Der Teile von Orkleichen als Beweis für ihren Tod brachte. Der immer nach Blut und Tod roch. Ipheia merkte diesen Gestank selbst gar nicht mehr. Das war sie. Das war sie immer gewesen, diese Dunkelheit. Sie stemmte sich dagegen, wehrte sich, aber ihre Kräfte ließen nach. Bald. Bald war alles vorbei.
Sie trieb Ereinion an und jagte mit ihm über die Ebene.


Die Orks nahmen reißaus, als sie die dunkle Gestalt am Anduin sahen. Ipheia jagte ihnen eine kurze Strecke hinterher, doch als sie sich Dagorlad näherten, wendete sie Ereinion ab und ritt stattdessen weiter Richtung Osten. Die Totensümpfe waren kein Ort, der für lebende Wesen geeignet war.
Von Norden her ritt sie das Aschegebirge an, wo sie das Nest der Orks vermutete. Bei ihrem letzten Besuch hatte sie einen großen Teil des unterirdischen Höhlensystems in Brand gesetzt, unabsichtlich, doch die Orks waren zu hunderten gestorben. So sehr sie das Feuer auch hasste und fürchtete, es war eine mächtige Waffe.
Ereinion schritt vorwärts, die Leichtigkeit fehlte seinen Bewegungen jedoch. Die Hitze, die schlechte Luft und die Aschefetzen, die aus der Luft fielen, setzten ihnen beiden zu. Mit Lederlappen bedeckte sie möglichst den ganzen Körper ihres Pferdes, um zu verhindern, dass die Feuerreste, sein Fell in Brand setzten.
Bei ihrem ersten Besuch war ihr dieser gewaltige Fehler unterlaufen. Ereinion hatte sie weiter und weiter getragen, auch wenn er selbst schon halb tot gewesen war. Einen besseren Begleiter könnte sie sich nicht wünsche. Sie war ihm eine schreckliche Reiterin und dennoch duldete er sie, opferte sich gar für sie auf.
Innert weniger Tage durchritten sie das Aschegebirge. So weit war sie noch nie Richtung Barad-Dur vorgedrungen, die Angst vor ihren Erinnerungen hatte es ihr nicht erlaubt. Wie weit war es noch? Wenige Tagesritte bis zu dem Ort, wo Elendil gefallen war. Nicht weit von dem Ort, wo sie selbst fast gestorben wäre. Ermordet.
Ereinion ließ sich nicht beirren, wenn sie auf seinem Hals zusammenbrach. Unermüdlich kämpfte er sich voran, bis er schließlich den Kamm des Berges erreichte. Geschützt von drei Seiten von unerklimmbaren Gipfeln mit Blick auf Mordor. Eine gute Stelle, um Rast zu machen. Ereinion brauchte dringlich eine Pause, wenn er jederzeit bereit sein musste, zu flüchten.
Ipheia wollte gerade ihr Lager ausbreiten, sie zog den Umhang noch etwas tiefer. Auch wenn das Feuer noch so weit entfernt war und sie die Hitze hier weniger spürte als sonst wo, so hatte sie dennoch Angst davor. Das Feuer würde ihr ein ewiger Feind bleiben.
Sie ließ ihren Blick über die Ebene gleiten. Mordor.
An Barad-Dûr blieben ihre Augen hängen. Sie taumelte leicht, ein Krächzen kam ihr über die Lippen. Das konnte nicht wahr sein. Das durfte nicht wahr sein. Ipheia sackte zusammen.
Der Turm stand. Mächtig und glühend ragte der schwarze Turm in der Ebene von Gorgoroth auf, wieder voll intakt und errichtet. Zu seinen Füßen rannten Orks umher, schrien laut und in diesem Moment wurde Ipheia klar, was sie hörte: Das rhythmische Klopfen, wenn Waffen geschmiedet wurden.
Ereinion stand wie ein Standbild neben ihr. Mehr denn je erinnerte er sie an seinen Namensvettern. Gil-Galad. Der oberste König, der letzte König der Elben. Er war gefallen, um das hier zu zerstören. Er war gescheitert, noch im Tod.
Ipheia stieg auf Ereinion, ihr Blick glitt erneut über die Ebene. Wie hatte sie es nur nicht bemerken können? Was im Gange war? Dass das Böse sich erneut erhob, nach über 3000 Jahren, um alles, was Mittelerde ausmachte, bis auf die Grundfesten zu zerstören.
Sie konnte es nicht lassen. Sie musste jetzt los. Fort von hier. Sie mussten gewarnt werden. Alle. Was war ihr Schicksal schon im Vergleich zu dem aller? Wie viel wog ihr Leben, wenn sie es gegen das von tausenden Unschuldigen hielt?
Mittelerde würde überschwemmt werden. Noch - noch war es nicht zu spät. Vielleicht. Hoffentlich.
Ereinion sprengte den Berg hinab und stürmte Richtung Nordosten.
Ipheias Gedanken rasten. Sauron. Sauron. Sauron.
Ihr Vater. Seine Dummheit. Der Eine Ring. Saurons Leben war an ihn gefesselt gewesen. Elrond hatte ihr davon erzählt. Ipheia schüttelte sich, nur den Gedanken auszusprechen - vielleicht sollte sie Sauron nicht aufhalten? Um zu verhindern, dass Elrond die Macht erhielt, die er sich seit so vielen Jahrhunderten erkämpfen wollte?
Nein. Das war egoistisch. Das würde sie genauso zu einer Mörderin machen.
Sie trieb Ereinion weiter an. Sie würde keinen Rast machen können, ehe sie nicht diese Brut des Bösen hinter sich gelassen hatte. Ipheia mochte sich gar nicht ausmalen, was das bedeutete. Die Rückkehr Saurons. Daran bestand kein Zweifel.
Noch war sie nicht bereit, sich dem zu stellen. Vorher, ja vorher musste sie es jemandem sagen. Mittelerde warnen. Wie von alleine steuerte Ereinion auf sein altes Heim zu. Dort waren sie in Sicherheit. Thranduil würde sie beschützen, sie musste nur zu ihm gelangen.


In der dritten Nacht hielten sie an, um zu verschnaufen. Ereinion ließ sich kraftlos auf den Boden fallen und frass halbherzig im Liegen einige Grashalme. Es tat ihr Leid, ihn so zu schinden, doch er verstand sie auch ohne Worte. Er wusste, dass es nicht anders ging. Zärtlich strich sie ihm über die schweißverklebte Stirn, ehe sie sich daran machte, die Salzkrusten von seinem Körper wegzustreichen und ihn mit einem Stoffstück abzurubbeln und zu trocknen.
Erst als Ereinion sich ganz hinlegte, konnte auch Ipheia aufatmen. Morgen früh würden sie weiterreiten. Morgen früh.
Heute würde sie keinen Schlaf finden.
Ihre Finger rutschten zu dem kleinen Lederbeutel, den sie seit dreitausend Jahren mit sich herumtrug. Das Papier war elbisch, sonst hätte es nicht so lange überlebt und die Tinte war fast verblich. Mit viel Sorgfalt hatte sie es über die Jahrhunderte immer wieder nachgemalt.
Erneut las sie die so vertrauten Worte, die letzten, die ihre Mutter an ihren Vater gerichtet hatte. Wie sehr konnte Liebe nur schmerzen? Wie sehr?

Isildur

Mit Tränen schreibe ich diesen Brief, ich kann sie kaum zurückhalten, doch ich will stark für dich sein. Ich weiß, dass du es hasst, wenn ich weine. Manchmal frage ich mich, warum, manchmal nehme ich es einfach hin. Heute ist es mir schlicht und einfach egal, denn dass du mein Weinen hasst, ist der kleinste Fehler, den du in deinem Leben begangen hast.

Dass es so weit gekommen ist, hatte viele Gründe, die sich über die Jahre hinweg gesammelt und gestapelt haben. Damals, als Ipheia auf die Welt kam, waren wir beide glücklich. Erinnerst du dich daran?

Womit hat dein Hass begonnen? Damit, dass ich älter bin als du, mehr Erfahrung habe, dich oft darauf hingewiesen habe, dass du dabei bist, eine schlechte Entscheidung zu fällen und Recht behalten habe? Oder war es, dass ich keine grauen Strähnen bekommen habe, dass ich immer noch jung und schön bin, wohingegen du alterst? Ich habe dir immer gesagt, dass ich dich liebe. Du weisst, dass kein Elb ohne seinen Seelenverwandten überleben kann, es gibt keine Ausnahmen.

Du magst mich hassen für das, was ich bin. Eine Elbin. Sie hintergehen dich alle, das denkst du doch immer, nicht? Ich sage dir nur eins: Es gibt niemand ehrwürdigeren als die Elben und auch wenn sie nicht unfehlbar sein mögen, so sind sie doch nicht schlecht im Wesen, denn so wurden sie nicht geschaffen.

Wenn du also einen Sündenbock für all das, woran du gescheitert bist, suchst, dann nimm mich. Mein Volk hat mich verstoßen, weil ich dich liebe. Ja, Isildur, ich liebe dich noch heute. Doch weisst du, was ich noch mehr liebe? Wahrscheinlich wirst du es niemals verstehen. Ich liebe sie noch so viel mehr, mehr als dich, mehr als mich, mehr als alles andere auf der Welt zusammen. Ipheia ist mein ein und alles und deshalb trägt sie ab dem heutigen Tage ihren ganzen Namen, so wie es Sitte und Brauch bei meinem Volk ist, dem auch sie zur Hälfte angehört. Am dem heutigen Tag, ab diesem Moment ist der Name unserer Tochter Ipheia Egenia.

Ich kann nicht mehr ohne sie. Sie ist mein ein und alles. Ihr werdet nicht mehr aus dem Krieg zurückkehren, daran glaube ich nicht. Damals, bevor ich dich kennengelernt habe, da habe ich ihn einmal gesehen. Sauron. Ich war wie verzaubert, wer war das nicht. Ich weiß, wozu er fähig ist. Ihr habt dem nichts, rein gar nichts entgegenzusetzen. Ereinion weiß das und auch Elendil und Oropher. Ihr zieht in einen Krieg, den ihr nicht gewinnen könnt. Der Eine Ring ist zu stark, er wird euch alle vernichten.

Ich würde es nicht ertragen, die Nachricht zu hören. Dass ihr tot wärt. Beide. Kein Elb ohne seinen Seelenverwandten. Und kein Elb ohne seine Kinder. Ich könnte niemals meine Sachen packen, eure nicht anrühren und Mittelerde verlassen. Niemals.

Deshalb muss ich das hier tun. Bitte, vergib mir. Sorge gut für Ipheia. Bring sie in Sicherheit, solange es noch geht. Tu es für sie, nicht für mich. Du hast alles Recht der Welt, mich zu hassen.

Ich liebe dich, Isildur. Von dem Tag an, an dem ich dich traf, bis zu meinem letzten. Dem heutigen.

Leb wohl
Egenia
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