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Ende gut, Alles gut! (Shaolin Wuzang)

GeschichteFantasy, Freundschaft / P12 / Gen
30.12.2019
14.02.2020
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9.160
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In Shaolin

Während die zwei Weggefährten sich Richtung Shaolin aufmachten, war in Shaolin gerade viel Trubel.

Die jungen Wuzangs bereiteten sich auf ihre baldige Vorführung in Kaifeng vor. Beim großen Fest in ein Paar Tagen, würden sie ihre Fähigkeiten vor großem Publikum präsentieren. Der Kaiser würde sich dann, zusammen mit Daoshen, neue Rekruten aus dem ganzen Land aussuchen, um sie zu fähigen Soldaten ausbilden zu lassen.

Dafür trainierten alle fleißig.
Auch Cheng, Tang und Hua.

Hua übte besonders hart: In einer Ecke des Klostergartens trainierte sie Sprünge, Schläge mit der Peitsche, Tritte und Fausthiebe.

Weil sie, zu ihrem eigenen Leidwesen, eine Frau war, wollten viele Novizen, und leider auch einige wenige Mönche, sie immer noch nicht als vollwertiges Shaolinmitglied akzeptieren.
Dabei war sie in vielen Dingen sogar besser als die jungen Männer.

"Ich werde es allen zeigen. Ich bin genauso gut wie ein Mann."

"Hahaha!", erklang ein dunkles Lachen aus dem Schatten. "Wer ist da?", rief Hua und machte sich für einen Kampf bereit. Straff wickelte sie das Seil der Peitsche zusammen, bereit, jeder Zeit ihren Gegner damit zu attackieren.

Aus dem Schatten der Tempelmauer trat ein junger Mann mit langen schwarzen Haaren. Sein Pony war nach hinten in einen Dutt gebunden, das restliche Haar reichte ihm fließend über den Rücken.

"Luyen, was willst du?", fragte Hua und rang um Fassung. "Dich fragen, warum du dir überhaupt solche Mühe gibst. - Es ist einfach lächerlich, dir bei deinem vergeblichen Training zuzusehen."

"Keiner hat dich gebeten oder gar gezwungen, mein Training anzusehen. -
Im Gegensatz zu dir, trainiere ich wenigstens.", gab sie gereizt zurück. "Ich bin bereits fertig. Ich muss nicht mehr trainieren.", meinte er überheblich.

"Ha, du bist echt ein Angeber. Große Töne spucken kannst du, aber am Ende wirst du doch nur wieder von Cheng, Tang oder mir besiegt. - Wenn du dich für so gut hältst, dann können wir das ja jetzt gleich mal testen.", rief sie ihm angriffslustig zu.

"Ich muss dir gar nichts beweisen. Aber du bist gerne eingeladen, in ein paar Tagen meiner Vorführung auf dem Fest beizuwohnen. Und dann wird der Kaiser mich zu einem Rekruten für die kaiserliche Armee auswählen.", verkündete er stolz.

Hua konnte über so viel Arroganz nur den Kopf schütteln. Luyen sprach unbeirrt weiter. "Nur dafür trainieren wir: um auf dem Fest vom Kaiser als Rekruten für die Armee ausgewählt zu werden." "Was genau willst du mir jetzt damit sagen?", zischte Hua zwischen den Zähnen hervor. "Dass nur starke, tapfere Männer - wie ich einer bin - die Ehre zu Teil wird, dem Kaiser und somit China als treue Soldaten zu dienen und das Land gegen jeden Eindringling zu verteidigen."

Stolz deutete er auf sich. Hua verdrehte die Augen und rang sich ein müdes Lächeln ab. Er fuhr fort: "Eine Ehre, die dir nie gebühren wird, denn Frauen haben in der Armee nichts zu suchen. Darum verstehe ich nicht, warum du deine Zeit vergeudest."

Diese Worte trafen Hua hart. Ihre erschrockene Mine wandelte sich aber schon bald in Zorn. In ihr kochte Wut hoch. Ihre Hände ballten sich zu Fäusten. "Dein Training ist nichts weiter als vergebene Liebesmüh!" Sein Lachen hallte über den Hof.

Er war noch lange nicht fertig und rieb ihr noch einen weiteren fiesen Satz unter die Nase. "Du wirst nie zum Soldaten ausgewählt werden."

Er machte eine wegwerfende Geste und drehte sich lachend um. "Geh' nach Hause zu Mama und geh' deinen Haushaltspflichten nach. Da gehörst du hin."

Tränen der Wut liefen Hua übers Gesicht. "Meiner Meinung nach bist du schon viel zu lange hier und störst unsere Ausbildung. Überlass das Kämpfen lieber..."

Weiter kam er nicht. Hua hatte ihre Peitsche geschwungen und diese wickelte sich jetzt um Luyen.

Von oben bis unten war er eingewickelt, selbst sein Mund, sodass er nicht mehr klar sprechen konnte. Mit ganzer Kraft zog sie am Seil und ignorierte Luyens Kopfschütteln.

Ein Ruck ging durch das Seil und Luyen wurde wie ein Kreisel in drehenden Bewegungen davon geschleudert.

Kaum war er stehen geblieben und fand sein Gleichgewicht wieder, da sprang Hua auch schon auf ihn zu, warf ihn zu Boden und prügelte auf ihn ein. "Dir Großkotz zeige ichs. Ich bin genauso eine gute Kämpferin wie jeder andere hier auch."

*-*-*


"Denkst du immer noch, dass Frauen nicht kämpfen sollten? Wenn ich mit dir fertig bin, dann wirst 'du', schneller als du Heihu sagen kannst, heulend zu 'deiner' Mama Nachhause rennen.", verkündete Hua als sie mit ihrer Turtur inne hielt.

Sie hatte Luyen bereits die Lippe blutig geschlagen, an seiner Stirn prangte eine Platzwunde und ein Auge war blau und angeschwollen. Jetzt traf sie mit der Faust Luyens Nase, welchegefährlicg knackte.

Der Kampf zwischen den beiden blieb natürlich nicht unbemerkt. Ihre Schreie reichten über den ganzen Hof.

Zuerst wurden Cheng und Anping darauf aufmerksam. "Das ist doch Hua.", stellte Cheng fest, der zusammen mit Anping trainierte.

Sie hielten inne und lauschten.

Tang, der etwas von den beiden entfernt, allein trainiert hatte, trat zu ihnen und lauschte ebenfalls.

"Das klingt so, als würde Hua mal wieder mit Luyen kämpfen, wenn ich ihre Worte richtig deute.", warf Anping ein. "Er lernt es nie.", lachte Cheng.

"Kommt mit, das lass ich mir nicht entgehen.", kommentierte Tang und deutete seinen Freunden, ihm zu folgen.

Sie schauten um die Ecke, in den Teil des Hofes, in dem der Kampf stattfand.

Begeistert sahen Tang und Cheng zu, wie Hua Luyen zurecht stutzte. Anping indes schaute sich anderweitig um und bemerkte, dass sie nicht als einzige auf den Kampf aufmerksam geworden waren.

"Leute, wir sollten etwas unternehmen." "Wozu? Lehn' dich zurück und genieß die Show." antwortete Cheng gelassen und setzte sich, an die Mauer gelehnt, hin. "Luyen hat diese Abreibung verdient.", flichtete auch Tang bei und setzte sich ebenfalls.

"Selbstverständlich bin ich eurer Meinung, aber wenn wir Hua nicht aufhalten, wird es Meister Sanzang tun."

"Meister Sanzang?", schreckten die beiden hoch und folgten mit den Augen, wohin Anpings Finger zeigte. Sanzang kam genau in Huas Richtung.

Schnell sprangen Tang und Cheng auf, um ihre Freundin zu warnen. "Hua, hör auf!", rief Tang von Weitem und rannte auf die 2 Streithähne zu. "Genau, er ist es doch nicht wert.", fügte Cheng hinzu.

Mit vereinten Kräften zogen sie die wütende Hua von Luyen runter. Anping half unterdessen dem benommenen Luyen auf die Beine. "Lasst mich los! Dem zeig' ich, dass ich genauso, auch als Frau, ein guter Wuzang werden kann. Genauso wie ihr alle.", zeterte sie weiter und versuchte sich loszureißen.

"Was ist hier los?" "Das wüsste ich auch gern."

Ein Karren fuhr in den Hof ein, auf dem Kutschbock saß eine alte Dame. Neben ihr ritt ein junger Mann auf einem schwarzen Mustang.

Auch Sanzang schritt bedächtig die Stufen des Klosters hinunter. "Meister Sanzang!", riefen die jungen Wuzangs im Chor. Beim Anblick ihres Meisters ließ Hua die Arme sinken und sah beschämt nach unten. Cheng und Tang konnten sie wieder loslassen.

Die alte Dame stieg von ihrem Karren und sah ihre Enkelin entsetzt an. "Guō Lihua, was hat das zu bedeuten?" Hua schluckte und traute sich nicht, aufzublicken. Ihre Großmutter nannte sie nur bei vollständigem Namen, wenn sie wütend war.

Ihre Großmutter trat auf Hua zu. "Hast du diesen Jungen so zugerichtet?" Mit einer ausladenden Handbewegung deutete die alte Dame auf den verletzten Luyen.

Hua antwortete nicht. "Sieh mich an und sag' mir, dass nicht du dem Jungen solch' Verletzungen zugefügt hast." Ängstlich hob Hua den Kopf und sagte ganz leise und reumütig: "Doch, Großmutter!"

Ein knallendes Geräusch hallte im Hof wieder.

Hua hatte von ihrer Großmutter eine Ohrfeige kassiert. "Kind, was soll ich nur mit dir machen?", fragte sie zweifelnd.

Hua wagte es nicht, noch mal aufzublicken. "Ich hab' genug. Dein Benehmen geziehmt sich nicht. So etwas werde ich nicht länger dulden." "Aber-" Ihre Großmutter schnitt ihr das Wort ab. "Kein 'Aber' junge Dame!" Ihre Großmutter atmete tief durch.

Bevor sie aber noch etwas erwiedern konnte, erhob Sanzang das Wort. "Verehrteste Guō Ehuang, vielleicht sollten Sie unsere Hua erst mal erklären lassen." "Verehrtester Meister Sanzang, ich kenne meine Enkeltochter. Ich brauche keine Erklärung, um zu sehen, dass Lihua immer noch so ein Hitzkopf wie damals ist. - Es wird Zeit, dass sie auf das Leben als Haus- und vor allem als Ehefrau vorbereitet wird." Alle hielten die Luft an und machten große Augen.

Außer Luyen, der sich ein Lachen nicht verkneifen konnte. "Habe ich es dir nicht gesagt? Und jetzt kommt der Tag sogar noch eher als gedacht."

Hua schluckte ihre Tränen hinunter. "Na warte, dir stopfe ich deinen-". Sanzang brachte Hua mit einer Handbewegung zum Schweigen. "Es ist schon spät. - Anping, du bringst Luyen bitte ins Krankenzimmer.
Tang, Cheng und Hua, ihr geht zum Abendessen.
Und wir, Verehrteste, verlegen unser Gespräch in meine privaten Gemächer. - Ich bin mir sicher, es wird sich alles regeln lassen." Er wies einen Novizen an, Huas Großmutter und ihren jungen Begleiter in seine Räume zu führen.

Gehorsam machten sich die 3 Freunde auf den Weg zum Speisesaal.

*-*-*


Gedankenverloren strich Hua sich über ihre schmerzende Wange. "Tut es noch sehr weh?", fragte Cheng vorsichtig nach.

Sie schüttelte nur den Kopf. Den beiden jungen Männern wurde bewusst, dass Hua gerade nicht mit ihnen reden wollte, also gingen sie nur schweigend nebeneinander her.

Plötzlich blieb Hua aprupt stehen. "Huh? Was ist los Hua?", fragte Cheng, als er merkte, dass Hua nicht mehr neben ihnen ging. "Alles in Ordnung? Fühlst du dich nicht gut?" "Soll ich dich ins Krankenzimmer bringen?", fügte Tang an.

Bestimmt schüttelte Hua den Kopf. "Nein! Geht schon mal ohne mich!" "Bist du sicher?", kam es besorgt von Cheng und Tang fügte skeptisch hinzu: "Was hast du vor?"

Tapfer schluckte sie ihre Wut und Trauer runter, um ihre schlechte Laune nicht an ihren Freunden auszulassen.
Ihr war bewusst, dass ihre Freunde sich nur sorgten, schließlich war sie für waghalsige Aktionen bekannt.

Um ihre Freunde, die wahrscheinlich schon mit einer weiteren unüberlegten Aktion von ihr rechneten, nicht zu beunruhigen, drückte sie sich sehr gewählt aus. "Es ist süß von euch, dass ihr euch um mich sorgt, doch dafür gibt es keinerlei Grund."

Sie schritt auf ihre Freunde zu und lächelte sie an. Ernst sprach sie weiter: "Mein Verhalten war inakzeptabel, deshalb muss ich mich unbedingt noch bei Sanzang entschuldigen und um Verzeihung bitten."

Flehend sah sie ihre Freunde an. Diese konnten ihrem flehenden Blick nicht lange stand halten. "Wir warten im Speisesaal auf dich.", resignierte Cheng und zog Tang hinter sich her, ohne ihn noch mal zu Wort kommen zu lassen.

Als sie im nächsten Gang verschwunden waren, fasste Hua sich ein Herz und lief zurück, in den Gang, in welchem sich die Gemächer ihres Meisters befanden.

In Sanzangs Gemächern

"Darf ich Ihnen einen Tee anbieten.", fragte Sanzang freundlich. "Ich glaube, wir haben keinerlei großen Redebedarf, Meister Sanzang."

"Ich bitte Sie, Verehrteste... Ich denke, es lässt sich alles in Ruhe klären. Und am besten geht dies bei einer Tasse Tee. Der beruhigt hitzige Gemüter."

Meister Sanzang und Huas Großmutter starrten sich bestimmt an. "Wenn ich mich kurz einmischen darf: Eine Tasse heißer Tee wäre nach der langen Reise vielleicht keine so schlechte Idee." Tao sah Frau Guō beschwichtigend an.

Resigniert straffte Frau Guō die Schultern. "Wenn es denn sein muss." Tao grinste und war froh, die Situation etwas beruhigt zu haben.

"Setzen Sie sich.", bat Sanzang und deutete auf 2 Kissen vor seinem Tisch. Er selbst nahm dahinter Platz. Anschließend goss er für alle 3 Tee ein.

Als er Tao die Tasse reichte, sagte er: "Wir sind uns, glaube ich, noch nicht vorgestellt worden. Ich bin Sanzang, der Großmeister dieses Shaolinklosters." Mit einer tiefen Verbeugung nahm Tao die Tasse entgegen. "Verzeiht meine Unhöflichkeit! Mein Name ist-"

Ein Klopfen an der Tür unterbrach die Vorstellung. Den Blick zur Tür gerichtet sprach Sanzang: "Herein!"

Vorsichtig wurde die Tür geöffnet. Mit gesenktem Blick stand Hua in der Tür. "Lihua!", sagte ihre Großmutter tadelnd.

Hua zuckte zusammen. Kurz verließ sie der Mut und sie wollte wortlos wieder umdrehen, aber Sanzang hielt sie auf, indem er sie freundlich hereinbat. "Komm rein, mein Kind!"

Gehorsam folgte sie der Bitte ihres Meisters. Er wies ihr an, sich zu setzen. "Was führt dich zu mir?"

Huas Großmutter wollte wegen des schlechten Benehmens ihrer Enkelin, einfach in ein Gespräch herein hereinzuplatzen, protestieren, wurde aber von Sanzang zum Schweigen gebracht. "Sprich, mein Kind!"

Nervös sah Hua zu Boden, dann antwortete sie: "Meister Sanzang, es tut mir leid." Ängstlich hob sie den Kopf und hielt Sanzangs Blick stand. "Ich habe wieder einmal gehandelt, ohne nachzudenken. -  Luyen hat meinen Stolz verletzt und deshalb bin ich wütend gewesen. Jetzt im Nachhinein bereue ich es und bin bereit, meine Strafe zu erhalten."

Erneut senkte sie den Kopf, beugte sich respektvoll nach vorn und erwartete ihre Strafe. "Ich mache alles, aber bitte schicken Sie mich nicht weg, Meister!" Tränen der Hilflosigkeit rannen über ihre Wangen und hoffnungsvoll blickte sie zu ihrem Meister.

Dieser lächelte gütig und strich Hua über den Kopf. "Na na, Hua. So weit werden wir es schon nicht kommen lassen. - Und nun geh' schon!"

Erleichtert fiel Hua ihrem Meister um den Hals. "Oh vielen Dank, Meister Sanzang."

Schon viel leichter ums Herz lief sie zu ihren Freunden zurück.

Entsetzt sah Frau Guō hinterher. "Das glaube ich jetzt nicht. Sie lassen meine Enkelin einfach so, ohne Strafe für ihr Verhalten, gehen?" "Mit Güte und Verständnis erreicht man meist mehr, als mit harten Strafen." Ein sanftes Lächeln stahl sich in Sanzangs Gesicht.

"Wie bitte?", gab Huas Großmutter empört von sich.

"Hua hat ihre Strafe bereits von Ihnen erhalten, meine Liebe. Zudem hat sie ihren Fehler bereits eingesehen. Es gibt für mich also keinen weiteren Grund, sie zu bestrafen, zumal sie keine Schuld trifft."

Die Empörung stand Frau Guō ins Gesicht geschrieben. "Sie hat einen ihrer Schüler arg zugerichtet. Wenn es nicht ihre Schuld ist, wessen dann?"

Sanzang begann zu lachen. "Die von Luyen selbst. Er neigt oft dazu, Hua, bloß ihres Geschlechts wegen, nicht als vollwertige und talentierte Schülerin zu akzeptieren und schikaniert sie ständig. Demzufolge muss er auch mit den Konsequenzen leben."

"Wie dem auch sei. Für mich bietet sich dies als göttliche Fügung." "Ich versteh' nicht?", entgegnete Sanzang ratlos.

"Das Ereignis im Hof vorhin hat mir gezeigt, dass es höchste Zeit ist." "Höchste Zeit für was?", fragte der Großmeister und ahnte nichts Gutes.

"Hua auf die Ehe vorzubereiten und sie zu verheiraten." "Sie verheiraten?", sagte Sanzang und verschluckte sich beinahe an seinem Tee.

"Na selbstverständlich. Andere junge Mädchen in ihrem Alter sind schon längst verheiratet. Ein Ehemann und ein geregelter Haushalt werden Hua zur Vernunft bringen.", gab sie aufgebracht von sich. Sanzang sah sie mit einem Blick an, den sie nicht recht deuten konnte.

Sie atmete tief ein und aus, dann sprach sie ruhig weiter. "Sanzang, wir wissen beide, dass ich nicht mehr die Jüngste bin und ich mich um die Zukunft meiner Enkelin sorge. Ich bin die einzige Verwandte, die sie noch hat, neben weit entfernt wohnenden Verwandten. Ich möchte sie in guten Händen wissen."

Mit den Augen fixierte sie Sanzang ganz genau, während sie ihre Tasse zum Mund führte und einen Schluck trank. "Aber gute Frau, Hua wird es hier im Kloster an nichts fehlen, da können sie versichert sein.", versicherte Sanzang.

"Dem bin ich mir durchaus bewusst und daran zweifle ich auch nicht.", sagte sie und stellte ihre Tasse mit Nachdruck ab.

"Dann gibt es ja auch keinen Grund, es mit der Hochzeit zu überstürzen.", meinte Sanzang beschwichtigend. Nervös fuhr er sich durch seinen langen weißen Bart.

"Je eher sie von hier weg kommt und sich endlich ihren eigentlichen Aufgaben einer Frau ihrem Alters widmet, um so besser ist es für sie."

Zum Glück saß Sanzang schon auf dem Boden, sonst wäre er sicher vom Hocker gefallen. "Sie wollen Hua wirklich aus Shaolin holen?", fragte Sanzang fassungslos und rang darum, diese wieder zu finden.

"Ganz recht. Es war dumm von mir, Hua hier zu lassen. Wenn sie hier weiterhin mit den Mönchen und Novizen größtenteils wie ein Mann lebt, wird aus ihr nie eine Braut, die ihrer Familie Ehre bringt.", meinte Frau Guō bestimmt.

"Hua lernt hier alles, was ein junger Wuzang wissen muss. Sie ist meine beste Schülerin und steht den Jungen in nichts nach. Ihre Ahnen können stolz auf sie sein." Die Frau schnalzte empört mit der Zunge. "Ihr wird die Ehre zu Teil, alte Kampfkünste zu erlernen und diese zum Wohle des Volkes einzusetzen. Das ist Ihnen doch bekannt. Hua, Tang und Cheng haben unser Land schon oft gerettet."

"Selbstverständlich weiß ich das. Aber wozu braucht ein junges Mädchen im heiratsfähigem Alter das jetzt noch. Damit sie sich mit anderen prügelt?"

Sanzang sog tief die Luft ein, als Frau Guō immer lauter wurde. "Nein, das natürlich nicht.", presste er baff hervor. "Sehen Sie... Heihu ist besiegt und seit nun 3 Jahren können wir in Frieden leben."

"Das mag ja sein, aber die Profezeihung-", setzte Sanzang zum Protest an. "Die hat sie seit 3 Jahren zur Gänze erfüllt, meinen Sie nicht? Ganz zum Leidwesen ihrer guten Manieren. - Ihr Benehmen ist absolut undamenhaft und inakzeptabel. Sie verhält sich nicht, wie es eine Frau in ihrem Alter tun sollte." "Das mag sein, dennoch-" Sie ließ Sanzang nicht aussprechen.

"Darum werde ich sie morgen unwiederbringlich mit Nachhause nehmen. - Unwiederbringlich!", wiederholte sie um ihre Worte zu bekräftigen.

Sanzang seufzte.
Sein Blick fiel auf Guōs junge Begleitung. "Ich nehme an, das hat nicht zufällig was mit dem jungen Mann in ihrer Begleitung zu tun."

Tao, der die ganze Zeit der Diskussion nur nebenbei gelauscht hatte und sich gerade etwas von seinem lauwarmem Kräutertee gönnen wollte, spuckte vor Schreck ziemlich unhöflich den Tee wieder aus.

"Verzeihung! - Nein, ich bin dieser Dame nur zufällig unterwegs begegnet und habe sie nach einem Angriff von Banditen, ganz meiner Soldatenpflicht nach kommend, hier her begleitet.", meinte der junge Soldat und kratzte sich, verlegen grinsend, am Hinterkopf. Erleichtert atmete Sanzang aus.

Ein triumphierendes Lächeln stahl sich auf das Gesicht von Huas Großmutter. "Der junge Mann ist nur sehr bescheiden."

Mit einen Fingerzeig auf Tao sprach sie weiter. "Natürlich hat er damit zu tun. Er ist Huas Verlobter." Geschockt sahen die beiden Männer die alte Dame an.

"Werte Dame, das Gespräch hatten wir doch vorhin schon. So geehrt ich mich auch fühle... - Ihre Enkeltochter ist sehr hübsch und scheint eine interessante Persönlichkeit zu sein, das will ich gar nicht bestreiten. Dennoch bin doch bereits verlobt."

Es war ihm etwas peinlich, so in Erklärungsnot geraten zu sein. Er wollte die gute Frau keines Falls mit seiner Ablehnung kränken.

"Mein Vater hat die Verlobung schon vor Jahren besiegelt. Er würde sich im Grabe umdrehen, wenn ich seinem Wunsch nicht nachkäme.", gab Tao zu bedenken.

"Mach dir da mal keine Sorgen.", lachte Frau Guō süfisant. "Wir werden alles zu des großen Qián Shens Zufriedenheit tun.", erklärte Frau Guō ihrem Weggefährten.

"Du bist der Sohn des verstorbenen  Hauptmanns Qián Shen?", fragte Sanzang den jungen Soldat überrascht. Dieser nickte nur.

"Richtig erkannt, Sanzang. Vor Ihnen sitzt Qián Tao, Sohn des großen Qián Shen und dessen Frau Qián Lan. Mein Schwiegersohn Guō Shoushan und Qián Shen - Buddha hab' sie beide seelig - haben diese Verlobung gleich nach Huas Geburt beschlossen."

Sanzang brauchte eine Weile, um die richtigen Worte zu finden. "Werte Frau, ich kann verstehen, dass sie nur das beste für Hua wollen. - Doch für einen freien Vogel ist ein Käfig gleich zu setzen mit dem Tod."

Frau Guō musste sich zusammen reißen, nicht die Beherrschung zu verlieren. "Ich hoffe, dass ich mich gerade verhört habe. Wollen sie etwa damit andeuten, ich würde meine Enkelin einsperren?" Der Großmeister antwortete ihr nicht darauf.

"Geschätzter Sanzang, seit je her ist es Tradition, dass junge Frauen mit tüchtigen Männern verheiratet werden, um Familien zu verbinden und zu stärken. Es gibt für Mädchen nur einen Weg, der große Ehre bringt: Ein guter Ehemann. Hua wird mit der Zeit schon noch begreifen, dass dies das größte Glück ist."

Sanzang seufzte: "Hua ist noch nicht so weit." Er schüttelte über die Sturheit bestimmt den Kopf.

"Ja, noch nicht. Aber diese Schande ist bald vorbei." "Wie meinen...", wand Sanzang ungläubig ein.

"Termine bei der Heiratsvermittlerin und Unterricht für die Ausbildung zur guten Haus- und Ehefrau sind bereits bestätigt. Die erste Lektion ist für übermorgen anberaumt. Es ist also endgültig.
Darum ist es ausgeschlossen, dass Hua hier länger ihre Zeit verschwendet."Das ist mein letztes Wort." Entschlossen stand sie auf und verließ den Raum, 2 verdutzt dreinblickende Männer zurück lassend.
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