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Schneekristalle

GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P16 / Gen
30.12.2019
25.02.2020
5
4.651
 
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30.12.2019 887
 
Carrie Roberts

(PoV: Autorin)
„Seid doch mal ruhig!“, genervt und jammernd sprang ich vom Sofa auf, klappte den Laptop zu und wandte mich zu den Mädchen um, die auf dem Teppich saßen und ohne Pause aufeinander einredeten.
„Schon klar, ihr habt euch viel zu erzählen, jetzt wo ich Josephine und Carrie auch in Mittelerde habe landen lassen, aber könnt ihr das nicht etwas leiser und geordneter machen? Ich versuche das nächste Kapitel zu beenden und das ich nun wirklich nicht so einfach, wie es aussieht…“, versuchte ich sie freundlich zurechtzuweisen. Ginger grinste nur, während Katerina mich entschuldigend ansah.
„Egal, ich denke ich brauche erst einmal frische Luft… Davon gibt es eindeutig zu wenig, seit ihr hier seid.“, sagte ich entschieden, ging in den Flur und schnappte mir bei der Gelegenheit auch die Hundeleine. Als ich meine Schuhe angezogen hatte und gerade nach meiner Jacke greifen wollte, merkte ich, dass Carrie zu mir getreten war.
„Darf ich mitkommen?“, fragte mich das blasse Mädchen mit den blauen Haaren, auf die ich immer schon unfassbar neidisch gewesen war. Ich wollte mir meine Haare schon seit Jahren blau färben, aber da sie im Gegensatz zu Carries braun und nicht blond waren, hätte ich sie erst bleichen müssen und das wollte ich lieber nicht.
„Klar, wieso nicht.“, nickte ich und reichte auch ihr ihre Jacke. „Macht keinen Scheiß!“, rief ich den anderen zu, holte den Hund und machte mich mit Carrie auf den Weg. Wir gingen den Weg, der von der Hauseinfahrt wegführte, vorbei an den nur noch mit Unkraut bewachsenen Feldern und dann links hoch zum kahlen Wald. Der kühle Wind pfiff um mich herum und strömte mit jedem Atemzug in meine Lungen. Kurz vor dem Waldrand hielt ich an und ließ meinen Malinois, namens Camino an die lange Leine. Eine Weile lang liefen Care und ich still nebeneinander her und ich merkte nur, wie sie mir ab und zu einen Blick zuwarf. Dann schien sie sich doch zu entschließen, etwas zu sagen.
„Camino heißt Weg auf Spanisch, nicht wahr?“, fragte sie mit einem neugierigen Unterton in der Stimme.
„Jap.“, ich musste leicht lächeln. „Passt zu ihm, findest du nicht?“
„Auf jeden Fall.“, nun lächelte auch sie. Dann riss sie sich zusammen und stellte die Frage, die ihr anscheinend schon die ganze Zeit auf der Zunge lag.
„Was ist mit Laiken? Werde ich ihn wiedersehen? Ich meine, ich bin noch nicht so lange da, wie Katerina, aber ich denke, ich kenne dich gut genug um zu wissen, dass du keine OC‘s erstellst, die dann keine Rolle mehr spielen.“
Ich lächelte schief und blickte in den Wald, während ich ihr antwortete.
„Du wirst ihn wiedersehen, keine Sorge. Ich wünschte ich könnte dir mehr erzählen, aber eigentlich bestimmt ihr die Geschichte mehr, als ich es tue. Letztendlich hängt es von deinen Entscheidungen ab.“
Carrie nickte. „Aber Katerina und Ginger werden wir doch auf jeden Fall wiedertreffen, oder?“
„Natürlich!“, lachte ich vergnügt. „Euch vier kann ich ja wohl kaum auseinanderhalten! Vielleicht dauert es noch ein wenig, aber ihr werdet euch wiedersehen, noch lange bevor das Ende kommt.“
Lange schwiegen wir beide und nur die Reste des Herbstlaubes raschelten unter unseren Füßen. Dann blieb Care abrupt stehen und blickte mich ein wenig verzweifelt an. Sie schien sich durchringen zu müssen, doch dann platzten die Worte nur so aus ihr heraus.
„Ich habe Angst! Ich finde eigentlich immer, dass es gut ist, die Situationen in die man gerät positiv zu sehen, aber ich weiß nicht wie. Ich meine, wir sind im Düsterwald und Thranduil soll über unser Schicksal bestimmen! Wenn er so ist, wie im Film, dann sind wir so gut wie tot! Und – versteh das nicht falsch, ich liebe mein Leben, aber wenn die Wahl ist, ob ich Josephine da raus bekomme oder ich mich selbst rette, dann werde ich ihr die Flucht ermöglichen! Natürlich ist Jo die Kriegerin von uns, aber auch sie hat Geheimnisse und Schwächen, von denen sie einfach nur nicht redet. Und Elben scheinen immer so perfekt zu sein. Ganz im Ernst, ich glaube kaum, dass wir eine Chance hätten da ohne Thranduils Erlaubnis rauszukommen…“
Betroffen hielt ich an und zog das leicht zitternde Mädchen in meine Arme.
„Es tut mir leid. Es tut mir so leid… Ihr habt alle eine Bestimmung, aber je mehr ich mich mit euch beschäftige, desto mehr habe ich das Gefühl, dass ich euch das ganze nicht antun darf, was auf euch zukommt. Vertrau mir, wenn ich dir sage, dass du es schaffen wirst. Es wird ein harter Weg, aber ich werde nicht zulassen, dass dir etwas passiert.“, etwas heiser geworden schluckte ich, bevor ich fortfuhr. „Aber einer von euch wird sterben. Die Wahl ist bereits gefallen und eigentlich will ich dir das auf keinen Fall sagen, damit du dir nicht noch mehr Sorgen machst, aber insoweit hast du das Recht, es zu erfahren.“
Viele Minuten verstrichen, in denen ich nur Carries leise Schluchzer hören, und ihr Tränen an meinem Hals spüren konnte. Nach einer Ewigkeit zog sie sich wieder zurück und lächelte schwach. „Danke, dass du mir das anvertraut hast...“
Ich nickte nur und wir gingen langsam zurück zum Haus.
In Gedanken versunken merkte keiner von uns, wie sanft der erste Schnee einsetzte, sich die Flocken als kleine Silbersplitter in unseren Haaren niederließen und langsam in kalten Tropfen an unserer Haut vergingen.
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