One More Time

GeschichteAllgemein / P18 Slash
Boris Saalfeld Tobias Ehrlinger / Saalfeld
26.12.2019
13.07.2020
14
19.081
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26.12.2019 1.536
 
Der Regen prasselt gegen das Schlafzimmerfenster und das dämmrige Licht erweckt alles andere als das Gefühl eines anbrechenden Tages. Tobias wirft einen kurzen Blick auf den Wecker, als Boris zur Tür hereinkommt und den Schrank öffnet, um sich das passende Outfit für diesen Tag auszuwählen. Er macht das Licht an und betrachtet ausgiebig und nicht ohne Vergnügen die Kehrseite seines geliebten Mannes. " Warum trägst du eigentlich mein Geschenk nicht?? " Boris schlüpft in eine anthrazitfarbene Boxershort, zieht sich ein weißes Shirt aus einem sorgsam aufgetürmten Stapel und streift es sich über, während er sich zu Tobias umdreht. " Du meinst, dein Nikolausgeschenk ...  diese rote Short mit Pailletten und dem Bommel mitten auf ...?!" Tobias verzieht mißmutig das Gesicht!
" Das ist ne Weihnachtsunterhose und war eigentlich als Aufforderung gedacht, mir ebenfalls ein wenig Freude damit zu bereiten. Aber NEIN, mein Mann ist da ja phantasiebefreit!! " Boris grinst amüsiert und setzt sich zu Tobias auf die Bettkante. " Ich dachte, das wär ein Scherz und habe sie gestern in der Kiste mit der Weihnachtsdeko verstaut. Da wirst du wohl bis nächstes Jahr warten müssen... " Noch bevor Tobias seinem Unmut Luft machen kann, verschließen sanfte Lippen seinen Mund, zärtlich und mit diesem gewissen Etwas, das einen zerfließen lässt, willenlos und vergessend macht... " So, mein Schatz, jetzt aber unter die Dusche, vielleicht heute ein bisschen kälter wie gewohnt! Wir haben noch Einiges zu erledigen!! " Boris hat den Kuss derartig abrupt beendet, das Tobias noch mit geschlossenen Augen und gespitztem Mund vor ihm liegt. Er schlägt die Zudecke beiseite und ein kühler Luftzug umspielt die aufgeheizten Körperregionen und ruft umgehend ein widerstrebendes Murren hervor, von dem sich Boris allerdings unbeeindruckt zeigt. " Los!! Ich mach uns schon mal einen Kaffee!!! "

Der Hund läuft Tobias aufgeregt um die Beine und springt immer wieder an ihm hoch, als der die Küche betritt, im Bademantel und mit feuchtem Haar, welches in alle Himmelsrichtungen absteht. Die Kaffeemaschine vollendet gerade den dritten Cafe Latte, den Boris seinem eher unvollendeten Göttergatten anreicht. " Ich dachte mir, ich kümmere mich um den Einkauf und räum noch ein wenig auf und du besorgst ein Raclette!! " Tobias hat mittlerweile am Küchentisch Platz genommen und wärmt seine Hände an der Tasse. " Ein WAS??? Ist das dieses komische Teil, von dem du so geschwärmt hast? Keine Ahnung, wo man so etwas bekommt! " Er zuckt mit den Schultern, wirft Boris einen kurzen Blick zu, der verrät, das er mit dem Start in diesen Tag so gar nicht zufrieden ist und nimmt einen Schluck Kaffee. " Ja, das meine ich. Jeder Elektromarkt hat Dutzende davon, die verkaufen dir sicher gerne eins!! "
" Ich wollte Nudelsalat ... nicht dieses moderne Gedöns! "
" Schatz, jeder kennt das!! Warum das ausgerechnet vor den Toren von Hintertupfingen halt gemacht hat ... "
" Du machst dich lustig über mich ... und Krauting. In meiner Familie gab's immer Nudelsalat und Fleischpflanzerl!!! "
Boris geht rücklings an Tobias vorbei, wuschelt ihm dabei durch das wirre Haar und setzt sich auf den Stuhl neben ihn. " Hey, tut mir leid. Aber zu viert macht so ein Raclette richtig Spaß, man sitzt gemütlich zusammen und hat viel Zeit, zu plaudern, während man auf das nächste fertige Pfännchen wartet! " Er streicht ihm versöhnlich ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht und küsst seine Wange, eine zärtliche Geste, die ihre Wirkung nicht verfehlt. " Okay, dir zuliebe. Ich fahre nachher los und nehme den Hund mit, dann dreh ich vorher noch ne Runde am Elbufer. "

Der Kühlschrank bietet viel Platz für die zahlreichen Kleinigkeiten, die Boris nicht ohne Vorfreude in ihm verstaut. Sie hatten die Weihnachtstage bei ihren Familien in Bichlheim und Krauting verbracht und waren erst vorgestern wieder heimgekehrt. Den Jahreswechsel wollen sie nun mit Ben und Sandra verbringen, einem befreundeten Ehepaar, welches ihnen vor allem in den schweren Zeiten zur Seite stand und maßgeblich an ihrer Versöhnung und dem Neuanfang beteiligt war. All das liegt nun schon eine ganze Weile zurück und doch ist diese erste große Krise noch nicht völlig vergessen. Der Umzug in eine neue Wohnung steht noch aus, hat sich aus den verschiedensten Gründen immer weiter nach hinten verschoben. Aber Tobias fährt jetzt sein eigenes kleines Auto, es verschafft ihm mehr Unabhängigkeit und auch sonst haben sie sich im Alltag neu arrangiert. Es läuft gut zwischen ihnen, eine zufriedenstellende Basis, um zuversichtlich ins neue Jahr zu starten. Boris dreht die Musikanlage laut auf und öffnet die Terrassentür. Der Regen zeichnet ohne Unterlass Kringel in die Pfütze, die sich auf dem Steinboden ausbreitet, es ist kühl und dennoch zu warm für diese Jahreszeit. Die grauen Wolken hängen schwer über Eppendorf und verbreiten ein trübes, schon fast schwermütiges Licht, welches seiner Laune aber nichts anhaben kann. Er freut sich auf den heutigen Abend, auf eine entspannte und ausgelassene Stimmung und ein sanftes Hinübergleiten in weitere gemeinsame, glückliche Zeiten! Doch vorher gilt es noch, die Überreste der vorabendlichen Chipsorgie zu beseitigen und die Küche gemütlich herzurichten. Boris macht sich an die Arbeit, um das Gröbste fertig zu haben, bevor sein Mann wieder nach Hause kommt, was nicht mehr allzu lange dauern dürfte, da die Geschäfte bereits in zwei Stunden schließen werden.

Die Wohnungstür öffnet sich langsam und Tobias schiebt sich nach dem vorauseilenden Hund, mit zwei großen Tüten bepackt hinterher. Er schlurft mühevoll in die Küche, hinterlässt dabei deutliche Matschspuren auf Flur- und Küchenboden und stellt die Tüten unter einem lauten Aufstöhnen auf dem Küchentisch ab. Dabei fällt ein leerer Wischeimer mit einigen Putzlappen unter lautem Poltern zu Boden und lässt Boris herbeieilen in der Hoffnung, das schlimmste Chaos noch verhindern zu können.
" TOBI, geht's auch nen bißchen vorsichtiger?! "
" Was denn ... ich sollte das Teil besorgen und das hab ich gemacht. Konnte ja keiner ahnen, das es soo schwer und unhandlich ist!!! "
Tobias geht zurück in den Flur, um sich Schuhe und Jacke auszuziehen, während Boris verstimmt den Spuren hinterherschaut, die sein Mann dabei verursacht. Also, Boden wischen, die zweite ... zum Glück bleibt noch reichlich Zeit, bis ihre Freunde eintreffen. Er widmet sich dem Inhalt der Einkaufstüten und packt das Raclette vorsichtig aus.
" Sag mal, eins für 12 Personen ... wir sind zu viert!!! Gab's keine kleineren mehr??? "
" Es gab nur noch die mit den Minipfännchen! Da hab ich gedacht, dann hat jeder von uns drei, dann passt es wieder! "
Tobias, inzwischen zurückgekehrt, schenkt sich ein Glas Mineralwasser ein, lehnt sich an die Arbeitsplatte und deutet mit einem gewissen Stolz auf die Ausbeute seiner Einkaufstour. Ein wenig verunsichert ob der Ernsthaftigkeit dieser Erläuterung lächelt Boris ihn an. " Schatz, Tobi ... die Pfännchen sind immer so klein, das ist ja gerade das Besondere am Raclette. "
" Dein Ernst?? Aber da wird man ja gar nicht satt, bei diesen Portiönchen, da sitzen wir ja Stunden dran?! "
Nun ziemlich sicher, das Tobias ihn necken will, geht Boris auf ihn zu, gibt ihm den gewohnten Doppelkuss und legt seine Hände auf dessen Hüfte. " Angekommen, ich hab's verstanden! Du willst mich ärgern, sozusagen als kleine Rache für heute Morgen. "
" Hä, wieso Rache??? Ich hab das gemacht, was ich sollte und jetzt ist es auch nicht Recht!!? Dann geh es doch umtauschen, wenn du mal wieder Alles besser weißt! " Tobias windet sich aus der innigen Berührung, stellt energisch sein Glas ab und geht in Richtung Wohnzimmer. Okay, was genau hat ihm jetzt die Laune verhagelt? Es gibt gar keinen Grund, derartig patzig zu reagieren. Vielmehr hätte ER einen, schließlich verbreitet Tobias mit seiner Unachtsamkeit erneutes Chaos und er hat jetzt die doppelte Arbeit,  den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. Boris folgt ihm und trifft ihn vor der weit geöffneten Terrassentür an.
" Hey, was ist los? Warum bist du sauer? " Tobias schaut mit finsterer Miene in den prasselnden Regen hinaus, die linke Hand auf seine Gehhilfe gestützt, die rechte Hand tief in der Hosentasche vergraben. " Ich weiß, ich komme vom Dorf, da geht es halt meistens etwas einfacher zu. Aber du schaffst es immer wieder, das ich mich dafür schäme, das ich manche Dinge nicht kenne, nie kennengelernt habe! Du bist halt anders aufgewachsen, aber das musst du mir deshalb nicht immer wieder vorhalten. "
Erschrocken über diese unerwartet offenen Worte, streichelt Boris ihm sanft über den Rücken und schaut ihn von der Seite an, bis Tobias sich ihm zuwendet. " Glaub mir, das war keine Absicht, ich wollte dich nicht bloßstellen. Du hast ja Recht, ne gewisse Arroganz schwingt da manchmal mit ... aber ich liebe dich, so wie du bist!! Auch deine gelegentliche Verpeiltheit, das gehört einfach zu dir und das möchte ich auf keinen Fall missen! "
Tobias Augen bleiben unterkühlt, kein Funken der Zuneigung, keine versöhnliche Geste. " Ich bin mir da nicht sicher ... "  Er dreht sich um und verschwindet leise im Schlafzimmer. Boris bleibt verunsichert zurück, jedoch mit der Gewissheit, das die Unstimmigkeit sicher nur eine vorübergehende Laune ist und der gemeinsame Abend wie geplant verlaufen wird. Tobias legt sich sicher nochmal hin und er hat freie Bahn, um erneut durchzuwischen und in der Küche wieder Ordnung zu schaffen. Noch drei Stunden, bis Ben und Sandra eintreffen ...
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