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Herz in der Schlacht, Seele in Worten

von truber
GedichtSchmerz/Trost / P12 / Gen
30.12.2019
19.06.2020
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2.311
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30.12.2019 497
 
Inspiration durch "Der letzte Brief [eines Soldaten]" von der EAV.
Man kann sich beim Lesen auf die ersten 18 Verse beschränken. [Solchermaßen eingeklammerte Stellen sind nur für diese Mini-Version zu gebrauchen.]

Es träumt der Bluthitz Sohn, Soldat,
vom linder Liebe Garten,
doch lass'n ihn Krieg und Gier so fad
In Schützengräben warten.
So muss er bis zum letzten Schuss
in Panik weiter harren,
besorgt und weiter voll Verdruss
ob Herzen, die erstarren.

Er wünscht sich Frieden, froh und wahr,
will weiter für ihn töten.
Er meint es gut, und sagt: "Fürwahr,
der Sieg ist wohl vonnöten."
Ihm fehlt der Glaub an Dialog,
sein Flaggen sind kein weißen.
Der Krieg den Geist ins Giftbad zog,
Shalom wird nicht verheißen.

[Die Seelen's nimmer schaffen,
die Herzen aufzuraffen.]

Die Kugel traf Soldaten früh -
sie innen gleichen Toten.
Verbleit könn' fliegen Herzen nie,
zu Kreuz sie kriech'n als Kroten.
Die Hoffnung scheint schon längst vertan,
dass Seelen's einmal schaffen,
zu tauchen auf aus wildem Wahn,
die Herzen aufzuraffen.

Sie weinen, schreiben Briefe auch,
zuweilen sie bedauern.
Versprüht sie wer'n aus einem Schlauch,
zu brechen Feindes Mauern.
Sie kämpfen, schießen, trinken Blut,
um Monster ganz zu werden.
Wohl leben darf der größter Wut,
es gilt nicht mehr zu erden.

Im Heute sind sie Brecher groß,
in Zukunft dann gebrochen,
als Invaliden arbeitslos,
das Ehrenkreuz in Knochen.(1)
Sie opfern sich dem stumpfen Drill,
Idee, der Siegsdevise;
und marodiern, weil Führer's will,
verbrennen alle Wiese.

Der Krieg ist Fleischwolf für das Herz
und Folter für die Seele.
Er ist die Quell des größten Schmerz',
auf dass ein alles schwele.
Ich weiß nicht, was das Herz bezweckt,
das meine Menschheit leitet.
Im Krieg ein jeder nur verreckt;
sonst unbeschreiblich leidet.

Ach, Menschen, kennt ihr Liebe nicht,
und müsst noch immer hassen?!
Der Gott verheißt doch großes Licht -
ihr seht's durch Lebenlassen.
Das Glück wohl liegt auf beiden Seit',
gar gleich an nahen Enden.
Ihr streitet euch für lange Zeit,
wohin ihr wollt euch wenden.

Der Weg dazwischen ist so kahl,
doch scheint er eu'r Bestreben.
Die Zeit ihr macht euch so zur Qual,
riskierend euer Leben.
Der Balken ist so schmal und dünn,
auf dem man soll parieren.
So fallen, sterben all dahin,
anstatt zu balancieren.

Die Dummheit ist der wahre Feind -
kein Gegner, kein Rivale.
Ihr Fluch es wirklich böse meint,
er tötet viele Male.
Sie schleicht so leise, beißt dann zu,(2)
du bist zum Zähnewetzen.
Ihr Gift dir lässt dann keine Ruh,
unmerklich zu verletzen.

Sadistisch ist die Dummheit - spür',
wie sie dein Blut vergällte.
Sie schließt die Fenster, jede Tür,
wo Licht den Geist erhellte.
Die Dummheitszecke herzwärts kroch,
die Liebe muss verrecken.
Soldaten drum erleben noch
der Krach und Kriege Schrecken.
1) EAV: "Es ersetzt das Ritterkreuz dem Helden jedes Glied."
2) EAV: "Die Dummheit kommt auf leisen Pfoten."
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