Wie alles begann

von Silvana
KurzgeschichteFreundschaft / P12 Slash
Esteban Ocon Lance Stroll
30.12.2019
06.01.2020
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Dieses Kapitel
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30.12.2019 1.525
 
Disclaimer: Keine der erwähnten Personen gehört mir. Alles ist frei erfunden, es soll mit der Geschichte keinem geschadet werden und ich verdiene auch kein Geld damit.

Pairing: Lance Stroll / Esteban Ocon angedeutet
Weitere Charaktere: ein paar jugendliche OCs, die nur im ersten Kapitel vorkommen

Ihr Lieben, ich hoffe, ihr hattet ein schönes, nicht allzu stressiges Weihnachtsfest! Ich hatte in den freien Tagen mal Gelegenheit, diese kleine Ocon-Geschichte zu beenden, die schon seit Ende 2018 in meinen Notizen rumfliegt. Sie spielt in der Vergangenheit und zwar 2015, ein Jahr bevor Esteban in die Formel 1 kam. Sie baut nicht auf meine anderen Storys auf, sondern ist eher eine Vorgeschichte, die die Freundschaft zwischen Lance und Esteban noch etwas näher beleuchtet. Es werden nur zwei Kapitel sein, die am gleichen Abend spielen und ich wünsche euch viel Spaß damit! :)


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(Genf, Juni 2015, Freitagabend)

Er hatte es geahnt! Nein, genau genommen hatte er gewusst, dass so was passieren musste und dass es ausgerechnet ihm passieren musste! Es war immer das Gleiche und er fragte sich, was in Gottes Namen ihn dazu gebracht hatte, sich auf dieses blöde Spiel einzulassen. Flaschendrehen, Wahrheit oder Pflicht, Lance hatte es noch nie gemocht, weil er dabei stets irgendwann in eine peinliche Situation kam und sich zum Affen machte, aber die Mehrheit seiner Freunde wollte es spielen, da konnte er schlecht nein sagen. Also schrieb jeder ein paar vermeintlich lustige Taten auf seine Zettel und bevor das Spiel begann, wurden sie alle in einen Topf geworfen und mussten gezogen werden, sobald jemand Pflicht wählte.

Lance verzweifelte innerlich, hätte er sich mal lieber für Wahrheit entschieden, als die Flasche eben auf ihn zeigte. Nervös betrachtete er den Zettel in seinen Händen, aber dadurch, dass er die Aufgabe zum mittlerweile vierten Mal stumm las, schrieb sie sich auch nicht um. Für einen kurzen Moment ertappte er sich bei der Frage, was seine Eltern denken würden, wenn sie ihren Sohn gleich bei der Erfüllung seiner Pflicht sehen könnten. Zum Glück konnten sie das nicht. Sie waren zu einem Wellness-Wochenende gefahren, weil sich seine Mutter von den Folgen einer schlimm missglückten Schönheitsoperation erholen musste und Chloe besuchte ein Konzert in Wien, was für Lance sturmfreie Bude bedeutete. Eigentlich hatten seine Eltern ihm zwar verboten, dass er eine Party schmiss während sie weg waren, aber ein Zusammentreffen von nur zwölf Personen konnte man ja jetzt nicht wirklich Party nennen. Es war bloß ein Abend mit Freunden und das hatte keiner verboten.

Die meisten der anwesenden Leute hier kannte Lance aus der internationalen Schule, die er ein Jahr lang in Genf besucht hatte, bevor er wieder Heimunterricht nehmen musste, weil es sich nicht anders mit seiner Karriere vereinbaren ließ. Als er zehn Jahre alt war, zog seine Familie zugunsten des Motorsports von Kanada in die Schweiz und jener Umzug kostete ihn zunächst einmal sämtliche soziale Kontakte. Durch das Kartfahren und die Schule fand er zwar bald neue Freunde, doch die meisten seiner Freundschaften blieben oberflächlich und es gelang ihm nie, richtig Anschluss zu finden. Seine Mitschüler konnte er zu selten treffen und die meisten jungen Rennfahrer beneideten ihn aufgrund des Reichtums seiner Familie und grenzten ihn aus. Manche lästerten nur hinter vorgehaltener Hand und verspotteten ihn als talentfreien Milliardärssohn, der Möglichkeiten hatte, die ihm nicht zustanden, andere hassten ihn sogar offen, was ihm schwer zu schaffen machte. Glücklicherweise waren nicht alle so, denn mit elf Jahren lernte er Esteban kennen, mit dem er sich auf Anhieb verstand und der inzwischen sein mit Abstand bester Freund war. Der junge Franzose schien das Wort Neid gar nicht zu kennen, er verhielt sich jedem gegenüber aufgeschlossen und freundlich und er spendete Lance Trost in seinen schwärzesten Stunden, was ihm viel bedeutete. Er mochte Esteban sehr und so war es kein Wunder, dass neben den ehemaligen Schulkameraden er der einzige andere Motorsportler war, den Lance zu seiner Feier eingeladen hatte.

„Hör auf zu träumen und lies vor, was da steht!“, forderte nun Joris und warf ihm mit breitem Grinsen eine Erdnuss an den Kopf, damit er aufwachte.

Lance seufzte. Nein, aus der Nummer kam er nicht mehr raus. „Küsse die Person rechts neben dir“, las er also laut vor und man hörte die leichte Unsicherheit in seiner Stimme. Rechts neben ihm saß Esteban und der Kanadier schaute ihn entschuldigend an, während der Rest der Runde begeistert grölte.

„Der Zettel hat gesprochen, also küsst euch!“, verlangte Julien lapidar.

„Ey, aber nicht wie zwei kleine Mädchen auf die Wange. Ich will Zungen sehen!“, fügte Ray hinzu, woraufhin Charlotte und Alessia zu kichern anfingen.

„Ihr seid kindisch“, konstatierte Lance und sein Blick an Esteban wurde immer entschuldigender. Es war nicht die Vorstellung ihn zu küssen, die er schlimm fand, sondern die Tatsache, dass er Esteban vor einem Haufen Leute, von denen der Franzose die Hälfte heute erstmals traf, in Verlegenheit brachte. Das wollte er nicht.

„Keine Panik, lass mich nur machen“, flüsterte ihm Esteban plötzlich ins Ohr, als hätte er seine Gedanken gelesen und prompt überkam Lance eine Spur Zuversicht. Sein Freund schien die Aufgabe locker zu nehmen, das entspannte auch ihn ein wenig.

„Sei froh, Lance. Du kriegst gleich das, wovon Char schon den ganzen Abend träumt“, warf Joris freudig ein und fing sich blitzschnell einen Schlag von Charlotte.

„Halt die Klappe, du Idiot!“, entgegnete das Mädchen, doch es war für keinen zu übersehen, dass sie Esteban seit ihrer Ankunft anschmachtete. Ihr hochrotes Gesicht versuchte sie zu verbergen, indem sie eilig einen großen Schluck Punsch trank.

„Ja, schön, genug gelabert! Wird das heute noch was, Lance?“ Erneut Julien. Er klang ungeduldig und beinahe schroff.

Esteban grinste in sich hinein und wandte sich Lance zu, er legte eine Hand an sein Gesicht und näherte sich langsam seinem Mund. „Bieten wir ihnen ihre Show, hm?“, hauchte er leise und verführerisch kurz bevor sich ihre Lippen berührten. Es war das erste Mal, dass Lance einen Jungen küsste, er hatte schon ein paar Mädchen geküsst, aber noch nie einen Jungen und obwohl ihm die Situation nicht behagte, war er gespannt, wie es sich anfühlen würde. Esteban traf ihn zärtlich und sanft und stupste nach ein paar Sekunden vorsichtig mit der Zungenspitze gegen die Lippen des Kanadiers. Das war das Zeichen, dass er seinen Mund öffnen sollte und er tat es, er spürte die Zunge seines Freundes sachte und erkundend an seiner eigenen und blieb zunächst völlig passiv, bis er eine seltsam angenehme Wärme in seinem Inneren spürte, die sich um sein Herz schloss. Das war schön, es gefiel ihm, er ließ sich davon anstecken und fing an, mit Esteban mitzuspielen. Sein Freund schmeckte süß und lecker nach dem Erdbeer-Daiquiri, den er getrunken hatte und Lance schloss die Augen. Er vergaß für einen Moment den Grund ihres Kusses, das Flaschendrehen und genoss die sinnlichen Gefühle, die sich in ihm breit machten und intensiver wurden, je länger der Kuss dauerte. Als Esteban seine weichen Lippen von ihm löste, spürte Lance ihm nach, unwillig aufzuhören, aber der johlende Applaus seiner Kumpels holte ihn ins Hier und Jetzt zurück.

„War das genug Vorspiel oder sollen wir weitermachen?“, fragte Esteban forsch und scherzte mit ein paar der Jungs herum. Er hatte seine Augen nicht geschlossen, sondern genau mitbekommen was um ihn herum passierte, schließlich musste er aufpassen, dass niemand sein Smartphone rausholte und ein Foto von der Aktion machte. Sie hatten sich zwar vor dem Spiel darauf geeinigt, das nicht zu tun, aber man wusste ja nie und während er Lance küsste, malte er sich bereits gedanklich aus, wie betreffendes Smartphone ein unglückliches Zusammentreffen mit dem Pool haben könnte, doch erstaunlicherweise hatten sich alle an die Abmachung gehalten. Als Esteban merkte, dass Lance ihn immer noch verklärt anstarrte, stieß er ihm beiläufig leicht in die Rippen und der 16-Jährige begriff sofort, wandte seinen Blick ab. Cool sein jetzt, ermahnte er sich und er war froh, als ein Klingeln an der Tür die Aufmerksamkeit der anderen erregte.

„Ah, das wird das bestellte Essen sein. Esteban, gehst du mal?“ Julien stellte die Frage voller Selbstgefälligkeit und sie hörte sich eher wie eine Aufforderung an. Es war die Spitze des Eisbergs einer ganzen Reihe an kleinen Sticheleien über den Abend verteilt und Lance traute seinen Ohren kaum.

„Was? Blödsinn, nein!“, ging er fassungslos dazwischen und funkelte Julien böse an. Wie konnte er vor allen anderen mit Esteban reden, als wäre er sein Dienstbote? „Du brauchst nicht aufstehen, ich gehe“, sagte Lance an seinen besten Freund gewandt, doch dieser hielt ihn zurück.

„Ist schon gut, ich mach das eben. Bleib du ruhig bei deiner Party“, entgegnete Esteban und blieb souverän, obwohl ihm das verlegene Tuscheln derjenigen, die Juliens Anspielung verstanden hatten, nicht entging.

„Ist das wirklich okay?“, flüsterte Lance besorgt.

„Na klar, bis gleich.“ Er schenkte Julien ein auffallend liebliches Lächeln, woraufhin dieser ihn verächtlich anblitzte. In Esteban brodelte es wie in einem Vulkan, aber er ließ es sich nicht anmerken. Er verschwand im Inneren des Hauses, während Joris sämtliche Gläser zu einer Partie „I never“ füllte, Alessia ins Bad ging um sich nachzuschminken und Lance nicht mehr aufhören konnte zu bedauern, dass er diese Party überhaupt veranstaltet hatte.


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tbc


Wir lesen uns im neuen Jahr wieder, ich wünsch euch einen guten Rutsch! :)
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