Liebe

von qhanqibe2
KurzgeschichteRomanze / P12 Slash
L Light Yagami Soichiro Yagami
27.12.2019
27.12.2019
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Nervös rieb Light sich den Nacken und rutschte verkrampft auf der rosanen Couch der Hotelsuit hin und her; war jetzt alles vorbei? Seine Morde, sein Leben, seine geheime und innige Liebe zu seinem heimlichen Erzfeind L? Hatte genau jener einen Beweis gefunden, der Light ans Messer liefern würde?
Er schaute den Detektiv an, der ihm gegenüber auf einer weiteren Couch saß, und versuchte dessen Miene zu deuten, was eigentlich ziemlich sinnlos war, da L sich in Sachen Mimik und Körpersprache nie auch nur die geringste Blöße gab.
Was konnte L nur für einen Beweis gefunden haben? Wie hatte Light, der penibel auf alles achtete, irgendwas übersehen? Schlagartig wurde es ihm klar; als L sein Zimmer überwacht hatte, sah Light sich gezwungen, die Namen von Verbrechern auf einen Schippsel vom Death Note in einer preparierten Chipstüte zu schreiben, das musste es sein. Bestimmt hatte L seinen Müll durchwühlt! Ach, das war ja auch eigentlich klar, da ein Meisterdetektiv wie L doch quasi immer und überall an alles dachte. Innerlich schloß Light also schon mal mit seinem Leben ab, während L ihm stumm gegenüber saß und sich fragte, was grade mit seinem Gesprächspartner in Spe nicht stimmte; eigentlich war der einzige Grund, warum er Light herrufen gelassen hatte, dass er der Tatsache auf den Grund gehen wollte, warum sein Herz beim Anblick des Brünetten immer schneller zu klopfen begann. Gab es dafür eine logische Erklärung? Krank konnte er ja wohl nicht sein, sonst gäbe es schließlich noch andere Symthome.
Nachdenklich starrte er also weiter auf Light, trank Tee und rätselte weiter, was da in Reaktion auf Light mit ihm los sein könnte.
»Also«, brach eben jener nervöser Student und Teilzeit-Killer das lange wärende Schweigen.
»Warum bin ich eigentlich hier? Wir haben bis eben buchstäblich kein Wort gesagt.«
Mit einem Hauch Sehnsucht nach der körperlichen Berührung des Detektives, immerhin war er ja heimlich in jenen verliebt, musterte er ihn nun wieder und bemerkte ebenfalls nicht zum ersten Mal, was für ein hübsches, schmales Gesicht L hatte. Außerdem waren da diese leicht gräulich schimmernden, geheimnisvollen Augen, die Light einfach ansehen musste.
»Nun, Light. Nenn du mir doch den Grund, warum du hier bist. Ich bin sicher, du kennst ihn?«, sagte L neckend und setzte sein katzenhaft süßes Lächeln auf; ein weiteres Psycho-Spiel, was er Light jetzt aufbürdete, um Zeit zu schinden. Er konnte schließlich nicht einfach sagen, dass er herauszufinden versuchte, warum sein Herz beim Anblick des Jüngeren höher schlug.
Dabei löste er bei Light dann natürlich die absolute Panik aus. Ja, der Student war kurz davor, einfach wegzurennen, auszuwandern und sich einen spanischen Lover namens Diego zu nehmen, mit dem er in San Franzisko leben und in einer Schwulenbar arbeiten würde. Aber wie gesagt, war er ja nur kurz davor, denn der Schwarzhaarige zog ihn mal wieder völlig in seinen Bann. Light war bisher ja gar nicht aufgefallen, was für hübsch zarte, lange Wimpern L eigentlich hatte.
»Ich... Ähm, ich hab keine Ahnung, warum du mich her gerufen hast. D-das musst du doch selbst wissen«, stotterte er dann so selbstsicher wie möglich, da L ja immerhin, mehr oder weniger, interessiert eine Antwort erwartete.
»Hm«, machte der Detektiv geistesabwesend und legte den Kopf schräg; er hatte Light nicht ansatzweise zugehört und überlegte gerade, was er mal im Zusammenhang von ›Herzklopfen‹ und ›Liebe‹ gehört hatte. Hatte Watari nicht mal von ›Liebe‹ geschwafelt? Und hatte er selbst nicht auch mal so einen komischen ›Liebes‹-Roman gelesen? Ihm wollte es nicht einfallen.
Light hingegen schenkte dem Detektiv seine volle Aufmerksamkeit und fragte sich gerade aufgeregt, was dieses ›Hm‹ zu bedeuten hatte. Was zum Teufel sollte bloß diese halbherzige Reaktion? War das mal wieder ein Spiel für seinen Gegenüber?
»Ähm, Ryuzaki? Warum hast du mich denn nun her beordert?«
»Ach, nur um was zu testen.«
»Was zu testen? Kannst du mir jetzt endlich sagen, was los ist?«, fragte Light hibbelig und rutschte wieder nervös umher; wusste L nun, dass er Kira war oder nicht? Naja, genau genommen wusste L ja irgendwie schon die ganze Zeit, dass Light Kira war, nur hatte bisher der Beweis gefehlt. Also musste Light jetzt endlich verstehen, worum es denn jetzt wirklich ging.
»Light-kun, was bedeutet ›Liebe‹?«
Überrascht schaute Light ihn an; wenn er auch mit allem gerechnet hatte, damit nicht.
Sofort musst er an seine Liebe denken; sie blieb bestimmt für immer unerwidert. Wie sollte L sich auch in ihn verlieben?
»Naja«, sagte er leicht melancholisch und mit traurigem Blick.
»Liebe ist, dass man alles an einer bestimmten Person irgendwie mag, sie ständig ansehen und beobachten will und man sich ständig fragt, ob man auch nichts falsch macht und die Person einen nicht hasst. Wenn man jede Sitation mit dieser Person noch mal durchspielt und sich ausmalt, was man hätte sagen können und was man hätte machen können. Das ist Liebe, L.«
Einen Moment lang herrschte Schweigen; Light war ganz rot geworden und sah beschämt zu Boden, während L weiterhin nachdachte.
»Das ist also ›Liebe‹?«, fragte er dann nochmal.
»Ja, also zumindest definiere ich sie so, keine Ahnung, was sie für dich bedeutet...«
»Ist es schlimm, wenn man sich in jemanden verliebt hat?«
Damit war Light jetzt vollkommen aus dem Konzept. Worum ging es hier nochmal? Für ihn klang es gerade, als hätte L selbst keine Ahnung, worauf das alles hinaus lief.
»Nun... Das hängt wohl davon ab, ob diese Person dich auch liebt. Wenn nicht, dann ist es eine Qual und man versucht sich einzureden, dass es so, wie es gerade ist, gut ist... Aber in Wirklichkeit...«
Light merkte, wie seine Augen sich mit Tränen füllten und er musste ein Mal tief durchatmen, bevor er weitersprach.
»Aber in Wirklichkeit ist es so schrecklich und eigentlich hält man es kaum aus...«
»Mhm«, machte L nur wieder und rief sich alle seine Begegnungen mit Light noch mal in Erinnerung. Eigentlich hatte er nie wirklich gewollt, dass Light wieder weg von ihm zu irgendeiner anderen Person ging. Er hatte bisher auch immer ein Auge auf Light geworfen und hatte ihn bei jeder Begegnung intensiv angesehen. Passte das irgendwie?
»Light-kun, also ist das wirklich ›Liebe‹, wenn man eine Person immer ansehen will? Und was, wenn man nicht will, dass diese Person fort geht, zu anderen Menschen? Was wenn einem das Herz schneller klopft, wenn diese Person da ist?« haute L eine Frage nach der anderen raus und überlud Light quasi damit. Dieser wurde nun doch etwas misstrauisch. L schien ihn schlussendlich nicht her gerufen zu haben, da er einen Beweis für Light's Morde hatte. Augenblicklich entspannte sicher Brünette wieder und kam natürlich nicht umhin zu bemerken, dass L sich bestimmt verliebt hatte. L. Und wahrscheinlich nicht in ihn, sondern in ein Mädchen. Schon wieder kämpfte Light mit den Tränen; aber wenn L jetzt wirklich ein Mädchen liebte, wollte er ihn allein aus Prinzip unterstützen.
»Ja, es ist Liebe, wenn du das fühlst... Am besten sagst du es der Person, für die du es empfindest, sofort, sonst wirst du auch nur leiden«, brachte er bedrückt hervor und sah praktisch überall hin, nur nicht zu L.
»Okay.«
L räusperte sich kurz.
»Light-kun, ich bin in dich verliebt.«

Kaum zehn Sekunden später küssten sie sich. Es war ihnen egal, dass Light Kira war und L ihn eigentlich ausspielen und verhaften lassen sollte. Es war ihnen egal, dass keiner von ihnen dem weiblichen Geschlecht angehörte. Und es kümmerte sie auch nicht, wie geschockt Light's Vater war, als er die beiden dort erwischte und sie es ihm erzählten. Es war okay. Es war ihr Moment. Ihre Liebe.