Fire and Gold

von Varietas
GeschichteRomanze, Übernatürlich / P18 Slash
Anthony J. Crowley Dagon Erzengel Michael Erziraphael Hastur OC (Own Character)
30.12.2019
14.02.2020
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Ein paar Tage später
A.Z. Fell's Bookshop



Der Spaziergang im St. James Park hatte Crowleys Kopf nicht gerade freigeräumt. Wenn überhaupt, hatte ihm das unnötig mehr Zeit gegeben, über Dinge nachzugrübeln, die er wahrscheinlich besser in irgendeiner Ecke seines Kopfes verstauen sollte, in die er so bald nicht mehr sehen würde. Aber in seinem Kopf war Crowley viel zu allein mit sich selbst und obwohl Aziraphale die ganze Zeit über an seiner Seite gewesen war, war dieser viel zu sehr damit beschäftigt gewesen, die Ruhe und das anderweitig angenehm geschäftige Treiben im Park zu beobachten. Crowley hatte dem Engel diesen Freiraum gelassen, aber ein Part seiner Selbst hatte schreiend und zugleich still darum gebettelt, von Aziraphale Beachtung geschenkt zu bekommen, von ihm abgelenkt zu werden.

„Engel, ich habe beschlossen, dass ich das nie wieder machen werde. Ich werde nie wieder da runter gehen.“

Aziraphale schenkte ihm ein ermutigendes Lächeln, als ahne er bereits, dass Crowley das vielleicht nicht einhalten würde. „Weißt du... du wirst nie bereuen müssen, es nicht zumindest versucht zu haben.“

„Wir werden nie erfahren, ob ich es bereut hätte“, sagte Crowley trocken. „Engel, ich geh da nie wieder hin zurück!“

„Äh...“

„Ich meine das ernst! Es gibt nichts, das du sagen könntest, das mich umstimmen würde.“

„Und wie wäre es mit etwas, das die da sagen?“, fragte Aziraphale und wies vorsichtig auf die andere Straßenseite, gegenüber des Buchladens.

Crowley runzelte die Stirn, suchte die Umgebung nach Leuten ab, die Aziraphale mit „die da“ meinen könnte.

Zwei Gestalten standen so weit im Schatten der gegenüberliegenden Hausfassade, dass Crowley sie auf den ersten Blick nicht einmal bemerkt hatte. Die dunklen Gewänder und Kapuzen jedoch, die deren Gesichter komplett verbargen und einen ominösen wie auch furchteinflößenden Eindruck vermittelten, ohne dass sich die Gestalten dahinter sonderlich anstrengen mussten, erkannte Crowley auf den ersten Blick: Mitglieder des Dunklen Konklaves. Jetzt machte es deutlich mehr Sinn, dass die Fußgänger auf beiden Seiten der Straße nicht mal einen kleinen, skeptischen Blick riskierten und sie einfach ignorierten. Diese beiden hatten sich vor dem menschlichen Auge getarnt. Die Sterblichen könnten durch diese beiden hindurch latschen und das einzige, das daraus resultieren würde, wäre ein kalter Rückenschauer.

Crowley hatte nie viel mit diesen Dämonen am Hut gehabt, aber er war sich relativ sicher, dass ihr Auftauchen hier nichts Gutes für Aziraphale und ihn zu bedeuten hatte. Vor allem nicht so kurz, nachdem sie in der Hölle (schon wieder) das reinste Chaos angerichtet hatten.

Doch bevor auch nur eine der beiden Parteien zucken konnte, ertönte ein leises Klingeln, gefolgt von plötzlichem, so starkem Lichteinfall, dass es sie für einige Sekunden komplett blendete. Crowley und Aziraphale waren sich der Tatsache bewusst, dass der offensichtliche Engel, der zu ihnen auf die Erde hinabstieg, sich ebenso für das menschliche Auge tarnte wie das Dunkle Konklave dies tat. Aber es gab trotzdem ein abstruses Bild ab, als die schneeweiß gekleidete Gestalt direkt vor ihnen zwischen den Massen an Menschen landete, die einfach automatisch einen großen Bogen um sie taten.

Aziraphale runzelte die Stirn. „Es sieht so aus, als hätten wir noch lange nicht wirklich mit unseren jeweiligen Fraktionen abgeschlossen“, murmelte er betont leise in Crowleys linkes Ohr.

Auch die engelsgleiche Gestalt trug eine Kapuze – mit dem Unterschied, dass ihre nicht furchteinflößend aussah. Im Gegenteil. Sie wirkte rein und unschuldig und gab einem ein warmes Gefühl, das Crowley aus einem Reflex heraus direkt von sich weisen wollte.

„Der Erzengel Michael“, bemerkte Aziraphale das Offensichtliche, als diese ihr Gesicht unter der schneeweißen Kapuze preisgegeben hatte. Aziraphale wurde in diesem Moment ein wenig von einem Déjà-vu-Gefühl beschlichen...

Michael zog die Augenbraue hoch, wandte sich zu Aziraphale und Crowley herum, bevor ihr Blick gezielt weiter zu den beiden Mitgliedern des Dunklen Konklaves auf der anderen Straßenseite wanderte. Dann wieder zu ihnen beiden zurück. Und dann zog der Erzengel Michael ihr Schwert, von dem Crowley erst jetzt sehen konnte, dass sie es an ihrer Hüfte getragen hatte.

Sie zielte mit der Himmelswaffe auf die beiden dunklen Gestalten – wenigstens nicht auf Crowley und Aziraphale.

Eine der beiden Gestalten hob ihren Arm. Sie vollführte mit der in die Luft gestreckten Hand eine Bewegung, als würde sie sich um etwas Unsichtbares krampfen. Ein dunkler Ball aus Nebel entstand darin und die Gestalt holte aus, um Michael mit dem Ball anzugreifen.

Sie persönlich war froh, dass das Auftauchen dieser Gestalten ungeachtet der Massen an Menschen verblieb, die einfach durch sie hindurch gingen und auf wundersame Weise allen Beteiligten auswichen, ohne etwas sehen zu können. Das musste ein dämonischer Trick sein und vielleicht sollte Michael es nicht „Wunder“ nennen, aber erst einmal gab es wichtigere Dinge, auf die sie sich konzentrieren sollte.

Wie zum Beispiel der Ball aus dunkler Materie, den eine der beiden Gestalten in ihre Richtung geworfen hatte und die nun in rasanter Geschwindigkeit auf sie alle zugezischt kam.

Sie wunderte einen zweckmäßigen Windstoß, der diese beiden Idioten zur Seite wischte, sodass sie nicht von dem Magiegeschoss umgeworfen werden würden wie Kegel beim Bowling. Dann sprintete Michael mit einem Stoß von Energie los, zerteilte die dunkle Kugel mit ihrem Schwert, aber ließ keine Pause zu und stieß weiter bis zu den beiden Gestalten auf der anderen Straßenseite vor.

Michael versuchte, die Augen nicht allzu sehr zu verdrehen, als nun beide Gestalten, die eine auf ihrer linken, die andere auf ihrer rechten Seite, damit begannen, zu versuchen, sie mit diesen Hieben voller dunkler Materie zu treffen.

Sie wich aus und holte mit ihrem Schwert aus. Sie schlug dem einen von beiden Kapuzen oberhalb der Brust, knapp unter der Kehle, eine ordentliche Wunde ins Fleisch, duckte sich vor dem Angriff des anderen weg, fuhr herum und stieß ihm ihre Schwertspitze durch den Schädel. Sie spürte am Griff, dass sie auf Widerstand gestoßen war, dass die Spitze durch okkultes Fleisch getrieben worden war, aber egal, wie sehr sie sich anstrengte, sie konnte den eigentlichen Schädel unter der Kapuze nicht sehen. Nicht einmal Augen wollten ihr klischeehaft entgegen leuchten.

Der Schatten mit der Schwertschneide im Kopf gab auch keinen Laut von sich, ächzte nicht mal, spuckte kein dunkles bis schwarzes Blut... Er zerfiel einfach in sich zusammen, Michael konnte es spüren. Sein Kapuzenumhang flatterte zu Boden und blieb dort für eine Weile liegen, bevor er sich im wahrsten Sinne des Wortes in Luft auflöste.

Jedoch hatte sie keine Zeit, den toten Umhang im Auge zu behalten. Sie wirbelte herum und fing den Angriff mit der Schneide ihres Schwertes ab, stieß den zweiten Kapuzenträger gute fünf Meter von sich.

Sie flog praktisch näher als dass sie zu ihm stampfte. Es war lächerlich, wie lebendig sie sich dabei fühlte. Michael balancierte das Schwert fast übermütig an ihrem Schwertarm umher, als sie auf den anderen zukam. „Letzte Chance, es sich anders zu überlegen. Wenn du jetzt fliehst, könntest du noch mal meine Gnade erfahren...“

Der Schatten überlegte es sich keine zwei Mal. Auch er löste sich still und augenblicklich in grauen Rauch auf, aber dieses Mal war Michael sich relativ sicher, dass er nicht tot war. Er war nur schlicht geflüchtet, so, wie sie es ihm angeboten hatte.

Jetzt, wo das Adrenalin langsam begann nachzulassen, konnte sie ihre erschwerte Atmung fühlen und auch hören und hoffte, dass alle anderen, um sie herum, das nicht konnten. Und trotzdem... sie fühlte sich großartig! Sie fühlte sich lebendig und gut und als könnte sie es gerade mit jedem aufnehmen. Sie fühlte sich hochmütig und musste sich daran erinnern, es nicht zu weit zu treiben.

Sie hob ihr Schwert an und ließ den Blick über die saubere, weißliche Klinge gleiten. Sie blickte ihrem Spiegelbild entgegen und das bewirkte, dass Aufregung und eine schwer einzuordnende Freude in ihr hochstieg. War sie schon wieder rückwärts gealtert? Es sah ganz so aus und sie fühlte sich auch viel agiler als vor einer ganzen Weile schon.

Solange sie im Kampf mit den beiden Schatten verwickelt gewesen war, hatte die Zeit nicht so schnell getickt, wie sie das normalerweise tat, vielleicht war sie sogar kurzzeitig angehalten worden. Michael hatte nicht darauf geachtet, ihre Konzentration war voll und ganz von dem Willen vereinnahmt worden, nicht verwundet zu werden. Jetzt ließ der merkwürdige Zeitraffer nach und sie spürte, wie die Menschen um sie herum wieder begannen, in einem normalen Tempo um sie herum- oder stellenweise einfach in sie hineinzulaufen....

Michael sah sich um und schob das Schwert in den Halter unter ihrem Mantel, um schräge Blicke zu vermeiden. Anschließend ließ sie ihren Blick auf der Suche nach den beiden Idioten wandern.

„Da, siehst du, Engel? Spielt keine Rolle, was 'die da' dazu sagen würden. Ich geh' da nicht noch mal runter...“ Crowley sagte das, und fand seinen Hals an der scharfen Schneide einer Schwertklinge wieder – der Klinge einer himmlischen Waffe, um genau zu sein. Er schluckte und blinzelte dem Erzengel, der den Griff hielt, entgegen.

„Doch wirst du“, sagte Michael süßlich.

„Ich dachte, wir hätten (einen sehr wackeligen) Frieden vereinbart...“ Aziraphales Lächeln sah äußerst verrutscht aus.

„Richtig“, sprang Crowley auf Aziraphales Vorlage ein, „wir hatten gesagt, dass es besser für alle wäre, wenn Himmel und Hölle uns zukünftig in Ruhe lassen würden...“ Sein Verstand arbeitete auf Hochtouren, um auch ja brav alles zu wiederholen, das Aziraphale und er einstudiert hatten. Schließlich wäre es höchst kompliziert, wenn Crowley sich nicht an die Worte erinnern könnte, die „Crowley“ bei seinem Weihwasser-Bad in der Hölle gesagt hatte...

„Und ich lasse euch in Frieden. Ich helfe euch sogar. Die werden wiederkommen, und wenn das passiert, seid ihr besser in der Nähe von jemandem, der mit ihnen fertig wird. Da unten findet ihr vielleicht jemanden.“

Außerdem würde ich euch beide wirklich gern im Auge behalten. Es ist ein komischer Zufall, dass ich praktisch in euch hineingefallen bin..., dachte Michael bei sich, wusste aber, gewisse Informationen nicht preiszugeben.

„Für mich hört sich das nach einer Drohung an. Und es fühlt sich auch so an“, warf Crowley frech ein.

Michael lächelte vielleicht etwas zu eisig und erinnerte ihn daran, dass sie ihm immer noch eine scharfe Klinge entgegen hielt. „Das kannst du sehen, wie du willst. Abgemacht war, dass wir nicht mehr versuchen, euch zu töten. Dass wir von uns aus Abstand halten. Nichts Anderes. Ich bin hier lediglich über euch gestolpert. Oh, und natürlich habe ich diese beiden Unruhestifter verjagt, bevor sie euch angegriffen haben. Seid gefälligst nicht undankbar...“

Als diese beiden einen Blick austauschten, ging Michael auf, dass sie darauf gesetzt hatten, dass sie zurückschrecken würde, dass sie denken würde, sie könnten ihr tatsächlich gefährlich werden. Jetzt, da der Bluff aufgeflogen war, steckten sie wohl in der Zwickmühle. Aber wieso sollte Michael sich auch durch diese beiden Verräter bedroht fühlen? Es war nicht so, dass sie blutrünstige Bestien waren – lediglich zwei Verräter, die leider nicht totzukriegen waren. Das musste noch lange nicht heißen, dass sie vor ihnen zittern musste, davon ab, dass Michael sowieso nicht so leicht zu erschrecken war.

Außerdem spürte sie, dass etwas unwahrscheinlich Dunkles im Gange war. Es konnte wirklich nicht schaden, ein Auge auf jedweden Risikofaktor zu haben.

„Also schön...!“ Aziraphale schien jetzt schon weitaus eher in seinem Element. „Was willst du dafür?“

„Ihr werdet mich in die Hölle begleiten müssen“, sagte Michael simpel und ließ das Schwert dieses Mal wirklich verschwinden – sie erlaubte sich diese Gönnerhaftigkeit.

„Was?? Was willst du da?!“, fragte Crowley ein wenig zu forsch, was ihm einen scharfen Blick von Michael einbrachte.

„Das tut nichts zur Sache.“

„Wenn das nichts zur Sache tut, wieso sollen wir dann mitkommen? Du schaffst das doch sicherlich alleine“, meinte Crowley und vergrub die Hände in den Taschen.

„Der Grund dafür geht euch so oder so nichts an. Aber die Hölle hat alle gängigen Wege reinzukommen abgesperrt. Da ihr ja offensichtlich kürzlich einen kleinen Abstecher dorthin gemacht habt, wärt ihr sicher so freundlich, mir euren Ein- oder Ausgang zu zeigen und mich zu begleiten, damit ich ein Auge auf euch haben kann – natürlich nur, um das Schlimmste zu verhindern~“

Crowley wollte protestieren, allein Aziraphales Blick hielt ihn davon ab. Gib ihr einfach, was sie will! Wir können nicht riskieren, dass sie 'unseren kleinen Trick' durchschaut!





Michael trieb wohlweislich die beiden Anderen vor, bevor sie selbst durch den (in einer dunklen Gasse liegenden) Eingang trat. Nachdem sie die Schwelle übertreten hatte, ertönte ein einziger, aber ohrenbetäubender Knall, als ein massives schwarzes Gitter von oben in den Boden vor dem Durchgang getrieben wurde.

„Sieht so aus als würde das inzwischen nur noch als Eingang fungieren...“, bemerkte Aziraphale hilflos.

Michael seufzte.

Crowley musterte sie mit einem Lächeln, das aller Wahrscheinlichkeit nach nicht ehrlich gemeint war, und wies auf den dunklen Gang, bei dem ihnen nun keine andere Möglichkeit blieb als ihn zu beschreiten. „Ladies first.“

„Ich könnte dir dasselbe anbieten, 'Nanny Ashtoreth'“, sagte Michael insgeheim leicht angesäuert, ignorierte den dümmlich-überraschten Blick, den Crowley wohl definitiv nicht “dümmlich-überrascht” nennen würde, und rauschte an den beiden vorbei. Sie achtete nicht darauf, ob einer von beiden ihr folgte, aber sie ging großzügig davon aus. Selbst wenn Crowley es nicht zugeben wollte, hier unten war es inzwischen vermutlich äußerst gefährlich für sie. Erst recht, wenn Michael darüber nachdachte, wie hartnäckig Crowley dagegen argumentiert hatte, noch einmal hier herunterzukommen.

Sie vermutete nicht, eine ehrliche Antwort zu bekommen, selbst wenn Michael versuchte, diese beiden zu fragen, was wohl hier unten geschehen war. Außerdem rechnete sie damit, dass sie Was-auch-immer in wenigen Minuten mit eigenen Augen sehen würde.

Die Hölle... sah anders aus. Das bemerkte Michael mit jedem weiteren Schritt, den sie tiefer hinein taten, und wenn sie das richtig deutete, kam es für Aziraphale und Crowley ebenfalls überraschend. Es war immer noch dunkel... Aber es war nicht mehr feucht-kalt. Es war sogar recht warm, als würde ein laues Lüftchen wehen. Des Weiteren war alles so glatt geschliffen...

Die Hölle war kein zusammengequetschtes Kellerbüro mehr. Das war ein Detail, das einem erst gar nicht bewusst war. Aber jetzt, wo sie in dieser großen, höhlenartigen Halle angekommen waren, ging es Michael auf. Schreibtische und Regale voller alter, muffig riechender Akten gab es immer noch, jedoch nur an ausgewählten Stellen... Der Gang, durch den sie reingekommen waren, schien schier endlos lang zu sein, aber als er einmal endete, mündete er in einer riesigen, unterirdischen Halle, so groß wie drei Football-Felder – drei Football-Felder im Mindesten.

„Valac hat nicht viele Veränderungen hier vorgenommen, hat dieses Loch nicht wirklich modernisieren können... Aber das, das er verändert hat, wurde ganz offensichtlich übernommen“, zischte Crowley in Aziraphales Ohr.

„Es sieht hier aus wie in einem sehr fantasiereichen Steampunk-Roman! Ich liebe es“, wisperte Aziraphale zurück und besaß tatsächlich die Durchsetzungsfähigkeit, offensichtliche Freude über diese Tatsache zu empfinden.

Crowley beäugte den Engel für einige lange Momente. Vermutlich würde er nie aufhören können, Aziraphale dafür zu bewundern, in allem und jedem etwas Gutes sehen zu können.

Valac?!, dachte Michael, während sie die letzten Treppenstufen hinunter stieg und den ersten Schritt auf den groben Gehweg setzte, der durch die Mitte der riesigen Halle auf ein mächtiges Gebilde ganz hinten zulief – ein Gebilde, aus demselben schwarzen Material wie alles andere hier und mindestens genau so glatt gestrichen. Die Fackeln an den Wänden des Gebäudes glühten förmlich. Das Gebäude selbst kam einer schwarzen Pyramide gleich. Merkwürdige Zacken und Spitzen wuchsen aus dem Schwarz heraus und neigten sich gen Decke. Die schwarze Pyramide (bei der es sich genau so gut um die höllische Form eines Palastes handeln könnte, jetzt, wo Michael darüber nachdachte) erstreckte sich selbst von ihrem Standpunkt dort ganz hinten aus über die ganze Halle, warf einen mächtigen Schatten auf die Dämonen, die über den riesigen Platz schlurften.

Michael achtete genau darauf, ihren Blick nicht allzu sehr wandern zu lassen, obwohl sie die schrägen Blicke auf sich selbst und ihren zwei „Begleitern“ genau spürte und auch das Zischeln und Flüstern hören konnte. Offenbar war ihr „Besuch“ hier ein großes Thema unter den Dämonen...

„An irgendwas erinnert mich die neue Innendekoration hier“, hörte sie Crowley sarkastisch sagen. „Ich komm aber nicht drauf, an was...“

Sie musste zugeben, dass die Hölle jetzt einen gewissen Chic hatte. Ein bisschen. Der Himmel war immer noch reiner, sauberer, ordentlicher... Aber im Vergleich zu dem feucht-kalten Drecksloch, das dieser Ort vorher gewesen war, war das hier förmlich eine Oase.

Als sie näher an die Pyramide herantraten, konnte Michael zum ersten Mal die Bewegung wahrnehmen, die sich sofort wieder hinter das mächtige, dunkle Gebäude zurückzog.

Sie verlangsamte ihre Schritte skeptisch und nahm eine vorsichtigere Haltung ein. Einem Reflex folgend, streifte sie zart über den Griff ihres Schwertes. Sie würde bereit sein, sollte es darauf ankommen.

Ein markerschütterndes Knurren ertönte hinter ihnen. Michael fuhr herum. Da war niemand außer Aziraphale und Crowley, und trotzdem konnte sie ganz deutlich das Geifern und Murren irgendwo dort hören, einem Tier gleich, das sich zum Angriff bereit machte.

Aziraphale sah sich alarmiert um, schien aber auch nicht viel mehr aus der Situation herauslesen zu können als Michael. Crowley dagegen sah offen alarmiert aus und allgemein schien er eine genauere Ahnung zu haben, was hier eigentlich vor sich ging.

Und dann tauchte es auf. Einfach so. Wie Pailletten, über die man streicht, damit die einzelnen Bestandteile sich auf die andere Seite drehen und so die Farbe wechseln, brach eine Fläche vor ihnen auf, platzte auf, gab die Gestalt frei, die sich die ganze Zeit direkt vor ihren Augen versteckt hatte.

„Scheiße!“, fluchte Crowley. Etwas leiser und nur an Aziraphale gerichtet murmelte er: „Ich dachte, er wäre... nun ja... ich dachte, er hätte sich Ligur angeschlossen...“

Aziraphale hob fragend eine Augenbraue, konnte sich aber nicht lange von dem Tier abwenden, das eben aus dem bloßen Nichts aufgetaucht war.

Monströs war das Vieh, wenn es auch nur einen Bruchteil der Pyramide maß. Trotz allem ein riesiges Vieh. Ein breiter violetter Körper mit hängendem orangenen Bauch. Es stützte sich auf alle vier Beine, die mit Krallen besetzt waren – messerscharfe, bedrohlich aussehende Krallen. Das Tier hatte Flügel auf dem Rücken, die nicht wirklich zu seinem Körper passten. Sein Hals war etwas gedrungen und sein Kopf hatte eine merkwürdig spitze, abgerundete Form.

Drache..., schoss es Michael durch den Kopf. Vermutlich das erste Mal seit einer sehr langen Zeit starrte sie etwas ungläubig und mit offenem Mund an.

„Crowley... mein Lieber...! Du klingst fast so, als wüsstest du, was es mit diesem... mächtigen Wesen auf sich hat...“

„Erinnerst du dich noch an das Chamäleon, das Ligur stets mit sich herumgetragen hat...“

„Ja...?“

„Das war nicht wirklich ein Chamäleon. Nicht von Anfang an“, sagte Crowley trocken und wies auf das rotäugige Riesenvieh, dessen Schweif fast neugierig von einer Seite zur anderen peitschte, während es alle drei Besucher skeptisch beäugte.

„Warte...!“, sagte Crowley nach einer Weile. Wenn möglich, klang er noch ein wenig nervöser. „Wenn der hier ist... Wo ist...-“

Etwas ließ einen markerschütternden Schrei verlauten. Das Geräusch war so laut gewesen, dass Michael sich fast unrühmlich die Hände auf die Ohren gepresst hätte wie ein kleines Kind. Offenbar war die Geräuschquelle auch das Lebewesen, nach dem Crowley gesucht hatte, wenn Michael von dessen Reaktion auf irgendetwas schließen konnte.

Der Boden zu ihren Füßen wackelte und rumpelte einem Erdbeben gleich, als sich ein weiterer Schatten über ihnen erstreckte. Das zweite Tier, der zweite Drache, wuchtete den mächtigen Körper über die Spitzen der Pyramide, krallte sich mit seinen Vorderfüßen in das Material und watschelte mit Tapsern, die ein kleines Erdbeben auslösten, soweit zu ihnen, bis er direkt über ihnen hing. Seine Augen waren pechschwarz und als er sie alle besah, offenbarte er eine Reihe messerscharfer Zähne.

„FUCK!“

„Engel... Hast du gerade 'fuck' gesagt??!“

“Ich habe schon mal ‘fuck’ gesagt!” Aziraphale klang beinahe ein bisschen stolz, als er das offenbarte.

“Wie bitte?!”, erwiderte Crowley geradezu entgeistert.

“Ist das...!?”

„Ja... Das ist Hasturs nicht mehr ganz so kleines 'Haustier'!“

Dieser hier war komplett in Grün gehalten und hatte einen etwas filigraneren Körper. Sein Kopf war etwas eckiger und spitz zulaufend im Gegensatz zu seinem Kollegen. Der Hals war länger und dieser Drache besaß scheinbar nur zwei Hinterbeine. Die vorderen beiden waren mit seinen gigantischen Flügeln verwachsen, weswegen er sich mehr kriechend als gehend fortbewegte.

„Michael... Erzengel Michael...? Hallo?! Wie wäre es, wenn du ihm dein Schwert zeigst?!“, hörte sie Crowley hinter sich zischen.

Beschämenderweise dachte Michael nicht einmal darüber nach – sie fühlte sich wie an Ort und Stelle festgefroren. Nicht wirklich vor Angst... trotzdem war es, als wäre sie gelähmt worden.

Die Menschen hatten während einer gewissen Periode der Kunst einmal Bilder von dem mächtigen Erzengel Michael gemacht, wie sie, burschikos gekleidet, Drachen erschlug. Diese Gemälde hatten etwas gehabt und sie hatten Michael auch gefallen, aber es entsprach nicht der Wahrheit. Sie war sich ziemlich sicher, noch nie in ihrem Leben einen Drachen gesehen zu haben. Zumindest nicht nach dem Himmelfall, als sämtliche Engel ihre genaueren Erinnerungen verloren hatten. Also hatte Michael auch noch nie einen Drachen erlegt.

Wenn sie dieses Tier so ansah, wusste sie auch nicht, ob sie das wirklich wollte. Sie atmete durch und streckte mit gerunzelter Stirn die Hand nach dem Tier aus. Der Drache blinzelte sie bloß abwartend an. Als ihre Hand seine geschuppte Schnauze berührte, schnaubte er ihr warmen Atem entgegen, bevor sich tiefer gen Boden neigte und den Kopf neben ihr ablegte. Der Grüne war beinahe so groß wie die schwarze Pyramide hinter ihm und sein Kopf allein war fast so gewaltig wie der Körper des Violetten, das wurde Michael gerade bewusst.

Der Violette zuckte empört und aggressiv nach vorn, gab aber nur ein angesäuertes Grummeln von sich. Der Grüne quittierte, indem er einen weiteren ohrenbetäubenden Schrei losließ, diesmal seinen Bruder ankreischte und ihm warnend in den Hals zwickte. Der Violette ächzte und zog sich schmollend zurück, verließ aber seinen Posten in Crowleys und Aziraphales Rücken nicht. Der Schweif peitschte wieder hin und her. Er beobachtete die Situation gezwungenermaßen abwartend, weil er in Gegenzug zu seinem viel größeren Bruder ganz klar den Kürzeren gezogen hatte.

„Also wenn du da durch wolltest, hast du wohl Pech. Die werden uns hier nicht durch lassen.“

Der Grüne grollte dunkel und drohend. Man könnte jetzt meinen, dass er Crowleys Aussage damit unterstreichen wollte, während in Wahrheit das Gegenteil der Fall war. Der Schwarze Tod konnte Crowley ganz offensichtlich nicht leiden – weswegen, Crowley konnte sich so einige Gründe dafür denken. Er fragte sich bloß, wieso der Stumme ihn dann nicht schon längst bei lebendigem Leibe geröstet hatte. Er mochte ein Dämon sein, aber Drachenfeuer würde er vermutlich nicht so leicht überstehen.

„Nein...“, korrigierte Michael und strich zart über den langen Hals, „er wird euch nicht durchlassen.“

Der Grüne schnaubte fast liebevoll in ihre Richtung, bevor er seinen Kopf sanft dafür missbrauchte, sie in Richtung des Eingangs der Pyramide zu schieben.

Offenbar waren die Geschichten der menschlichen Fantasy-Autoren richtig. Drachen waren intelligente Tiere, die Freund von Feind unterscheiden konnten.

„Wow-wow-wow, und was ist mit uns? Sollen wir etwa die ganze Zeit hier stehen bleiben...-“ Crowley wollte den Versuch machen, ihr hinterherzugehen, aber ein riesiger grüner Drachenkopf schob sich grob in sein Sichtfeld und keifte ihn derart aggressiv an, dass Crowley seine kurzen rostroten Haare im Wind, den der Schrei auslöste, wehen spüren konnte.

„Komm zurück, mein Lieber, komm wieder her...!“, befahl Aziraphale nervös und zog Crowley am Ellenbogen in relative Sicherheit.

„Wenn du nicht aufgefressen oder gegrillt werden willst, wirst du wohl genau dort warten müssen, ja“, erklärte Michael das Überflüssige und trat durch den Eingang des Palastes.

Was ist hier geschehen?!?

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A/N: Alles klar, pünktlich zum Valentinstag (ich kenne halt mein absolut unpassendes Timing) gibt es ein absolut unromantsiches Kapitel, von dem ein Großteil überhaupt nichts mit Liebe und Frühlingsgefühlen zu tun hat. XD
Ich hoffe, es hat euch gefallen. :’D
Übrigens ist der Name des Kapitels ausnahmsweise nicht meiner Feder entsprungen. :’D Mir wurde zugetragen, das würde man so raushören, deshalb leben wir jetzt alle mit einem Clickbait-Kapitelnamen, zur Feier des Valentinstags. :’D
Jedem, der einen Partner hat, wünsche ich einen schönen Tag, wenn ihr es denn feiert (oder halt nicht :D), und denen, die gerade keinen haben, so wie ich, macht einfach alles, auf das ihr als Single-Person am meisten Bock habt. XD Am Ende des Tages… ist es nur ein Tag gewesen. XD
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