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Horseland - Alpenveilchen

von JaliceTo
OneshotFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
26.12.2019
26.12.2019
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Horseland - Alpenveilchen

Wenn man die einzige Katze von Horseland mit einem Wort beschreiben müsste, würde gehässig wohl wunderbar passen. Denn Angora war keine Schmusekatze, die spürt wenn es den Menschen und Tiere um sie herum schlecht geht, die mit ihre Nähe und einem wohlwollenden Schnurren Trotz spenden möchte und ´lieb´ ist. Nein man sollte sich der Katze am besten nicht nähern, wenn sie sich am putzen, am schlafen oder am umher stolzieren ist. Sie ist ein sehr eigenwilliges Tier und hasst es wenn die Menschen auf die lächerliche Idee kommen, man könnte sie ja aufheben und mit ihr kuscheln. Ein paar unschöne Kratzer haben Zoey und Chloe damals abbekommen, als sie das erste mal auf Angora gestoßen sind. Sie wusste sich zu wehren und würde ihre Krallen jedes mal einsetzten. Sie war nicht die typische Katze und darauf war sie stolz.

"Angora? Kommst du mit mir spielen? Ich glaube die Kinder haben einen Ball auf dem Reitplatz liegen lassen. Das wird bestimmt viel Spaß machen?"

Die piepsige Stimme von Trine störte Angora bei ihrem Schönheitsschlaf. Konnte diese nervige kleine Schwein nicht jemand anderen nerven? Sah sie denn nicht das man Katzen nicht beim schlafen stören sollte? So gab die ältere keine Antwort und stellte sich schlafend. Wer hatte schon Interesse daran mit einem blöden Ball zu spielen? Das war so ein Menschending - oder etwas für den Hofhund Chef. Aber sie und ein Ball? Nein das würde Trine nicht erleben. Nur war das kleine Schweinchen zu Angoras Leidwesen sehr hartnäckig und wiederholte die Frage erneut.

"Kein Interesse", grummelte Angora und drehte sich auf dem Strohballen einmal herum, um eine bequemere Position zu finden - aber sie rechnete nicht damit, dass Trine auf diesen Strohballen sprang und sie damit zu Tode erschreckte. Angora machte eine Buckel nachdem sie aufgesprungen war und funkelte das Schweinchen wütend an.
"Was verstehst du an dem Wort kein Interesse nicht? Verschwinde und nerv jemand anderen Trine. Ich habe kein Interesse an einem dämlichen Ballspiel", grummelte Angora genervt und sprang vom Heu um sich irgendwo draußen eine ruhigere Ecke zu suchen. Eigentlich hatte sie gehofft das die Stallungen ruhig wären, wo alle mit den Pferden auf einem Ausritt waren - aber da hatte sie die Rechnung ohne Trine gemacht. Die leisen Schritte der Hufe des Schweinchen signalisierten Angora, dass Trine ihr dicht folgte, aber sie ignorierte es.

Irgendwann wurden die Schritte leiser und die Katze war froh, dass Trine es verstanden hatte und sie endlich in Ruhe lies. Das glaubte Angora zumindest so lange bis sie Trine mit sich selbst sprach und Angora eben jenen Satz dank ihres guten Gehörs wahrnahm.

"Oh die sehen aber lecker aus. Ich wette das sind gesunde Blumen"

Eine Alarmglocke meldete sich in Angora und bevor sie wusste was sie tat, trugen sie ihre Pfoten zurück zu Trine, die über ein paar Blumen im Gras stand gerade dabei war, etwas davon zu probieren. Angora wusste selbst nicht woher sie auf einmal diese Kraft nahm, aber sie hechtete zu Trine und verpasste ihr einen Hieb mit ihrer Pfote ohne die Krallen auszufahren - es reichte schon das Trine einen großen Schreck bekam.

"Bist du von Sinnen Trine! Willst du dich verdammt noch mal vergiften! Friss nicht alles von dem du glaubst es wäre gut!", fauchte Angora aufgebracht und Trine wollte zu einem Protest ansetzen, aber Angora lies sie nicht einmal aussprechen. Sie hob erneut ihre Pfote und fuhr ihre Krallen aus - was Trine dazu veranlasste ein panisches Quicken von sich zu geben.

"Lass Sie in Ruhe Angora!"

Auf einmal hatte sich Chef beschützend vor Trine gestellt und knurrte Angora an, was die Katze nur einem aggressiven Fauchen erwiderte.
"Was hättest du gemacht wenn sie etwas giftiges Gefressen hätte, weil es ja schön aussah Chef! Etwas wie ein Alpenveilchen vielleicht!", sagte Angora voller Hass und fauchte sowohl Chef als auch Trine, die sich ängstlich hinter Chef versteckte an, ehe sie fort lief. Weit fort von den Ländereien die zu Horseland gehörten. War es so falsch gewesen dass sie Trine hatte eine Warnung verpassen wollen? Für ihre Naivität und der Gefahr, die sie sich ausgesetzt hat. Was wäre geschehen wenn das Schweinchen mit der liebenswerten pinken Schleife tatsächlich etwas von einem Alpenveilchen gefressen hätte?

Sie wollte sie nur schützen. Sie wollte Trine davor schützen einen Fehler zu begehen, der das Leben des Tieres schneller ein Ende setzen könnte als das man den Tierarzt hätte benachrichtigen können. Vielleicht würde sie es verstehen wenn Angora ihr einen gehörigen Hieb mit ihrer Kralle verpassen würde. Bei Zoey und Chloe hat es auch funktioniert.

"Angora?"

Sie hatte es auf einen alten Zaun gezogen, elegant wie immer saß sie auf dem kaputten Holz und beobachtete mit kühler Mine, wie Chef nun auf sie zukam. Natürlich hatte er hinter ihr her rennen müssen. Dürfte sie nun eine Rede erwarten, wie falsch es doch war Trine so erschreckt zu haben?

"Wenn du mir erzählen willst, wie viel Angst Trine nun hat, kannst du dich gleich auf den Rückweg machen Chef! Ich brauche deine Ratschläge nicht", sagte Angora arrogant.

"Du hast ihr einen großen Schreck eingejagt Angora. Und ich frage mich was in dich gefahren ist. Du hast noch nie jemanden von uns mit deinen Krallen angreifen wollen. Warum jetzt?", forschte Chef nach und der Collie machte sich Sorgen. Er kannte Angora nun schon eine Weile und auch ihre Launen. Doch so extrem ist es noch nie gewesen und er wollte wissen ob mehr dahinter steckte.

"Dich würde es nicht interessieren Chef! Es ist nicht deine Angelegenheit", bekam er nur als Antwort von Angora zu hören.

"Wenn du dich unmöglich verhältst wird es zu meiner Angelegenheit Angora", sagte Chef und setzte sich vor den Teil des Zaunes, auf dem Angora saß.

"Ich will nicht das Trine einen Fehler begeht, der ihr Leben beenden könnte! Ich würde alles für ihren Schutz tun Chef!", brachte Angora aufgewühlt hervor und die Panik in ihren grünen Augen kannte Chef so auch nicht. Dann auf einmal sprang Angora vom Zaun, setzte sich vor Chef und es spiegelte sich Trauer im Gesicht der Katze - etwas das Chef noch nie bei Angora gesehen hatte.

"Kennst du jemanden, der diesen Fehler begangen hat Angora?", fragte Chef vorsichtig nach. Ein zustimmendes Nicken war die Antwort von Angora.

"Es war Monate bevor ich nach Horseland kam. Bevor Will und Benny mich aus diesem Tierheim geholt haben Chef...." - und so fing Angora an eine Geschichte zu erzählen, was sie bisher für sich behalten hat.




Es war ein sonniger Nachmittag die Natur rund um das Landhaus, in dessen großen Garten die stolze Türkisch-Angora Katze sich hingelegt hatte, um die warmen Sonnenstrahlen zu genießen. Ihre Besitzer würden später nach Hause kommen und für sie das beste Futter mitbringen, so wie es sich für eine Luxus Katze gehört. Ihr gehörte die Welt und das ließen ihre Besitzer sie jeden Tag spüren - Angoras Leben war absolut perfekt.

"Mooomy? Darf ich den Schmetterling fangen gehen? Darf ich? Darf ich? Bitte?"

Sie öffnete ihre grünen Augen und betrachtete eines ihre jungen Kitten , die noch nicht zu neuen Besitzern gekommen waren, ehe sie einmal müde gähnte. Der Garten war eingezäunt, groß genug und wenn diese kleinen Kitten auf Erkundungstour gehen wollte, sollte es das tun. Immerhin war das einzige Katzenbaby das noch bei Angora war mittlerweile 1 Jahr alt. Sie musste nicht ständig hinter ihr herlaufen und irgendwo war Angora auch froh darüber. Sie liebte all ihre Kitten und ihr Herz hatte so sehr geschmerzt- irgendwann musste man seine Kinder loslassen und es hat eine Weile gedauert, da hat Angora angefangen, ihre zurück gewonnene Freiheit zu genießen.

"Solange du nicht über den Zaun kletterst Ava - aber lass mich weiter schlafen ja?", kommentierte Angora und beobachtete noch wie das kleine Kätzchen mit so einer Freude und Motivation im großen Garten herum rannte, auf der Suche nach Schmetterlingen, die sie fangen könnte. Währenddessen würde Angora wieder ins Land der Träume zurück kehren.

"Momy schau da sind ganz schöne Blumen - die riechen so toll"

Es kam Angora vor als hätte sie nur Zehn Minuten geschlafen, ehe Ava erneut vor ihr stand und von den vielen Blumen schwärmte, die es im Garten gab.

"Unsere Besitzer legen wert darauf zu zeigen, was sie haben Ava. Und Blumen gehören dazu. Sie sind besonders wie wir", erwiderte Angora ohne ihre Augen zu öffnen und spürte nur, wie Ava um sie herum lief und davon schwärmte, wie toll diese Blumen mit den lila-weißen Blüten doch ausschauten.
"Könne wir sie uns zusammen ansehen Momy? Oh und dann können wir gemeinsam nach Schmetterlingen suchen ja?", fragte Ava aufgeregt nach und stupste Angora mit der Pfote an.
"Ava Liebling - ich würde mich gerne ausruhen ja? Geh spielen", konterte Angora nur und Ava plapperte drauf los, dass sie einfach doppelt so viel Spaß haben würde, für sich selbst und für Angora, ehe das junge Kätzchen davon lief.

Einige Momente später rappelte Angora sich doch auf, ihr vorhandener Mutterinstinkt veranlasste sie dazu, noch Ava zu sehen und sie fand das junge Kätzchen über ein paar Blumen gebeugt, etwas kauend und voll in der Situation vertieft. Vorsichtig schlich Angora näher und sah die zahllosen lila-weißen Blütenblätter die rund um Ava herum verteilt lagen. Mit einem mal spuckte das Kätzchen ein paar restliche Blütenblätter aus und das rote was an den Blättern klebte lies Angora einen eiskalten Schauer über den Rücken laufen.

"Ava - wie viel hast du von den Blüten gegessen?!", wollte Angora panisch wissen und bekam zuerst nur ein schmerzhaftes Miauen als Antwort.
"Nur ein paar Momy - die schmecken aber gar nicht so toll wie ich dachte - mein Bauch tut weh", sagte Ava und Angora wollte etwas tun, sie wollte dem Kätzchen helfen, aber das Gift des Alpenveilchens, was für Katzen tödlich sein konnte, schien sich im Körper des Kätzchen schon ausgebreitet zu haben, denn auf einmal sank Ava zu Boden und gab schmerzhafte Laute von sich.

"Momy wird Hilfe holen Ava - alles wird gut werden", Angora wollte zurück ins Haus rennen, um die Menschen, von denen sie das Auto die Einfahrt hinauf fahren gehört hat, zu alarmieren, aber Ava winselte ihren Namen und das sie bleiben sollte. Angora wollte ihr in Gefahr schwebendes Kind nicht alleine lassen, aber wenn sie nach dem Fressen der giftigen Pflanze nicht schnell die tierärztliche Versorgung bekommt, die ihr zusteht wird es nur noch schlimmer werden.
"Ich muss die Menschen herholen, damit sie dir helfen können Ava - du musst zum Tierarzt, wenn du eben nur ein paar der Blüten gefressen hast, können wir dir noch helfen", sagte Angora und wollte sich von dem Kätzchen entfernen - als Ava einen Satz mit viel Kraft aussprach.

"Vor ein paar Stunden ging es mir doch gut Momy - ich habe viel von den schönen Blumen gegessen - warum tut mein Bauch jetzt so weh Momy?"

Angora stieß ein lautes Miauen aus, mehrere male Hintereinander und es kam der Schönheit wie eine halbe Ewigkeit vor, bis ihre Besitzer aus dem Haus gestürmt kamen, kurz an ihr vorbei rannten und sich über Ava beugten. Angora wollte sich dem Geschehen nähern, aber das Weinen ihres Katzenkindes brach ihr das Herz und das Blut das aus dem kleinen Maul lief war zu viel - mit viel Kraft legte Angora sich neben ihr sterbendes Kind und wollte ihm die Wärme geben die es brauchte.

Aber als das kleine Herz aufhörte zu schlagen und der Tierarzt, den die Besitzer angerufen hatten, welcher in dern Garten gerannt kam - brach eine Welt für Angora zusammen. Es war zu spät um ihr Kind zu retten. Warum hatte sie nicht besser aufgepasst?


Ein weiterer Schlag sollte die schöne Katze Tage später treffen, denn ihre Besitzer hatten ihre noch verstärkte aggressivere Art nicht mehr ertragen können, sie verstanden nicht das Angora sich im Trauer Prozess befand und niemanden sehen wollte - ihre Besitzer setzten sie ohne Bedenken oder Reue vor dem Tierheim aus. Das Vertrauen in die Menschen war erschütter und die Vorwürfe, die Angora sich machte ließen sie nachts nicht einschlafen.

Der einzige Lichtstrahl der Hoffnung war der Tag, wo Benny und Will in das Tierheim kamen und ihr eine Fahrkarte in ein besseres Leben schenkten - als sie Angora mit nach Horseland nahmen...



Eine Träne bahnte sich den Weg über Angoras Wange und tropfte auf das Gras. Sie hatte noch nie jemanden von dieser Geschichte erzählt und auch wenn der Verlust von Ava so lange zurückliegt, so vergeht kein Tag wo sie nicht an ihre Tochter denkt - die Trine in so vielen Charaktereigenschaften so verdammt ähnlich ist.

"Ich war einen Moment unachtsam, Ava kannte die gefahren und irgendwas hat sie dazu verleitet dieses Alpenveilchen zu fressen - meine damaligen Besitzer haben nicht verstanden, das ich mein Baby verloren habe und haben mich entsorgt Chef", beendete Angora ihre Geschichte und ihre grünen Augen suchten nach denen von Chef.

Doch der Collie schüttelte nur den Kopf. Es war nicht Angoras Schuld gewesen. Die Mensche hatten versagt und sollten keine giftigen Pflanzen in ihrem Garten haben, wenn sie Tiere draußen herumlaufen lassen.

"Es ist nicht deine Schuld gewesen Angora", sagte Chef und Angora schüttelte nur den Kopf. Sie hätte besser aufpassen müssen und diese Menschen, von denen sie so enttäuscht war, hätten schneller den Tierarzt holen sollen.

"Ich hatte nicht einmal die Gelegenheit gehabt, mich von Ava zu verabschieden. Und Trine erinnert mich so sehr an Ava - ich will nicht noch einmal jemanden verlieren der durch eine Vergiftung sein Leben verliert"

Chef ging einen Schritt auf Angora zu und auch auf die Gefahr hin, ein Fauchen oder einen hieb mit ihre Pfote zu bekommen, aber es war ihm egal - er rieb seinen Kopf an der Schulter von Angora  und sie lies es zu. Es war ein bittersüßer Moment wo sie erkannte, das sie nicht immer fies und gemein zu den Freunden sein musste, denen sie wichtig war - und Angora wusste auch das Chef niemandem diese Geschichte erzählen würde.
Und dafür war Angora ihm unheimlich dankbar. Doch den Hass auf Alpenveilchen würde sie niemals ablegen können.


ENDE
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