Beeindruckend

von Sheepless
OneshotHumor / P12
Derek Morgan Dr. Spencer Reid
26.12.2019
26.12.2019
1
2022
5
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Dieses Kapitel
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Hallo!

Dieses Jahr war schreibtechnisch für mich kein gutes Jahr, aber dennoch wollte ich ich 2019 mit irgendetwas abschließen. Warum also nicht mit einem lustigen, kleinen, wahrscheinlich sehr albernem Oneshot mit Reid und Morgan? :D

Nächstes Jahr kommt dann (hoffentlich) mein vorerst letztes großes Projekt. Das wird allerdings nicht so albern wie dieser OS, keine Sorge!

Anosnsten hoffe ich, ihr alle hattet ein gesundes und schönes 2019 und ich wünsche ich euch allen ein nachträgliches frohes Weihnachtsfest und schon einmal einen guten Rutsch ins neue Jahr! Hoffentlich liest man sich 2020 wieder! :D

Liebe Grüße!
Sheepless


Beeindruckend


„ … und genau deswegen sind die Serie und die Bücher nicht miteinander vergleichbar. Ab der sechsten Staffel wurde für die Serie einfach zu viel verändert. Man muss beides getrennt voneinander betrachten und kritisch beurteilen. Klar sind die Bücher im Vergleich zur Serie besser, dafür haben die Drehbuchautoren die letzte Staffel zu sehr aus dem Rahmen fallen lassen, aber wie gesagt, du darfst beides nicht aneinander messen. Das führt zu nichts und irgendwie habe ich das Gefühl, dass eben genau das viele Fans nicht verstehen und …“

Morgan atmete tief durch und tat so, als würde er das Plakat einer Haargelwerbung äußerst interessant finden, um unbemerkt mit den Augen rollen zu können. Er war so naiv gewesen, so furchtbar, furchtbar naiv.
Reid, komm doch mit in die Bar.
Pretty Boy, du musst mal entspannen!

Oh, wie er die Worte nun bereute! Er hatte doch nur den erfolgreich abgeschlossenen Fall mit seinen Kollegen, mit allen seinen Kollegen, ausgelassen feiern wollen. Doch war Reid tagsüber und nüchtern in seinem stetigen Redefluss kaum zu bremsen, war es nachts und angetrunken mit ihm noch viel schlimmer. Morgan wollte nur der gute, große Bruder sein und hatte sich daher freiwillig angeboten dafür zu sorgen, dass Reid sicher nach Hause kam. JJs vor Überraschung hochgezogene Augenbraue hätte ihm wohl eine Warnung sein sollen.
Da sowohl Reid als auch Morgan nicht allzu weit von der Bar entfernt wohnten und sich ein Taxi daher nicht gelohnt hätte, liefen sie zu Fuß. Es war ja eigentlich nicht weit, vielleicht zwanzig Minuten.
Eigentlich.
Mit einem beschwipsten, redebedürftigen jungen Doktor kam Morgan der Weg plötzlich dreifach so lang vor. Wenn Reid sich wenigstens über ein halbwegs interessantes Thema auslassen würde, wäre ihr Spaziergang wohl nur halb so schlimm, aber das Genie suchte sich genau die Themen aus, zu denen Morgan entweder nichts sagen konnte, oder die ihn schlichtweg nicht interessierten. Und so quasselte Reid nur so vor sich hin … und sein Kollege konnte ihn nicht aufhalten.

„ … als sich der Autor entschlossen hat nicht mehr an der Serie mitzuarbeiten, ging sowieso alles den Bach runter. Aber das darfst du den reinen Serienfans natürlich nicht so sagen. Allerdings frage ich mich da, ob die überhaupt im Recht sind. Ich meine nur weil die nicht zehn Bücher a 900 Seiten lesen wollen? Ich hatte die Reihe in innerhalb von ein paar Tagen fertig. Das ist einfach das gleiche Problem wie bei Herr der Ringe, da wissen die Filmfans nun mal auch nur die Hälfte …“

Eine Belohnung nach dem Fall hatten sie alle so nötig gehabt.
Immerhin hatten sie eine ganze Woche gebraucht, um den Serienkiller innerhalb eines großen Orchesters zu finden, welcher seine Kollegen nicht nur betont langsam erdrosselte, um sie möglichst lange leiden zu lassen, sondern zuvor mit Drohungen und mentalem Druck psychisch folterte. Letztendlich konnten sie den Unsub, einen gekränkten Querflötenspieler, ausfindig machen und in Gewahrsam nehmen.
Töten statt Flöten.
Nach diesem Motto hatte er gehandelt und aufgrund der vielen Intrigen und Gerüchte, welche unter den Musikanten im Umlauf waren, war es schwieriger als gedacht gewesen den Schuldigen zu schnappen.
Morgan konnte über den gesamten Fall nur den Kopf schütteln. Töten statt Flöten? Was kam als nächstes? Killen statt Brillen? Ermorden statt Sorgen?

„ … hat damals behauptet es würde nur sieben Teile geben. Und was war 2016? Ein achter Teil kam raus! Natürlich kein ‚offizieller‘ achter Teil, aber Bühnenstück hin oder her, sie hat trotzdem daran mitgewirkt und das macht die Sache nun mal haarig, verstehst du? Kein Wunder, dass die Fans sich so darüber beschweren, von diesen neuen Filmen mal ganz zu schweigen. Ich meine, die Schauspieler können ja nichts dafür, die sind auch die einzigen, die versuchen das Beste aus der ganzen Sache raus zu holen, aber mit den Drehbuchautoren sollte echt mal jemand sprechen. Ein Blutpakt? Wirklich? Hätten sie es nicht bei ‚sehr enger Freundschaft‘ belassen können, wenn sie schon nicht …“

Noch drei Blocks.
Mit diesem Gedanken klammerte sich Morgan an seinen Rest Zurechnungsfähigkeit. Während Reid seinen Frust über irgendwelche Drehbuchautoren abließ, ließ Morgan den Blick schweifen. Bis auf die regelmäßigen Lichter der Straßenlaternen, waren die Straße und die Häuser an denen sie entlang liefen in Dunkelheit gehüllt. Morgan vergaß immer wieder wie dunkel Washington D.C. nachts doch werden konnte. Ein Auto bog bei einer Kreuzung weit hinter ihnen in ihre Straße ein und die hellen Scheinwerfer erleuchteten den grauen Asphalt zusätzlich. Hätte er doch nur nichts getrunken, dann hätte Morgan Reid in innerhalb von zehn Minuten zu seiner Wohnung fahren können.

„… haben sich die Schauspieler richtig gehasst. Wusstest du das eigentlich? Die konnten sich gegen Ende überhaupt nicht mehr ausstehen, weswegen die Chemie zwischen den Seriencharakteren natürlich dann auch dementsprechend gelitten hat. Das Serienfinale war dann eh die Höhe: die haben einfach an der spannendsten Stelle aufgehört und dann kam ein Zeitsprung mit soundso vielen Jahre später. Wie einfallslos. Aber die Serie konnte ich ehrlich gesagt noch nie ab, war mir viel zu unrealistisch und abgehoben, das war eher ne Crime-Sitcom als ne Krimiserie.  Ich meine, hätten sie es als solche verkauft, hätte ich ja kein Problem damit gehabt, aber sie wollten ja eine halbwegs ernste Serie sein und …“

Die Scheinwerfer des Autos hinter ihnen spiegelten sich in der Glaswand der nächsten Bushaltestelle und Morgans Nackenhaare stellten sich auf. Sie waren zwar in einer dreißiger Zone, aber trotzdem hätte der Wagen sie schon lange überholen müssen. Ein ungutes Gefühl machte sich in seiner Magengrube breit, doch Morgan schob es beiseite. Man musste ja nicht immer vom schlimmsten ausgehen, auch wenn die Raubüberfallrate in diesem Bereich der Stadt recht hoch war. Vielleicht hatten die sich auch einfach nur verfahren, oder suchten eine bestimmte Hausnummer.
Nachts um halb zwei?
Morgen warf einen Blick auf seine Armbanduhr. Sie waren seit circa zehn Minuten unterwegs und hatten demnach die Hälfte des Weges hinter sich. Bei der nächsten Kreuzung müssten sie links abbiegen, der perfekte Zeitpunkt um zu testen was der Wagen hinter ihnen tat.

„… einfach nicht wann sie aufhören sollen. Nach zehn Staffeln wird es für jede längere Serie nun mal kritisch. Dann musst du dich halt entscheiden, was du dann machst: Hörst du auf? Wechselst du ein paar Charaktere aus, um neuen Schwung rein zu bringen? Oder machst du einfach weiter wie bisher und hoffst die Fans werden den gleichen Scheiß für mehrere Jahre mögen? Ist natürlich eine schwierige und folgenschwere Entscheidung und trotzdem nehmen viele Produzenten irgendwie immer die letzte Option, obwohl das noch nie gut ausgegangen ist. Ich meine, wie doof kann man …“

Sie waren an der Kreuzung angekommen, das Auto rollte immer noch gemächlich in einigem Abstand hinter ihnen her, und Morgan griff Reid sanft am Arm und zog ihn nach links. Reid schien das kaum zu bemerken, so vertieft war er in einen erneuten Monolog über irgendwelche zweitklassigen Krimiserien und deren Finale.
Der Wagen bog mit ihnen links ab.
Scheiße.
Morgan packte Reids Arm fester und zog ihn näher zu sich, als das Auto plötzlich beschleunigte und nicht mehr hinter, sondern genau neben ihnen her rollte. Den Fahrer schien es nicht zu stören, dass er nun auf der falschen Straßenseite fuhr, aber Morgan konnte es ihm auch nicht sonderlich verübeln, immerhin war die Straße menschenleer, und über den Beifahrersitz jemanden mit einer Waffe zu bedrohen, konnte rasch seine Wirkung verlieren. Das Fahrerfenster wurde mit einem Summen nach unten gelassen und Morgan wappnete sich innerlich auf einen Kampf, Schüsse und einen überforderten, panischen Reid.
Der Fahrer des Wagen war ein junger Mann, der mit der rechten Hand das Lenkrad festhielt und die Linke auffällig angespannt unter seiner Jacke, welche in seinem Schoß lag, hielt.
Scheiße, er hatte tatsächlich eine Waffe.
Reid schien von der gefährlichen Situation noch nichts mitbekommen zu haben, da er weiter fröhlich vor sich hin diskutierte. Er bemerkte nicht, wie sich Morgans Griff um seinen Oberarm verstärkte, oder der junge Mann im Wagen langsam die linke Hand hob und den Mund aufmachte, um etwas zu sagen.

„Das muss du dir mal vorstellen! Da sitzen die da einfach, gegenüber von nem verdammten Serienkiller und sie sagt einfach: 'Jau, ich hab dich eigentlich schon immer geliebt'. Ich meine, bitte was? Da wollen uns die Drehbuchschreiber allen ernstes nach vierzehn Jahren klar machen, dass sie doch auf ihn steht?“
„Echt jetzt?“ Die Stimme gehörte zum jungen Mann im Auto, der vor Schreck bei Reids Worten den Motor abwürgte. Reid blieb höflich stehen und drehte sich zu seinem neuen Gesprächspartner um. Morgan wollte ihn aufhalten, doch dazu war es schon viel zu spät. „Aber die ist doch verheiratet!“
„Jaha, das haben die uns denken lassen, aber ne haha sie steht doch auf ihn nach all den Jahren.“
„Was ein Scheiß, gut das ich die letzte Staffel sowieso nicht gucken wollte.“
„Oh, das ist ja gar nicht die letzte! Es kommt noch eine, aber da gibt es dann einen 'Zeitsprung', weiß auch nicht was das noch reißen soll.“
„Wirklich?! Boah, die wollen aber echt nur das Geld haben.“
Morgan fühlte sich wie im falschen Film, als sein junger Kollege und der potentiell gefährliche junge Mann hinterm Steuer mitten in der Nacht auf einer dunklen Straße eine Diskussion über irgendeine nervige Krimiserien austrugen.

„Für mich war nach Staffel zehn eh alles vorbei“, erklärte der fremde Mann gerade, während Reid sofort heftig mit dem Kopf schüttelte.
„Nein, nein, Staffel neun war die letzte richtig gute, danach fing es schon an den Bach runter zu gehen. Ab da haben sie die Schauspieler zu oft ausgewechselt und das schöne Familiengefühl, welches sie in Staffel sieben so wunderbar aufgebaut hatten, war dann selbstverständlich futsch.“
„Oh ja, Staffel sieben war die beste!“
Der junge Mann fuchtelte nun aufgeregt mit beiden Armen umher, um seiner Begeisterung Ausdruck zu verleihen, und schien dabei nicht zu bemerken, dass er dabei versehentlich  auch die Waffe in seiner linken Hand mit herum fuchtelte.
Morgan rutschte das Herz in die Hose.
Das Klingeln eines Handys zerstörte letztendlich den heiteren Meinungsaustausch zwischen Reid und seinem neuen fremden Kumpel. Es war das Handy des fremden Mannes.

„Ah sorry, bro. Muss los. Aber ich wünsche euch noch ne nette Nacht und passt auf, hier laufen oft welche rum, die Leute wie euch ausrauben würden.“
„Ja, wir werden aufpassen, nicht war, Derek?“
Der Mann verabschiedete sich, rollte das Fahrerfenster wieder hoch und bretterte anschließend die Straße hinunter, wobei ihn die rote Ampel an der nächsten Kreuzung nicht zu stören schien.
„Netter Kerl, oder?“, murmelte Reid und wandte sich mit einem Lächeln an den immer noch kreidebleichen Morgan.
„Willst du mich verarsc-“
„So, wo war ich? Ach ja, Serienfinale! Also, hör zu …“

Und so endete ihr Spaziergang wie er begonnen hatte: mit einem angetrunkenen, rede bedürftigen Spencer Reid und einem (nun mehr als) genervten Derek Morgan. Was hätte denn da schon großartigen passieren können, nicht wahr?
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