The magic of French men

GeschichteRomanze / P18 Slash
Martin Fourcade Quentin Fillon Maillet
27.12.2019
28.03.2020
14
31902
5
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Habt etwas Nachsicht mit mir. Mein erster Versuch in diesem Fandom eine Story zu schreiben. Schon seit langer Zeit bin ich glühender Fan vom Biathlonsport. Nachdem ich hier einige Geschichten las, hat mich die Idee, Martin Fourcade zum Titelhelden zu machen, nicht mehr losgelassen. Rausgekommen ist daher dieses 1. Kapitel. Der Titel dürfte euch schon verraten, dass es um Athleten einer bestimmten Nation gehen wird.


22.12.2019, Annecy Le Grand Bornand
Massenstart der Herren, letzte Runde

In seiner ganzen Karriere hatte er nur sehr selten solche schwierigen Streckenbedingungen erlebt. Für den Betrachter mochte das nicht sofort erkennbar sein, doch der Schnee war so unglaublich stumpf, sodass man mit den Skiern fast gar keine Geschwindigkeit aufbauen konnte. Ob es an den Wachs-Technikern lag oder einfach der Untergrund nicht mehr hergab, wusste er nicht. Aber um annäherungsweise die normale Geschwindigkeit an den Anstiegen zu erreichen, wie es noch im Sprint und in der Verfolgung möglich war, erforderte so viel mehr Kraft als sonst.

Am heutigen Morgen hatte er sich fit gefühlt. Die Beine waren leicht gewesen und er hatte wirklich das Gefühl, wieder einmal auf Johannes Boes Laufniveau zu sein. Doch heute ging, leider wieder wie auch schon öfters in den letzten Rennen, überhaupt nichts. Er hasste nichts mehr, als wenn er in der Loipe nicht 100 % konkurrenzfähig war. Die letzte Saison war dahingehend schon eine Katastrophe gewesen. Im Sommer hatte er so viel trainiert, um das nicht wieder geschehen zu lassen. Seine bisherigen Ergebnisse in der aktuellen Saison waren besser, doch nach wie vor nicht sein Anspruch.

Nur ein Sieg in sechs Einzelrennen. Martin war immerhin sechsfacher Weltcupgesamtsieger. Da gab man sich doch nicht mit Top 10-Platzierungen zufrieden. Das reichte ihm einfach nicht. Er wollte gewinnen. Und das aus eigener Kraft. Nicht, weil seine Konkurrenten viele Strafrunden schossen, sondern weil er in der Loipe und auch am Schießstand genauso stark oder noch besser war. Das jetzige Rennen würde er auch nicht mehr gewinnen. Es frustrierte ihn, wie weit er zurück war, obwohl er nur einen Fehler im zweiten Liegendanschlag geschossen hatte. Der Franzose war zwar Perfektionist, aber mit einer Strafrunde war er heute zufrieden. Unter höherer körperliche Belastung traten Schießfehler einfach häufiger auf. Da konnte man nichts gegen machen. Wer es schaffte, bei solchen Bedingungen fehlerfrei bei 20 Schuss zu bleiben, hatte seinen tiefen Respekt.

Er blickte sich kurz um. Er erkannte einen Norweger hinter sich, der aber noch einen gehörigen Abstand hatte. Wahrscheinlich Dale oder eventuell Bjoentegaard. Irgendwie war er froh, dass er aus der Ferne es nicht genau sehen konnte. Das hieß ja unter anderem auch, dass der Norweger ihm auf den letzten paar hundert Metern nicht mehr gefährlich werden würde. Er kämpfte nur noch darum, Platz 4 zu erreichen. Er setzte kräftige Doppelstockschübe und wechselte in die 2-1er-Technik. Sein Gegner, Fillon Maillet, war eine Sekunde eher den letzten Anstieg, wobei das eher ein langgezogener Buckel war, angesprungen. Martins Oberschenkel brannten, die Luft in seinen Lungen war nur noch dünn, doch er wollte partout nicht aufgeben. Er zwang sich, in gleicher Frequenz wie sein Konkurrent, den Buckel zu überwinden. Der Franzose versuchte alles, doch er kam einfach nicht näher. Er mobilisierte alle Kräfte, die er noch hatte und zog mit breitbeinigem Schritt über die Kuppe auf den Flachlauf bis zum Ziel. Noch einen Zielsprint gegen einen Landsmann wie bereits in der Verfolgung gegen Jacquelin zu verlieren, kam für ihn nicht infrage.

Nur noch wenige Meter bis zu den Schlusskorridoren. Fillon Maillet erhöhte nochmals die Schlagzahl. Martin probierte alles, um hinterherzukommen, doch es ging nicht mehr. Er wollte unbedingt, aber sein Körper quittierte ihm den Dienst. Ein Zielsprint war einfach nicht mehr drin. Sämtliche Kraft war aufgebraucht. Da half auch sämtlicher Kampfeswille nichts. Es gab wohl keine andere Möglichkeit für ihn, als aufzugeben. Der andere Franzose war simpel zu schnell. Er schien wohl wirklich alt zu werden.

In den Saisons, in denen er den Gesamtweltcup gewonnen hatte, war ihm nie die Kraft auf der Zielgeraden ausgegangen. Dort hätte er auch bei nur einem Fehlschuss im Grunde jedes Massenstart-Rennen locker gewinnen können. Aber die Zeiten waren wohl vorbei, auch wenn er das nicht so wirklich wahrhaben wollte. Martin ließ sich nur noch von seinem Schwung ins Ziel tragen. Sofort schnallte er sich die Ski ab und verließ den Zielbereich.

Ein Shake-Hands war eigentlich üblich und allgemeiner Standard nach Schlussrunden-Duellen, aber irgendwie hatte er jetzt keinen Nerv dafür. Dafür war er einfach zu enttäuscht von seiner Leistung am heutigen Tag. Er wollte einfach nur weg und sich sammeln. Nicht mehr. Es war das letzte Rennen dieses Jahres. Abhaken, noch viel härter trainieren und im neuen Jahr stärker zurückkommen. Das war die Parole. Martin war leider auch nicht in der Lage, die Vergangenheit zu ändern, auch wenn er das gerne gekonnt hätte. Erst jetzt, wo langsam das Adrenalin aus seinem Körper wich, merkte er erst, wie erschöpft er wirklich war. Auch das war früher anders. Er brauchte neuerdings länger, um zu regenerieren. Erst nachdem ihm seine Ausrüstung und seine Transponder abgeschnallt wurden, war er wieder halbwegs bei Atem.

Er beobachtete stumm, wie die beiden Boe-Brüder und Jacquelin auf das Podium stiegen und geehrt wurden. Wie üblich mit einer Medaille und einem Blumenstrauß. Er verstand ja durchaus, warum man das bei den Damen machte, aber warum war das bei den Männer-Rennen auch Brauch? Was bitte sollte ein Mann mit so einem Ding anfangen? Sich irgendwo ins Hotelzimmer stellen und es bewundern. Nein danke. Martin brauchte das echt nicht. Der einzige Vorteil, den es bot, heute nicht auf dem Podium zu stehen. Jetzt holte er es auch endlich nach, Fillon Maillet zu gratulieren. Das war er ihm ja noch schuldig. Teamintern hatten sie Respekt voreinander. Auch wenn er es hasste zu verlieren, egal gegen wen, war das das Mindeste.

Der Einzige, mit dem er nicht so gut im Team klarkam, war Antonin Guigonnat. Fourcade verstand es einfach nicht, wie man so eine Trainingsmoral wie der an den Tag legen konnte. Das war für ihn schlichtweg unprofessionell. Er hatte im letzten Jahr schon versucht, ihm klarzumachen, dass man so niemals zu Erfolg käme. Zu gut konnte Martin sich noch an das erinnern, was Guigonnat da zu ihm gesagt hatte:

„Ich brauche keine Ratschläge von dir. Wie und wann ich trainiere, ist meine Sache. Natürlich höre ich auf meine Trainer, aber bestimmt nicht auf dich. Du hast nicht das Recht, mir das vorzuschreiben. Merk dir das für die Zukunft.“

Auch wenn es schon länger her war, bekam Martin diese Worte nicht mehr aus seinem Kopf. Das kannte er nicht. Normalerweise kam ihm der größte Teil des Athletenfeldes mit tiefem Respekt, fast schon mit Ehrfurcht entgegen. Auch wenn einige Athleten seine Arroganz und Überheblichkeit kritisierten. Er selber empfand das gar nicht so, aber nach außen hin schien es manchmal so zu wirken. Allerdings sah Martin es aber auch nicht ein, seinen Charakter oder sein Auftreten in der Öffentlichkeit zu verändern. Er war ein gestandener Mann, der eine lange Liste von Erfolgen vorweisen konnte. Der Franzose stand voll zu dem, was er war. Auch zu den Eigenschaften, die manche nicht an ihm mochte. So war er nun mal. Die meisten respektierten seine Meinung, suchten sogar Rat bei ihm.

Guigonnat war so vollkommen anders. Auf seine trotzige Ansage hatte er damals nicht sofort wechseln können. Seitdem redeten sie nicht mehr als nötig. Ihr Umgang war professionell, aber private Gespräche führten sie nie. Daran hatte Martin kein Interesse. Im Endeffekt wusste er ja auch, dass er Recht hatte. Antonins bisherige Ergebnisse in diesem Winter sprachen Bände. Kein einziges Resultat in den Top 15. Hartes Training und Disziplin siegten immer über eine laxe Arbeitsmoral.

Martin war froh, als die Siegerehrung endlich beendet war und er auf sein Hotelzimmer zurückkehren konnte. Er sehnte sich nach einer heißen Dusche und einem Bett. Ausspannen und zu Kräften kommen. Der Franzose zog sich seine Sachen aus und begab sich ohne Umschweife direkt unter die heiße Dusche. Sein Zimmergenosse Simon Desthieux war noch nicht wieder zurückgekehrt. Aber selbst wenn. Er hatte keine Scham, vor anderen Männern unbekleidet herumzulaufen. Die hatte er noch nie gehabt. Er hatte nichts, was die anderen Männern nicht auch hatten. Vielleicht die Anderen nicht in der imposanten Größe wie er, aber allgemein schon. Simon kannte er schon sehr lange. Sie waren schon lange im Weltcup aktiv und hatte einiges in selbigem zusammen erlebt.

Auch privat verstanden sie sich. Die beiden Franzosen redeten auch ab und zu über private Sachen. Einige Aspekte des Lebens verstanden eben nur andere Kollegen, die den gleichen Sport ausübten. Außenstehenden blieben manche Probleme einfach verborgen. Simon hatte ihm schon das ein oder andere Mal mit einem guten Rat bezüglich seiner Beziehung zur Seite gestanden. Das warme Wasser, was aus dem Duschkopf kam und auf seine Haut prasselte, war so unfassbar angenehm. Er konnte förmlich spüren, wie sich seine Muskeln entspannten. Die Anspannung und die körperliche Schinderei der letzten Wochen verschwand aus seinen Gliedern. Langsam, aber merklich. Martin stieg schließlich aus der Dusche, zog sich bequeme Sachen an und ließ sich auf sein Bett sinken. Er kramte nach seinem Smartphone, um Helene noch ein paar liebe Zeilen zu schreiben.

„Ich freue mich auf euch. Kann es gar nicht erwarten, die nächsten Tage mit euch zu verbringen. Ich denke an dich, Helene“, lautete der Text, den er zugleich auch absendete.

Erst am nächsten Tag würde er nach Villard-de-Lans zurückkehren, um dort die Feiertage mit seiner Frau und seinen beiden kleinen Töchtern verbringen zu können. Wie er sich auf die beiden Kleinen freute. Er sah Manon und Ines einfach viel zu selten. Dass er nicht so viel für seine Familie da sein konnte, wie er es gerne wollte, war leider ein notwendiges Opfer, was er bringen musste. Der Leistungssport verlangte ihm einiges ab und da seine Mädchen noch zu klein waren, um sie auf  Langlaufskier zu stellen, konnte er sie auch beim Training zu Hause nicht mitnehmen. Auch wenn ihn seine Töchter lieb hatten, was er als Vater einfach spürte, so hatte er das Gefühl, dass etwas in der Ehe mit Helene nicht mehr stimmte.

Sie waren jetzt schon einige Jahre zusammen, aber irgendwie war die Leidenschaft und das Feuer verloren gegangen. Als er sie damals kennenlernte, war er Feuer und Flamme für diese Frau gewesen, doch im Laufe der Zeit hatte sich diese hell lodernde Inferno zu einem schwachen Glimmen entwickelt. Martin konnte sich nicht erklären, warum. Helene war fürsorglich und kümmerte sich um alles. Sie war lieb mit den Kindern und an sich die perfekte Ehefrau. Warum hatten sich seine Gefühle für sie bloß so abgeschwächt? Vielleicht könnten die anstehenden Feiertage etwas daran ändern. Lag es im Bereich des Möglichen, dass seine Passion für den Biathlonsport ihm den Blick für das versperrt hatte, was im Leben wirklich wichtig war? Auch wenn die Gefühle der Zuneigung in ihm nicht mehr so brannten, wie sie es einmal taten, so war im Helene doch immer noch äußerst wichtig. Es musste einfach eine Möglichkeit geben, ihre Liebe zu erneuern.

Ein Weihnachtsgeschenk hatte er schon für sie besorgt. Ein edles Armband mit einer Gravur, die den Tag, an dem sie sich einst kennenlernten, in römischen Ziffern zeigte.

Plötzlich wurde Martin aus seinen Gedanken an seine Familie gerissen, als es an der Tür klopfte. Simon hatte doch eigentlich einen Zimmerschlüssel. Vielleicht hatte er seinen auch einfach nur verlegt. Das kam ja immer mal vor. Ohne weiter darüber nachzudenken, stand er auf, um die Tür zu öffnen. Der Franzose wollte gerade mit einem lockeren Spruch ala. „Warst du mal wieder schusselig“, ansetzen, doch als er registrierte, wer da vor der Tür stand, stockte er gleich schon beim ersten Wort. Es war Antonin Guigonnat. Martin konnte sich beim besten Willen nicht erklären, was der jetzt von ihm wollte...


Na. Aus welchem Grund kommt Antonin wohl vorbei? Bin gespannt auf eure Spekulationen. Über Reviews würde ich mich sehr freuen.
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