Love With A Silver Bullet

GeschichteFantasy, Horror / P18
Legolas Thranduil
29.12.2019
11.01.2020
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-Kapitel 1-


England 1891:

Der Vollmond schien hell vom dunklen Himmel, keine Sterne waren zu sehen. Ein kühler Wind durchstreifte einen dicht bewachsenen Wald. Dichter Nebel ließ eine klare Sicht nicht zu. Blätter hatten sich gelb-rot verfärbt, manche lagen bereits braun auf dem Waldboden verstreut. Die vereinzelten Nadelbäume, welche im Wald standen, behielten ihre Blätter und überragten alle anderen in ihrer Größe.
Die meisten Bäume jedoch waren ganz kahl und im nächtlichen Mondschein wirkten sie bedrohlich. Die Äste waren so spitz wie Messer und schienen aus silber, als der Vollmond auf sie herab schien. Kahle Sträucher säumten einen Weg den Menschen sich gebahnt hatten, da es keinen Trampelpfad gab.
Ein junger Mann, Mitte 20, mit kurzen braunen Haaren lief mit einer Öllampe durch den Wald. Er trug einen beigen Mantel, darunter ein weißes Hemd, sowie eine braune Hose und braune Schuhe. Auf seinem Rücken hatte er einen roten Rucksack geschultert, wo er Reisig sammelte. Summend hockte sich der Mann vor einen Baum und hob weitere dünne Äste auf, um sie danach in den Rucksack zu stopfen. Der Mann wollte gerade weitergehen, als er ein furchterregendes Heulen, nicht weit von ihm entfernt, hörte. Angst machte sich in ihm breit, seine Hand, in der er die Öllampe hielt, begann zu zittern. Schluckend sah er sich um, doch er konnte niemanden entdecken. Erschrocken zuckte er zusammen, als das heulen erneut ertönte.
Ohne zu zögern rannte der Mann davon, so schnell ihm seine Beine tragen konnten. Immer wieder hörte er das Heulen, doch dieses mal war es noch näher, als zuvor…
Schweißtropfen bildeten sich auf seiner Stirn und flossen an seinen Schläfen herunter. Sein Brustkorb hob und senkte sich hektisch. So schnell er konnte lief er weiter und versteckte sich hinter einem dicken Baumstamm. Die Öllampe pustete er aus. Verzweifelt versuchte der Mann seine Atmung Unterkontrolle zu bekommen. Seine Lungen schmerzten durch die kalte Luft, welche er so hektisch eingeatmet hatte. Sein Puls und seine Halsschlagader pulsierten wie wild. Der Mann schloss die Augen und versuchte sich mit langen kontrollierten Atemzügen zu beruhigen. Nach ein paar Sekunden schaffte er es und bemerkte dabei, dass das, was ihn verfolgt zu haben schien, ihn nicht mehr verfolgte.
Vielleicht habe ich es mir auch nur eingebildet?, versuchte er es sich in seinen Gedanken zu erklären, um sich gleichzeitig zu beruhigen. Der Mann atmete tief durch und wollte gerade seine Öllampe wieder entfachen, als er ein dunkles knurren hinter sich vernahm. Er schluckte und hielt den Atem an. Sein Herz begann wie wild in seiner Brust zu schlagen. Er konnte hören, wie das Tier in der Luft schnupperte, wie es seinen Geruch in sich aufnahm. Ein dunkles Knurren folgte. Der Mann hörte das schwere einatmen des Tieres. Schweißperlen flossen über sein Gesicht. Der junge Mann wagte es nicht zu atmen. Das Tier setzte sich in Bewegung. Langsam. Ganz langsam. Schritt für Schritt um kein Geräusch zu verursachen ging der Mann um den Baumstamm herum. Als er den Baum umrundet hatte, wandte er sich um und wollte davon laufen, doch da stand sein Verfolger vor ihm. Der Mann schrie mit geweiteten Augen auf.



„Guten Morgen, Legolas“, begrüßte ein älterer Herr mit langem grauen Bart und einer langen Pfeife im Mund einen jungen Mann.
„Ihnen auch einen guten morgen, Gandalf“, erwiderte Legolas lächelnd.
Der junge Mann hatte langes blondes Haar und blaue Augen. Er trug einen braunen Mantel, dazu eine schwarze Hose und braune Schuhe. Lächelnd und summend lief er durch die gepflasterte Straße. Langsam erwachte die kleine Stadt zum Leben. Sie lag fernab von allen anderen Städten von England. Vor langer Zeit hatten sich die Menschen eines Tages dazu entschieden das Städter leben aufzugeben und abgeschieden von der Welt zu leben. Sie hatten sich hier ein Leben aufgebaut. Die Stadt trug den Namen „Wolf Town“. Viele sagten, dass die Stadt deshalb den Namen trug, weil es Werwölfe gab, doch andere glaubten nicht an solchen Unsinn. Legolas war einer von ihnen, die nicht an solch einen Spuk glaubten.
Legolas war 27 Jahre alt und war Arzt. Er war der einzige in dieser Stadt, denn alle anderen die Medizin studiert hatten, hatten ihr Studium abgebrochen weil es ihnen zu schwer war oder hatten die kleine Stadt verlassen, um einen besseren Ort für ihre Heilkunst zu finden. Doch Legolas blieb hier. Er wollte schon immer Arzt werden, er wollte den Menschen helfen, die Hilfe benötigten. Als er mit neun Jahren seine Mutter an Krebs verloren hatte und fünf Jahre später seinen Vater an gebrochenem Herzen und Alkohol, hatte er entschieden Arzt zu werden. Nun war Legolas ein hochangesehener Arzt in der kleinen Stadt und half wo er nur konnte. Summend holte er den Schlüssel für seine kleine Arztpraxis aus seiner Ledertasche und schloss den Laden auf. Er schaltete das Licht ein, woraufhin der Raum sofort in ein warmes Licht getaucht wurde. Links in einer Ecke stand der ein kleiner Tresen aus Holz, daneben rechts gab es ein Bücherregal. Am Eingang rechts gab es ein abgenutztes Sofa und zwei ebenso abgenutzte Sessel. Ein tiefer gelegter Holztisch stand in der Mitte. Legolas ging einen Gang entlang. Links und rechts gab es jeweils ein Raum, das Sprechstundenzimmer und das Behandlungszimmer. Geradeaus war Legolas’ Büro. Es war schlicht eingerichtet. Es gab einen Schreibtisch, welcher hinten im Zimmer stand, sowie ein großes Bücherregal links und rechts hing ein gemaltes Bild, dass die Stadt zeigte. Legolas legte seine Ledertasche auf den Schreibtisch ab und ließ sich auf den schwarzen Drehstuhl fallen. Vor dem Schreibtisch standen zwei andere Stühle. Seine beiden Assistentinnen würden gleich kommen. Tauriel und Arwen waren die einzigen die bei ihm arbeiteten. Sie kannten sich bereits sehr lange. Tauriel hatte früher bei einem Friseur gearbeitet bis sich herausstellte, dass ihr Chef Steuern hinterzog und die Stadt verlassen musste. Arwen war vor ein paar Jahren mit ihrem Mann Aragorn, und jetzt ein guter Freund von Legolas, hergezogen. Sie hatten einen ruhigen Ort gesucht, wo sie ihren Sohn großziehen konnten. Aragorn hatte sofort einen Platz bei dem Schmied Gimli bekommen, doch Arwen tat sich schwer bei der Suche nach einem Job. Legolas hatte Mitleid mit ihr bekommen, weswegen er sie als ihre Assistentin eingestellt hatte. Bald stellte sich heraus, dass sie wirklich sehr geduldig war und präzise und sich wahrlich gut mit Kinder verstand. Dies musste wohl an ihrem Sohn liegen. Seitdem half sie Legolas immer bei seiner Arbeit, während Tauriel am Empfang saß und die Kunden in empfang nahm. Ein Lächeln breitete sich auf Legolas’ Lippen aus, als er sich an die Vergangenheit mit den beiden erinnerte. Seufzend richtete er sich auf und holte ein paar Papiere aus seiner Tasche.
„Legolas, wir sind da“, hörte er einen Augenblick später die Stimme von Tauriel rufen.
„Ich bin im Büro“, rief er, woraufhin er Schritte hörte und wenige Sekunden später Arwen angelaufen kam. Legolas erhob sich aus dem Stuhl und lächelte sie erfreut an. „Hallo Arwen.“
„Guten Morgen, Legolas“, begrüßte sie ihn ebenfalls lächelnd und umarmte ihn kurz, bevor sie sich wieder von ihm löste, um ihren Mantel aufzuhängen sowie ihre Tasche. „Legolas, ich-…“
„Legolas, Arwen!“, rief Tauriel panisch und tauchte keine Sekunde später im Büro auf. „Kommt schnell! Ein Junge hat eine Platzwunde am Kopf!“



Legolas ließ sich erschöpft auf seinen Stuhl im Büro fallen und schloss die Augen. Nachdem er die Platzwunde des Jungen gesehen hatte, musste er schnell handeln, damit dieser nicht noch mehr Blut verlieren konnte. Mit Arwens Hilfe hatte er die Wunde zunähen können und vorsichtshalber noch einen Verband angelegt. Nun war der Junge wieder zuhause bei seinen Eltern und ruhte sich aus.
„Hier bitte“, Legolas öffnete seine Augen, als er die Stimme von Arwen hörte.
Sie hielt ihm lächelnd eine Tasse Kaffee hin. Dankend nahm er diese an und trank einen Schluck. „Das war gute Arbeit.“
„Ja, aber so etwas haben wir nicht jeden Tag“, antwortete Legolas und setzte sich aufrecht hin, während sich Arwen auf einen der anderen beiden Stühle vor dem Schreibtisch setzte. „Wie der Junge wohl das hinbekommen hat?“
„Du weißt doch, kleine Kinder machen ziemlich viel verrücktes und probieren alles Neue aus“, erklärte ihm Arwen lächelnd. „Dabei kann sich der ein oder andere schon mal verletzen.“
„Ja, du hast recht.“
Legolas wollte gerade noch ein Schluck nehmen, als sie ein Schreien von draußen hörten.
„Was zum-…“
Sofort standen Legolas und Arwen auf und liefen aus dem Büro. Sie rissen die Tür auf und liefen nach draußen. Eine Karre mit einem Pferd stand auf der Straße. Es hatte sich eine Menschenmenge um jemanden gebildet. Legolas hörte, wie eine Frau weinte. Er schob sich durch die Menschenmenge. Als er in der Mitte ankam erstarrte er. Vor ihm lag ein junger Mann, er schätzte ihn auf Mitte 20. Er hatte tiefe Kratzer an seinem gesamten Körper, seine untere Hälfte des Körpers war vollkommen zerfetzt. Organe waren heraus gerissen worden. Seine rechte Gesichtshälfte war vollkommen verschwunden. Legolas wurde leichenblass und konnte ein würgen nicht unterdrücken.
„Was zur Hölle war das?“, fragte ein Mann verängstigt.
„Das war ein Bär!“, rief eine Frau.
„Das war ein Wolf!“
„Es war ein Bär!“
„Nein! Das war eine Horde von Ratten!“, rief ein anderer.
Es wurde laut. Jeder schrie durcheinander und meinte, dass es irgendein anderes Tier war.
„Ihr wisst alle, welches Wesen dafür verantwortlich ist“, sagte ein älterer Herr, wobei es sofort still wurde. Legolas erkannte, dass es Gandalf war. „Diese Verletzungen stammen von keinem gewöhnlichem Tier. Es stammt von einem Werwolf.“ Sofort begannen die Leute zu tuscheln. „Ich weiß, dass ein paar von euch nicht an diese Wesen glauben, doch nun ist hier der Beweis. Diese Wesen sind real! Sie töten ohne zu zögern! Und wer jetzt immer noch nicht daran glaubt, wird in den nächsten Wochen tot sein, wenn er diesen Wald erneut betritt.“
Es blieb eine ganze Weile still. Legolas starrte Gandalf an. Wieso sprach der alte Mann davon? Für den Tod dieses Mannes gab es sicherlich eine verständliche Erklärung und nicht die eines Märchens.
„Aber wenn wir nicht mehr in den Wald können. Was machen wir denn dann wenn wir Holz benötigen?“, fragte eine Frau ängstlich.
„Ja, genau. Mein Sohn und ich wollten heute jagen gehen“, antwortete ein Mann.
„Macht euch keine Sorgen“, beruhigte sie Gandalf. „Ich habe bereits jemanden gefunden der sich der Sache annimmt. Er wird in wenigen Stunden hier eintreffen.“
„Gandalf hat recht“, hörten sie eine männliche Stimme. Legolas schaute nach links und sah seinen alten Lehrer für Heilkunst dort stehen. Es war Elrond. „Wir sollten uns erst einmal alle beruhigen. Solange wir in der Stadt bleiben wird uns nichts geschehen. Geht jetzt wieder an eure Arbeit. Legolas und ich werden uns um die Leiche kümmern.“
Legolas blinzelte überrascht, als sein alter Lehrer seinen Namen nannte. Nun waren alle Augen auf ihn gerichtet. Arwen stupste ihn leicht an.
„J…Ja, Elrond und ich werden uns um die Leiche kümmern“, sagte er schnell.
„Dann ist es entschieden“, mit diesen Worten drehte sich Gandalf um und verließ die Menschenmenge.
Langsam begann sich die Menschenmasse aufzulösen. Alle gingen ihrer Arbeit nach, doch tuschelten sie. Sie hatten große Angst, dies konnte Legolas sehen. Auch er hatte Angst, doch es nützte ihm nichts. Er musste sich jetzt erst einmal um die Leiche kümmern. Mit Hilfe von Elrond schaffte Legolas die Leiche in seine kleine Praxis. Dort legten sie den Toten auf das Bett und begannen ihn zu entkleiden.
„Warum haben Sie mich ausgewählt, Herr Elrond?“, fragte Legolas in die Stille. „Es gibt auch andere Leute die Sie hätten fragen können.“
„Du warst einer meiner besten Schüler, Legolas, und das hat sich auch gezeigt“, antwortete ihm Elrond lächelnd. „Du betreibst eine eigene Arztpraxis, die einzige hier wohlgesagt, und hast zwei Assistentinnen. Du liebst deine Arbeit und tust alles mögliche, um deinen Patienten zu helfen, damit sie wieder gesund werden. Du bist ein Arzt mit Leib und Seele.“
„Deswegen haben Sie mich ausgewählt?“, fragte Legolas. „Weil ich einer der besten bin?“
„Ja, und weil ich dir voll und ganz vertraue“, antwortete Elrond lächelnd.
Dies aus dem Munde seines Lehrers und zugleich Mentors zu hören erfüllte Legolas mit Stolz.
Nachdem die beiden den jungen Mann entkleidet hatten machten sie sich ans Werk.



Nach drei Stunden der Arbeit und der Forschung waren Legolas und Elrond mit ihrer Arbeit fertig. Erschöpft ließen sich die beiden auf zwei Stühle fallen.
„Und, was habt ihr rausbekommen?“, fragte Tauriel gespannt, als sie in Legolas’ Büro kam.
„Die Wunden sind definitiv von keinem Tier das wir kennen“, berichtete Elrond ihr. „Dafür sind die Kratzer zu lang und zu Tief. Das Wesen muss lange Krallen gehabt haben.“
„Ja, aber nicht nur das“, sagte Legolas. „Es muss sehr wütend gewesen sein. So wie es den jungen Mann zugerichtet hat. Die Hälfte des Gesichts hat gefehlt. Es wäre so, als hätte dieses Wesen nur auf einen Menschen gewartet um ihn dann brutal und kaltblütig abzuschlachten.“
„Wir sollten den jungen Mann seiner Familie übergeben“, entschied Elrond mit angeschlagener Stimme. „Sie sollen ihn beerdigen können.“
„Ja, du hast recht“, stimmte ihm Legolas zu. „Tauriel könntest du bitte seinen Eltern bescheid geben?“
„Natürlich“, sagte die Frau und ging aus dem Büro.
Elrond seufzte.
„Kein Mensch sollte solch einen Tod erleiden, wie dieser junge Mann. Er hatte noch sein gesamtes Leben vor sich…“
„Legolas! Elrond! Kommt schnell! Der Jäger ist eingetroffen!“, hörten sie die begeisterte Stimme von Tauriel.
Die beiden Ärzte liefen aus der Praxis und blieben ein paar Meter davon entfernt stehen. Wenige Meter weiter konnten sie ein schwarzes Pferd sehen, wo ein groß gewachsener Mann drauf saß. Legolas schluckte als er ihn sah. Der Mann war komplett in schwarz gekleidet und trug einen schwarzen Ledermantel, sowie schwarze Western Stiefel mit Sporen. Auf seinem Rücken hatte er eine Armbrust geschultert und unter seinem Mantel blitzten zwei silberne Pistolen auf. Er hatte langes weiß blondes glattes Haar und über sein Gesicht zogen sich drei lange, tiefe Narben. Doch was Legolas am meisten Angst machte, waren seine eiskalten blauen Augen.
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