Ein Valentinstag voller Überraschungen

OneshotHumor, Romanze / P12 Slash
SC Freiburg
29.12.2019
29.12.2019
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Die hier beschriebene Handlung ist frei erfunden und auch die Taten, Gedanken und Worte der einzelnen Personen entsprechen nicht der Realität.
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Pov. Nils Petersen

Summend sperrte ich die Tür auf und machte mich sofort daran das verschwitzte Trainingszeug in die Waschmaschine zu werfen. Das heutige Training war wirklich anstrengend, dennoch tat das meiner guten Laune keinen Abbruch.

Die Sonne schien angenehm vom Himmel und über unseren derzeitigen Tabellenplatz, in der oberen Hälfte, konnte man sich auch nicht beschweren. Einzig und allein die Einsamkeit meiner Wohnung störte mich, doch auch darum wollte ich mich noch kümmern. Bald war schließlich Valentinstag und ihn ein erneutes Jahr allein zu verbringen, darauf hatte ich einfach keine Lust mehr.

Den perfekten Kandidaten hatte ich dafür auch schon ins Auge gefasst.

Robin Koch.

Unser Verteidiger hatte einiges zu bieten. Nicht nur sein wirklich attraktives Aussehen, sondern auch sein Charakter war mehr als in Ordnung. Das einzige Problem, war, dass wir beiden abgesehen von dem typischen Kapitän-Spieler Kontakt wirklich nichts zu tun hatte. Aber mir würde schon noch etwas einfallen. Zwei Wochen hatte ich noch.



Hätte ich vor zwei Wochen nur gewusst, wie schwierig es wäre die passende Idee für jemanden aufzutreiben, den ich gar nicht kannte. Nun blieb mir nur noch ein Tag über, um mir etwas einfallen zu lassen. Das war doch wirklich zum Mäuse melken. Außerdem was sollte ich machen, wenn Robin schon jemanden aufgetrieben hatte mit dem er den Tag verbringen wollte.

Frustriert beschloss ich also die Idee wieder zu verwerfen und den Tag wie jedes Jahr allein zu verbringen.

Deprimiert schnappte ich mir also meinen Laptop, um mich wenigstens ein bisschen abzulenken. Kaum war das technische Gerät hochgefahren, ploppte sofort der Tab auf, welchen ich bei meinem letzten Besuch im Internet geöffnet hatte.

Fanfiktion.de.

Eigentlich sollte ich aufhören mir diese Seite immer wieder vor Augen zu führen. Sie zeigte mir nur jedes Mal aufs Neue, wie unrealistisch es war in unserer heterosexuellen Fußballerwelt einen Mann fürs Leben zu finden.

Allerdings brachte ich es auch nicht über mich die Seite wieder zu schließen und so klickte ich mich durch die neusten Geschichten, bis ich auf etwas stieß was wirklich die Neugier in mir weckte.

Nils Petersen x Robin Koch stand in der Beschreibung.

Mein Kopf wusste, dass ich die Finger davonlassen sollte, jedoch machte sich meine Hand selbstständig und hatte die Geschichte schon angeklickt, bevor ich mir überhaupt noch weiter Gedanken machen konnte.

Ich machte es mir auf dem Sofa bequem und verbrachte die nächsten Stunden damit die Story zu lesen. Ich musste schon sagen, schlecht war es nicht geschrieben. Etwas gewöhnungsbedürftig war es dennoch. Schließlich ist nichts davon wahr.

Robin und ich hatten kaum etwas zu tun. Er war auch nicht dieser stille und verschlossene Charakter, wie er dort beschrieben wurde, sondern ein lebensfroher, junger Kerl, der viel mit Freunden unternahm.

Seufzend fuhr ich mir über die brennenden Augen und beschloss langsam ins Bett zu gehen. Ein Blick auf die Uhr bestätigte mich in meinem Tun. Es war 01:47. Wenigstens einen Vorteil gab es darin, dass ich den Tag allein verbringen würde. Ich konnte ausschlafen und gegen Mittag würde ich mir dann eine Pizza als Frühstück bestellen und danach das restliche Eis aus meinem Gefrierschrank plündern. Das klang trotz der bevorstehenden Einsamkeit nach einem positiven Tag und wer weiß vielleicht gab es ja auch noch eine Überraschung. Aber das war wohl sehr unwahrscheinlich.

Immer noch in meinen Gedanken festhängend triftete ich in einen traumlosen Schlaf ab.



Und wie prophezeit begann der 31te Valentinstag meines Lebens. Nach dem Aufstehen bestellte ich mir die Pizza und quälte mich dann aus dem Bett und unter die Dusche.

Als ich dann einen Blick in den Kleiderschrank warf, kam mir die Geschichte wieder in den Kopf.

Während der Nils im Computer um Robins Liebe kämpfte, saß ich hier rum und fraß meine Gefühle in mich hinein. So ein Schwachsinn. Wenn man sein Schicksal nicht in die eigenen Hände nahm konnte das auch nichts werden.

Statt zu meiner Jogginghose griff ich also zu einer schwarzen Jeans und zu meinem besten Hemd. Fertig angezogen machte ich mich erneut auf den Weg ins Bad und bändigte meine Haare.

Gerade als ich förmlich aus dem Haus stürmen wollte kam mir der Pizzabote entgegen. Schnell drückte ich ihm das Geld in die Hand und setzte meinen Weg nur um wenig später festzustellen, dass ich Robins Adresse gar nicht hatte und ich auch nicht wusste ob er gerade überhaupt zu Hause war.

Dadurch entmutigt machte ich kehrt und beschloss meinen Tag doch mit Pizza auf dem Sofa zu verbringen. Die Hose ersetzte ich durch eine bequeme Jogginghose und auch das Hemd wich einem alten Shirt.

Die Pizza war noch lauwarm als ich es mir auf der Couch bequem machte und begann durch die Kanäle zu zappen. Auf die Idee jemand anderen aus dem Verein nach Robins Adresse zu fragen kam ich natürlich nicht.

Wahrscheinlich war es besser so wie es jetzt war und so holte ich mir nach der Pizza noch das Erdbeereis aus meinem Gefrierschrank und genoss es, während ich mir mehrere Folgen meiner Lieblingsserie anguckte.

Das ganze Trauerspiel hielt bis zum Abend an, als sich plötzlich meine Klingel meldete. Verwirrt öffnete ich die Tür und als ich sah wer vor mir stand stockte mir der Atem. Nicht Robin natürlich, sondern die Polizei.

Die Polizei? Was wollte denn die Polizei von mir?

„Nils Petersen?“, fragte der Kleinere der beiden Beamten.

Langsam nickte ich und spürte mein Herz panisch gegen den Brustkorb schlagen.

„Darf ich sie bitten uns aufs Präsidium zu begleiten?“, wollte der andere wissen.

„Weswegen?“, verschreckt starrte ich die beiden an und knetete meine Hände nervös.

„Das werden wir ihnen dort erklären, aber vielleicht sollte sie sich dazu etwas anderes anziehen“, schlug der Größere vor und musterte mich.

„Ähh… ja. Ja, klar“, stotterte ich und verschwand schnell ins Schlafzimmer. Um keine Zeit zu verschwenden begnügte ich mich mit der Jeans von heute Mittag und einem einfachen Shirt, welches ich blind aus dem Schrank zog.

Keine Minute später stand ich wieder bei den zwei Uniformierten und machte mich daran Schuhe und Jacke anzuziehen. Danach folgte ich den beiden zu dem Auto, welches seltsamerweise nicht das typische Aussehen aufwies, sondern ein einfacher schwarzer Audi war.

Der Kleinere der Beiden hielt mir die Tür auf und mit einem dankbaren Nicken setzte ich mich ins Auto.

„Dürfte ich nun erfahren um was es sich handelt?“, fragte ich, als das Auto aus meiner Einfahrt auf die Straße bog.

Dies wurde allerdings nur mit einem: „Das erfahren sie dann am Präsidium“, abgespeist. Frustriert musterte ich die Gegend außerhalb des Autos, nur um nach fünf Minuten festzustellen, dass wohin auch immer wir fuhren, dies ganz sicher nicht der Weg zur Wache war.

Panisch tastete ich meine Hose nach meinem Handy ab, um irgendjemanden zu verständigen, der mich retten konnte. Allerdings fand ich es nicht in meiner Tasche und es gab nur eine Möglichkeit. Ich musste es auf dem Wohnzimmertisch liegen lassen haben.

In meinem Entsetzen merkte ich gar nicht, dass das Auto schlussendlich vor einem Wohnblick hielt. Ich wurde erst wieder in die Realität zurückgeholt, als die Tür neben mir auf ging. Sofort stieg ich aus und wich ein Stück von den falschen Polizisten zurück.

„Wo sind wir hier und wer sind sie wirklich?“, stellte ich die Frage, welche mir unter den Nägeln brannte.

„Das werden sie wohl nur erfahren, wenn sie uns ins das Haus folgen“, sprach der falsche Uniformierte und folgte seinem Kollegen, Komplizen, Freund oder was auch immer die Beiden waren ins Mehrfamilienhaus.

„Klar, das wäre ja so, als würde ich mein eigenes Todesurteil unterschreiben“, schnaubte ich, aber die Neugier übermannte meinen Überlebensinstinkt und so betrat ich ebenfalls das Gebäude.

Von den Polizisten war keine Spur mehr. Stattdessen erwartete mich eine Spur aus Rosenblättern. Das Ganze kam mir total spanisch vor. Erst kidnappten sie mich förmlich und jetzt erwarteten mich hier zerrupfte Rosen. Vielleicht sollte mir das einen Hinweis darauf geben, was ich heute noch erwarten konnte.

Bei diesem Gedanken konnte ich nur über mich selbst den Kopf schütteln und statt mir weiter möglicherweise unbegründete Ängste einzureden, folgte ich der Spur Stockwerk um Stockwerk nach oben. Was mich dort erwartete ließ mir zum zweiten Mal an diesem Tag den Atem stocken.

In der Tür stand Robin mit schlichtem Hemd und bunter Fliege, seine Lippen zierte ein unwiderstehliches Lächeln und einige Strähnen seiner braunen Haare hingen in die Stirn.

„Ist die Überraschung gelungen?“, kicherte er.

Fassungslos schüttelte ich den Kopf:

„Du kannst doch einem alten Mann nicht so einen Schock einjagen! Ich dachte ich sterbe gleich!“

Erstaunt blickte er mich an, bis er dann gemeinsam mit mir in ein herzliches Lachen ausbrach. Nachdem wir beide wieder zu Atem gekommen waren hielt es nicht mehr aus und verband endlich, nach einiger Zeit des stummen Anschmachtens, unsere Lippen.

Und den nächsten Valentinstag nutze ich dazu mich an Robin zu rächen.

Verdient hatte er es alle mal.



-The End-
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