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Ende gut, Alles gut! (Shaolin Wuzang)

GeschichteFantasy, Freundschaft / P12 / Gen
30.12.2019
14.02.2020
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9.160
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In der Gebetsstätte

Frau Guō hatte sich nach dem Gespräch mit Sanzang zu der Gebetsstätte des Klosters begeben. Dort zündete sie sich ein Weihrauchstäbchen an und kniete sich hin zum Gebet.

Kaum hatte sie ihr Gebet fertig gesprochen und das Weihrauchstäbchen war erloschen, betrat auch Hua die heilige Stätte.

"Großmutter, was machst du denn hier?" Ihre Großmutter antworte ihr nicht, so setzte Hua sich neben sie in Gebetsposition.

Bevor sie mit dem Gebet beginnen konnte, sprach ihre Großmutter sie an: "Ich hoffe doch, dass du gekommen bist, um ebenfalls um Vergebung bei den Vorfahren des jungen Mannes zu bitten?" Hua hielt kurz inne. "Ich soll was?"

"Du hast mich schon verstanden, junge Dame. - In meinem Gebet vorhin wandt ich mich an unsere Vorfahren, in der Hoffnung, dass sie bei den Vorfahren des Jungen, dem du heute ein blaues Auge geschlagen hast - und Schlimmeres - um Vergebung fragen. Und das solltest du ebenfalls tun."

Hua verzog ihr Gesicht. "Du hast gebetet für Luyen?" "Natürlich. Du benimmst dich nicht, wie eine Junge Frau in deinem Alter es tun sollte."

Es herrschte kurze Zeit Stille. Nur ein verärgertes Seufzen seitens Ehuan ertönte.

"Eine Frau, die Männern, egal welchen Alters keinen Respekt entgegenbringt... Weißt du, was das für eine Bürde ist, wenn die Leute im Dorf sich über dich unterhalten. Was denkst du wie peinlich mir das ist, dass du dich mit den jungen Wuzangnovizen prügelst."

Eingeschappt verschränkte Hua die Arme vor der Brust. "Großmutter. Ich zolle jedem Respekt, der mich auch respektvoll behandelt. Gegen meine Lehrmeister, vor allem Meister Sanzang, würde ich nie etwas Schlechtes sagen oder sie wegen Kritik angreifen."

"Das will man auch hoffen. Wäre ja noch schöner." "Großmutter, du verstehst mich nicht. Nehmen wir zum Beispiel Tang und Cheng, sie sind meine Freunde, wir akzeptieren uns gegenseitig so wie wir sind. Denen ist es egal, ob ich Mann oder Frau bin."

Wieder hielt sie kurz inne. Sie erinnerte sich daran, wie sie ihre beiden Freunde damals kennen gelernt hatte. Vor allem Tang war ja nicht so begeistert davon gewesen, dass sie eine angehende Wuzang war, weil - wie sollte es anders sein - Mädchen im Kloster nichts zu suchen haben.

"Bist du dir sicher, dass es sie so kalt lässt, wie du sagst?" "Natürlich. Sie sind meine besten Freunde, fernab der Geschlechtsspezifizierung. Wir vertrauen uns und sind die besten Freunde."

Ihre gemeinsamen Abenteuer hatten sie zusammengeschweißt und sowohl Tang, Cheng und alle anderen - mit Ausnahme von Luyen - eines Besseren belehrt. Nach der Sache mit dem siamesischen Amulett zählte auch Anping zu ihren guten Freunden. Sie wollte ihre 3 besten Freunde nicht mehr missen.

Mit Gedanken an die 3 und und einem kleinen Lächeln antwortete sie: "Zwar streiten wir auch mal, aber nicht so, dass wir die Gefühle des anderen verletzen."

Ehuan war sich da nicht so sicher.

Hua spürte, wie sie wieder wütend wurde und ballte die Hände zu Fäusten. "Dagegen ist Luyen ein gemeiner, nichts könnender Feigling. Er akzeptiert nicht, dass ich als Frau auch Kungfu lernen und eine Wuzang werden kann. Er akzeptiert auch nicht, dass ich besser bin als er. Darum provoziert er mich und ich..."

"Genug.", äußerte Frau Guō sich etwas lauter als sie wollte. Guō Ehuan atmete tief ein und aus, straffte die Schultern und erklärte dann etwas entgegen-kommender: "Hua, mein Kind... Lass uns das auf morgen früh vertagen. Dies jetzt, vor allem hier an solch einem Ort und um diese Uhrzeit näher zu erläutern führt nur zu noch mehr Diskussionen. - Lass uns nach dem Frühstück sprechen.

Im Jungenschlafsaal


Bei den Jungen ging es weit interresnter zu, auch wenn Tang auf dem Weg zum Schlafsaal erstmal zurecht gewiesen werden musste.

"Tang, was sollte denn das?", fragte Anping streng. "Was sollte was? Erklär' mir lieber, warum du mir auf den Fuß getreten bist. Das tat verdammt weh!" Tang verschränkte verärgert die Arme vor der Brust.

Cheng würde sich am liebsten mit der flachen Hand gegen die Stirn schlagen, schüttelte aber nur den Kopf und seufzte: "Erst machst du Hua wieder Mut und dann willst du ihn ihr gleich wieder nehmen." "Man darf nun mal nicht vergessen, dass es dennoch nur eine Legende ist."

Er hob den Zeigefinger in die Luft und erklärte neunmalklug: "Niemand weiß, ob es sich wirklich so abgespielt hat."

Cheng schlug sich nun doch die flache Hand gegen die Stirn. Tang und seine Wissenschaft trieben ihn manchmal zur Weißglut. "Das mag ja sein. Doch für hat das doch überhaupt keine Rolle gespielt."

"Wenn du Hua schon ein besseres Gefühl geben willst - und ich glaube, dass wolltest sicherlich bezwecken - dann versuch nicht, es ihr im nächsten Moment wieder zu nehmen. Du weißt doch, wie empfindlich sie ist.", fügte Anping hinzu.

Cheng öffnete die Tür zum Schlafsaal und sprach weiter: "Hua hat schon genug damit zu tun, wirklich akzeptiert zu werden. Da musst du nicht noch Salz in die Wunde streuen."

Resigniert stieß Tang die Luft aus, die er gerade noch für ein Gegenargument gesammelt hatte und trat gefolgt von Anping ebenfalls ein. "Schön, ihr habt gewonnen." Cheng und Anping warfen sich vielsagende Blicke zu.

"Vergebene Liebesmüh. Hua wird Shaolin morgen verlassen.", kam es aus Richtung Luyen, der sein Bett ganz außen an der Wand hatte. "Luyen, erzähl' nicht so einen Blödsinn.", lachte Cheng und ließ sich seine gute Laune nicht verderben.

"An deiner stelle würde mir das Lachen vergehen, Cheng!", antwortete Luyen mit einem fiesen Unterton. "Was hast du gesagt?" "Komm schon, spucks aus? Was soll das heißen?", fragte Tang nun angriffslustig. "Euch sag' ich unter Garantie nichts!", lachte Luyen.

"Ach ja!", meinte Tang grimmig und zückte sein Schwert, welches er wegen des Trainings noch bei sich hatte. "Huas Lektion hat dir wohl noch nicht gereicht. Ich kann die Antwort auch mit meinem Schwert aus dir rauskitzeln."

Entschlossen schritt er auf Luyen zu, der seine Angst nur schlecht verstecken konnte. "Stop!", ging ein anderer Junge dazwischen. "Pack dein Schwert wieder weg!", bat er. "Warum sollte ich? Geh' mir aus dem Weg, Yaoteng!", befahl Tang. "Dem werde ich lehren, solche Lügen zu verbreiten."

"Es ist nicht gelogen.", bekräftigte Yaoteng. "Er sagt die Wahrheit. - Als wir vorhin auf dem Rückweg von der Krankstation an Sanzangs Gemächern vorbei sind, haben wir es ganz deutlich gehört. Huas Großmutter sagte: - 'Ihr Benehmen ist absolut undamenhaft und inakzeptabel. Sie verhält such nicht, wie es eine Frau in ihrem Alter tun sollte. Darum werde ich sie morgen unwiederbringlich mit Nachhause nehmen. - Unwiederbringlich!'"

"Genau das waren ihre Worte.", bestätigte Luyen. "Es war nur eine Frage der Zeit, bis so was kommen musste. Eine Frau gehört nun mal nicht nach Shaolin." Er hob die Schultern zu einer nichts ahnen den Geste.

"Du kleiner-", rief Cheng aus und stand kurz davor, Luyen mit seinen Nunchakos zu malträtieren. Anping ging dazwischen und ersparte Luyen einen weiteren Besuch im Krankenzimmer

*-*-*

Nachts konnten die 2 jungen Wuzangs nicht wirklich einschlafen. Bis in die frühen Morgenstunden lagen sie wach.

"Hey, Tang!", flüsterte Cheng zu dem Jungen, der direkt im Bett neben ihm lag. Tang stellte sich schlafend und ignorierte ihn. "Tang!", flüsterte Cheng im bestimmteren, lauteren Ton erneut. Tang drehte sich zu ihm um. "Was ist denn?" Verärgerung klang in seiner Stimme mit.

"Schlaf' endlich und nerv' mich nicht." Er versuchte, verschlafen zu klingen, was ihm nicht wirklich gelang. "Jetzt tu' nicht so, als hätte ich dich geweckt.", gab Cheng zurück und verdrehte die Augen. "Was weißt du schon.", parierte Tang und drehte sich wieder von ihm weg.

"Mir machst du nichts vor. Du hast dich häufiger hin und her gewälzt als ich. Dir machen Luyens und Yaotengs Worte auch zu schaffen." "Red' doch keinen Unsinn. Auf Luyens Gerede gebe ich nichts.", gab er überheblich von sich. "Außer wenn es um Hua geht."
Diese Worte hingen in der Luft, und jeder hing für kurze Zeit seinen Gedanken nach.

"Was glaubst du? Ob Hua wirklich heute gehen muss?", brach Tang schließlich mit besorgter Stimme die Stille. Cheng grinste wissend. Ihm war klar, dass Tang noch so arrogant daher reden konnte, aber auch ihn ließen die Worte Luyens nicht kalt.

"Da Yaoteng es ebenfalls bestätigt hat, glaube ich schon, dass da was Wahres dran ist. Aber wie ich Hua kenne, wird sie bestimmt nicht gehen.", meinte Cheng zuversichtlich. Chengs Worte ließen Tang aufatmen. "Glaub' ich auch. Als ob Hua freiwillig geht." Sie sahen sich an und mussten lachen.
"Seid ihr jetzt endlich still!", motzte Anping und bewarf die beiden mit seinem Kissen.

*-*-*

Nach einer kurzen Kissenschlacht unter allen Wuzanglehrlingen, bei der sie ihre Wut hauptsächlich, mit tatkräftiger Unterstützung von Anping,
an Luyen ausgelassen und mit ihren Kissen auf diesen eingeprügelt hatten - die schließlich von einem wütenden Meister Fong beendet wurde - lagen Tang, Cheng und Anping außer Atem in in ihren Betten.

Grinsend schlugen sie einander ein. "Das hat gut getan.", meinte Tang schwer atmend. "Am liebsten hätte ich ihm mit meinem Kissen für immer sein Maul gestopft.", gab Cheng atemlos zu. "Der wird seine große Klappe nicht mehr so schnell so weit aufreißen.", fügte Anping hinzu und rang nach Luft.

Als sie sich wieder beruhigt hatten, drehte Anping sich auf die Seite und meinte: "Und da wir das jetzt geklärt haben, empfehle ich euch, noch etwas zu schlafen. Nicht dass ihr im Unterricht wieder einschlaft."

Bei seinem belustigten Glucksen wurden Cheng und Tang leicht rot.

"Und macht euch keine Sorgen, Jungs. Hua wird Shaolin schon nicht verlassen."

In Gedanken versunken sahen die Jungs einander an. 'Hoffentlich behältst du Recht, Anping.', war beider letzter Gedanke bevor sie in einen ruhigen Schlaf fielen.
 
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