Read when sad or lonely -Assassins Creed Oneshots-

von Cimbaerly
OneshotAllgemein / P16
29.12.2019
09.09.2020
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29.12.2019 766
 
Dunkelheit lag über Jerusalem. Alles war ruhig, man hörte hin und wieder nur das Bellen eines Hundes oder den Ruf einer Eule. Die Lichter der Stadt beschränkten sich nur auf das Nötigste, Fackeln erhellten die Straßen und warfen einen goldenen Schein an die Häuser und zusätzlich stand ein großer, voller, silberner Mond am Himmel, tauchte alles in beinahe metallisches Licht. Malik warf sich unruhig in seinem Bett hin und her, er konnte einfach nicht einschlafen und dabei war es schon kurz nach Mitternacht. Es war nun ein Monat vergangen, seit sein kleiner Bruder gestorben und Malik ein Rafiq geworden war. Von einem vollwertigen Assassinen zum Verbindungsmann degradiert und noch dazu ein Krüppel. Alles nur wegen diesem...Diesem arroganten Penner! "Altair..." Malik spie den Namen fast schon aus, voller Hass und Verachtung. Wenn er könnte, dann würde er Altair bei der erstbesten Gelegenheit die Kehle durchschneiden, nein, noch besser! Er würde ihn mit seinem Schwert erstechen, vorher den linken Arm durchtrennen, sodass Altair genauso litt, wie Malik selbst. Und dann würde er ihn zerlegen, das arrogante Grinsen aus seinem Gesicht wischen. Maliks Gedanken nahmen immer grausamere Züge an und er musste das stoppen. Das war Gift für seine Seele und außerdem war es Altair nicht wert, dass er sich so viel Gedanken um ihn machte. Dann hätte er ja genau das erreicht, was er wollte: Aufmerksamkeit. Nein, die würde Malik ihm nicht schenken. Mit einem Seufzen erhob er sich aus dem Bett und stand vorsichtig auf. Die Schmerzmittel brachten ihn ein wenig zum Wanken und dennoch ließ die Wirkung langsam aber sicher nach. Wenn sie nicht schon nachgelassen hat. Malik hatte zwischendurch das Gefühl, dass er seinen Arm wieder bewegen konnte, seine Hand spüren konnte und vor allem, dass sein gesamter, nicht vorhandener Arm höllisch zog und brannte. Jedesmal schaute Malik dann zu dem verbundenen Stumpf, um sich wieder in die Realität zurückzuholen, um die physischen Schmerzen etwas zu lindern. Doch die seelischen Schmerzen wuchsen von Tag zu Tag, die Wände des Büros kamen immer näher und am schlimmsten war die Einsamkeit. Und so vergrub Malik sich in seiner Kartographie, arbeitete ohne Pause, solange, bis er zusammenbrach. Den Assassinen, die vorbeikamen, um die Missionen zu besprechen und sich die Federn abzuholen, zeigte er seine Schwäche nicht. Ärger war leichter zu ertragen als Trauer und so gab er sich kalt, abweisend und sarkastisch. Und noch immer träumte er von Kadar, seinem kleinen Bruder. Jedesmal sah Malik im Traum, wie Kadar starb, das Blut, die aufgeschlitzte Kehle, die vor Schreck geweiteten Augen, hörte das von Blut erstickte Röcheln. Und jedesmal wachte Malik mit Tränen in den Augen auf, schreiend, um sich schlagend. Die Schmerzen vertrieben seine Gedanken, sie waren nun stärker. Aber er wollte diese Schmerzmittel nicht, nicht wieder in einen Schleier aus Müdigkeit und Trägheit verschwinden. Es gab doch noch so viel zu tun... Malik verzog sein Gesicht vor Schmerzen und wimmerte. Trotzdem schleppte er sich zu seinem Schreibtisch, die Karte musste bis morgen fertig sein... Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit saß er vor seiner Karte. Einige Straßen fehlten noch. Die Feder wurde in das Tintenfass getaucht und dann am Pergament angesetzt. Doch es entstand keine Linie, die Federspitze berührte noch nicht einmal das Blatt. Stattdessen zitterte sie, genauso wie Maliks gesamter Körper. Tränen liefen ihm über das Gesicht und eine unbändige Wut, gemischt mit Verzweiflung kochte in ihm hoch. Mit einem animalischen Aufschrei fegte er alles vom Tisch. Das Tintenfass zerbrach, die dunkle Flüssigkeit ergoss sich über den Boden, über die Karte. Aber noch immer war Malik nicht beruhigt. Mit einem weiteren Schrei zerlegte er sein Bücherregal, das Holz splitterte und knackte, Bücherseiten zerissen, Bücher flogen quer durch den Raum und knalllten an die Wand. Als nächstes waren die Vasen an der Reihe. Eine nach der anderen zerschellte an den Wänden oder am Boden, zwischendurch schnitt Malik sich an den Scherben und das warme Blut lief an seinem Handgelenk hinunter. Er bekam mittlerweile nicht mehr mit, dass er durchgängig am Schreien war. Nach einer ganzen Ewigkeit lag Malik zitternd und weinend am Boden, erschöpft von seinem Ausbruch, unfähig sich zu bewegen. Schmerzen beherrschten sein gesamtes Bewusstsein. "Kadar... Komm zurück zu mir...bitte...", flüsterte er tränenerstickt. Heftige Schluchzer ließen seinen Körper erzittern. Schlafen... Er war müde... Irgendwann war Malik auf dem Boden eingeschlafen, eingerollt, um ihn herum das komplette Ausmaß der Zerstörung. Beinahe ein Sinnbild für das, was Altair zerstört hat. Und trotzdem schien der Mond silbern und schickte sein metallisches Licht auf die Erde. Trotzdem bellten die Hunde, trotzdem zog die Eule ihre Kreise und trotzdem erleuchteten die Fackeln die Straßen Jerusalems.