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Schneekristalle

GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P16 / Gen
30.12.2019
25.02.2020
5
4.651
 
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
25.02.2020 1.039
 
Hier kommt also das fünfte und letzte Kapitel dieses Projektes. Alle vier Charaktere sind bereits vorgestellt und jetzt geht es auf Mitternacht zu, der Tag endet. Ich hoffe ich konnte hiermit zumindest ein paar Leute noch näher mit den OC's vertraut machen ;)
Ich nutze auch eben diese Chance um der Person zu danken, die mich bei dem vierten und fünften Kapitel unterstützt hat und das auch bei den folgenden Kapiteln der Hauptstory tun wird, nicht direkt als Betaleser, mehr als Supporter. xD
Also schiebt eure Begeisterung, wenn ihr sie denn habt bitte auch Aly in die Schuhe^^
LG Böhnchen
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(PoV: Autorin)
Nachdem wir noch einige Zeit schweigend dort gesessen hatten, zog ich anschließend die fröstelnde Kat zurück ins Haus. Gerade wollten wir hochgehen, als das Licht anging und wir Care, Ginny und Jo erkannten, die in ihren Schlafanzügen auf dem Sofa saßen und uns ertappt angrinsten.
„Sorry, wir wollten euch nicht stören.“, lächelte Carrie und zog Katerina sofort auf ihren Schoß, während Ginger auf den Platz neben sich klopfte und mir als ich mich gesetzt hatte eine Tasse Kakao herüberschob. Ich sah mit einem Seufzen auf die Uhr. In vier Minuten wären sie alle wieder weg und ich war wieder alleine für die Geschichte verantwortlich. Dabei wollte ich ihnen doch vorher noch etwas mitgeben, was ihnen vielleicht helfen könnte. Eine Zeit lang starrten wir nur alle ins nichts und waren mit unseren eigenen Gedanken beschäftigt, bis ich schließlich aufstand.
„Noch einmal Gruppenknuddeln, bevor das Spiel beginnt?“, fragte ich mit einem leicht traurigen Lächeln. Ginger war die erste, die schniefend aufstand, doch auch alle anderen kamen dazu und wir umarmten uns als wäre das das letzte mal, dass wir uns sehen würden. Vielleicht war es das ja auch…
Seufzend lösten wir uns schließlich voneinander und alle gingen ihre Sachen holen. Tief holte ich Luft, jetzt war es an der Zeit ihnen etwas mitzugeben, damit es wirklich alles so geschah wie geplant. Meine Schritte trugen mich zuerst zu Katerina, die mich mit einem leichten Schimmer an Schmerz in den Augen ansah.
„Ich wäre gerne noch länger hier gewesen...“, nuschelte sie leise und ich nickte nur zustimmend.
„Ich wünschte, das könntet ihr. Aber es geht nicht, also will ich dir nur etwas sagen.“
Sie sah gespannt auf.
„Hör zu, Schmerz ist immer relativ. Du hast viel durchgemacht, das weiß ich wohl besser als jeder andere, aber bitte denk daran, was dich nicht umbringt, tötet vielleicht einen anderen. Mach nicht den selben Fehler wie ich.“, auch wenn meine Stimme immer leiser wurde, merkte ich, dass sie hörte und verstand. Sie nickte nur stumm und das war genug um zu erkennen, dass sie das behalten würde, bis sie es brauchte. Tröstend strich ich ihr über die Wange, bis ich die Treppe nach oben zu Josephine lief.
„Hey Sturmmädchen“, lächelte ich leicht.
„Hey Kath“, strahlte sie. Ich merkte wie sehr sie den Namen mochte und hoffte, dass irgendwer da nochmal drauf kommen würde. Sie war wirklich unfassbar stark. Noch. Deswegen brauchte auch sie dieses Wissen, was nur ich ihr geben könnte.
„Merk dir eins, das Leben ist wirklich unfair. Es stimmt. Du weißt das besser als die anderen. Einfach weil dich jeder als die Kriegerin sieht. Niemand erkennt die Tränen, die in deinen Augen glitzern. Niemand erkennt die Traurigkeit, die in deiner Stimme mitklingt. Und niemand erkennt den Schmerz, der dich zu diesem starken Menschen gemacht hat, der du bist. Aber jeder wird deine Fehler sehen. Und sie alle werden dich danach beurteilen. Bleib stark. Und vergiss niemals, du bist es wert, dass man sich an dich erinnern wird. Für immer.“, jetzt verstummte auch ich und sie sah mich mit einem durchdringenden Blick an.
„Danke.“, antwortete sie dann schlicht. Ich wusste, dass das mehr war, als jemals ein anderer bekommen würde, also nickte ich und verließ das Zimmer. Auf dem Weg nach unten traf ich Carrie und hielt sie schnell am Arm fest.
„Hast du eine Minute?“
Sie nickte und sah mich neugierig an. Ich schluckte angestrengt, weil die Worte nicht angenehm waren, die ich ihr sagen musste, doch sie würden ihr helfen. Irgendwann.
„Du wirst fallen. Du wirst brechen und versagen. Aber dann wirst du wieder aufsteigen, wirst heilen und dich selbst übertreffen. Eins ist wichtig; bist du nicht tot, bist du nicht am Ende. Und du wirst nicht sterben, du nicht.“, murmelte ich ernst und spürte ihren unverständigen Blick auf mir.
„Bald verstehst du es.“, fügte ich noch hinzu und spürte wie sie mich umarmte.
„Ich weiß. Du wirfst nicht einfach so mit Worten um dich, dafür bist du zu schlau. Du weißt, was Worte anrichten können.“, lächelte sie und ich nickte leicht, bevor ich mich mit einem unguten Gefühl auf den Weg zu Ginger machte. Das würde nicht leicht sein. Ganz im Gegenteil.
Leise trat ich in den Raum und sah schon wie Ginny grinsend auf mich zukam.
„Ich werde dich echt vermissen!“, lächelte sie und drückte mich fest, bevor sie mich musterte.
„Aber ich sehe, du willst mir etwas sagen. Wahrscheinlich etwas, was ich nicht unbedingt wissen möchte?“
Ich nickte langsam und sie seufzte.
„Okay, erzähl...“
Ich suchte kurz die perfekten Worte, bevor ich wusste, wie ich das sagen würde.
„Du bist eine Heldin, weißt du das? Aber nenn mir einen Helden, der glücklich war. Viele von ihnen sind gestorben. Also versprich mir eins. Wenn du mal zu ihnen gehörst, dann schließ deine Augen und träume von Tagen, an denen alles gut war.“
Die Stille zwischen uns in der Luft war beinahe greifbar, sie wusste was ich gesagt hatte. Sie hatte verstanden. Ohne noch ein weiteres Wort zu wechseln gingen wir zu den anderen zurück, die bereits draußen standen und auf uns warteten. Gerade als ich bei ihnen angekommen war, sprangen die Ziffern der Uhr auf 00:00 und ich wusste, was das hieß. Langsam blinzelte ich, während dichte Flocken sich auf mir niederließen und die Stelle auf der sie gestanden hatten nur durch ihre Fußspuren von ihrer Existenz zeugte. Langsam hob ich die Hand und betrachtete die vier einzelnen, weißen Kristalle auf meinem Handgelenk. Wortlos drehte ich mich um und betrat das große Haus, was ich mein Zuhause nannte.
Das Spiel hatte begonnen.
Und einer war schon fast draußen.
Es war der hellste von ihnen.
Der Schneekristall.
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